Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1905)
- Date
- 1905-02-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 81. No. 8. JÜDISCHE RUNDSCHAU. 3. Bestellungen für א a.t ion alf on dbü ehsen sind an die Verstände der Ortsgruppen zu richten. Unser Schatzmeister versendet Büchsen nur an Ortsgruppenverstände. 4. א a t i 011 a 1 f o 11 d d e p e s e h c n ־ Formulare sind ebenfalls von den Gruppenvorständen zu beziehen. Be* zugsquellen für die Gruppenvorstände sind: M. Golds c h m i d t, H a tn b u r g , S t a d 111 a 11 s b r ü cke 12/H; Verlag ״ J ü d i s c 11 c Rund s c h a u‘\ Berlin N. 5*1, A u g 11 s t s t r. 91־ a, und das Zentralb u r c a 11. 5. Seit dem 1. Januar 1905 erscheinen in Wien die ״JUEDISCHEN ABENDE“. Vorträge aus der Literatur der ostjiidischen Volkssprache. Die Mitteilungen erscheinen von November bis April monatlich einmal und kosten pro Jahr 2 Mk. Sic sind von I. Sc 11111 ul. Wien 8. Lange Gas?e 51, zu beziehen. Wir weisen unsere Parteigenossen aui diese Zeitschrift ganz besonders hin, da sie geeignet erscheint, unter den westeuropäischen Juden das Verständnis für die osteuropäi.-che Judenheit zu stärken. 6. Der Verein H a s c h a c h a r i n B i e I i י z möchte, dass ein in der Agitation bew anderter Redner aus den hciiaclibartei; Ortsgruppen einen grösseren Vortrag für Bielitz übernimmt. Wir sind gern bereit, die Yermittehing zu übernehmen. Konsul Simon F'itige persönliche Erinnerungen. Pie allgemeine Anerkennung, dere1 das Lcbeiiswerk des Konsul Simon sieh jetzt erfreut, lasst schwerlich erraten, welchen Schwierigkeiten das A h 1 e in e r Institut im Anfang aui allen Seiten begegnet ist. bei den Schfilern sowohl wie beim Publikum. Es war nicht immer leicht, die Schüler zur Arbeit hcranzuliok'ii und einmal gelang es. sie gegenüber der Weigerung. Rcinigtingsarbeitcn int ,lause vorztinelnnen. mtr dadurch zur Vernunft zu bringen dass Simon selber den Besen ergrif: und den Junget• mit gutem Beispiel vorattgiitg. Kluge Leute werden vielleicht sagen, dass es in einer guten Anstalt zu einer solchen Weigerung gar nicht hätte kommen können. Wer so denkt, vergisst indessen, welchen Schwierigkeiten jedes neue Unternehmen zu begegnen hat. In den jüdischen Gemcindestubcti hatte man die Bedeutung von Ahlem im Anfang durchaus nicht erkannt, namentlich da die Vorsteher jüdischer Erziehungsanstalten.‘ welche, wie damals üblich, mehr Philologen als Pädagogen waren. Ahlem nicht freundlich gegenfiberstanden. Wenn die Gemeinden sich überhaupt dazu herbeiliessen. jemand nach Ahlem zu schicke״, so handelte cs sich meistens utn Jungen, an denen sonst alle Erziehungsversuche gescheitert waren. Es ist der beste Beweis, wie gesund die Erziehungsprinzipien von Ahlem sind, dass mit solchem Material gute Erfolge erzielt wurden, ln einer der Propaganda-Versammlungen, welche das Berliner Lokal-Komitee von Ahlem veranstaltet hat. machte die Mitteilung einer Familie über die bei ihrem Kinde in Ahlem erzielten Ergebnisse grossen End ruck. Der Knabe, w elcher bis zu seinem achten Jahre an Veitstanz litt und kaum ordentlich sprechen konnte, wurde auf den Rat des Arztes, welcher Erziehung auf dem Lande vorschrieh, in Ahlem untergebraeht. Mehrjährige Erziehung daselbst hatte das Kind derartig körperlich und geistig gekrättigt, dass es als normal angesehen werden konnte. Allmählich kam Ahlem zur Anerkennung, ,./eiche u. a. darin ihren Ausdruck fand, dass die Jewish Coloui/.atkm Assoclation zur Ermöglichung von Neubauten eine Hypothek gewährte um! che Anzahl russischer Knaben in Ahlem erziehen liess. Im Sommer dos Jahres 19U-I schickte die Alliance Israelite Universelle einige Lehrer nach Ahlem, welche sich in Gartenbau und Handfertigkeit üben sollten. Konsul Simon hatte auch bei diesen jungen Leuten die Genugtuung, dass sie die Ahlctner Tätigkeit umsomehr lichte■••, je lä/ger sie dort waren. Auch im Publikum iarJ Konsul Simon mehr und mehr Anerkennung, so dass die Zahl der Mitglieder und die Beiträge für Ahlem sich stetig vermehrt haben. Der Propaganda ihr Ahlem war im Anfang Konsul Simons Idealismus schädlich gewesen. Er hatte