Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1905-02-17 · Heft 7 (17.2.1905) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651394-2651402--02097-2658985
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 76. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No /. Mainz. Am S. Februar fand die dritte ordentliche General- Versammlung der Ortsgruppe statt. Aus dem gedruckt vorliegenden Jahresbericht gellt hervor, dass dieselbe auch im abgclaufenen Jahre eine rege Tätigkeit entfaltete und elf grössere Veranstaltungen statifanden, welche nicht nur die Gcwinnmig neuer Anhänger, sondern auch die Vertiefung des Zionismus im Kreise der Mitglieder be7.\vcckten. Für den Nationalfonds wurden 205 Mark gesammelt und zur Eintragung der Mainzer Ortsgruppe nach Berlin gesandt. Am Tage des Jahrgedächtnisscs für das verstorbene Vorstandsmitglicd Sicgniui.d Selig wurden zwei Oelbäume gestiftet. Für das Nationalgeschenk an die Kinder Theodor Herzls haben die Mitglieder 152,50 Mark zur Verfügung gestellt. — Die Neuwähl des Vorstandes hatte folgendes Resultat Herr S. Lazarus 1. Vorsitzender, M. Pohl 2. Vorsitzender, L. Lesern Kassierer, H. Bloch 1. Schriftführer, S. Guggen he im 2. Schriftführer, H. Schäfer Nationalfonds־ Kommissar,. H. Meyer und L. Friedmann Beisitzer. Im Anschluss an die Generalversammlung referierte Herr Dr. F r icd c ma nn -Wiesbaden über den gegenwärtigen Stand des Zionismus und fand für seine Ausführungen den Beifall des Auditoriums. München Am 2. Januar referierte D r. Regensbur־ gcr auf einem Diskussionsabend über die zukünftige Gestaltung der zionistischen Organisation, indem er einen umfassenden Ucberblick über die verschiedenen in der Presse vorgeschlagenen Organisationspläne gab. Ein lebhafter Meinungsaustausch schloss sich an den interessanten Vortrag an. Am 9. Februar hielten wir seit längerer Zeit wieder die erste grosse öffentliche Volksversammlung ab. für die wir die Freude hatten. Oscar Marmorek. den stellvertretenden Vorsitzenden des kleinen A.-K.. als Redner zu gewinnen. Sein ausgezeichnetes Referat: ..Die Auswandererfrage und der Zionismus“ fand lebhaften Beifall bei der zahlreich besuchten Versammlung. Er betonte, dass die Frankiurtcr Konferenz in ihrer Bedeutung nicht überschätzt werden dürfe, bisher seien ihre Resultate gleich null. So sehr auch die Zionisten zur Linderung des Auswandererelenäs der Gegenwart mithclfcn müssten, so wären wir doch nicht aus רחמנות Zionisten für die Brüder im Osten, vielmehr wollen wir iiir uns selbst die nationale Zukunft schaffen. In der lebhaften Diskussion, die Marmore k Gelegenheit gab, die zionistischen Ziele noch näher zu erklären, gelang es den Rednern, die auftretenden Assimilanten so in die Enge zu treiben, dass sic selbst zugesteben mussten, sic wüssten keine Lösung der Judenfrage und ihr Judentum, das weder orthodox noch national sei. habe sich zu einer blassen philosophischen Anschauung verwässert. Sehr wesentlich wurden wir in der Debatte, die sich durchaus auf vornehm-prinzipieller Höhe hielt, unterstützt durch eine Gruppe einheimischer Intellektueller, die sich in der Not der Zeit langsam zum National- Judentum und zum Zionismus durchringt. N.