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Jüdische Rundschau · 1905-03-10 · Heft 10 (10.3.1905) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 10. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 109. kürzlich als den seinen proklamierte: Das Ostafrikaprojekt gehe den Zionismus als solchen nichts an; er könne günstigen* falls lediglich eine Vermittlerrolle übernehmen. 1 Berlin Die Jüdisch-nationale Fraucnver• c i n i g u n g veranstaltet gemeinsam mit der Berliner Zionistischen Vereinigung am Donnerstag, d c m 23. Mär z, nachmittags 3 Uhr, in der Brauerei König- Stadt, Schönhauser-Allcc 10/11, einen Purim - Kinderball mit Tanz- und Theaterauiiiihrungen. Billets fiir Erwachsene 50 Pf. Kinderhillcts (inklusive Kaffee. Kuchen und Garderobe) 30 Pi. sind zu haben bei Frau Lina Wagner- Tauber, Prenzlauer- Allee 9. Frau Regina Holländer. Lothringerstr. 72, h der Expedition der Jüdische« Rundschau, August- Strasse *19a (Nachm. *1—6). u!!d im Zcntralburcau, Fricdrichstr. 58II (nachm. 2—6). Berlin. Im jüdischen Turnverein ״Bar Kochba“ spricht am Sonntaß. dem 12. März, nachm. 5 צי Uhr. Herr E I i a s A!! c r - hach über ..Religiöses und Nationales im Judentum". Gäste sind!!erzielt willkommen. Ort: Restaurant Lcvy, Gontardstrassc 2. Z.—B. Danzig. Im Anschluss au den Vortrag von Dr. Albert Goldberg fand am Mittwoch, dem 22. v. Mts., eine Besprechung der Danziger Zionisten zwecks straiierer Organi* satiou der Danziger Zionisten statt. Es wurde ein Komitee von 4 Mitgliedern, den Herren Benno Jacob!, J. Rechenberg. 0. Salzinann und Nachniainsolm. gewählt und beschlossen, für sämtliche Mitglieder au; die JÜDISCHE RUNDSCHAU zu abonnieren. Wir w iiibclicn der Ortsgruppe ein recht schnelles Wachstum, damit der Zionismus in Danzig endlich festen Fuss fasse. Hamburg Am letzten Donnerstag hielt in der hioig.n Ortsgruppe Herr M. Goklschmidt einen mit grossem Bein!! aiifgenonnncneu Vortrag über ..praktische Palästinaarbeit". Der Redner verbreitete sich über die dem politischen Zionismus obliegende systematische Vorarbeit in Palästina 1״׳d die Notwendigkeit einer wisse tschaftlichcn Erforschung aller nal-'istiiiischeu Verhältnisse. Eine rege Diskussion folgte dem Vortrag. Vortrag. Duisburg. Am Donnerstag, den 2. März, sprach vor einer grossen Versammlung in der hiesigen Ortsgruppe Dr. Friede mann* Wiesbaden über .Palästina — Land und Leute“. Eine Reihe vorzüglicher Lichtbilder erläuterie die anschaulichen Schilderungen des Vortragenden aufs Beste. Am Schluss wurde eine Sammlung veranstaltet zur Eintragung Dr. Friedemanns ins Goldene Buch des Nationalfonds. Emden. Vor grösserer Versammlung sprach hierselbst am Sonntag, dem 5. März. Rechtsanwalt Sammy Grone mann aus Hannover über das Thema: ..Der Zionismus und die deutschen Juden“. Die hinreissende, feinsinnige und dabei allgemein verständliche Vortragsweise unseres üronemain. verfehlt auch hierorts ihr»: Wirkung nicht, dafür zeugte der allgemeincBeifall, sowie die sofortige Anmeldung von 8 neuen Mitgliedern und •1 Sehekclz.chleri! zur hiesigen Ortsgruppe ..Lcmaan Zion“. An der nächstfolgenden äusserst anregenden Diskussion, welche direkt gegnerische Ausführungen nicht zeitigte beteiligte sich u. a. in hervorragender Weise Herr Landrabbincr Dr. L ö b. Die Leiter der Kolonie Rlschon l’Zlon haben in ihrer letzten Sitzung folgende Namen für die acht Strassen der Kolonie beschlossen: Rothschild, Herz!, Erlanger, Dr. Pinsker. M״hilewer. Lcwontin. D'ror (Freiheit) und Jerusalem. Rundschau *SEX. Russische Polizeimethoden Am 23. Januar, nach den Metzeleien in Petersburg, zahlte die Polizei an eine Anzahl Strolche ie 10 Kopeken, damit sie die Schaufenster der Läden cinschlugcn, um so Erbitterung unter der Geschäfte betreibenden Bevölkerung gegen die Studenten und Arbeiter Uervommden, denen diese Ausschreitungen 11atiirlich in die Schuhe geschoben wurden. Das furchtbare Blutvergiessen im Kaukasus wurde durch agents provocateurs hervorgerufen, die von der Regierung bezahlt wurde 1. um die Tataren gegen die Armenier aufzulietzen. Überall in Riga werden fetzt offene Aufrufe verbreitet, in denen jedermann aufgefordert wird, dem leuchtenden Beispiel von Ki seit! new׳ und H o in e I zu folgen und die Juden .aus/.!