Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1905)
- Date
- 1905-02-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 74 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 7. Seite entgegensetzen können. Diese Leistungen von unserer Seite zu ermöglichen — an Steile aller diplomalischen Versprechungen und Dienste — muss unsere Aufgäbe sein. Lieber die vermeintlichen bisherigen Misserfolge bei der Türkei ist •so! mge nicht abschliessend zu sprechen,! als wir nicht bew^en können, dass^ tatsächlich die Niclit-Er- :•;',chung unserer Wünsche der prinzipiellen Abneigung der Türkei und nicht etwa dem Umstand z 11 z u s c 11 r e i b e n ist, — dass wir auf ihre Gegenforderung nur e ä n Versprechen. keine Leistung bieten konnten. Es will mir nach HerzPs eigenen Aeusserungen, wie ich sic aus seinem Munde hörte, scheinen, als sei diese letztere Situation schon dagewesen. Ich meine dp Weiteren — bei allem Respekt für den verstorbenen Führer — dass wir kein Recht haben, seinen Satz: ״Auf ein Lebensalter sei von der Türkei nichts zu erhoffen“ als eine unbedingte lapidare Wahrheit für die folgenden Zeiten zu akzeptieren, wie dies so oit geschieht. Abgesehen davon, dass viel Subjektives in den Herzl’schen Erfahrungen stecken mag. wie in den Erkenntnissen jedes Einzelmenschen, meine!ich sehr ernstlich, dass Hcrzl's Ausspruch nur ,.cum grano salis“ aufzünchmen war, dass er mir Geltung hatte mit Rücksicht auf die bisher von ihm erprobten Methoden, und für den Fall, dass er keine ״Machtmittel“ erwürbe. Dazu kommt, dass Herz! in einer begreiflichen Gcmütsstinummg wohl in Bezug aui Palästina pessimistischer war, weil er in der Uganda-Sache opliniistischcr war. Wie dem auch sei. wir dürfen die M e i n ti 11g nicht a u 1 k o m men lassen, dass unsere Politik b e i der 1' ii r k e : in abs e 11 ba rer Zukunft aussichtslos sei. solange wir noch nicht den Versuch gemacht haben. Leistung g e g e 11 L e istung und vom Erreichbaren zu m E r r e •i c hba r e 11 vorwärtszuschreiteu. Und damit kommen wir direkt zur Notwendigkeit der ,Be■ griindtmg einer Basis in Palästina, die die Plattform der Uuterhandlimgen mit der Türkei abgebe״ muss -- :!1 Gemeinschaft! mit den moralischen und materiellen Mitteln unserer Organisation. Und das erhebt alle Programme der Palästina• t ä t i g k c i t auf eine politische Höhe. Die obigen oder ähnliche Gedankengänge haben die Wilnaer Konferenz, wie ich glaube, auch die Palästina-Kommission, zu jener scharfen Betonung der Palästina-Arbeit veranlasst, die beinahe den Eindruck der Eiuseit:gkeit (der Chowcwe-Zion-Mcthode) oder des Verzichts auf Politik machen könnte, wenn man nicht wüsste, dass es oft geschieht, dass man bisher Vernachlässigtes so sehr hervorhebt, dass anderes, was sich erst daraus ergeben soll, als fast Verschwiegenes i!1 den Hintcrgiund tritt. Wenn aber nach Zlocisti’s Anschauung solch ein Palästina- Programm, wegen der Kleinheit der jährlichen Eriolge in einer ״Nebbichkeit" versanden und die Werbekraft des Zionismus für grössere Massen schwächer wird, so möchte ich ihm sagen, dass die politischen Erfolge bei den Mächten zeitlich erst recht unbestimmt sind, dass wir vielleicht aui den ersten Erfolg dieser Art ein Jahrzehnt warten können — und das wäre noch viel mehr Nebbichkeit. w׳enn wir nicht eben unsere Anhänger- Schaft darauf dressieren w'erdcn, den grossen Erfolg erst für eine späte Zukunft zu erwarten und indessen die grosse Liebe und grosse Hoffnung in die kleinsten Arbeiten zu legen. Ungeduldig tmd abtrünnig werden nur die werden, die da glaubteil., der Zionismus sei dazu da. morgen, übermorgen Massen nach Palästina zu werfen; ausdauernd und immer kräftiger werden aber die, sein, denen der Zionismus eine ״historisch• romanische" Sache im Merzen, eine schwere Arbeit von Hindernis zu Hindernis aber in der Tat sein wird. Soviel in aller Kürze, wobei ich wiederhole, dass Vieles ungesagt bleiben musste. —I Aus der Bewegung — Berliner Zionistische Vereinigung. Donnerstag, den IC. d. Mts., abends 9 Uhr. Mitgliederversammlung hu Neuen Klubhause, Kommandantenstr. 