Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1905)
- Date
- 1905-02-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 8. I JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 55. der Bitte um Zustimmung“. In den Debatten wurde nanientlieh hervorgehoben, dass es uimtoghch sei. diesen Antrag anzunehmen, da er nur einen der vielen Grundsätze vorweg nehme, über weiche noch kein zionistisches Programm entschieden hat: durch Besprechungen über diesen Punkt könne man also augenblicklich nicht zu einem Resultate gelangen. Groningen nahm sodann seine• Antrag für ein Jahr zurück. Dem Streben des Misrachi. unter den Orthodoxen Mitglieder zu gewinnen für die zionistische Organisation, wurde auf Autrag Groningen Sympathie bezeigt. D<*r Propagandakonurission wurde Herr Dr. A. van Raa'ti: in Dordrecht zugefügt und nach dem Singen der ,.Hatikwälr d e Versammlung geschlossen. — Rundschau — Gesellschaftlicher Antisemitismus Wenn uns Zionisten von ״liberalen“ Assimilanten oft entgegengehalten wird in Deutscliland hätten d'e Juden Ja nur gegen das kleine Häuflein der Antisemiten zu kümpien. im!ihrigen sei alles gut und schon, so haben wir demgegenüber oft;,ui die Selbsttäuschung liiugeu :esen. die darin liegt, de״ Antisemitismus hei allen anderen Parteien nicht selten zu wolle!. den gesellschaftlichen Boykott, von dem;teilte bereit'« kaum der alierreic! ste Jude noch verschont bleibt den; aber itemumdneun/.'g Prozent uer deutsche!1 Juden unbedingt unterliegen, ignoriere'!! zu woben,!:inen interessanten Beitrag /!! diesem Thema liefert ::mi nute! öl iger Spit/marke e!: Artikel von Dr. Karl B o 11 uu• in der DHITSCHHN TAGHSZHITUNG. Hr lässt zweifelhaft. oh die . Vere'ne־ Deutscher Studenten“ als antisemitisch zu bezeichnen seien und führt dann fort: ..Wir wollen heit der Uebcrztugiingen zusammcmasscii lassen: 1. ..Die höchste Kultur w ird mir du ui hervorgebracht wenn es jedem Volkstum ermöglicht wird, sich in denkbar grösster Reinheit zu entwickeln. Deshalb ist es notwendig, den Gegensatz zwischen deutscher und jüdischer Denkart und Geistesrichtimg. die etwas grundsütz! 'eh Verschiedenes sinJ. aut allen Kulturgebieten klar zu legen. 2. Die Geschichte des Judentums hat gezeigt, uass es keine staatshilciende, sondern eine staatszersetzende Kraft gewesen ist. wie das auch seine politischen HreunJe. z. B. Theodor Mommsem durchaus anerkannt halten. Deshalb erfordert es der Selbsterhaltungstrieb des deutschen Volkes, dass es an die Spitze schier politischen, wirtschaftlichen und allgemein kulturellen Vereinigungen im grossen wie im kleine!: deutsche Männer stellt und den jüdischen Him'ltiss beseitigt.•• Zu diesen Grundgedanken hat sich die ungeheure .Mehrbeit der Mitglieder der Vereine Deutscher Studenten allerdings stets bekannt ohne dabei irgendwelche Ausnahmegesetzgehting gegen das Judentum zu verlangen. Stehen mm mit diesem gesellschaftlichen Antisemitismus, oder, falls man dies lieber hört. Asemitisimis. die Vereine Deutscher Studenten, wie die jüdische Presse gern glauben machen möchte, allein, zunächst auf akademischem B״du!? Hs dürfte doch wohl bekannt sein, dass dem Beispiel der Vereine Deutscl er Studenten mit dem grunosät/lichem