Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1905)
- Date
- 1905-02-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite ייא, .INDISCHE RUNDSCHAU No. s. zu schaden ebensowenig Interesse haben wie die Deutsehen zu schädigen.. \\'a3׳ wir ganz energisch betonen wollen, ist nur das: Die Juden im Osten Deutschlands sollen cs endlich einmal aufgeben, sich als ..unbedingte“ Deutsche zu geben * das schadet ihnen bei den Polen und nutzt ihnen nrchts bei den Deutschen ׳sie sollen eine Realpolitik treiben, wie die Polen sie seit langen! treiben, wie die Deutschen mählich nach und nach sie lernen. Wie sehr wir mit dieser Forderung in! Recht sind, dass die Juden cs nicht notig haben, sich von beiden beteiligten Nationen an der Nase heruniftihren zu lassen und ihnen dabei abwechselnd Liebesdienste zu erweisen, dafür zum Belege zitieren wir das Breslauer Blatt noch weiter: ״Wie wertvoll diese entschiedenere Betonung des deutschen Standpunktes (durch die Juden!) für unsere Position in diesem schweren nationalen Kampfe ist, das kann nur der ermessen, der die früheren Zeiten mitcrlebt hat, in denen wir nicht vorwärts kommen konnten, weil auf die Juden kein Verlass war. Denn ohne die Juden ist in der Provinz Posen sehr wenig, gegen die Juden aber fast garniehts für das Deutschtum zu erreichen, sobald es sich um ein Vordringen aus eigener Initiative und eigener Kraft handelt. Unsere ostmärkisclien Deutschen versagen auf allen Gebieten der Selbstverwaltung völlig, verglichen mit dem Elan und der Hingebung, mit denen die Polen hier vorgehen. Und w ir haben es einzig dem Umstande zu verdanken, dass das eigene Interesse schon trüber den Juden verbot, unbedingt mit dem Polcntum zu geben, dass wir, als wir endlich aus unscrem Michelsclilafe erwachten, unsere Position nicht noch viel ungünstiger und mehr erschüttert vorfanden. als es wirklich der Fall w ar.“ Diese Worte mögen die Juden Ostdeutschlands sich merken, denn das ist Wort für Wort richtig. Das ist keine Konzesion an die Juden, sondern einfach das ehrliche Bekenntnis eines nationalen Deutschen, der es den Juden Dank weiss, das.; sie das Deutschtum fürderten. Dagegen, dass die Juden das auch weiter täten, wäre mtn nichts eiuziiw enden, wenn alle Deutschen, wenn vor allem auch die massgebenden Behörden so dächten und entsprechend handelten. Aber das ist seit langer Zeit nicht der Fall. Seitdem Hieb der deutschen öerinamsicrungspolitik im Osten teilweise Elemente bemächtigt haben, die unter dem Vorwände deutschnationaler Arbeit den unverfälschten Antisemitismus in die Bevölkerung I1ineingctragen und ihn auch in die Verwaltungspraxis d?־r Behörden mit Erfolg einziifiihren verstanden haben. Wie sehr das zum Schaden der deutschen Politik ist, das kennzeichnet die gekannte Zeitung sehr gut. An uns ist es natürlich mm nicht, der deutschen Politik Ratschläge zu erteilen. Aber die Juden sollen es sich gesagt sein lassen, das ג solange di.se Politik bei!11 rer heutigen Auffassung bleibt das ureigenste jüdische Interesse es ihnen v erbiet ■e t. in dem Kampf zwischen Deutschen und Polen weiter den Deutschen Dienste zu leisten und sich dafür den Hass der Polen zuzuziehen, der sie wirtschaftlich in vielen Gegenden geradezu ruinieren kann. Oie Schachor. Mitteilung des Aktionskomitees Aui mehrere Anfragen wird erklärt, dass nur die Landeskomitecs und solche Körperschaften, welche keinem Laudeskomitec unterstehen, den Schekel an die Jüdische Koümialbank für das A.