Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1905)
- Date
- 1905-03-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 108. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 10. fähigung oder in Reaktion auf den Jahrhunderte langen Druck, den sic schwerer, viel schwerer als alle übrigen hatten er- ׳tragen müssen — ich sage, die Juden wurden wirtschaftliche Machtfaktoren den Christen gegenüber und sie schickten sich an. eine führende Rolle zu spielen. Das konnte der christlichen Bevölkerung nicht entgehen. Sie bemerkte gleichzeitig, denn das Auge des Neides sieht scharf, dass die Juden ganz anders geartet seien, innen und aussen; auch bemerkte sic vielfache Überreste der ehemaligen Sklaverei der Juden, in ihren missliebigen Egenschalten. So kam es. dass bei den Christen die Theorie von der Gleichheit aller Menschen in praxi, nicht bloss stark ins Schwanken geriet, sondern sich allmählich ganz verlor. Der uralte nationale Hass, die tiefe Empfindung des innersten Herzens kam wieder zum Vorschein und stürzte jenes in die Praxis umgesetzte Postulat von der Gleichstellung, da sich die Gleichheit, auf der diese basierte, nicht mehr fand. Diese Entwicklung hat sich besonders in Frankreich, vor allem aber in Deutschland gezeigt, und der heutige Aspekt ist der Kampf der Empfindung *der Ungleichheit mit der b's dato in praxi geltenden Theorie von der Gleichheit. Alle diese Kämpfe, die sich im Lehen abspiclcn. haben ihre Widerspiegelung im Recht. Das Recht der in der Gegenwart abgeschlossenen Epoche ist;in modernen Staat bis auf wenige Reste kodifiziert und dem Gewohnheitsrecht!allen fast nur noch diejenigen Einrichtungen zu. die jetzt im Werden begriffen sind, aber noch nicht bis zur Kodnikation gelangt sind. Nach dem oben Gesagten gehört in die abgeschlossene Epoche die Theorie von der Gleichheit, in die gegenwärtige und werdende, die von der Ungleichheit und Verschiedenheit der Arten. Vielleicht wird diese Anschauung die erste re auf dein Gebiete des Rechts überwinden und schliesslich werden diese beiden Theorien einander tolerieren und wo das möglich ist, auf den verschiedenen Reclitsgehieten einander cinschränkeil. Doch dies sind vage Vermutungen.' In der Gegenwart, und ich komme jetzt speziell auf Deutschland das mir als Beispei vorschwebt, beherrscht das geschriebene. Recht von der Gleichberechtigung der Juden das ga־;zc Privatrecht de facto, im öffentlichen Recht aber macht sich überall da, wo es juristisch möglich und zugleich lohnend oder notig ist, die Anschauung von der Minderwertigkeit un.J dem minderen Recht der Juden als e:11e Folge des Judenhasses, geltend. Denn dem Juden als Privatmann gegenüber hat man keine Besorgnis lind man lässt ihm daher die volle privatrechtliche Gleichstellung, aber vor dem Juden als einem Subjekt des öffentlichen Rechts, oder richtiger gesagt, als einem Organe eines solchen Subjekts fürchtet man sich, wie aus der Praxis der Behörden klar hervorgeht; dom es könnte nach einer d:e deutsche Volkskraft völlig unterschätzenden Anschauung der Jude bei seinem gewaltigen Streben nach oben, wenn er auch apf diesem Gebiete gleichberechtigt zugelassen würde, noch in die Lage kommen, das deutsche Volk zu beherrschen. Dagegen wehrt man sich, denn der Jude ist fremd, und gegen eine wirkliche oder vermeintliche Fremdherrschaft wehrt sch jedes gesunde Volk. Und diese Empfindung hat sich bei den Deutschen Bahn gebrochen und sie hat das Prinzip der Gleichbcrechtigung durchbrochen wo es möglich und nötig war. Sie ist geltendes Gewohnheitsrecht. Mit Hilfe der Verweigerung der Anerkennung der Qualifikation eines einzelnen Juden zum höheren Staatsdienst sehlicsst man den Juden von ihm und durch ihn die Juden von der vermeintlichen Herrschaft über I Deutschland aus. (Schluss folgt.) —ן Aus der Beweguijg ^— Berlin. Berliner Zionistische Vereinigung. Donnerstag, den 16. März, abends 9 Uhr, spricht in den Königssälen, Neue Königstr. 26 (Eingang Wadzeckstrassc), Herr Dr. Sonderling über das Thema: ״D er Z i o!1 i s ־ m 11 s und das religiöse Problc in‘‘. Gäste herzlich willkommen. — Donnerstag, d e;1 23. M ü r z, abends 9 Uhr, findet in der Berliner Ressource, Kommaiiüantenstr. 