Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1905)
- Date
- 1905-03-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 106. JO D1SCHE RUN D S CH AU. __N0JO. Wir siml national weil wir unsere Ziele und unsere Kräfte aus den inimauenten Kräften und Zielen des Oesamtvolkes — wie sie in den Jahrtausenden der Diaspora sich immer wieder dokumentierten — schärfen. Nicht eine Gruppe int jüdjschcn Volk sind wir mit spezifischer Anschauung und spezifischen Zwecken — sondern das jüdische Volk! In dieser Auffassung kann uns die Tatsache nicht irre machen, dass wir numerisch nur einen kleinen Bruchteil der Gesamtheit darslcllen. In welchem Volke wäre cs anders, dass die Zahl derer, die den Geist ihres Volkes kräftiger in sich spüren, die seine Zielstrehigkeit deutlicher erkennen, die ungleich klehere ist! Sic aber sind das bewusste Volk im Gegensatz zu der grossen Masse, die nur ihr enges Wcrktaglcbcn hinschleppen und denen nur durch grobe und starke Erschütterungen ihre schlunime nuten nationale! Instinkte zur Bewusstheit kommen. Der Zionismus ist das jüdische Volkstum, weil er die durch die jüdische Kultur und die jüdische Geschichte sichtbar gewordenen Volkstendciizeii in der ihm eigenen Bewegungsdichtung erhalten will. W eil wir ganze Juden sind, sind wir Zionisten. Es gab zu allen Zeiten im Judentum Parteien. Wenn ich so sagen darf: natürliche — arteigene — und unnatürliche ־- artfremde — Parteien. Die einen wollten strukturell nur angedeutete oder aus mannigfachen Ursachen verkümmerte Anlagen der Volkseelc schärfer hcrausarbeiten und entwickeln, z. B. der Chassidismus. Die andern wollten das Volkstum abbiegen und gewaltsam in andere Richtung drängen: ־/. Fl die neuzeitliche mosaische K ״n t es sions re t'o r me rci. Was wir wollen, ist der latente VolksvvHie: geweckt und gefördert durch die Methoden und Mittel des allgemeinen Kulturfort* Schrittes, in den auch wir cingctTigt sind. Pass der Zionismus das jüdische Volkstum ist. muss uns 1 iic magna Charta unserer L’cberzeugmtgeu werden. Sie allein; ivatm unser Denken und Handeln frisch und rein erhalten und! uns vor Irrwegen bewahren, in die uns plötzliche Schwierig- | leiten durch Verängstigung, l'ebereilthcii und Ratlosigkeit li'neinloeki•׳!. Nur wer im Zionismus eine Parte; sieht, ist darum verführt, zu jener ebenso schmerzlichen wie widerj liehen Gcsinim •gsriecherci zu Kommen, die sich in unserem : Lager — hüben und drüben! -- bermerkbar macht, Erkenntj ms gemeinsamen Volkstums ist Toleranz. Pas Volkstum ist : wie eine Tonleiter. In ihr sind ungezählte Melodien möglich. ׳ Verloren und wertlos ist der einzelne Ton in seiner Alleinj heit. Durch die Bindung mit andern in anderer Tonlage wird; er zur Melodie. So erhält das Individuum seine־! persönlich-! spezifischen Wert durch das Gefüge mit dem andern. Der | Reichtum an Persönlichkeit ist der Reichtum unseres Volks- ן tnms. Nur die Vielgestaltigkeit ihrer Strebunger. ihrer Liehj habereien. ihrer Sehnsucht gibt ihm Weihe. Adel und Schönj heit. Es ist unsere menschliche Grösse und Schwäche zugleich, j dass wir uns selbst als das Mass der Neuwel» setzen. Die I Stärke der eigenen Uclvrzcugung drängt dahin, sic' r.ndern j tnitzutcilet!. und aufzuzwingen. Das ist natürlich und darum; icht schimpflich. Aber recht gewertet sollte der *Misserfolg : dieses Missio'striehcs nicht Verbitterung schaffen: und was * schlimmer ist: die blöde Selbstüberhebung, die mehr boshaft j als mitleidig auf die * ־ .Rückständigen”, die ״Reaktionäre” ' und ..Narren" herabblickt. In einer Partei mögen diese he- ' denkiieh sein. Im Volke sind sie natürliche Faktoren; und dienten sie nun dazu, der ״kleinen Zahl der national-gesinnten Intellektuellen■‘ Wertung, Distanz oder holic zu geben. Es ist der stärkste Beweis, dass der Zionismus keine Partei ist. wenn wir sehen, was jedem einzelnen von uns der Zionismus geworden und was er jedem, der ihn ganz versteht und hebt, werden muss: Pie Wicderfiuduttg des eigenen Selbst im verwirrenden Treiben des Lebens, die Entfaltung unserer letztet Kra.'t und die Erfüllung unserer zartesten Wünsche und Hoffnungen und Träume: derer, von denen wir sprechen und der grösseren und duftigeren, die zu stolz sind, sich andern zu offenbaren. — (Schlussnrtikcl folgt.) Nachschrift der Idca Sionnista zum al־‘Arlsch-Artikel des Professors Guastaüa Die Liebenswürdigkeit des Autors hat uns gestattet, in unseren Spaltet! diese bedeutsame Forschung wiederzugeben, welche in der Dczembermimmcr von 1901 der schätzenswerten Revue