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Jüdische Rundschau · 1905-03-03 · Heft 9 (3.3.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 92. JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 9. nicht Rechnung tragen können, da es in jenen Gegenden selten und nur wenig regne.“ Der zahlreichen und heftigen Opposition zum Trotz billigte der Kongiess das Vorgehen des Komitees u1־d beschloss, die Forschungen auf die Kolonisation des afrikanischen Territoriums zu lenken, indem er auf die von al-’Arisch verzichtete.1) Nun wollte ich noch einmal eine Bitte an die Kommission, welche af-’Arisch besucht hat. richten, dahingehend, dass nämlich der technische Bericht derselben veröffentlicht werden möge; dies würde für die geographischen Forschungen nicht ohne Nutzen sein. Was mich anbeti ifft, so halte ich, der ich mich gegenwärtig mit einer Forschung über das pctrüische Arabien beschäftige, weder den Versuch einer Koionoisatiou an jener Küste des Mittelmeercs für unmöglich, noch für vielleicht in weitem Felde liegend. $ » Das Gouvernement al־Arisch ist das am meisten orientalische der sechs MuliAfzät von Ägypten und begreift den mittelländischen Bezirk jenseits des Kanales von Suf-z bis zu den Grenzen von Palästina in sich. Diese Zone der Wüste, welche von dem Bergm״c״:v des Sinai sauft gegen das Meer hin abfällt wurde übereinstninnend. irüher als der Einschnitt des Isthmus — und von dem einen und anderen auch hernach -- als ein Zubehör Ägyptens angesehen; und dies ergab sich nicht so •sehr aus dem gleichtormigoi Anblick der Bodcngcstaltuug vorn Delta bis nach Palästina, als aus der Absicht, die traditionelle und biblische Grenze des Wadi a!־*Arisch (torreus Acgvnti) und die kort vcntiouelle politische Grenze Er-Rafa-*Akaba uiiterzulegen. Aber da der Isthmus von SuC-z — welcher aus jüngerem Alluvium besteht — die natürliche geographische und genlogische Grenze zwischen Airika und Asien und zwischen Ägypten und dem steinigen Arabien darstellt, müssen wir die Gegend von ai־*Ariseh. welche einen Teil des steinigen Arabien ausrnacht.־) als ein Zubehör von Syrien ־ Palästina anseheu. Viele Gründe gibt es. welche diese Zuweisung rechtfertigen. Von dem Busen von Alexandrette aus bis nach Ägypten — schreibt Rec!u$ — ״erstreckt sich eine natürliche Region, welche in drei durch Terrainb'lauiig. Klima und geschichtliche Ent- Wickelung deutlich voneinander geschiedene Gebiete zerfällt; wie in anderen Ländern hat auch hier die im Verhältnis zur Breitenausdehrung zu grosse Länge des Landes die Kohüsionskraft vermindert, und die Bevölkerung hat sich, eines einheitlichen Zentrums beraubt und durch die Ungleichmässigkeit des Landes geschieden, in deutlich getrennte Orupnen geteilt." Das Gouvernement al־‘Arfsch bildet einen TeiL des südlichsten dieser Gebiete. Die gewaltige Kalkabdachung. welche sich wellenförmig zur Küste berabsenkt. wird vom Mittelländischen Meere durch einen schmalen Saum alluvialen Bodens und durch den grossen Sec Bardaml getrennt, de.» letzten ee״en Osten aus dem Lapunenkranze. weclrc der Grenze der Lvbischeu Wüste gegen Palästina hin folgt. Die eine und andere Hügelkette erhobt sich hier und dort, von ihrer Umgebung um so deutl'cher *abgehoben, je weiter wir nach Osten Vordringen, bis sich endlich die Formen der letzten Vorfelsen des Hügellandes von Judäa erkennen lasse.“», welche allmählich gen Jerusalem Kintufsteigcn. Das Wasser dieser Vorfclseu sammelt s.ch ־zu einem starken Wädi mit sehr weitem Becken u!!d mit zahlreichen Zuflüssen, aber mit allerdings häufiger Trockenheit: dem WAdi al־‘Arisch. In seinem oberen Teile macht er kaum auf das Aussehen eines ständigen Wasscrlaufes Anspruch, und auch nach Regenfällcn verzehrt die starke Verdunstung und die grosse Dürre der Wüste das Wasser, ehe es den Unterlauf erreicht. Aber gegen den Aufluss hin bringen es die Zuflüsse und die starken Regenfüüe dazu, dass eine bescheidene, aber dichte Wassermenge zum Meere abfliesst, und da wird er ein bedeutender Fluss. Qucliwas/scr fehlt in der Tat in dem Gebiet, und dies bildet das Haupthindernis für eine feste > Kulturansiedehmg. So bemerkt Sickenberger ־ und fügt hinzu, dass man Brunnen gegraben und leicht Wasser gefunden habe, [ aber von bitterem oder salzigem Geschmacks so dass es uumöglich war. sich desselben zu bedkren. Das ist sicher eine ernste, aber vielleicht keine unüberwindliche• Schwierigkeit; wenn das Gebiet besser bekannt wäre, so würden wir eine grössere Menge von Duellen als mau