Ausschluss der Juden aus ihren Verbindungen nicht mir Korps und Burschensehattei!. sondern auch Landsmannschaften, rarbcutrageude lind schwarze Turner, die ungeheure!Mehrzahl der wissensehaitliclieii Vereine mul der ireici! Verbindungen, kurz die überw iegende Mehrheit der stiideuiisel cn Vereine gefolgt sind. Der Sprachgebrauch der Berli ׳er Studentenschaft unterscheidet kurzweg zwischen Verbindungen, Vereinen und Blasen wobei unter ״Blasen" solche Verbindungen verstauden werden, die auch Jtiden uufiiclimcii. Bezeichnend t'iir den gesellschaftlichen Antisemitismus, der in den deutschen BurschensJ alten herrscht ist die Hrkiärung emes Vertreters ei ׳er Berliner Burschenschaft auf den Vorschlag, einen Ausschuss der Studentenschaft nach dem Muster der Lesehalle wählen zu lassen: ״Ich muss erklären, dass wir riir ein \\ ahlverfahren. bei dem auch Juden hineinkommen, nicht zu haben sind, da wir grundsätzlich mit solchen nicht zusammen arbeiten." Us ,bedarf keiner Hrwälmung, dass Herr Dr. Böhme ein strammer Antisemit ist; gleichwohl aber verdienen seine Ausführungen, soweit sie sich auf sachlichem Boden bewegen, alle Beachtung. Dass das Germanentum eine mehr staatsbildende Kraft sei als das Judentum - das Germanentum, das die antiken Staatswesen zerstört, die antike Gesellschaft zersetzt und die römisch-griechische Kulturwelt in das .Mittelalter hincingeworfcn hat - das Iiliebe doch noch zu bewe'seii. Nachdem dann uer Verfasser geschildert Irat. wie der Antisemitismus auch die Dozeutenkrc'se ergriffen hat. fährt er iort: ״Wir verlassen damit den akademischen Boden und hegehen uns in die Werkstatt der Prav's. Auch hier wird der Hinfluss derjenigen Kreise, die sich an den Hochschulen ihre Bildung holte:׳ und die!*Tage des gesellschaftlichen Ant'scmitismus durchdachten, ein immer stärkerer. Aus den jungen Rcimrndurcii. Ärzten. Kn 'd;date״ der Theologie und Phi;os״p!ue. die Mitte' der achtziger Jahre mit so gänzlich vom landläufigen Liberalismus;׳!.gewandten Anschaumigen in die Praxis traten, sind heute schon einf'.ussreiche Männer geworden schm! befinden siJi unter ihnen Oberregicriingsräte. höhere'Geistliche Wynmasb'direktoreu Reichstags- und Landtags-Abgeordnete. Immer dichter werden die Scharen, immer weitere! Zuzug kommt von der Universität, immer mehr studetiticcJ e Verhiudtmgcu haben die Aufgabe des gescllschaiticheu AuLsemitisnu־> in sich durchgekämpf! und senden ihre Mitg'K!׳.׳• m d e Praxis, die siel; in ihr dann von den A.H.. A.IL der Vereine Deutscher Studenten in kehter ’,.' eise• umersek.eidcu. .Noch findet mm! in den Gasthäusern der kleinen Städte PHRLINHR TAGHLM.ATT u d HR.V'.KITRTHR ZHiTUNG ah Lev.ד!0.זי für die jiuiuckcu Ha:vlm:g>reisei'.de;־.;:her :■>1s d.-r Häiis’iwhkeit von Ohe-rle* rcru Arzte»! m; J .lun-te'i sind ** c v;״• scliwm den. I •HLTSC׳!1׳! ZHITUNG J T GLICi!!';.•'.Niי- I SCHAU, sowie die D!:UT>CMH TAGHSZHITlN'Gi a. von;.!!uliehe:;! geselbchaftlichem Anbscm:t!sm!is!<•״>■ ee:t. w ie i d:e S:uudertcr1«cha::. sind an :h./e Ste!'e ecfs.ua. t:f1;v der- I artige Verse•;;־.. a!n:g!1! Je.! G!n1.׳d!.׳s.i1;‘<:1;1:ge•’ d׳:r ־!!־..:de-; tn:sc11״־״ Kreis*.• 11;*:;.. :!:״*!• :.:icli u'v.i'ia R;.c'־.v 1:״;!־:■ gc1־; aai!:• ktischem Get :׳!!;/ ז.