72. Herr Dr. Soskin wird referieren über: Gross- und K 1 c i ti -K o 1 o n i ־ s a t i o n. ־- Die nächste M i t g 11 e d c r ־ V e r s a m in 1 u n g findet statt am Doiinersta.g. dem 23. Februar, abends 9 Uhr. in den Königssälen. Nene Königstr. 23 (Eingang Wadzcckstr). Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Emil Simonson: ״Z 11 r ■0 s t a 1* r ו k a f r a g c“. - Die 11 e 11 c r a 1 - V c r - Sammlung wird Donnerstag, der. 2. März, abends 9 Uhr. in den Königssälen. Nene Königstr. 20 (Eingang Wadzcckstr.), abgehalten werden. Der V o r s t a 11 d. Berlin. Am nächsten Sonnabend spricht in der li a s m o - 11 äa. Alte Schönhauserstr 23/21־. Bbr. Unna über Nation a 1 i s n! 1! s. Berlin. Am 9. d. Mts. veranstaltete die freie Verbindung Ha s tu 0 n ä a eine Agitations-Versammlung unter der jüdischen Studentenschaft. Bbr. Ego.ך R o s c!1 b e r g (Rostock) hehandelte eingehend«; die Judcm'rage und stellte als letzte Lösung derselben das zionistische Ziel hin. In der Diskussion kamen fast alle gegnerischen Richtungen zu Worte. Eine glänzende Rede von Dr. Israel Auerbach beschloss die in jeder Beziehung würdige Versammlung. Berlin. Der nächste Diskussionsabend der ...I ü d i s c!1 ־ nationalen F r a u e n v e r e i n i g u!1 g“ findet am Montag. dem 20. d. Mts״ abends 9 Uhr. im Lokal des Montefiore- Vereins Dirksenstr. AG, statt. Fr!. Nora C o s s m a n 11 wird über ..Ticdge und die Jude 11“ sprechen. Berlin. Die am 9. F'cbruar 19115 veranstaltete 3. Agitation*- j Versammlung des Bezirks ״Oste n" der Berliner Zionistij sehen Vereinigung war leider nur schwach besucht. Dr. i C i t r o!1 behandelte als Referent das Thema ״Die Stellung der I deutschen Juden zum Zionismus“. A11 der sich anschliessen- 1 I Jands? Dennoch blieb alles nüchtern an ihnen und keusch, und sie biiekten sich tief, und trugen die schwerste Bürde der Schmach -״ um sieh zu wahren! um sich ihre Väter und ihren Vätern ihre Enkel zu wahren — Knechte von aussen. Helden im Innern. Helden in Knechtesgestalt! - ~ Aber der Jude tmd der Grieche ist anterstanden. Der Jude im Reiche des Geistes, der Grieche im Reiche der Welt. Aber der Jude ist auch da Jude geblieben, was ist aber der Grieche? Sind seine Väter, ist ihr Leben, ihr Glauben, ja nur ihre Kunst mit ihm anterstanden? Es ist nur der Name —• der mit ihm anfer.stand aber mit dem Juden im Reiche des Geistes sind immer noch seine Väter und sein Glauben wieder auferstanden, tmd diese seltnen sich an dem Lichte der Neuzeit und können es׳ wohl vertragen. - Darum — wandte ich mich w ieder zu den Säulen — sind wir zwar kein jüdisches Volk, aber doch Juden, und ihr, griechische Trümmer, bleibet liegen, obschon der Grieche anterstanden!“ Da hörte ich in der Nähe scharren und graben, den Klang der Schaufel und Hacke. Ich wandte mich um, und erblickte einige Pcmscbe, Baierti. welche eine Nachgrabung veranstalteten. Ich gesellte mich zu ihnen, und wir ergötzten uns unter dem griechischen Himmel in den Tönen der feuern Muttersprache, uns 1 zu ergehen und des lernen Vaterlandes zu gedenken. Sic förderten mancherlei zu Tage, Stücke von Basrelief.s, einige (iötterarme und -Beine, endlich einen kleinen, aber schönen Torso. Ihre Mühe war reichlich belohnt.• Die Schaufel schlug aber hohl an. als man den Torso herauf schaffte.. und darum ward sie eilig wieder zur Hand genommen. Plötzlich fuhr ein Freudengeschrei auf. denn ein eisernes Kästchen erl!״h sich aus der Tiefe. Ein Schatz, ein Schatz! Aber das Kästchen war leicht. Der Deckel sprang aut; und in dem Schosse des Kästchens lag eine einfache Pergamentrolle. Ein Manuskript ־ ich trat heran, denn die Schatzgräber w aren einfaUiie. imw iesende Leute. •Sie fanden sielt sehr getäuscht, denn sie sahen, cs waren nicht einmal griechische Schriftzüge. Sic tiberiiessen sie mir bald für ein gutes Trinkgeld. Ich trug den Schatz nach Hause — ich hatte es wohl erkannt, es waren Charaktere jener heiligen Sprache, in der der Herr zu Israel gesprochen - noch einmal eine jüdische Ruine unter den hellenischen! Mochte das' festverschk ssene Behältnis, mochte der trockene, feste Boden die Ursache sein, das Pergament rollte sich leicht auf, die Dieten waren wohl erhalten, nur hier und da ein Wort erloschen. Ich las mit Begierde, mit Herzklopfen, ich las in die Stilie der #?"לידדדי״ממיזויי׳