״ ulten. Diese Aufrufe werden tatsächlich den Passanten auf der Strasse in die Tasche gesteckt. Am letzten Sonntag wudreu zwei als Studenten verkleidete Polizeiagenten in einer AFbeiterversammlung entdeckt, in die sie sich begeben hatten, um die Studenten zu diskreditieren und Streit zwischen ihnen und den Arbeitern zu säen. Die Arbeiter erkannten die beiden Agenten, misshandelten sie schwer und warfen sie hinaus. Endiicli kommen aus dem Süden Gerüchte, die der Korrespondent des DAILY TELEGRAPH itir den Augenblick nicht nachprüfen kann, dass eine Massenmetzelei unter den Juden fiir einen nahen Zeitpunkt geplant ist. Jüdische Sorgen In Pilsho (Galizien) Hess sich neben dem autorisierten Rabbiner der dortigen jüdischen Ktiltusgcrnemdc ein anderer Rabbiner nieder, der als Wundcrmann galt und bald zahlreiche Anhänger gewann. Er gehörte einem besonderen Ritus an. der als ״Ropczycer“ Ritus bezeichnet wird. Seine Anhänger kamen nunmehr um Bewilligung eines besonderen Bethauses mit Gottesdienst nach Ropczycer Ritus ein. Die Kultusrepräsentanz verweigerte die Genehmigung. Die Statthalterci hob jedoch das Verbot auf. Eine von der KultusgcmcinJc eingebrachtc Beschwcrde wurde vom Vcrwaltungsgerichtsho! verworfen. In der Begründung heisst es: Da der behauptete Ropczycer Ritus bestehe, diiriten die Anhänger desselben nach dem Gesetz in dieser ihrer Religionsübuiig nicht behindert werden. * - Der Vcrwaltuiißsgcrichtshoi mag ja gesetzlich entschieden haben, aber die Juden häuen. w ie vir dächten, in diesen ernsten Zeiten doch auch in Pilsho in Galten noch einige andere Sorgen als rituelle Streitigkeiten. Simon-Stiftung De! in Hannover kürzlich verstorbene Konsul Simon hat etwa drei Millionen Mark־ für •wohltätige und gemeinnützige Zwecke gestiftet. Insbesondere wird eine Stiftung errichtet mit der Bestimmung. Hand- und Fabrikarbeit. Handwerk und Landwirtschaft, Garten- und Obstbau unter de 1 Juden in grosserem Umfange zu verbreiten. Die von dem Verstorbenen vor zwölf Jahren begründete israelitische Erziehuugsanstalt AI! 1 e tri und der Hilfsfottd für ehemalige Lehr- Unsre dieser Anstalt erhielten je 100 000 Mark. Christliche Humanität Unter dieser Spitzmarke berichteten wir in voriger Nummer über das $ c h ä c 11 t verbot, das der Wiener Geiucmderat einstimmig angenommen haben sollte. Wir entnahmen diese Nachricht dem ISRAELIT, der uns in solchen Fragen als unbedingte Autorität galt, wenn er auch in anderen Dingen bekanntlieh nichts weniger als das ist. Nun stellt sich heraus, dass sogar hier, aut seinem ureigensten Gebiete das Mainzer Blättchen von der sonst an ihm gewohnten Zuverlässigkeit ausgezeichnet wird. DIE WELT meldet näinlicli fetzt, dass das betreffende Referat von der Tagesordnung abgesetzt und auf später verschoben worden sei. wegen Ab- Wesenheit Dr. Luegers, überdies bedürfe selbst ein etwa cignissen mindestensuui einige Wochen vorgegriffen. Interessante Statistik Eine interessante statistische Untersuchung ist in Breslau durch den Rabb. Fabian vorgenoni.nca worden. Er stellte fest, dass von den jüdischen Schülern der höheren Lehranstalten nur I0״c jüdischen Religionsunterricht haben, bei den Realschulen ungefähr die Hälfte und bei den Volksschulen ungefähr ein Drittel. Die andern sind olr. e Religionsunterricht. Es ist ferncr fest-gestellt worden, dass eine Anzahl jüdischer Schüler und Schülerinnen n!11 christlehc•:’ Religionsunterricht teilnelimcn. Diese Uebelstfmde sowie die Beobachtung, dass der Religionsunterricht nicht nach einheitl chcn Methoden und zum Teil von nicht immer qualifiziertet Lehrkräften erteilt wird, veranlasste die Gemendeverwaltmag eine Kommission cinzusetzen. die nach Möglichkeit versuchen soll, allen diesen Misständcii abzuhcKcn. Die Gemeindeverwaltung verspricht sich nicht allzuviel davon, da cs kaum angelten wird, immer die Eltern, den zumeist schuldigen Teil, zu beeinflussen, aber was irgend m» '*,׳Ich ist, Soll versucht werden. Interessant war bei Bc* ratunß dieser Angelegenheit n der Breslauer Repräsentanten- Versammlung die Erklärung des Justizrat Ollendorii. eines alten Fri ׳sämigen. Er glaubt, dass das richtigste sei dass 'u den staatlichen Schulen nur ein interkonfessioneller MoralunterrVht werde und dass es Sache der Familien- und Relieionsge- Seilschaft sei. fiir den Relißieosiinterricht zu sorgen. Da aber jetzt der Rcligionso'terriclit für jeden in dem konfessionellen Staat obligatorisch gemacht sei, so kämen wir Juden ins Hintertreffen, sollte cs fiir uns allein anders sein. Auch für die jüdischen Schiller müsse er zur Zeit obligatorisch sein. Dies!ordere er nicht vom Standpunkt der Religion, sondern von dem der Erhaltung des Judentums mul der Zukunft des Judentums. — Bravo!

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