-K. abzufuhren haben. Vereine und Distrikte, welche einer LandesorgainVutirn! angehören, haben den Schekel den hetrcffudeii L.-K. abzuiühren. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 1. Die Subskription für das Werk von Moses Hess muss nach Vereinbarung mit der Verlagsbuchhandlung am 1. März geschlossen werden. Bestellungen, die nach diesem Zeitpunkte eingchen, werden nur noch zum Ladenpreis erledigt. Wir bitten daher, etwaige Stthskriptionen baldgefällig st au unseren Schatzmeister. Herrn M a x W o 11 s t c i n e r , Berlin NW. 23. Holsteiner Ufer 10, gelangen zu lassen. 2. Eine Anzahl von Ortsgruppen haben bisher weder S c h ekel noch L a n d e s b e i t r ä g e eingesandt. Wir müssen sie dringend bitten, dies bis Ende des Monats nachzuholcn. Der Flüchtling aus Jerusalem Von Ludwig P h i I i p p s o n. (Nachdruck verboten.) I. .... Ich bin der Mann, der das Elend gesehen unter der Rute seines Grimmes. Er hat mich getrieben und geführt i!1 Finsternis, und nicht in Licht. Er mauerte mich ein. dass ich nicht hinaus kann, belastete mich mit Ketten . . . Schwinge nur deine Geisscl, Römerkueclit. hänge schwere Fesseln an den Leib des Gefangenen, dass er rasselt, wie das u»gezähmte Tie»• im Käficht. wenn es hungert; spei ihm ins Angesicht, und stoss ihm das Kinn wund, dass er aufschauc. Niemals w ird der Tag der Rache kommen, der Tag der Vergeltung, und dein Trotz bleibt ungeahndet. Du gehst sicher umher, und jubelst, und dein Jubeln wird nie werden Schrei des Gestraften. Siehe! der Gefangene ballet nicht einmal heimlich die Faust wider dich, ei hisst die Finger hängen, denn er kennt die Wut nicht — wer das Elend gesehen, wie er, der ballt die Faust nicht: könnt‘ er die Faust ballen, würd’ er sterben. Und wozu liess er sich denn fangen?-Mein Bruder hat sich ins Schwert gestürzt, meine ältere Schwester in die Flamme. Als die I Ströme des Blutes, die von Zijon flössen, uns in der Höhle, die uns verborgen hielt, beinah ertränkten: stürzte mein Bruder sich in das Schwert, die roten Wellen zu mehren sciiieKwits. Als die Flammen, die von Morija troffen, uns in der Höhle schon erstickten, warf meine Schw ester sich in die Feuer, damit sie lustig flackerten auch ihrerseits,!eh aber trat hinaus und liess mich, fangen, denn ich wollte sehen, was da noch werden würde? Ich hatte noch eine Frage an den Gott Israels: was wohl noch werden würde? Und diese wollt‘ ich gelöst haben. ־-- Die Säulen sind gebrochen in meinem Innern, die Zinnen meines Geistes sind hineingefallen in die Vorhöfe meiner Seele, geschmolzen sind alle goldenen Fenster meines Herzens. Aber auch die Flammen sind erloschen, und die Blutströme versiegt und vertrocknet. Ein Kind könnte mich leiten am Seil ungefährdet. Ich schaue mich als einen Andern, ich sehe mich wandeln und schreiten als einen Zweiten, als hätte ich nur noch die Frage an mich: was wird ihm mm werden, dem Gefangenen? — — Wenn mich der Kerkermeister schlägt, lächle ich nicht einmal: wenn der Gefangenwärter mich anspeit, fühl' ich kein Lispeln des Hohns; wenn die Stachel des Aufsehers meine Hand trifft, flüstert der Spott nicht ein Wörtchen mir zu. UU ",V .V; *w*וי^ —&