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Jüdische Rundschau · 1905-02-24 · Heft 8 (24.2.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 8 (24.2.1905)
Date
1905-02-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite &?. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 8. jüdische Kinaer dem Acker- und Gartenbau zuzuführen. Er hatte auch von vornherein den richtigen Gedanken, dass man den Knaben möglichst früh die Liebe zum Boden eiupfhnzen muss. Allmählich aber kam er zu der Überzeugung, dass für alle Kinder eine derartige Erziehung segensreich sei. Und so trägt die Ahlemer Anstalt mit Recht die Bezeichnung ,Erzichungsanstalt‘* und nicht Ackerbauschule oder einen derartigen Namen. Will man mit wenigen Worten das Lebenswerk Simons schildern, so. darf man sagen. tkus sein philanthropischer Instinkt ihn den Typus des Erziehungshauses hat finden und verwirklichen lassen, welchen die moderne Pädagogik empfiehlt und welcher gegenüber dem bisherigen Leben in grossen Städten und der Beschäftigung mit abstrakter geistiger Tätigkeit bei der jüdischen Bevölkerung eist recht geboten ist. H. M. C. Mammonismus und jüdische Ehe In dem Aufsatz ..Der Zionismus und die tieiratstrage*■ in No. 6 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU hat E. M. J. eine Krage angeschnitten, die in jüdischen und vielleicht noch mehr 111 uichtjiidischen Kreisen schon lange ein Gegenstand der Erörterung ist. nämlich die Krage der Ehesclilicssung unter den Juden. Es ist nicht zu leugnen, dass die Beurteilung der Art und Weise, wie unter den Juden, hauptsächlich des!Mittel- Standes, meistens die Ehen zustande kommen, überall eine ebenso ungünstige ist. wie die der Verfasserin. Nur glaube ich. geht der Aufsatz zu weit, wem! er den Matunionismus als alleinige Ursache dafür erachtet. Demi der Mam:n<>nis:1;us ist ein W e 11 a 11 s c 11 a u 1! 11 g . die alles unter dem Gesichtswinke! des Geldes betrachtet, als. auch die Ehe. und es wäre merkwürdig, wenn in punkto Liehe die Juden anders denken sollten, als alle anderen Völker, dieselben Juden, die ein Schir hascltirim hervorgebracht habe!’, das den Vergleich mit jedem andern Liebeslied aushält. An. einem so elementaren Gefühl, wie cs die Liebe ist, w erden auch die abnormen sozialen Verhältnissc. unter denen die Juden seit dem Beginn ihrer politischen Unselbständigkeit leben, niehts naben ändern können. Wir müssen also davon ausgehen, dass die Liebe auch im Ir.nenlel^n der Juden keine andere Rolle spielt, als bei anderen Völkern, wenngleich sie sich bei jedem anderen Volke, entsprechend der psychologischen Veranlagung etwas anders äussern wird. Wie kommt es nun. dass trotzdem die Liebesheiraten bei den Juden, wenigstens des!Mittel- Standes, verhältnismässig seltener sind. Denn dass dem <o ist möchte ich gleich E. M. J. als eine Tatsache annelmien. wenngleich es sich statistisch wohl kaum wird nachweisen lasse*!. Meines Erachtens liegen hierbei drei Gründe vor. Der erste ist der. dass die Juden in ihren beruflichen Steilungen lange nicht einen so sicheren Stand haben als die Nichtjuden Dem Juden gehen meist alle jere Berufe ab. die eine, wenngleich vielleicht nicht glänzende, aber doch auskömmliche Zahl kaum vermindert; um ein Schwert zwei Junglingc, um einen Modus Gerste* drei Jungfrauen, und ich, der Sohn des Pursten Jojada. ich, ein Sprössling aus Sauls, des Königs von Israel. Geschlcchte, ich, der kräftige Jüngling in der Blüte des Lebens, werde erhandelt um eine״ Kuchen aus Weizen. — — O, ihr Städte Judäas, ihr, hohe Burgen und offene Flecken, die ich einst auf kühnem Rosse im goldenen Panzer durchzogen, teil salr eure Ascherihaufen. zog an euren Trümmern vorüber, und meine Fesseln drückten mich nicht, mein Sklavengewand schämte sich nicht; da ich euch erblickte niedergeworfen und die Säulen des Rauches noch wirbeln aus euren Brandstätten, wie konnte ich wehe! rufen über meine wunden Fiisse? — Da erhob sich ein roter Brand an! östlichen Himmel, der clterne Himmel schrumpfte vor einem Rande grauer Wolken ringsum zusammen und verfalbte in giftiges Gelb, ein Schwefelgeruch drang durch die stillgestandene Luft, die Wüste erhob sich in schwellenden Sandwogen — der Samum! schrie der Haute, der Samum! Sklaven- Händler und Sklaven, der Samum! Römer und Jude die Tiere wälzten sich aut dem Boden, die Ketten rasselten, und alles wart sich zur glühenden Erde — nur ich stand aufrecht’, und sah den niedergeworfenen und vor allen