-F. 47 Mk. Prag Im Verein Jüdischer Hoehschüler ״Bar-Kochba“ sprach am letzten Montag Herr Berthold F e i we 1 aus Berlin über 0״ s t J ü d i s c h c L i t e r a t u r“. Es Ist bedauerlich, dass infolge der zuerst bekanntgegebenen Absage Dr. Zloclstis der Besuch kein zahlreicher war; denn Herr Fciwe! gab eine klare und feinsinnige Einführung in die Werke der ״Ostjüdischen Literatur“. Zur Nachachtung empfohlen! Die Zionistische Vereinigung in Mainz versendet im Anschluss an die Einladung zur Generalversammlung einen fast drei Oktavseiten fassenden gedruckten Bericht über das abgelanfene Vereinsjahr. Nach einer allgemeinen Ucbersicht. die u. a. den Tod Herzls erwähnt und sodann die Sammlungen für die verschiedenen z.ionistischen Zwecke registriert, iolgt die Aufzählung der ein- /.einen Veranstaltungen mit Angabe der Redner oder der gefassten wichtigeren Beschlüsse. Danach werden Vorträge geuaiint, die im Laute des Jahres in Mainz in anderen Vereinen von Zionisten gehalten wurden. Das Rundschreiben schlosst 1 mit einer Anforderung zur weiteren Förderung der Bewegung und insbesondere auch des Nationalfonds. — Wir bedauern, aus Raummangel den Bericht nicht abdruckcn zu können, da wir es den anderen Ortsgruppen sehr empfehlen möchten, gleichfalls solche kurze gedruckte Berichte herauszugebeit. Indes wird die Mainzer Gruppe sicher bereit sein, ein Exemplar des Berichts auf Winselt zur Verfügung zu stellen. Eine Anregung möchten wir dabei geben: Da das Winter-Semester doch die Hauptperiode unserer Tätigkeit darstellt, wird es vielleicht gut sein, die Berichte nicht vom 1. Januar bis 31. Dezember, sondern vom 1. Juli bis 30. Juni, oder allenfalls vom l.'Okto- 1 ber bis 30. September, laufen zu lassen, damit das Bild einer I Periode mehr einheitlich bleibt. Der Rücksichtnahme auf die! Generalversammlungen lässt sich wohl irgendwie anders ge- : niigen. Hoffentlich bekommen wir nun bald weitere Berichte j zu sehen! . 1 — Rundschau Die Gemeindestube In der letzten Rcpräscntantcnvcrsammfong wurde ir. gcftemter Sitzung u. a. über die Anstellung eines B i b 1 i 0 t h ckars verhandelt, als welcher, wie wir hören. Dr. Moritz Stern berufen werden soll. 111 öffentlicher Sitzung wurden zu Aeltcsten-Steilvertretern gewählt die Herren JusUzrat T: e in e n d o r ■i e r und L e 0 p 0 Id B a d t. Die Dienstinstruktion für den anzustellenden Schularzt wurde paragtaphenweisc durchberaten und erledigt. Zu längerer Debatte gab die Vorlage über die Baupläne für das neue Kranke nhaus Veranlassung. Es soll aui 200 Betten eingerichtet werden, jedoch in Verwaitungs- und Küchenräumen bereits für eine spätere Neuinstaiiienng von 30 Betten vorbereitet sein. Ein Antrag Mannheimer, der den Raum für diese 30 Betten von vornherein mit vorgesehen wissen will, wird abgelehnt, weil es sich da um Einrichtung einer neuen Station handeln würde, die später angebaut werden soll, Iiuerc-ssrait war eine Erklärung des üemeindevorstaudes, dass die Zahl dig zurückgebe. Warburg über Palästina \V a 1־ b u r g, in der Gescllsc wirtschaftliche Ent' sichten P a S ä s t i ״ a s“. /ionistiseke Presse wie die 7,1 verabsäumt, unseren Gesinnungsgenossen rtchtzebig von di; Vorträge Kenntnis zn geben. Am der;1:!deren Seite i ausgesprochen zionistische Thema unsere tmentv e;t sein w VII, seit Jahren st intina :1ar, spr ach Gesi:!nu!:gs:gc '*>>>€ hilästi־•:! -Ko: Prof. . - v,«r ■tf t der Fre ::!;Je", über . .1»! c Ick!u: 1. ff '* IS u n d die A;; s - Leider h. ::!es! sowohl die!istisebe Ye: •ebigang BerE: ׳:> cs das angescnrecxt. er -.tu .