־ H׳ lg״ .M:'t..;׳.cr w•'•.• B ״• n: 1־• e .־. ־.־! 1r׳d L a s k e r s'iiä heute it: der nut!*?hl'cr־•;,! י.*-־,*-־:ei urmög-;!!!er verdächtige Aiide-titschc wie!lasse und Dr. Beckerbad! erfreuen sie!׳ grossen Kmiins^es u::J .-'••sches: auch auf dem Kommers des Vereins Deutscher Stu Jentc•: s׳־m m 0. natior,;illiberale Abgeordnete. Selbst Lugen Richter, so s.'r er auch auf die bösen .Ant sem'tei Wettert v ag: nicht me'ו zur Reichstage wa!1! Jaden an Jets wie als Zühlhandidate.: zu \ 1 יw <; den. Der gesellschaftliche Antisemit smus ist eine Macht gewerde•!׳ im politischen Leben unseres Volkes etirch den Hinflnss d^r akademisch gebildeteti KtvIv;." Diese letzte Behauptung tri:'« unzweifelhaft das Richtige. t!1׳d ׳.׳ucl die* vorhergehenden mlit'sckcii Ausführungen dürften nicht we'tah xmi der W'irkliciikeit seit:, h'ür die Juden aber sollte es nicht ohne Interesse seit: solche Aus.iilmmgen eines Deutschen zu vernehmen, die Ne mehr zum Nach Je!׳keil auregen müssten, als der antisemitische Grat* m't ie'.vni albernen Geschwätz. Dies nie•:•׳! kaum noch jemand er! st nicht einmal die ״Heil ־-Rufe, der Piicklerversamm’u; gen. aber liier, in d.m Auisat/. des Dr. Buliuie. das ist A 11 t i s e in; t i s 11111 s der Tat: und der ist wichtiger und ernst•.r zu nehmen, als eine gewisse lihe-ale Presse es zugehui w iü. durch, die* sich die deutschen Juden leider immer noch blenden lassu!. Nicht Ross, nicht Reisige .... Der Mann, uer am vergangene״, hreitag den Strassen von .Moskau den Tod fand, vor dem <:r mit bösem Gewisse•! und in luu.ger l*'u־׳c!:t flott v..! e’ner der Hanptvertreter jenes rnssischot Batliareutums. unter desse*־׳. Kirnte ein so grosser Teil unt eres Volkes seufzt. Sergei Alexandrowitsch war eines der ..geistigen" Häupter jenes Russeuttuns. das niemals verstehe״ wirJ, das - d!e Liefe des \ ־aterlanues und die Lebe des freien Mannes es ist. die ei׳: besseres Schild für die Brust der preussisehen Herrscher abgibt. als es ein Aufgebot von Polizisten und bezahlten^ Soldnern je vermöchte. Aber es wäre verkehrt, hier den Charakter eines Mannes ab/uzeichaen. dem niemand eine Träne 1.ichweint, ausser *den T11.׳!se11.ie1׳ und AbertauseiiJcn die ü:11;e• e״'׳e!u der Mörder ihrer .Augehörigen fluchen. Urs genügt es. 11׳׳־ erinnern, dass, vier getötete Sergius es war. J-;r wie Pieiiwe unser Volk hasste und verio’gte. dabei sich aber in den Mantel C'irist'i Jicr Hrommigkeil Iml'te. die dadurch nicht gewann. I; r war es u. a. der die hum erttausenJ Seelen zählende indische t'•citieiii Je .Moskaus a״ e nen. 'tage durch Austreihu ׳g vernichtete. Das war eine noch viel elendere ״!J fiucli w, ürutgere Tat als die Pleliwesche Jt'Jenvc;I־»!gung Kfchmew 11, j Hornel. Zu den Käufern der inJi־־cl,c!1 Hanse•!־ i:1 Moskau gehörte in erster Linie auch die Vermögct'sve: .valttmg u׳*s (ioavernenrs. In seinem Sinne waren .־,!.er auch die Urteile von K:schmcw und Hontet ge.nllt, ::: dviieu die Mörder;reigcsprocheii lind die 11׳׳scl1t1ldige11 •Gpt’er verurteilt wurden. Ilbeiiso war es in vielmehr zugcbei,. dass die um; Verhandsmitgiieder gewisse allgemeine besitzen, die sch etwa in fo! :ehetire Mehr- , antisemitische j :enden Sätzen lieh Gm -r i v