Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1905)
- Date
- 1905-03-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Seite 115. No. 11 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Arbeit dürfte zwei Abende in der Woche beanspruchen. Meldungen von Gesinnungsgenossen werden an Herrn Max Wolisteiner, Berlin N.W. 23, Holsteiner Ufer 10, erbeten. Zum Kampf um die Gleichberechtigung (ScMu<s.) So steht es mit dem Kampf um die Gleichberechtigung der Juden aut dem Gebiete des Rechts. Seine Wurzel hat aber der Judenhass in den oben angeführten anthropologischen und folglich auch sozialen Gegensätzen. Und cs kommt für den Kampf um die Gleichberechtigung noch ein zweites Gebiet in Betracht, miniüch das gesellschaftliche. Auch hier findet, was nicht geleugnet werden kann, eine prinzipielle, durch wenige Ausnahmen korrigierte Ausschliessung der Juden statt. Auch hier wehrt sic 11 das deutsche Volk; in dem richtigen Instinkt, dass der sozialen Annähe ring ein!:■!!dringen in sein offizielles Leben folgen werde und aus Antipathie gegen den üusscrlicli verschiedenen, traditionell verächtlichen, mitunter noch heute sklavischen Juden. Ich hai סי die Anfeindungen gegen die Juden zur Genüge erörtert und begehe mich jetzt aut die andere Seite des Kampf- Platzes und betrachte die (icgenwdirinassregel.1 der Juden, wieder speziell in de: Gegenwart in IVutsehland. Beschäftigen wir uns zuerst mit den: Kampi auf dem sozialen Gebiet. Ls gibt hier zwei KampiVsmethoden; die eine ist persönlich, de andere öffentlich, Erstcre wird betätigt sei es durch Waücnstreckcu der Juden. Ergebung auf Gnade und Ungnade: Assimilation und Taufe, *err.er durch Unterhandelst wegen, der Übergabe durch Antreuaden an christliche .Miibiirger unter Beibehaltung des Judentums. Letztere Methode ist die. in der Öffentlichkeit durch beliebige Vertreter der jüdischen Gesamtheit. vor allem die Abwchrvcrenc. zu schmollen und zu sagen die Christen wären ungerecht und die Fehler der Juden nicht so gross, diese bemühten sich ja adeln sich ntöglichst gesittet zu fce::ch;.*.en und das Sklaventum abzuschiitteln. sie seien treue Glieder der deutschen Nation, ihre Ethik sei nicht schlechter als die christliche und die Abstammuug. die müsse man vergessen, da die Juden schon so lange im Lande seien und auch .nicht alle Deutschen reine Germanen seien. Letzteres ist ja richtig, aber jene fremden Völker haben sich mit dem Grundvolk, wofür man die Gerinanen hält, vermischt die Fremdheit ist durch Verschwägerung vergessen worden. Der Jude aber hat sich nie vorschwägert, er ist ein Eigenwesen im Lande geblichen alle seine Zeit. Und das empfindet der Christ und handelt danach. Darun; sind diese Methoden verfehlt, durch die Taufe wird die Gleichberechtigung zwar erreicht aber nicht mehr von Juden, das ist zu beachten: die Anircimdung ist tatsächlich I missglückt und die Argumente In der Öffentlichkeit haben ' nichts gefruchtet. Ich komme jetzt zum Kampf auf dem Gebiete des Rechts. Hier ist neben den Abwehrvercinen vor allem der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens tätig. Dieser will den Juden auf dem \Vc.gc des Pochens auf das geschriebene Recht, das. wie wir wissen, ja das Leben nicht allein beherrscht, den Juden die Positionen erringen, die noch nicht erobert sind. Er begründet seine Forderungen eben damit, Ha« die Juden Deutsche seien und ausserdem nur eine Religion?- gemeinschaft, wie die katholische auch, die ja in praxi gleichberechtigt ist. Er konfundiert in seiner Theorie die Begriffe: i Deutscher von Nation und Deutscher als Staatsbürger, und aus diesem logischen Fehler ergibt sich dann seine bekannte J Doktrin. Inden! er richtig bemerkt, dass die Taufe die Zu- lassung der Juden zu den Staatsämtern ermöglicht, zieht er den iakchcn Schluss, dass es sich bloss um eine Rclig'ons- und .nicht um eine Nationalitätenfrage handele. Wenn man nach der Taufe dem Juden die Stellung gibt die er verfangt, so tut man cs deshalb, weil man mit Recht glaubt ih!1 daun durch Mischehe zu amalgamicrcn und was nutzt dann sein Vorteil den Juden oder gar dem Judentum? Diesem nichts, jenen seiten etwas, mitunter hat er sogar geschadet. Darum verurteilt auch der Zcntraverein mit Recht die Taufe. Aber seine übrigen Theorien