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Jüdische Rundschau · 1905-03-10 · Heft 10 (10.3.1905) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 10. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 107. worden ist, und dass man vielmehr den Uganda-Vorschlag habe stärken wollen. Es ruft dies in der Tat ein wenig den Hindruck der Achnlichkeit mit einem Gleichnisse des bekannten Distichons Carducci’s hervor: ״Italien’s Prägung war Roma’s Begehren; Eine Scheidemünze hat man ihr gegeben.״ Wie dem auch sei. sowohl wegen der zu respektierenden Interessen der Forschung, wie um eine klare Situation zu schaffen, die keine neuen und gefährlicheren Diskussionen auf dem nächsten Kongress herbeizuiahren imstande sein wird, ist cs vonnöten, dass der technische Bericht der zionistischen Kommission über al-Wrisch in extenso veröffentlicht werde, so dass er jeder Kinsichtnahmc und Diskussion frei und leicht zugänglich ist. Und inzwischen hohen wir. dass das A.-K. die Schicklichkeit mul Notwenuigkeit. rasch zu diesem Entschlüsse zu gelaugen, einschcn wird. Wir unsrerseits, werden nicht auShörcn, darauf zu dringen, bis cs dazu gekommen ist. L'IDEA SION NI STA. Wir geben dieser Nachschrift der Redaktion unseres ita• licitischen Brudcrblaltes Raun!, während ALTNEULAND. dis sich offenbar den politischen Diskussionen ternhaUen will, darauf verzichtet hat. Auch wir halten cs für nötig, dass der technische Bericht unserer Kommission bald der Oeffcntlichkeit übergeben wird, weil er auch zugleich mit das wichtigste Material sein wird für eine etwa neu in Angriff zu nehmende Arbeit irgend welcher Art in Palästina. Dass eine solche auf der Basis der jetzigen tiirkisch-äcvptisehen Grenze erfolgen würde, ist nicht ausgeschlossen. Und das ist ein weiterer Grund, diese Veröffentlichung zu verlangen. Hs ist ja von grösster Wichtigkeit, dass alle Versuche abgeleimt werden, die irgend ein anderes Land als Palästina an dessen Stelle setzen wollen sei es nun Cypern, Anatolien oder Ostafrika. Dann werden wir aber auch gezwungen fein, die türkischen Juden Palästinas und des übrigen Orients auf der Scholle auzusiedeln, die allein aus einem Minus sie in in ein Plus der jiidisehet Bevölkerung Palästinas verwandeln kann. In diesem Sinne bedarf es einer energischen Innenkolonisation in Palistina mit einheimischen Juden, die nicht au־* Dem Bettel be• ruhen soll und nicht aut Unterstüzungen. Das körnte vielleicht beginnen auf der breiten Grundlage der jetzigen Südgrenze des Landes. Red. der JÜD. RUNDSCHAU. Zum Kampf um die Gleichberechtigung Solange das Golus dauert, solange gibt es einen Kampf um die Gleichberechtigung, oder in ungünstigen Zeitläuften auch nur Duldung der Juden unter ihren W irisVölkern. Dieser Kampf spielt sich im römischen Reich, in den Staaten der Völkerwanderung, den islamischen und christlichen Staaten des Mittelalters und auch in der Neuzeit ab. Hr;s: eine Reaktion gegen den Judenhass, der alle Zehen hinJ1.׳ reit gedauert hat. wenn auch mit Unterbrechungen, in denen die Juden aufatmen und neue Kraft sammeln konnten, und wenn auch aus verschiedenen Motiven. In der Römerzcit war der politische und nachher die Fremdartigkeit der jüdischen Ideen der Grund :11 dvr Zeit der Völkerwanderung das zur Allmacht aufstrebende Christentum. das keine gcist'gc Macht neben sich dulden wollte; im Islam war der cn religiöser Begeisterung zum Ausdruck kommende Nationalhass der Perser und Mauren die Ursache, int Christ• fch-germanischen Mittelalter Gegensätze religiöser und nationaler Art. Der fundamentale Unterschied zwischen der Hnt- Wicklung der Stellung der Juden in den Ländern des Islam und denen des Christentums liegt darin — aber das ist äusserst wesentlich — dass der Judenhass bei jenen abgcnotnmeu hat in dem Masse, wie der Glauhenseifcr ab- und der Wissenschaftseifer zunahni. dass aber bei diesen mit dem Abnehmen des Glauheuseifers der Judenhass nicht aufhörte, sondern a״dere Formen annahm, er wurde aus einem vorwiegend religiösen Hass —- denn das religiöse Moment iiberwiegt wahrend des Mittelalters das nationale, da der Gedanke der Nation noch nicht so sehr zur Geltung kam — mit abnehmendem Glaubenscifer und erstarkendem Nationalismus zu einem verwiegend nationalen, zu e’nern sogev. Rassenhass, der bei den Völkern des Islam wegen der Stamm,Verwandtschaft unJ äusseren Ähnlichkeit der Typen nici t amkommen konnte. Dies ist auch der Grund, weshalb der Judenhass bei ilmc;: nach Amhörcn des Glaubcnseifers aus Mangel an anderen Motiven fortfiel. ln der l'ebcrgangszeit. d. h. etwa nach dem AO.'