57, eine öffentliche Versammlung statt, in der Herr Dr. A d. K 11 r r c in - Tcplitz über ..D r. H e r 7.1 s PI ä u c“ sprechen wird. BerEn. Am Donnerstag, dem 2. März, fand die von einer Anzahl von Mitgliedern beantragte ausserordentliche G e n e r a I v e r s a n! m 1 u 11 g der B. Z. V. statt . Von mehreren Seiten wurden verschiedene, teilweise auch von einander nicht unerheblich divergierende Vorwürfe gegen den Vorstand erhöhen in Bezug auf!nangelr.de• oder ungenügende Tätigkeit und auch in gewisser H!!stellt auf falsche Führung der Agitation. Durchwegs wurde eine energischere Tätigkeit im Innern und eine k<;use\!ue!!tere. zielbewusstere und den fortschreitenden ziorbstischen Anschauungen entsprechendere Agitation nach aussen für nötig gehalten. Ferner wurde die Angelegeuhe'״. zur Sprache gebracht, dass die Verbindung ..Hasmonäa‘* in ungerechtfertigter Weise einen Gesinntmgsgeiiossen. der für seinen Freund als Redner an einem Diskussionsabende einspringen wollte, brüskiert habe. Alle Redner, die zu dieser Angelegenheit sprachen, abgesehen von den Vortroff-ru der ״Mastr.oaüa* waren darin einig, dass cs ein Felder gewesen sei, die.se zionistischen Diskussünsabendc von der akademischen Verbindung ..Hasnionäa־• veranstalten zu lassen, tait. dass die B. Z. V. selbst solche D'skussionsabende ciurichtete. Ein Antrag .Auerbach, den Vorstand auf sieben Mitgliedern zu erweitern, w urde angenommen, und es wurden ausser den wiedcrgewählten Herren Dr. A. Klee (1. Vorsitzender). Dr. J. Katz und Jak. H. Wagner, neugcwählt die Herren Rechtsanwalt Dr. A. Ha nt ko (der bisher nur als Mitglied des Zentraibureaus dem Vorstände angehörte). Dr. Soskin, Elias Auerbach und Dr. J u n g m a n n. Die Versammlung schloss um lr'i Uhr nachts. Berlin. Am Mittwoch, den 1 März, fand die Fortsetzung dir Debatte Ober das Referat von Dr. Slmonson .Die Ostafrikafrage“ statt- Es sprachen noch u a. die Herren Dr. Goldberg, Dr. Ruppin. Elias Auerbach, Dr Katz, Feiwel und T riet sch. Die Debatte führte im Wesentliehen zu einer Einigung atif dem Standpunkt, den Dr. Nordau volkspsychologischc Skizzen״ kleine Studien über das Juden- ' tum in den verschiedenen Ländern. Proben der neu-hebräiselien Literatur in charakteristischen Ucbcrsetzimgeu. Uebcrnsehend reich sind die Zeugnisse der mannigfaelien Betätigung junger, jüdischer Kräfte auf dem Gebiete der bildenden Kunst. E. M. Lilien, der das Buch überaus charakteristisch geschmückt, mit dem prangenden Zierrat seiner dekorativen Kunst umi kränzt hat, führt 11ns hier eine stattliche Galerie jüdischer j Meister vor, aus deren Mitte insbesondere Max I.iebcrnnnn. ן Josef IsraGs-Haag. Besser Urv Mark Antokolski hervorr.igcn.“; Es w׳ar das erste Buch seiner Art mul ist bbher noch von ,keinem seiner Nachfolger erreicht worden. Es ist ein Markstein in der jüngsten jüdischen Kunstliteratur tmd wird seine historische Bedeutung für die iiidisclto Kulturgeschichte noch mehr erringen, je weiter die Kreise sich ziehen, die von ihm ausgehen. Es war ein glücklicher Griff, der von Genialität zeugt, dass der Jüdische Verlag, dessen Hochschiilbruschiire ja gewissermassen noch ein Privatdruck war im Zeichen des Ahnanaeh in das Licht der OeftenMicbkeit sich wagte. Darum verzeiht man ihm gern auch solche Seitcusnrüuge, wie cs die Veröffentlichung des Luhlinskischcn Scherzbuches über die Bibelkritik war. Der vorücgnde Ahnanaeh ist ohne Kalendarium gedruckt. Man hätte In. da das Jahr schon ziemlich weit vorgerückt Ist, ihm ein Kalendarium des folgenden Jahres neidruckeu köiineu. /Aber wir sind sehr zufrieden, einen mehr als erfreulichen Grund attgeben zu können, warum das unterblieb. Der Jüdische Verlag wird voa jetzt ab in der Lage sein, zu jedem Jahre einen neuen Almauach erscheinen zu lassen. Um ihm das absolut zu sichern, wäre es unsere Pflicht, durch jede mögliche geschättliehe Förderung den Verlag ii die l.age zu versetzen, den grossen Kulturarbeiten weiter nachzugehen, die er sich in jiidischein Sinne zum Ziel gesetzt hat. Doch wir können nicht schliessen, ohne noch eine Be•• merkuog zu machen, die wir wohl beachtet zu wissen wünschten. Wenn wir öiters den innigen Wunsch an den Verlag ansgeJrückt haben, dass er eine billige Volkslitcratur in sein Programm cinhe/.iehen möge, so hat er das hier in einem atiJern Sinuc gew isscrmassc : schon erfüllt. Fr hat tiäim cli den ohnehin billigen!,reis des Alntanachs so sehr ennäsriet. dass jede!־, der etwas von Druck 11ml Büchern vorsteht, erstaunt sich fragt, wie es möglich wäre, ein solches Kuiotwerk in so hervorragender Ausstattung zu einem so mässeen Preise von 3.50 Mark zu liefern. Der Verlag hat damit 11 ter anderem eine Antwort auf die immer wiederkehrende Frage gegeben: ״Welches jüdische Buch kann ich schc ’ken?” Es ist gar ko ne Frage mehr: Das gegebene Buch zu Geschenken ist ietz.t einzig und allein die Neuauseabe des JÜDISCHEN ALMANACH. Heinrich Sachse. Soeben ist der neue ..SCHLEMIEL“ erschienen (Spezial- Ute־׳atur• Nummer). Diese Nummer i*t wieder einmal wirkbch hervorragend, auch zeichnerisch. Preis der Einzelnummer 26 Pf . Jahresabonnement 2,50 Mk Zu beziehen dtjrch den Verlag des ״SCHLEMIEL‘־, An der Spandauerbrf'cke 6 <זי1״«ויו1!ו! *Rfniy״! PifP! ד?5ןהיייויומ Egt—* mf+ •ויו• w si1*״... ••"ייוריייד