Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1905)
- Date
- 1905-02-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7. JO DI SCH E RUND׳ SCHAU Seite 75. den Debatte beteiligten sich die Herren Dr. Z 10eisti, Dr. C»t r 0 n sowie der Leiter der Versammlung, Dr. Jungmann. Auf Anregung eines Vorstandsmitgliedes der Fricdrichsbcrger Religionsgemeinde wird demnächst eine Agitationsversanunlung des Bezirks Osten 3n Friedrichsberg stattfinden. Näheres in nächster Nummer. Tilsit. Die Tilsiter Zionistische Vereinigung veranstaltete am 2. Februar er. in der Biirgerhallc eine öffentliche Versammlung.8n der Dr. Alb. Goldberg-Neuenahr in formvollendeter Weise über den .,Zionismus als Lösung der Judcnfrage“ sprach. In der Diskussion tadelte ein christlicher Sozialdemokrat das Bestreben der Zionisten, dass sie stets das nationale Moment hcrvorkchrtcn anstatt für die allgemeine Menschenverbrüderung zu arbeiten. Lin Litthauer, ein einfacher Mann aus dem Volke, trat dem Opponenten entgegen. Auch er gehöre einem kleinen Volke an. dessen nationale Kultur bedroht sei. daher j verstehe er die zionistischen •Bestrebungen zu würdigen lind könne ihnen nur den besten Erfolg wünschen. Königsberg 1. Pr. Mittwoch, den 1. d. Mts. iand im Artusho: e;uc öffentliche Versammlung statt, in der Dr. mcd. Goldb e r g - Neuenahr über ..Die Bedeutung des Zionismus für die deuischenJudcn“ sprach. Die interessanten Ausführungen des Redner wurden mit reichen: Beifall aufgenommen. In der Diskussion nahmen ausser den: Vortragenden uje Herren Dr. Pelz lind Dr. Nacht «ow e die Herren Rabbiner ״Dr. Vogelstein und HirschfcIJ das Wort. Hamburg. Am letzten Donnerstag sprach Dr. Kalmus in der hiesigen Ortsgruppe über die Ugandafrage. Der Referent wandte sich einerseits entschieden gegen den tcrritoriaüsnschen Standpunkt. bezeichncte Palästina als das einzige Endziel unserer Bewegung, hielt aber andererseits angesichts der! gegenwärfgcti Notlage die Annahme des Ugandaprojektes für dringend geboten, insofern der Zionismus als Sachverwalter für die jüdische Gesamtheit cinzutreten habe, Empfehlenswert sei in dieser Frage ein Zusammengehen mit den grossen jiidi- : sehen Gesellschaften, doch müsse der Zionistnus durch seinen i Einfluss eine Ausführung in nationalem Sinne sichern. Der ׳ Redner warnte davor, einen Ausschluss der Territorialisten ' aus der zionistischen Partei zu verlangen, solange diese selbst sich noch als Zionisten betrachten. Ein völlig ugandafeind-!eher Standpunkt wurde in der Diskussion durch die Herren Siegfried Levy und Schnelling (Hannover) vertreten, während die Herren Estermann. Bchrend, Bloch und Dr. Besser sich in Übereinstimmung mit dem grössten Teil der Versammlung durchaus mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklärten. j Köln. In unserer Dczemberversammlung referierten die i Herren Dr. Bodenheim er und W 01 ti so.•11 n über die I obligatorische Lieferung der JÜDISCHEN RUNDSCHAU an die Mitglieder nach lebhafter Debatte angenommen wurde. Nationaliomls. — Samstag, den 11. Februar, war eine Versammlung einberufen, die sich eines selten guten Besuches erfreute. Auf der Tagesordnung standen nämlich u. a. die berüchtigter. Vorgänge im jüdischen Kegelklub ״Kuki“, der bei seiner Karncvalssitzung ein vom Vorsitzenden des Klubs ״gediehtetes“ Schmählicd au! die Juden hatte singen lassen oder hatte singen lassen wollen. (Das Singen des Liedes ist nämlich durch die anwesenden Zionisten verhindert worden). Einleitend referierte Herr Julius Berger über ״Die Bcsicdclungsmöglichkeit Palästinas". An den Vortrag knüpfte sich eine interessante und lehrreiche Debatte, an der sich h lebhafter Weise auch einzelne der anwesenden Damen beteiligten. Dann sprach Herr Dr. Bodcnheimer über die schmählichen Vorkommnisse im Kegelklub ..Kuki". Er legte dar. dass wir nicht aus Sensationshascherei diesen Punkt hier behandelten, sondern wcfl wir leider der Ucbcrzeugung sein müssten, dass die in dem Lied ausgedrückte Gesinnung — die nicht antisemitisch. sondern nichts anderes als der Ausfluss eines Mangels an Selbstbewusstsein sei — innerhalb der Juden gar nicht selten zu finden sei. Das betrachte man dann als jüdischen Humor. Aber die Zeit sei vorüber, wo sich die Juden ir. den Kot ziehen Hessen, und wenn wir uns der Antisemiten zu erwehren wüsste•*:, die Schmutzvögel im eigenen Neste woliten wir schon los werden. Er wies hin auf das Schmachvolle des Vorganges, dass dieses