e! den ersten Berichten über mangelnde Teilnahme iiir Ahlem geklagt: sachlich hatte er damit recht, psychologisch hielt bei dem bekannten Herdensinn der meisten Menschen die mangelnJe Anerkennung vom Beitritt zurück. Erst als die Berichte mehr Zuversicht uuneten, wurde das Interesse des Publikums iiir die Anstalt reger. Konsul Simon, welcher dem Zcmral-Komitcc der Alliance Israelite Universelle angehörte, hatte auch hier das Bestreben, seinen Erziehungsideen zur Durchführung zu verhelfen. Er war der richtigen Meinung, dass zu tächst die Lehrer im Handfertigkeitsunterrieht ausgebildet werden müssten, da es an den Platzen in welchen sich Alliance-Schulen befinden, an geeigneten Lehrern fehlen würde. Und nachdem er dies erkannt, gab er nicht etwa den Rat, einen solchen Unterricht im Lehrerseminar der Alliance zu Auteuil einzut'iiliren, sondern kurzerhand schenkte er dem Institut eine grossartig eiligerichtete Tischlerwerkstätte. Bei einem seiner letzten Besuche in Paris konnte er sich daran erfreuen, dass für die umfangreiche neu erbaute Bibliothek der Alliance die sämtlichen Tischlerarbeite.• von den Seminaristen gefertigt waren. Es ist vielfach so aufgefasst worden, als sei es lediglich das Bestreben Simons gewesen, eine Anzahl von Knaben dem Gartenbau zuzufiihren. Pies hicsse seine Idee zu klein anseheti. Vom Gartenbau war er allerdings ausgegangen: aus der Ercude. die er selbst an Pflanzen empfunden (er hatte namentlieh Maiglöckchen gezüchtet), war seine Idee hervorgegangen. O glücklich, wer verzweifeln könnte! dreimal glücklieh, in wessen Herz die Wut aufspringt, wie ein Löwe aus dem Dickicht, und mit furchtbarer Tatze sich und den Nächsten mit Verderben schlägt! Tönt ein Seufzer von meiner Lippe, so ist es der, dass ich nicht verzweifeln kann. - - So stellst du vor mir, brennendes Jerusalem, wälzest dich zu meinen Füssen, sterbendes Israel, und mein Herz zucket nicht dabei. Ich höre das Zischen der Flammen, w ie sie aus dem Allerhciligsten dringen, ich höre das Poltern der Altäre, wie sie meinander stürzen, ich höre das RaiGclien der Metalle, wie sic himmterfliesscn vom goldenen Leuchter, die Priester seit’ ich die silbernen Stühle auf die Köpfe der Feinde werfen, und sich in die Flammen, die Jungfrauen ihre Dolche in den Leibern der Römer drehen, und daun in den ihrigen; ich sehe dein hohes Haupt, Eleazar, auf der Spitze eines Rönicrscliwertes. den Arm meines Vaters auf der Aegypterianze, den Busen meiner Mutter von einem kretischen Pfeil durchbohrt, und es ist still in meiner Seele. Meine Mariamne fällt unter den Streichen des Syrers, er reisst meinen Säugling von ihrer Brust und schleudert ihn au die Felswand, dass die zarten Glieder mnherspriihen, und es schweigt in mir. Grassliehe Bilder, die den Wahnsinn heraufbesehwören über die zerschmetterte Speie, warum zieltet ihr vor mir vorüber, ich schaue euch, und tleibe? .Hohnlächelnd schlingt der Römer die Baude um meine Arme; ich, der Sohn des Fürsten Jojada, fühle den Fusstritt des griechischen Knechts; ich trete vor den schwermütigen Titus, und er wendet mir den Rücken; ich werde hingeführt auf den Xystus, wo .vir als Knaben die Spiele tler Jugend gefeiert, dort ist das blutige Gericht, und Tausende meiner Genossen fallen unter dem Henkerbeil des mordbegierigen Römers;;mell dein lockiges Haupt seit' ich fallen, mein Jugendfreund Chananel, auch deine ehrwürdigen Locken röten sich dort mit deinem Blute, mein Lehrer Schammai, und dein Schema wohnt noch auf den erblichenen Lippen des getrennten Hauptes; aber der Arm der Henker ermüdet vom Töten, und ich bleibe übrig mit wenigen. In dem Kerker finde ich mich wieder, die Luft ist verpestet von detn Atmen der 'Lausende, die er utnsehlicsst; zweimal drei Tage benetzt kein Tropfen unsere Lippen, berührt keine Speise unsern Mund, und da ich den Nachbar fasse, ist er, wie Hunderte, zur Leiche verschmachtet. Endlich öffnet sieh das Tor des Gefängnisses, wir werden geführt zu der. Quellen des Siloah, dort sind die Sklavenhändler versammelt, aber die Beutel sind bald leer, und unsre •fr•־*. *T ״»•״■י■"״״ ■'׳״״״ *TP“ . V /*' ■gwir...