l.'ITALIA COLONIALE enthalten war. Niemandem wird d׳c Gewichtigkeit der Schlussfolgerungen, zu welchen der Prof. C. W. Guastalla — mit bedachtsamen Forschungen und einzig dastehender Kompetenz - gekommen ist. entgehen können־, er hat der Zustimmung zu der Veröffentlichung (für die wir ihr dankbar sindie folgenden bemerkenswerten Worte, welche seinen! Schreiben Wert verleihen, hinzugefiigt: ..i c h bi n w oder Zion i s t n o c!1 v 1! ״ h e b r ä i s c h c r Religion, aber d i c Idee, w c 1 c h e nach der Bet r e i 1: ה g versklavter Menschen strebt, ist der höchsten A e 11111 n g _ j e d es Freidenker s w ft r d t g.” Nun scheint cs ms, als sei jetzt der Augenblick für die Veröffentlichung des technischen Berichtes der Kommission, we’che?.!-‘Arisch in! Aufträge des Zionistischen Aktionskomitees besuchte, gekommen. Ausser dem Interesse für die geographischcn Forschungen, auf welche Prof. Guastaüa sich mit Recht beruft, gibt es noch ein anderes, welches, wie das Aktions-Komitee zweifellos fühlen muss, schwer Ins Gewicht fällt. Matt weiss ja, dass nicht alle siel! hei den zu der Sache gegebenen Erklärungen des A.-K. au! dem Baseler Kongresse von 1993 beruhigten. ־ - Erklärungen, die gleichfalls gegeben wurden, um ein so lebhaftes und ausgeprägtes Streben״, wie dasjenige, welches mit dem Palästina-Ideal verbunden ist, zu treffen. Nach׳ alledem, seit reibt Prof. Guastalla, würde ein ferneres Schweigen des A.-K. und besonders die Unterdrückung der Herausgabe des technischen Berichts den Verdacht rechtfertigen, dass dieser nicht s o gelautet habe, wie versichert Dunkel der Nacht, leuchtet ihnen das Licht ihres Glaubens.“ Ich schlug mit der Faust an die Brust: wo ist!nein Glaube? (Fortsetzung folgt.) Literaturbericht. BQcher der einschlägigen Literatur, ueiche der Redaktion xugesandt werden, finden eingehende Besprechung. ... JÜDISCHER ALMANACH. Teilweise veränderte Neuausgabe. Jüdischer Verlag Berliu-Cltarlottenhurg. Herder- Strasse 3 H. In sehr elegantem Originalganzleipenlntid 3.59 Mk. Wenn der Jüdische Almanach bei seinem erste! Erscheine!! nicht nur als die hervorragendste Leistung der jüdischen schöngeistigen Literatur der Neuzeit freudig begriisst wurde, sondern wir in ihm den Beginn einer reicheren Literatur •auf dem durch ihn in Angriff genommenen Felde erwarteten, so ist das durch die Tatsachen inzwischen erhärtet worden. Pie Herausgeber des JÜDISCHEN ALMANACH dürfen siel! ohne Unbescheidenheit rühmen. dass sie auf dein Gebiete jüdischer Kunst und Belletristik epochemachend gewirkt haben. Wir haben unserer damaligen Kritik heute wenig hin/.uzufügea. Jedoch fällt jedem, der das Buch, auch nur rein äusscrlich betrachtet, auf. dass schon auf der Einbanddecke von den Lilienschen Händen nichts mehr zu finden ist. Der neue Deckel wird in einfacher und geschmackvoller Weise durch einen siebenarmiger! Leuchter m Gold auf rostbraunem Untergrund geschmückt. Al>er auch im gar— ן Werke ist Lilien der bckanntHch dem Verlage nicht - ehr angehört, ausgefallen und wir gehen kaum fehl, wenn w!! die neue Ausgabe allein Buber und Feiwel zuschreiben. d׳'e noch den literarischen Teil der ersten Ausgabe redigiert Innen. Textbeb ist wenig verän* dort. Es sind einige theoretbierend״ Arhkcl mit Recht durch neue künstlerische Beiträge ersetzt \'־״.:dcn. Dass dabei auch ein Schwank von Theodor Herz! einen Platz gefunden hat. freut uns, wenn wir auch gewünscht hätten, dass lieber etwas mehr Künstle:isches und Dichterisches von ihn!, woran ja kein Mangel :st,;;:־;gewählt wäre. Pas beseitigte Hcrzlbild ist die bei weitet!! schönste und ansprechendste Korde. die wir Fsftcr von Strucks Her/lbikl gesellet, haben, wenn freilich auch hier jenrr I.eideusztig nicht fehlt, den Hcrzl nur dann gehabt hat. wenn er einmal von der übermenschlichen von ihm gekosteten Arbeit beinahe zusammenbrach. Auch sonst scheint Struck zu den künstlerischen Teil in grösserem Masse herangezogen wurden zu seit!, ln illustrativer Hius'cht ist die NVwatiseabc gegenüber der ersten Auflage ebenfalls ein merk- Leber Schritt vorwärts. Wir könnten aber sonst im grossen und ganzen nur das wicderho’et! was wir bereits in mehreren ausführliche׳! Besprechungen der Editin princcps gesagt haben. Al>er wir halten cs für richtiger, darauf zu verweisen, einen wie grossen Sturm das erste Erscheine!! vor zwei .!ahren hervorgerufen hat. Das Buch war ein Ereignis. Tageblätter *-- wir meinen nicht das BERLINER TAGF.BF.A1T, sondern wirklieh freie und unabhängige Blätter ־ - brachten grosse Ar- ׳“מיי• ־יו-