Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1905)
- Date
- 1905-02-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 8. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 83. aber anders, so ließt die Ursache in der abnormen sozialen Stellung und Verteilung, die die Juden haben, nicht aber in einer anderen Weltanschauung, denn nii humani a Judaeis alicnum puto. \V. f. Nachbcnierkung der Redaktion: Wir haben diesen Ausführungen nicht nur als einer Entgegnung auf den Artikel von E. M. J. Raum gegeben, sondern wc:| uns eine Anregung zur Diskussion dieses Themas in I reisen unserer Oesinnungsgenossen erwünscht war. Denn wenn auch der Autor obiger Zeilen, wie uns scheinen will, eine recht diskutable Erklärr u 11 g der von E. M. J. getadelten Erscheinung gegeben hat. so erkennt er ja wohl nicht nur dre Tatsache an. sondern auch die Berechtigung und Notwendigkeit des Wunsches nach einer Acndcruiig dieser in jedem Ealle bedauerlichen Erscheinung. Und wenn der Zionismus, der die allgemeinen politischen und sozialen Ideale des Judentums wieder geweckt hat. auch das seine beitrüge zum Erwachen leider überall etwas versunkener persönlicher Ideale, denen E. M. J. sehr mit Recht eine weite soziale Perspektive gab. so würde er eine Gegenw artsarbeit verrichten, die zugleich sich darstelitc als ehes jener Kulturwerke, die unbemerkt aber unvergänglich sich entflechten in das ewige Gewebe der Zeiten. —I Aus der .Beweguijg ן— Berliner Zionistische Vereinigung. Donnerstag, den 23. bebruar, ab 9 Uhr. spricht in den Konigssälen. Neue König- Strasse 23 (Eingang Wadzeek-str.) Herr Dr. E. Simonson: .Zur Ostafrika trag e.“ Ebenda findet am 2. März die Ocncr a Iversa tn m I u 11 g statt. - - Nationalfond buchsen sind bei brau Lina W agner. Prenzlauer Allee 9, zu beziehen. I) e p e s c h e 1! i o r mti I a r c von der Expedition der ..RUNDSCHAU“. Augüststr. 39j. Bis zum j I. März ist;׳och ein Diskussionsabend (Thema: ...I ü d i s c h e r Nationalismus und R e f o r m j u d c n t u in") und ein Vortragsabend, der uns Rabbi Mdr Rothenburg als Zionisten näher bringen so!!, in Aussicht genommen. Berlin. Am Donnerstag, dem 16. d. Mts. hielt Herr Dr. S o s k i 11. Mitglied unserer P a I ä s t i 11 a - K o nun i s s i o n und Redakteur von ALTNEULAND, einen überaus instruktiven Vortragiiber das Thema: .()rossknlonisation und K 1 C i n k o 1 o n i s a t i o n“. Der Redner ging aus von der Konstatierung der historischen Tatsache, dass bislang noch kein einziger Versuch einer * Gros skolonisation, die sich im landläufigen Sinne mit dem Begriff Schnei koloiüsation decken mag. seitens europäiscltcr Völker zu einem glücklichen Gelingen gedielten ist. Nur. wenn ausscrgcwöhnliclie Naturreichtümcr. wie Gold- und Diamantfunde, den Strom der Einwanderer mit magischer Kraft an sich zogen, konnte von der Bildung einer grösseren Ansiedlung in verhältnismässig kurzer Zeit die Rede sein. An der Hand von Zahlen wurde der strikte Nachweis gebracht, dass dort, wo diese Umstände nicht Vorlagen, die Besiedlung neuer Länderstrichc nur sehr langsam vor sich ging, trotz der günstigsten Naturvcrhältnisse und der kräftigsten Förderung des Kohmisatlonswcrkcs durch den kolonisierenden Staat. Weiter wies Dr. Soskin darauf hin, dass im Wesen der beiden Begriffe (Gross, und Kleinkolonisation) kein prinzipieller Unterschied bestehe, und machte den Versuch, der allgemein herrsehenden Unklarheit ein Ende zu machen auf dem Wege der Ersetzung dieser Begriffe durch die das Wesen der Sache sicherer treffenden Bezeichnungen: Systematische und systemlose Kolonisation. Auch hier brachte der Redner Nachweise aus der modernen Kolonisation. Der zweite Teil der Ausführungen beschäftigte sich mit den Aufgaben der zionistischen Tätigkeit in Palästina. Aufs energischste wies er die vielfach laut gewordenen, bis zu Verdächtigungen sich steigernden Befürchtungen zurück, als ob die Palästina-Kommission auf dem Wege sei. zu der Tätigkeit des alten Chowewe- Zionismus zurückzulcnkeii. Er betonte den allgemeinen grosszügig-nationalen Charakter der vo!