vermutet, aufzählcn ■ können. Eine bescheidene Anzahl von Beduinen lebt in der Umgebung, und neuerdings, im Dezember hat Major Rycroft bei seinem Besuche des Stammes, welcher das HügePand von Moghara - ־ eine vorher wenig bekannte Örtlichkeit ־ bewohnt, daselbst einen grossen Reichtum an Brunnen und Zisternen vorgefunden. w**v״u der grösste CBi'r Moghara), welcher derart in den Felsen gegraben ist, dass nach einem Regen das Wasser der umgebenden Hügel dahin abfliesst, in jenem Augenbl'ck nicht weniger als ls .1 Hektoliter enthielt. So fehlt es euch längs des Oasenweges von Ägypten nach Syrien nicht an Wasser; in der Umgebung der Oasen \־(>t Katiu findet cs sich überall ju einem Umkreise von über 3׳• km wenn man 2---1 m tief gräbt; an vie'en anderen Punkten gibt es zahlreiche Quellen, b'sw eilen ausgezeichnete. ן wie z. B. zu Bi'r a!-־Abd. Bi־r 21-־fiäg, zu Masaid. wenige ׳ Kilometer östlich von al-'Arisch. welches von da seinen Vorrat bezieht. F.s wurde mir versichert, dass in R':s Burün auf dem Küstenstreifen, welchen den Bardanil vom Meere trennt nahe an dem Hügel, wo der Tempel des Jupiter Casius aufsteigt und wo Pomoeius der Grosse begraben liegt."׳) sch eine SiisswasserqueUe befindet: das würde ein zu künftige1 Nachiorsebungen ermutigendes Phänomen sein. ׳ Aber die ergiebigste Quelle in aI-‘Ariseh ist der Regen; das Land, welches durch den Meeressand und durch die Zer- Scheuerung der im Süden befindlichen Felsen einer vollständige׳.! Versandung auhcimfallen würde, hat diese Wohltat allen anderen ägyptischen Landstrichen voraus. ״Es regnet hier mehr als im mittleren Delta; daher eine fast überschwellende Veegetatmn. die durch oen Un'>׳tand begünst'gt wird, dass sich im Süden von Hebron die Grenze befindet, wo die drei ״rossen Rexhe der Flora unserer Erdhälfte s:ch begegnen: die Mittelmeer-Petrion. die der anlvsch- : afrikanischen Wüste und die der zentral-avatischcn Stennen. Das Land al-־Ariscl1 ist ein wahres Paradies für den Botaniker; Wasser, man salbte mich mit duftenden Oclen und rieb den Körper mit Salben ein, man band eine Schürze um meine Lenden und setzte einen Blumenkranz auf mein Haupt. Alsdann legte man ein kurzes Schwert in meine Rechte, eine Pelta an meine Linke, und geleitete mich in ein enges Gemach. Eine dünne Bretterwand schied mich von dem Kampfplatz. Draussen ertönte von Zeit zu Zeit die Tuba, dann ward es still, bis irgend ein Ungetüm hörbar ward, dan heulend auf seine Beute stürzte; da vernahm ich das Knistern heftiger Tritte im Sande, das Rauschen des Kampfes, Schlürfen und Schleppen, vom Weheruf des Kämpfers jmd Schmerzgeheul des Raubtieres unterbrochen, endlich hob sich das Triumphgeschrei der Zuschauer, das langsam be־ Kann und immer höher schwoll, und mit dem Stampfen der Füsse das Gebäude erschütterte; allmählich erlosch es wieder, Schritte gingen 1111 Gange vorüber, Träger der geopferten Menschen und Tiere, eine Pause trat ein. bis die Tuba von neuem schmetterte . . . Kein Leben kam in meine Brust; er; war wieder ruhig geworden in ihr! mir still erleichternd hob mich', die Ahnung des Todes. Ich versank in mich selbst, aber kein Gedanke nach oben richtete sich auf. Der Gott Israels war sehr fern von mir, ich dachte sein nicht. Nicht der kühne Mut des Kampfes kam in das Herz, nichts als die Gewissheit des Sterbens. Auch nicht der draussen harrenden Menge erinnerte ich mich, kein Gefühl des Hasses, kein Trotz der Verachtung gegen die blutigen Tyrannen durchfurchte meine Seele. Nichts als dat; süsse Vorgefühl des Scheidens. Plötzlich öffnete sich die Pforte zum Kampfplatz, die Türhüter winkten mir, ich trat aufrecht und langsam heraus. Der Glanz der Sonne bedeckte den Raum vor mir, und schoss von dem weisscu, buntgefärbten Sande in die geblendeten Augen. Ich schüttelte den Kopt. dass meine schwarzen Locken auf die cutblössten Schultern sich legten. Ich schritt vor und stand still. Fan Ach! entfuhr den Lippen der schaulustigen Menge. Gegenüber sass unter einem Zelte auf erhöhter Bühne der Prokonsul, und schoss raehegliihende Blicke auf mich. Ich sah ihm ruhig entgegen, und senkte das Haupt auf die Brust. Der Römer winkte. Die Tuba ertönte. Die Pforte eines Zwingers öffnete sich. Heraussprang der Löwe von Tadmor. mein Nachbar. Wieder erscholl ein lautes Ach! aus dem Munde der Menge. Bei dem Schmettern der Tuba erhob sic!! der Löwe, erst langsam, dann in schnellen Sätzen umkreiste er mich, endlich mit einem Sprung stand er kampüertig mir

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