ährigen Kriege, als der Fa-atistnus zu erlahmen und die einzelnen Nationen sich zu konsolidieren begannen, da schwankten auch die Motive des Judenhasses und Fremdenhass. Verachtung des Unterdriiekten und Befehdung des Ungläubigen halten sich hier die Wage. Da kam das Zeitalter der Revolution, das eine vollständige prinzipielle Umwandlung der Steilung der Juden hcrvorrlcf. Die Idee des Nationalismus, die von den höheren Ständen getragen war. wurde von der Idee des Humanismus, die ihr parallel laufend von den unteren Ständen getragen wurde, gcwaltsam unterdrückt. Die Unterschiede von Religion und Rasse bei den verschiedenen Völkern wurden wegphilosophiert und in praxi die Konsequenzen daraus gezogen. So wurden die Juden nun frei und gleichberechtigt, wenigstens in Frankreich. In den übrigen Staaten, und je weiter!!ach Osten desto mehr, hinkte man nach, und es gibt noch einen Staat in! Osten, in dem erst jetzt die Funken zu zünden beginnen, die in Frankreich das alte Haus längst eingcäschcrt haben. Als mm die Juden aus dem Ghetto entlassen waren, da arbeiteten sic sich ebenso wie ihre ,Wjrtsvölkcr, die sich ars den Fesseln ihrer Regierungen befreit hatten, zu politischem und sozialem Wohlstand empor ja den Juden gelang cs sogar, wirtschaftlich über ihre ehemaligen Dränger empor/u*teigen — es ist nicht genügend erwiesen, ob infolge höherer Betikel über das Ereignis, durch das sich den Westeuropäern das jiidirche Volk noch einmal als ein jüdische Kunst schaffendes gezeigt hatte. Wir gedenken nur des meisterhaften Artikels der WELT AM MONTAG und insbesondere seines Schlusses: ... . . Und den Beweis, dass cs wahrhaft Grosse unter ihnen gibt, bleibt uns das Buch nicht schuldig. Was wussten wir bisher von den hebräischen Poesien eines Bialik־, eines Tscheruichowski? Der I.cscr wird in Zukunft nach Uebcrsetzungen aus ihren Werken fahnden, eine so starke nationale und individucltc Eigenart atmen die Proben, die ihm hier gegeben werden. Das Buch wird eine Korrektur unserer Anschauung vom Judentum im Gefolge haben. Jede nationale Kunst nötigt uns Hochachtung ab. Und wenn wir sie auch nicht auf die prallleriseheu Vertreter der jüdischen Rasse, die sich unter uns breit machen, übertragen werden, so werden wir doch auch ii'ber n!c in Zukunft anders denken: sie sind in Wahrheit nur bedaueriiswert. Denn sie sitzen /.wischen zwei Stühlen: der Renaissance des eigenen Volkstums stehen sie gleichgültig gegenüher. fremdes Volkstum aber bleibt ihnen dank ihrer un- 1׳berwindlichen Rassenimterschiedc־ verschlossen.“ Demeeeenüher war freilich der Artikel des •BERLINER TAGEBLATTS (ge/. J. K.. selbstverständlich 1. K.) besonders nnmasseml und nbst״Kscnd: ... über Titel und Verlag wäre man versucht, eine besondere 1!eine Abhandlung •zu schreiben. Dabei würde man recht hemerhepsworte Momente aus der Vtdkspsvcliologie in die Bctraehomg ziehen müssen. Wozu ein jüdischer Verlag? Wozu ein JÜDISCHER ALMaNACH? Das sind, gelinde ausgedrückt. Anachronismen. Ja. wenn es sich noch um Werke spezifisch jüdischer Gelehrter, wenn es siel! um die Herausgabe jüdischtheologischer oder ähnlicher Werke aus dem Bereiche jiidischer Soudcrforschtmg handelte! Daun ״übe es allenfalls noch eine! Sinn, einen jüdischen Vertag zu begründen. Aber, uni schöngeistige Arbeiten zu veröffentlichen, einen jüdischen Verlag zu begründen — das ist wirklich mehr als überflüssig. Oder soll Deutschland, das nachgerade an konfessionellen Spaltungen und Spannungen genug aufzttweiscu hat, noch um eine neue bereichert werden? Soll aber mit diesem JÜDl- SCHHN ALMANACH etwa ein neues literarisches Kampf- und Bropagandamittel für allerhand ungesunde, phantastische, schädliche Bestrebungen geschaffen werden, dann müsste man allerdings den schärfsten Protest gegen ein derartiges Unterfangen erheben. DIE GEGENWART hob besonders den erquicklichen Untcrschied hervor von der Berliner Tiergarteuplutokratic" und Dr. Landau im BOERSEN-COURIER. der öfters sein indischnationales Gefühl walten lässt, schrieb: .... Ein üppiger Strauss poetischer Blüten, farbenprangeud und duftig, ist hier lose vereint. Ei׳: Singen und Klingen gellt durch die Blätter, ein kräftig Rauschen durch die dreihundert Seiten, ein Jubeln bald und bald ein Trauern, ein gehobenes Klagelied -- überall aber die Kraft tiefen Empfindens und das hüastlerisehc Vermögen, diesem Empfinden schönen Ausdruck zu verleihen. Die Liebe zum Judentum spricht sielt in wurmen, klangreichen Tönen aus, das Hoffen aut seine WicderauirichUmg findet volle, schwellende Melodien. Neben poetischen und künstlerischen Gaben finden wir auch wertvolle y •fr' V* 1

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