< der Kommission vorgeschlageucn, teilweise der Ausführung naben Unternehmungen, wie sie sonst ■nur von einem kolonisierenden Staate in Angriff genommen werde. Gleichzeitig verlangte er entschieden, wie es in derselben unzweideutigen Weise neuerdings ein anderes Mitglied unserer Kommission. Prof. Warburg. öffentlich getan hat. energische Unterstützung der systematischen /׳eihewussten vorbereitenden Kolonisationstätigkeit durch parallel lauf c 11 d c e b ciiso ziel b e v 11 s s t 0 und syst em a t i s c h e p o (i t i s c 11 e A r b e i t. Als programmatische Fordern »g stellte Soskin auf: Politische und w i r tschaft liehe Erwerbung Palästinas, beides in gegenseitiger fruchtbarer Wechselwirkung. In der sich mm entspinnenden lebhaften Diskussion traten die Herren Dr. Julius C i t r o 11 und oaiid. phil. Moritz Baum den Ausführungen des Referenten entgegen, indem sie der An- I schauung Ausdruck gaben, dass die Inangriffnahme irgend welcher praktischer Arbeit in Palästina Chowewc-Zionismus wäre und unsere politischen Bestrebungen gefährde. Demgegenüber verteidigten die Herren Dr. Israel Auer h a c h. Berthold Feiwcl u;d Davis Trietsch vollinhaltlich den Standpunkt der Palästina-Kommission, indem sie noch gcwichtige neue Argumente ins Feld führten und die Befürchtungen der Vorredner gründlich zerstreuten. Dr. Katz und Dr. Albert O o l d b c r g nahmen einen vermittelnden Standpunkt ein. Der Piskussionsabend gehörte unzweifelhaft zu den intercssantesteii und belehrendsten, die wir in Berlin gehabt haben. Es ist nt der Tat ein tief empfundenes Bedürfnis, dass gerade jetzt, wo au den einzelnen Zionisten die unabweisbare verantwwrtungsvolle Frage herantritt, zur Koloms&rionssache klare Stellung zu nehmen, durch instruktive Vortrüge die Basis zu anregender, fruchttragender Aussprache gegeben wird. Berlin Die J fi d i s c 11 - n a t i o 11 a l e Krauenvere i n 1 g u 11 g bittet alle diejenigen, welche noch Vorrat an Staniol, Briefmarken. Zigarrenabschnitten. Zigarrenbänder etc. Mädchen nahm Kiesel und rötlichen Sand aus dem Bette i des Chrysorrhoas und warf sie auf mein Haupt, es! schüttelte sich, und sie glitten hinunter; Knaben umj schwirrten uns. und schossen Bolzen nach meinen! 1 Rücken, ich regte mich nicht. Ich fühlte das Gehinnom! nicht in deinem Eden’), Damaskus, und nach den j Aepfcln des Lebensbaumes hält' ich die Hand nicht erj hoben. An den Mauern von Arados sah uns das Meer,! Mancher glitt heimlich herab v״m steilen Ufer, und verj schwand schweigend in der Brandung, ich ging vorüber. J So nahmst du mich auf. vierstfidtige Antiocheia, nahmst ן mich auf in deine weiten Mauern, als Syrersklave. Deine Tore wurden geschmückt mit Lorbeergewinden, als ich einzog, tmsern Siegern zu.* Ehre, die Marmorplatten deiner Strassen, die Merodes gelegt, mit Rosen j bestreut, uns galten die Dornen; zum Palast des Pro- | Konsuls wurden w ir getrieben, die gattende Menge warf Pechkränze um unsre Schulten!, ich licss sie liegen. Da trat er hervor, der weingerütete Römer, und las sieh aus, die ihn! gefielen: ich war darunter. Ha, er erkannte mich! ״Ainnon,“ rief er, ..Jujada’s Sohn, bist du’s? *) Bekanntlich hielten die Bewohner von Damaskos Hi re Umgegend für die Stätte des Paradieses. denkst du noch, wie wir kämpften und rangen am Fusse der Antonia vor einigen Jahren? Ich hatte eine Dirne deines verfluchten Geschlechts mir erkiest, und du entrissest sie mir. Zitterst du?“ Ein Blitz durchfuhr meine Brust. Schon wollt’ ich jubeln, dass die Geister wieder erwachten in meiner Seele, dass das versteinerte Herz wieder zu zucken beginne. Aber es war schnei! voriibr, und öde wie vorher. ..Ich werde dich wiedersehen!“ rief er mir zu. 1111J stiess mich in die Reihe derer, die zum Kampispicl. zum Kampf mit den getangeiten Tieren der Wüste bestimmt waren. Man zieht mich durch weite Höfe des Palastes, man schleppt mich durch finstre Gänge. Da brüllt der Löw e in seinem Käfig, der Panther heult gegen die Stangen seines Gitters, und neben diesen ist meine Kammer. Wir sind Nachbarn. Löwe von Tadmor, gelagert neben dem Löwen von Juda, da wir uns begegneten in den Steppen Arabiens, und mein funkelnder Speer sich grub in deine j Weichen, mein blitzendes Schwert dir die Tatze abi löste -- jetzt sind wir beide des Römers Sklaven, und ' harren seines Winks, uns zu zerfleischen zu seiner | Augenweide. Es ist nur ein eisernes Stangennetz, das j uns von einander trennt. Oft stehen wir uns gegenüber. ‘ und dein grosses Auge staunt, dass sich sein Blick in den