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Jüdische Rundschau · 1905-02-24 · Heft 8 (24.2.1905) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 8 (24.2.1905)
Date
1905-02-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 86. No. 8. JÜDISCHE RUNDSCHAU. meinem Sinne, dass Gorkij noch immer in Fesseln des Mordspruches harrt. Hier nur noch eine Einzclhandlung. die zeigt, wess* Geistes Kind auf den Strassen von Moskau durch einen russischen Harnmdius. oder Aristogeiton den Tod fand. Sergius hatte einmal einen Moskauer jüdischen Börsenmaklcr beauftragt, für ihn einen grosso! Güterkomplex aufzukaufen. Er vereinbarte mit ihn! eine Courtage von 10 000 Rubeln, die er erhalten sollte, wenn der Kauf zu stände käme zu einem von Sergius angegebenen Höchstpreise. Dem Juden gelang cs. für den Käufer die Güter sogar zu einem bedeutend geringeren Preise zu erwerben. Als er aber seine Provision erbat, liess ihn der Gouverneur von Moskau, ebenderselbe Sergius kurzerhand ausweisen und zwang ihn durch ein grosses Polizeiaufgebot noch am selben Tage das Gouvernemeut zu verlassen. Es wurde ihm ferner nicht gestattet, zur Regelung seiner geschäftlichen Verhältnisse Moskau wieder zu betreten. Das ist auf eine der viele״, trotz der russischgesetzlichen Maulsperre bekannten Taten des Getöteten. E r h a t e i n unendlich grosses Vermögen hinterlassen. Pässe nach Russland Im BERLINER TAGEBLATT lesen wir am 15. Februar 1905 wörtlich was folgt: ״Die Jüdisch-nationale Frauenvereiuigung saun:־ zur Verwertung Materialien, wie Staniol. Briefmarken (alle deutschen). Zigarcnspitzen. Sie bittet alle, die für sie bereits gesammelt haben, die vorhandenen Materialien bis März an Frau Dr. Hoffnianu, Krausnickstr. M. zu senden und fordert diejenigen, die noch •!ichi gesammelt haben, atfi, durch Sammeln die Vereinigung in dem guten Zweck' zu unterstützen. Sendungen an obige Adresse jederzeit willkommen.‘• י Jüdisch-national - - guten Zweck zu unterstützen -־ . .. Mosse. Levysohn. Kastan. wie wird Kuch! Amerikanische Juden Der bekannte Nationalökonom Prof. S o in hart hi Breslau schildert jetzt, wie mau 1ms von da schreibt, in einem *Vortragszyklus Eindrücke von einer amerikanischen Studienreise. Letzthin kam er auf die New-Yorker Juden- Stadt zu sprechen, von der er sehr interessait zu erzählen wusste. Er machte auch die Beobachtung, dass nur eine Generation der Eingewanderten dort national Zusammenhalte. Die nächste Generation sei bereits entnatioiialisiert und zerstreue sich. Er konstatierte ferner, dass in Amerika das sich das demokratischste Land neune, tu dem aber auch die Phrase eine grosse Rolle spiele, der gesellschaftliche Antisemitismus viel stärker sei. als er es je in Deutschland beobachten körnte. In Amerika fand er eine so absolute Trennung jüdischer und nichtjüdischer Kreise, wie nirgends sonst Als Beispiel führte er an. dass es dem jungen Speyer (der etwa einem jungen Rothschild in Deutschland entsprechen würde) trotz grösster Bemühungen nicht gelungen sei in irgend einen fashionahlen ..Club־* hüieinziikoniiiien. — Charakteristisch für unsere assimilatorischen Juden ist übrigens, dass diese objektive Schilderung, die uns Zionisten ja nichts wesentlieh Neues sagt, von einzelne»:! jüdischen Hörern als Beweis für des Redners Antisemitismus geltend gemacht wurde. Armer Heine! In Barmen gibt cs eine Kmizertgescllschaft. die in den ersten Tagen des Februar das vierte ihrer Abonnements- Konzerte veranstaltete, die von Angehörigen der ersten Gesellschaitskreise besucht werden. Eine Solistin des Abends hatte unter den Liedern, die sic vortrug, auch das herrliche Lied ״Auf Flügeln des Gesanges" gewählt, das Mendelssohn- Bartholdy komponiert, leider aber Heinrich Heine gedichtet hat. Fi jenem Teile Deutschlands durch den die Wupper iliesst. liebt man nun aber den Düsseldorfer Juden jungen gar nicht und kann cs ihm nicht verzeihen, dass er die Frechheit hatte, hübsche deutsche Lieder zu machen. Die Konzertdirektion half sich aus dem Konflikt auf eine ganz geniale Weise — sie liess auf dem Programm diesen einen Dichter- »amen einfach weg. und die Barmeitcr Kuustschwärmcr fanden nun keinen Anstoss mehr, und da nicht anzunehnicn ist. dass diese etwa gewusst hätten, jenes Lied sei von Heine, so war ihr Kunstgenuss ein iieiter ungetrübter. Das war also, um Verwechslungen vorzubeugen, nicht in Abdera oder Schilda, sondern zu Barnten im deutschen Reiche, im Februar des Jahres tieinzehnhundertundfüiif nach Christi Geburt! Weltverband hebräischer Vereine Während der Tagung des VI. Zionistenkongresses wurde in Basel ein W e 11 v e r b a n d aller hebräischen Vereine gegründet, in dessen Zcntral-Komitee die in Berlin wohnenden Herren Schriftsteller Rüben Br a inin, Josef 1. i n und A. M. G o n z a r gewählt wurdv:!. Ausserdem wurden verschiedene namhafte Schriftsteller als Vertreter des Vcrbandcv. in anderen Ländern gewählt. Das Verbands-Komitee beabsichtigt, zur Zeit des nächsten Zior.'