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Jüdische Rundschau · 1905-03-03 · Heft 9 (3.3.1905) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 94. JÜDISCHE RUNDSCHAU. \ No. 9. keineswegs trocken oder unfruchtbar oder unbewohnbar: vielmehr zeigt sich jetzt, wo die ägyptische Regierung das öifentliehe Leben verwaltet und die Ordnung verbürgt, ein wachsendes Bestreben der Bevölkerung nach festen Wohnsitzen. Der Schutz des Eigentums und die Sicherheit der Person im Schatten der Fahne des Khedive würden die Stamme, welche sich in fortwährendem Kriege beianden, dazu bringen, in Eintracht zu leben, und der Fellache wird als ruhiger Landbebauer an die Steile des •־•.omadisicrcnden Beduinen treten nach dem gleichen Vorgänge wie in Palästina und Ägypten.4' Die Bevölkerung von al-Wrisch. welche 1579 bei zirka 2500 hielt, \vurdc 1599 auf ungefähr •hX*׳ heieclincL und 191'2 auf etwa 5000, wo;unter nur tausend Nomaden; im ganze״ Gouvernement würden nach dem letzten Zensus (1579) 17l0׳״ Individuen gewohnt haben. * Der hervorragende Reisende des petrüSehcn Arabiens, Edward Henry Palmer, schreibt, dass cs nicht exakt ist, den Beduinen den Sohn der ׳Wüste zu nennen. ..da die Hälfte der Wüste ihm ihr Dasein verdankt, weil er eben grossen Teil des Landes welches er bewohnt, öde und leer gemacht hat. indem er die fleissigen Bewohner von5 da vertrieb." Aber heute, wo noch so viele Striche deroixoi/zä׳/ des fruchtbringendem Pfluges harren, ist er es da wert, dass man sich bemüht, das Leben in eine fast verlassene Regi«v! wieder einzuführen? Sicherlich nicht! Jedoch 11 der Geschichte der Völker gibt es Verhängnisschwere Bahnen zu durchlaufen. Die mittelländische Küste des peträischen Arabiens, welche den Ring zwischen Ägypten und Palastina bilde; wurde Jahrhunderte hindurch von Eroberem. Heeres- und Handelszüg!•״ zertreten; in den Gefilden von Pehisium. welches den Schlüssel Ägyptens darstellte. wurde zu verschiedenen Malen der Kampf um die Herrschaft der Welt ausgefochtcp. von Sanheiib bis Kamin ses, von Xerxes bis zu den drei Arta.xer.xes, von Alexander bis zu den Ptolemäern und Antiochcrn. von M. Anton Iris zu Balduin und Napoleon. Der Handel, welcher so lange Zeit hindurch diesem nun seit Jahrhunderten verlassenen Wege folgte, wird notwcndigerweisc wiederum dort hindurchzugehen haben. Binnen weniger Jahre werden die asiat'schcu Gebiete des ottomanischen Reiches mit einem Netze von Eisenbahnen hedeckt sein; die im Dezember 1599 geschlossene endgültige Konzession iiir die deutsche Baghd'idünic setzte als Arbeitszeit acht Jahre fest; demnach wird die Bahn, welche heute vom Bosporus aus quer durch Kle'rasicn führt, im Jahre 19׳'S not 2500 km den Euphrat, den Tigris, Baghdäd. Bassora J0 1 Persischen Golf erreichen. In vielleicht nicht mehr ferner Zeit wird die Linie durch Persien und Behidschistan hindurch sich dem nordischen Netz anschl'essen. und die persischen Bahnen, für welche Russland im Jahre 1900 die ausselibesslichc Konzession erlangt hat. werden denjenigen Transkaukasiens die Hand reichen und sich mit der transsib'rifclien Bahn vereinigen. Inzwischen befindet sich ausser den kurzen Linien Syriens, welche Beirflt und Damaskus ‘Akkü mit Haifa. Jaffa mit Jerusalem verbinden, die grosse,*tjfcd'ehä־״B:11n im Bau, der Schmeichler in seine Freistatt, zcg ihn freundlich hinaus, und sein Blut trank der Kieocl des Orontes. Ich harre, was werden wird. (Fortsetzung folgt.) Literaturbericht. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Red!Mion *ugesandt werden, finden eingehende Hcsp eclium׳.. -- - — - — - ■ - -.—.— - - . ■ III t Theodor IHerzl’s sämtliche zionistische Schriften. Der zionistische Nachlass Theodor Herzl's wird״ wie uns mitgcteilt w ird, im Monat Ap r i 1 ds. Jahres, herausgegeben von Prof. Leon Kellner, erscheinen. Das Werk wird zwei Bände umfassen und den Titel: ״Theodor H e r z l’s sämtliche zionistische S c 11 r i f t c u” führen. Es wird aile bedeutenden Aeusscrungen unseres mtvergesslichen Führers, wie sie im handschriftlichen Nachlass und in Publikationen und Reden vorliegen, enthalten, dazu den (im Buchhandel jetzt vergriffenen) «Judenstaat’'. In seiner Zusammenstellung wird das Buch nicht our ein wertvolles, sondern auch den bedeutendsten Beitrag zur Erfassung seiner Persönlichkeit und zur Geschichte der von ihm geleiteten Beweguug darstellen. Das Sammelwerk wird im Jüdischen Verla g, Berlin (Charlotienburg, Herde'rstr. 3-4) erscheinen. die — dem Karawanenwcgc folgend — von Damaskus aus nach Mahan, Medina, Mekka iiiliren w ird, um das Meer von Giddah zu erreichen; und eine Abzweigung von dieser Linie, mittels I welcher eines Tages der Sultan von seiner Hauptstadt