Lied in antisemitischen Buchluu dhingen verkauft würde und legte Proust ein gegen diese Selbstentwiirdigir.g. in der leider System liege. Es entspann sich eine lebhafte Debatte, und cs ist bezeichnend, dass auch die anwesenden Freunde des ..Kuki" (und cs waren deren nicht wenige) den Vorfall selbst Preisgaben und sich lediglich gegen die Art «e uer Behandlung durch die Zio-nsten wandtet). Ihnen entgegneten die Herren Wolfsohn und Berger, die es als Ehrenpflicht der Juden bczeichnetcn. gegen solche unwürdigen Vorkommnisse öffentlich zu protestieren. Die Versammlung, die zeitweise etwas stürmisch wurde, lind die nur durch die geschickte Le'tung des Vorsitzenden davon abgehalten werden konnte, den sachlichen Protest zu einem persönlichen zu machen, legte in ihrer einmütigen Entrüstung beredtes Zeugnis dafür ab. dass denn doch eine bessere Zeit angebrochen ist und dass unser Mahnen zum Eigenstolz nicht ohne Wirkung geblieben ist. Herr Wolfsohn verstand cs gcsch'ckt in seinem Schlusswort die allgemeinen Grundsätze des Zionismus zur Geltung zu bringen und man hörte von nicht wenigen das Bc- Kenntnis, dass ihnen der Zionistnus als etwas ganz anderes vorgestcllt worden wäre und dass ihnen das Vorgebrachte jedenfalls einen guten Eindruck gemacht habe. Sammlung für den N.-F. 36 Mark. Duisburg Am 8. d. Mts. sprach ii der Zionistischen Vereinigung G e r s o n.;Wetzlar-Köln, in fesselnder und färben- Weise unter lebhaftem Beifall über seine türkischen Frankfurter Konferenz. Lebhafte Diskussion. Nationalfonds. — | Im Januar iand eine ausserordentliche Hauptversammlung statt,! in weicher Antrag des Jer von ‘rierrn Berger so eingehend begründete prächtiger Vorstandes auf Erhöhung des .Mitgliedbeitrags und * Reiseerinncruncen Nacht hinein. Und was war der Inhalt? Es war eine Geschichte voller Leiden ans der Leidensgeschichte des jüdischen Volkes, aber von kräftigem Geiste durchweht und in die tiefen Farben jüdischen Lebens getaucht. Ich will nichts mehr vorausnehmen, ich will sic euch noch erzählen, ganz und gar, so weit der kühle Atr>- druck der Neuzeit der Glutsprache des alten Juden noch folgen kann .... (Fortsetzung folgt.) Bei Keller und Reiner Jüdische Kunst in einem Salon in Berlin W.l Unglaublich, aber wahr. Doch ein Gewaltiger, wie Lcsser Ury, musste kommen, um sich einen Platz in ihrem Arier- und Kosmopolitentumtriefenden Kreis zu erzwingen. Mau hat ihn, unsern U r y, so würdig wie möglich auszustcllcn versucht. Und doch hat , man heim Verlassen der Säle das Gefühl, dass etwas von seiner Kunst profaniert sei durch diese Schaustellung. Wir empfinden, dass der Künstler uns. den Schauenden, viel mehr gibt als er. der Atelicrmeisch, der Eigcnmensclt, durch diese Schau- Stellung gewinnen kann. Man beobachte nur die Verständnislosen Mienen, mit der unsere reichen Juden die dort ausgelegten Nummern von OST UND WEST. Zeitschrift für ntodcrncs Judentum", in welchen sich M. Bubers vorzügliche ’ Besprechungen Ury Seite r Werke befinden, wieder aus der Hand 1 legen, und man wird mitempnnden, dass Ury, diese herrliche Blüte jüdischer Kunst, zu schade ist für den Salon in Berlin W. — Herr Prof. Pietsch kann sich ja auch in seiner geliebten ,.Tante Voss“ gar nicht genug tun an der wiederholten Fest- Stellung der Tatsache. ..dass eben jedes menschliche Talent seine Grenze habe, und Lcsser Ury nun einmal in seinem Leben nicht werde zeichnen lernen." — Lcsser Ury. und zeichnen! ..Ordentlich soll ich auch noch sein, ist cs nicht genug, dass ich Künstler bh?" Diesen Ausruf Urys teilt uns ein, im übrigen Uryscher Kunst gänzlich verständnislos gegcniiberstchendcr Herr Julius Norden in einer älteren• Besprechung mit. Und: .,Wollen ist Leben, Können ist Tod“, ist ein anderer verbürgter Ausruf Lcsser Urys. Professor Bic tragt heute in der NATION* am Anschluss an eine Ury-Bcsprechung: ..Wird es gelingen? Wird es gelingen, die alte JudettweU attfzubaucn aus jenen stoffloscn Stoffen von tiefster Farbe, die um ihr Schicksal hängen?“ Vor drei Jahren schon hat ihm Lcsser Ury unzweideutig darauf geantwortet: ״Wenn das Judentum die Sehnsucht nach einer jüdischen Kunst habet! wird, so werden auch die schaffenden Kräfte vorhanden sein!“ Das jüdische Künstlertum aber Lcsser Urys formulierte Martin Buhcr in dem Satz: ,.Ury ist ein jüdischer Künstler als Kolorist, als Revolutionär und als Dichter; als Dichter der! jüdischen Seele, unseres Zornes und unserer Liebe.“ i , Alexander Levy.