.sten-Kangresses i1׳ Basel einen aus L>elegigrte!1 der hebräischen Vereine aller Länder zusammengesetzten Kongress abzuhahui. über dessen Programm das Komitee nähere Mitte lungen machen wird. Anfragen in Bezug auf den hebräischen Welt-Verband sind zu richten an den Vorsitzenden des Zentralkomitees, Herrn Schriftsteller Ruhen B r a i 11 i ti, in Berlin W. 31', M o t z s t r. 64. Volkskurse Berlin. Am Sonntag, de tu 26. F ebruar nehmen die Kurse fiir Deutsch ihren Anfang. Zweck und Ziele der Kurse sind schon angedeutet worden: es soll aber 110:11 einmal zur Teilnahme jeder aufgefordert werden, der mit der deutschen Sprache und Schrift nicht genügend vertraut ist. Anmeldungen von Deutschen und Ausländern sind schon zahlreich eingelaufeu. Der erste Kursus beginnt am genannten Sonntag II Uhr p r ä z is e . G i p s s t r a s s e 12 A II. in dem Lokale des Vereins Jüdischer Studenten. Es ist der freien Verbindung ״H a s 111 11 ״ a e a” gelungen, mit diesem Verein ein Zusammengehen in den Volkskursen her- zustellen. - Abendkurse (speziell fiir Sonnabend) sind für März ii Aussicht genommen. Sämtliche Kurse sind kostenfrei•' Anträgen und Anmeldungen durch med. Felix T h e i 111 a b c r . 1׳ an 11 nvcrschcstr. 4 II. Das Komitee für A r beite r-Biidun gsk u rsc. Rundschau der Presse DIE WELT bringt in Nr. 5 den Schluss des Ussischkinschoi Aufsatzes iiber Unsere O r g a!! i s a t i ׳> n. Der Verfasser fordert da Besoldung der drei an einem Orte wohnenden A.-K.-Mitglieder und schlägt die Gliederung der ganzen Organisation nach Landeskomitees und innerhalb dieser nach Föderationen von' mindestens 30('(.» Scliekclzahlern vor. Der Schekel solle zu 50 e< der Zcotralkasse. und zu je 25 f׳ dem Landeskomitee und der Föderation zufa’.lcn. An derselben Stelle findet sich unter der Spltzmarke ,.Lenzmanns Beschützer" eine Kritik des unwürdigen Verhaltens des ״Zentralvcreins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" der dem freisinnig - asemitisclien Abgeordneten Lenzmann den Dank votierte tiir sein unaufrichtiges Eintreten gegen den offenen Antisemitismus. -- In Nr. 6 bringt DIE WELT an leitender Stelle einen ״Oitencn Brie: an das Wiener Aktionskomitee" von L. J. Green berg zum Andruck, üer auf sechs Seiten nachzuweisen bemüht ist. dass d״s Ugandaprojekt durchaus zionistisch sei in einem weiteren Sinne und sehr gut mit Palästina-Arbeit, für die am Schluss ein ganzes Programm gegeben wird, vereinbar wäre. Die Argumentation ist die bekannte: Gegenwartsarbeit, vor allem Uganda als Erziehungsstatte und als ״vorläufige" nationale und physische Rettung von ..tausenden .luden". Ein grosser Teil der Darlegungen ist offenbar auch an die Adresse von Nichtzionisten gerichtet, die mit den Zionisten gemeinsam dieses Werk durchführen sollen. Nach der Veröffentlichung der neuen Handelsverträge war vielfach die Ansicht geäussert worden, dass nun die besonderen Schwierigkeiten, im russischen Pass wesen fiir deutsche Juden behoben seien. Demgegenüber macht das Organ des Deutsch-russischen Vereins, der RUSSISCH- DEUTSCHE BOTE, darauf aufmerksam, dass in dem Vcrtrage nur die G i 1 t i g k e i t s d a u e r der Passvisa der deutschen H a :1 d 1 u n g s r e i s c 1111 c!1 jüdischer Religion ven drei aui sechs Monate ausgedehnt ist. Es fehlen aber Bestimmungen darüber, wie es mit deutschen Staatsangehörigen jüdischen Glaubens, welche nicht Vertreter gerichtlich eiligetragener Finnen sind, gehalten werden soll; i 11 s b e sonder e ist nirgends gesagt, dass der Pass ohne weitere Schwierigkeiten, vor allem ohne die Frlaubnis des Ministers bezw. des Gouverneurs jüdischen Reisenden visiert werden soll. Mit der Verlängerung der Giltigkeitsdauer für Geschäftsreisende ist nicht allzuviel erreicht: es ist überdies nur ein geringer Prozentsatz der Reisenden, der die Tour länger als drei Monate ausdehnt. Über diese Fragen müsste im Reichstag Klarheit geschaffen werden. Die Bestimmung, dass in Bezug auf die Gewerbesteuer die Häuser, deren Chefs Juden sind, ebenso wie die anderen Finnen 150 Rubel Gewerbesteuer zu zahlen haben statt 500 Rubel, »st immerhin eine Besserung. Nur muss doch betont werden, dass gegen den IS9-J geschaffenen Zustand die Beibehaltung der Steuer eine erhebliche Verschlechterung darstellt. Es ist erreicht! FWÜBf

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