nach ן der Stadt der Propheten überzusiedeln imstande wäre, wird 1 die grosse Pulsader Arabiens mit dem Golfe von ‘Akaba am Roten Meer in Verbindung setzen. Dann aber wird eine.Eisenbahn, welche Asien und Afrika miteinander vci bindet, unvermeidbar sein, und der grausame : Briareus wird seine Arme über die drei Teile der alten Weit ausgestreckt haben. Gegen Ende 1S79 fasste der Erzherzog \ Ludwig Salvator während eines W interaufciithaltes in Ägypten t mit Rücksicht auf die schlechten Ankerplätze im südlichen Palästina den Plan, dieses Land mittels einer dein kürzeste,! Wege, nämlich demjenigen der Karawanen von Kautara bis al-*Arlsch, folgenden Eisenbahn mit Ägypten in Verbindung | zu setzen, und mit seiner oben zitierten Reise gerade hatte er im Auge, festzustellen, ob das Projekt durchführbar sei. Das Fazit war indes ein negatives und brachte das Zugeständnis. ' dass die Balm nicht gebaut werden körnte, weil sie fortwährend j vom Sande bedroht und deswegen mit ungeheuren Erhaltuiigsj k! sten belastet sein winde. Dessenungeachtet setzte noch | 1592 Anton Jüssuf I.tiiTi Bey ein von ihm stammendes 1 Projekt einer Eisenbahn Ismaiüa-•Katin■ al-‘Arisch atisciuander, wobei er deren Nützlichkeit, nicht mir iiir den Verkehr der Reisenden, sondern auch iiir d<־־u Austausch der h Ägypten so gut wie mTekaniuen Reichtömer Syriens gegen l diejenigen Erzeugnisse von grosser W ichiigkeit. weiche in ' Sviien teilten oder daselbst Sehr teuer sind, nnchvigs: eie! Linie würde auf zirka No km fcstzuset.’en geweset! «er. Nun j besteht zwar die Schwierigkeit, weiche der Erzherzog Salvator »!•.־gibt, in Wirklichkeit, aber sie ist •*Ich: uniiberwindiieb. zumal in einem Jahrhundert, welcb.es bestimm ist. die Linien v• n Kairo bis zum Kap und vom Bosporus, bis Indien zu sehen. Das Statesman Ycarbook 19>.*2 führ; unter den Eisenbahn- Projekten zwei FiuelitÜnien an welche Asien mit A!;1ka zu verbinden haben würden. Eine, welche die Halbi״«el Sinai von der Spitze des Golfes von *Akaba b׳s zu derjenigen des Gottes von Suez durh die Wüste Et-Tih zu überschreiten batte, würde die zukü ׳itige HedsclGsbahn an Stn'z und au Ägypten anschliescens. die andere würde d:cjeni:ge der al-'Arls:h nach PortSaid längs des Meeres sc'n. Von der ersteren baue ich niemals ein Anzeichen gesellen, so sehr ich mich zur Zeit dafür interessierte, jenes Oe Met zu erforschen, und ich halte sie nicht für eine gegenwärtig wahrscheinliehe oder mögliche Sache: vielleicht wird sich eines Tages ihre Nützlichkeit bewähren, sobald die Mekkabalm die Gläubigen des Islam nach der heiligen Stadt zu führen imstände ist. Aber andererseits halte ich den Tag nicht mehr für fern, an welchen! eine am Meer entlang gefühlte Linie Port - Said m't Palästina verbinde! wird: die Schwierigkeiten und Bedrohungen durch den Sand (welche sich übrigens teilweise •durch Anpflanzung von Tamarinde vermeiden Hessen) werden längs der Küste kein ernstliches Hindernis mehr bieten. Zur Kritik des ״Talmudbaucrn“. Löbliche Redaktion der Jüdischen Rundschau! V1!״' eLer längeren Reise heitngekchrt. finde ich in Ihrem werten Blatte eine Kritik meines letzten Buches «Der Talmudbauer“. die so liebevoll gehalten ist. dass ich nur wünschen kann, sie durch künftige Arbeiten zu \crdieuen. Dennoch fordern mich einige Aeusscrungen des Herrn Re* fercutcn zu einer freunusehaftlicheii Gegenkritik heraus. Einige Zeit nach Erscheinen der Erzählung, die nunmehr dem ganzen Bande den Namen gibt kam ein Kolonist aus Judäa ,׳ach Wien. Er sprach von!!.einer Ar’ucii und dv.-s mau im ganzen Lande den Typus des Talnutdbaucrn in einem Kolonisten aus Katra erkannt bähe. Es ist dies derselbe Manu, auf^jen Ihr Referat anspielt. Lud doch irren alle, die solcher Meinung sind, denn ich habe zwar im Hause dieses jüdischen Bauern einige Tage gewohnt aber i!1 seiner A b w e s e nheit. Knapp vor Sabbalheingaug kam er aus Jaffa heim und führte mich •׳ach ReeUohotU. Ich nahm sein Haus als Schauplatz eines Teiles der Handlung, ich konnte aber seine Person nicht als Mode!! benützen, waren wir doch kaum eine Stunde beisammen. Solche Vorkommnisse erschrecken mich. Demi obwohl der Taltmidbauer in meinem Buche ■eine v«>! /׳''!gliche Rolle snielt -- will ich doch nicht den (!buben aufkonuueu lassen, dass ich in der Welt umherfahre um meine (lastfreundc auszuforsclien und in ei י Buch zu stecken. Das würde die Leute scheu machen und mir die Herzen entfremden. Ich schreibe nicht die einzelnen Individuen ab. sondern ich gestalte nur aus Zügen, die ich an verschiedenen Personen beobachte, die t y p i s c 1! e Figur. yiSji ״fff™1??®1 i"*r *11r 1״F מ^י^־^יייימיי״ימ

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