und Kampfesmethoden sind falsch. Seine Theorien sind ferner unannehmbar für den Zionismus und die Orthodoxie, die stets daran festgehaltea i haben und es auch noch heute tun. dass die Juden eine Nation sind. Sie sind annehmbar für die. die nur noch dem י Namen nach, nur noch durch Tradition Juden sind. ׳ Die 1 Gegensätzlichkeit der beiden Stämme kann nur durch physische; Vermischung beseitigt werden, weit sie anthropologisch begründet ist. Und so ist diese Tätigkeit im Grossen ur.d Ganzen j nutzlose Kraftvergeudung seitens der Juden, wenn sie auch vielleicht hier und da geringe Erfolge zeigt. Ihre Nutzlosigkeit ergibt siel! daraus, dass sie einer symptomatischen Behandlung : gleicht, au Symptomen kuriert, aber das ( bei l>cstehen lässt. Wir wissen, dass innerhalb eines gesunden Organismus ein Fremdkörper - - es sei denn, dass er eingckapselt ist, wie die Juden zur Zeit des Ghetto — nur verweilen kann, wenn er sich auflöst und unweigerlich in seiner Totalität dem Willen des Hauptorganismus unterordnet. Und darum wird jeder Kampf der Juden, jetzt wo die Ghcttomauern wenigstens äusscrlich gefallen sind, unter ihren Wirtsvölkern als eine Gesamtheit iortzubestehen. auf d:c Dauer unmöglich sein. Es wird eine immer stärkere Zersetzung und Auflösung der jüdischen Gesanuntheit naturnotwendig erfolgen, und bis dieser Zersetzungsprozess vollendet ist, wird es viel Unbehagen auf beiden Seiten geben. Und zuletzt werden die Juden verschwunden sein. Es wird sein wie beim einzelnen Juden nach der Tauie. so auch hei der Gesamtheit! Gleich berechtigt werden sie sein, aber keine* Juden mehr. Und darum gibt cs iiir die Juden nur einen Weg, Gleichbercchtigung zu erlangen: wenn sie nicht mehr zerstreute Organe. Fremdkörper in Organismen, sondern selbst ein Orhinausgesandt Boten zum Unterhandeln־. Aber die Boten wurden, ohne gehört zu sein, zu lode gemartert vor tinseru Augen, unser Schicksal uns verkündend. Fetus. der grimmige Prokonsu!. zeigt drohend und mit wütender Geberde an! mich, wenn er mich erblickt auf der Mauer, dann richten die Bogenschützen ihre Pfeile auf mich, die Wurfgeschosse fliegen auf mich ein — aber sic prallen ab van! Panzer und verfehlen ihr Ziel. — Und ihr seid nicht Juden von Jerusalem, ihr Männer von Antiochcia. Drinnen tm Hoiratim sitzen sie wehklagend, (lern gälten sic mich und alle iiir ihre Erlialtung. Aber der mordtrunkene Sieger verlangt alle zum Opfer. Wenn die Grundpfeiler des Gebäudes wanken, jammern sie auf, wenn ein Balken von den erzitternden Zinnen stürzt, heulen sie empor. Nur Schulamith, ihren greisigen Vater stützend, wandelt umher und ermutigt die Bebenden. Sic’ erinnert au den Gott Israel’s, der mit Hilfe nahe ist, sie spricht vom rettenden Tode, der Schmach und Druck beendet, sie erzählt von den Helden Jotapat's. die sich dem Tode statt dem Feinde gegeben. Aber sie hören unwillig, und schmähen sic und Gottes Yerhängms. Es ist wieder Nacht geworden, und das dunkelblaue Zeh des Himmels ist mit Sternen besät. Draussen und drinnen Ist es still geworden. Die Mordlust und die Verzweiflung schlummern beide, nur durch die Mauer getrennt. Ich lehne mich an einen Vorsprung des Eckturms und schaue hinaus. Dort im Mittag liegt die Trümmerstätte •Jerusalems in weiter Ferne,־ und aut ihr ruhen die Kämpfer und die Geschlachteten, unbegraben. ein Frass des Schakals und der Geier. Ich sinne nach, was werden wird aus Israel, von dem ein Glied nach dem andern dem Schwert anheim fällt, aus dessen uuverharschten Wunden immerfort das wärmste Herzblut strömt. Laut rufe ich in die Nacht: Wo bist du nun, Israel? Nirgends. Wo deine Heimat? ’ Nirgends. Wo dein Mittelpunkt? Nirgends. Ist das Juda, was da als Bröekelgestein geworfen ist über Süd und West, ein Körnlein überall hin? Bist du gewandert vom Nilos, hast du gekämpft und gelebt durch anderthalb Jahrtausende, um mm als. zitternder, zagender Greis unter die Völker zu wandern? Was solltest du? wie lange wirst du noch sein? Wozu? Verstehet dich Jemand? dein Seufzen, wie dein Weinen, deine Kunde und deinen Glauben? Spotten sic; nicht alle deiner, der stolze Römer, der eitele Grieche, der sklavische Syrer, der versteinerte Acgypter? Was sollst du ihnen bei ihnen? Willst du dich nicht verlassen, wie dein Gott? . .. i