Dingen sichere Existenz gewähren, die also ein Heiraten nur nach Neigurg am ehesten ermöglichen, das sind die meisten BeamtenstelLn. Der Jude, der einen kaufmännischcu Beruf vertritt, hat zu allem \\ cclisclvoilcn. das mit diesen Berufen an sich Verbünde» 1 ist. auch noch mit der Tatsache zu rechnen, dass er als Jude hie und da Ablehnung erfährt, ein Umstand, der ihn ungünstiger stellt ab den nichtjüdischen Kaufmann oder Akademiker. Was Wunder als«'׳, wenn der Jude, sobald er zur Ehe schreite:, auf diese finanziehe Unsicherheit Rücksicht nimmt und etwas Vorsicht bei der W'ahl seines Schwiegervaters wuiten hisst? , Wir müssen ausserdem immer vergleichen, wie es heim Eingehen einer Ehe bei de 1 Nichlinden der deichen Gesellschaftsklasse zugeht. Bei den oberen Zehntausend wird ebenso wie bei den reichen Juden daraui gesehen, dass möglichst Gleichbegiitorte Zusammenkommen. I!n Mittelstand mag wohl die Liebesheirat bei den Nichijuden häufiger se:n, eben weil dieser das Hauptkontingent zu den sicheren BeamtcnstePen liefert. Der Bauer heiratet meist nach Geld, und auch der Arl>eUer fühlt sich nicht unangenehm berührt, wenn seine Auserkorene ein Sparkassenbuch in die Ehe mitbringt, obwohl gerade im Arbeiterstand durch die Freiheit des Verkehrs der beiden Geschlechter unter einander die Anbahmng von Liebeschen am häufigsten ist. Es wäre interessant, zu wissen, was den jüdischen Proietaricr des Ostens zur Ehe fuhrt, ob er sich hierin wesentlich unterscheidet v■;! dem cfiristl clicn Proletarier. Der. zweite (}rund dass der Jude beim Heiraten mehr nach Geld sieht, ist der. dass die Juden mehr und mehr Stadler geworden sind, an das reichhaltigere, aber^den Geldheatel mehr in Anspruch ne!1r..nde Leben Ir den Städten gewühut sind und rieht gern mehr darauf verzichte;, mögen. Das gilt für beide Gesch!ec'־;er. Iden dritten und hauptsä.hlichsten Grund aber sehe ich in der Zerstreuung, in der die Juden leben. Man muss sich die jüdischen Gemeinden vors’.-llen als Städte und Dörfer von gleicher Einwohnerzahl. Darm aber, glaube ich. kommen Liebesheiraten ebenso oft vor wie in den gleichen Gesellschaitsklasscn gleich grosser Ortschaften. Um mich deinlieber auszudriieken: ich glaube, dass in Berlin mit seinen 1100*) (׳׳ Jude.! und München mit 9 ,X! ,und Breslau mit 20 000 Juden ebenso viel Liebesheiraten zu stände kommen״ wie unter Nichtjuda ו in Städten von 101000־ bezw. 9X 0־ bezw. 2000'י Einwohnern, immer unter Berücksichtigung des Um- Standes, dass der Anteil an den verschiedenen sozialen Schichten unter den Juden numerisch ein anderer ist. Durch die Diaspnra ist die Liencsmöglichkci: unter den Juden stark eingeschränkt, da die Auswahl eine viel geringere ist. Dass der Wunsch, eine Liebesehe zu schlicssco. unter den Juden sehr wohl vorhanden ist. beweisen die zahlreichen Mischehen, die doch meist die Liebe als Veranlassung haben, nur schade, dass sie die verhägnisvollcn Folgen für das Judentum haben, und dass cs meistens Mesalliancen sind. Mit diesen Zeilen wollte ich sagen, dass die Juden keine anderen Menschen sind, als die Nichtiuden. dass ihr Innenleben so ist, wie das ihrer Mitmenschen. Aeusscrt es sich Knäuel, und safi hinten in das Ungetüm, dos vom Morgen cinheriuhr auf seinem Riesernvagen. ich w ollte nicht sterben, aber den TtJ kommen lassen, wenn er wollte. Der heisse Sandregen sprühte nieder, und versenkte mein Haar, der Sack, der meine Glieder verhüllte, fiel in Stücken verbrannt herunter. Berge wälzten sich auf meine Brust, das Herz schlug mir bis an die Kehle, ich wollte nicht stehen und fallen, ich wollte es geschehen lassen, da brachen die Knie zusammen von selbst, ich •sank nieder, und der Sturm fuhr darüber hinweg, ich wusste es nicht mehr. -- Peitschenhiebe weckten mich aus dem Schlummer der Seele, wir zogen nach Damaskus. - - Grenze Israels, w ie überschritt ich dich? Mein Fass zögerte nicht, meine Gebeine schmiegten *ich nicht au deinen letzten Felsen, nur mit Gew alt losgerissen zu werden ־ ich überschritt dich, wie man die Schwelle des Zimmers überschreitet, in ein anderes zu gelangen. Die Welt war mein Haus worden, und vor den Scharten der Seele sah das Auge niehts, nicht das Alte schwinden, nicht das Neue kommen. Ich schritt und s«;hrin. Kaum schlug das Holmgeschrei des Syrers an mein Ohr. da wir durch Daniaskos’ Tore zogen; wenn der Spottgesang bis zu den Wolken drang, ich vernahm ihn kaum; ein syrisches

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