׳.tle gen um iJ!- end Assimüar.ten allzusehr beängstigt u! es, dass die überaus interessanten, von ticfeindritige Kenntnis erfüllten und von edier lierzensbegelstwrun tragenei Ausführungen des Redners in einen fast g; leeren Saal gesprochen wurden. Prof. Warburg betaue energisch den Standpunkt des politischen Zionismus, von der Erkenntnis ausgehend, dass mr eine wirtschaftliche Entwicklung Palästinas gleichzeitig zu erwerbende politische Garantieen ־anbedingt notwendig, übrigens auch durchaus möglich seien. Interessante Vergleichspunkte und Perspektiven bot die Gegeniibersteüung Palästinas und des fast genau gleich grossen and gleichartigen Siziliens. Von der Auinahmeiäkigkcifc und der Fruchtbarkeit des Landes übergehend auf die der verschiedenartigen Bodenbeschaffciiheit augepassten Kulturen u* d lndustrien entrollte der Vortragende ei:: fesselndes Bild von den geradezu unbegrenzten Möglichkeiten, die eine Erschliessung des Landes durch die Juden eröffnet. Wundervoll war die Schilderung des grossen ölbaunitages im he ligcn Lande, da alte jüdischen Kinder unter Führung ihrer Lehrer und Eltern hinausziehen würde! auf die Hügel und Berge, um alle die tausende der vom Volke dem Volke geschenkten jungen Olivenstämmlinge. unter Singen und Ereudcnteuern über alle Berge hin zu pflanzen. — Zutu Schlüsse forderte er in energischen begeisterten Worten alle Juden zur tätigen Mitarbeit an dem grossen Werke auf, an dessen Gelingen die jüdische Yolks.hre gebunden sei. — Der Beifall, auch bei N'ich:gesi!:,:un;;sge;,ossct!, die immcrliiii das überwiegende Kontingent zur Yersatr.wkmg stellten, war ein spontaner und begeisterter. Liberales Widerspiel Die liberalen Zeitungen können sich bekaamlich nicht rase* und nicht energisch genug •entrüsten, wenn der Y0RWAERT5. v.ie er das so bisweilen liebt, eine etwas antisemitische fv.:־ierkuug macht im Stile des bekannten ..Mansche oben11 '־. a. W!r hallen immer an der Khrlichkeit dieser Entrüstung uns die erlieblichsten Zweifel gestattet. Heim es ist d •eil entschieden buchst verdächtig, wenn die YOSSISCHE ZEITUNG, die prinzipiell keinen Juden als Redakteur anstellt, sich über an־.is;mitische Witzeleien des VORWÄRTS atiiregt. Dabei wird mau ohne Ungerecbtgkeit sagen düvieu, dass elas doch wub.t tneur dem Wählerfang als den Juden zuliebe •geschehe. Jetzt regt sich min die FREIE DEUTSCHE PRESSE fvormals EREl- SINN!«iE ZEITUNG) darüber auf. dass das sozial Jcmokratociie Zentralorgan im Anschluss an eine Immnnscische Notiz ׳;ber die Berliner Rathausuhr die Bemerkung machte: ..Wer a s . ei:1 wenig Uebimg hat, kam: in Berlin seine Uhr in den hebräischen Unterricht senden, ohne dass er wegen der Tat in Verlegenheit käme. Wenn nur das Emloseti nicht vtviel Kopfzerl•rechen machte.“ Dazu schreibt das Organ Eugen Richters: ״Dasder VORW'AERTS mit antisemitischen Witzen seine Leser .־.•־־

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.