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Jüdische Rundschau · 1905-02-17 · Heft 7 (17.2.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 72. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 7. Aber was bedeutet eigentlich dieser Ausdruck, und wozu dient er? Wenn die Siedelung von jüdischer Bevölkerung bewohnt sein wird, dann wird diese das Recht haben, ihre eigenen Gesetze zu bilden, wie es in jeder anderen englischen Kolonie der Fall ist. Das ist die Bedeutung des Wortes ,.autonom“. Es ist nicht blass überflüssig, sondern angesichts der Gegnerschaft, die es hervorgerufen hat, auch unangemessen.“ (DIE WELT.) Zur Situation im. Zionismus Einige Bemerkungen zum Artikel Dr. Zlocisti’s In Nr. 6. Von Bert hold Feiwel. Es wird wohl, glaube ich, manchem in den letzten Monaten ähnlich ergangen sein wie mir: Man fühlt sich immer und immer wieder gedrängt, ..zur Situation im Zionismus“ sein Wort mitzusprechen, aber kaum will man’s beginnen, gibt man es wieder auf, w׳ei! das. was man zu sagen hätte, viel zu viel, und selbst wenn man eine Broschüre schriebe, noch nicht genug wäre. So lässt inan's, und hat dabei nicht nur das Missbehagen, in entscheidenden Zeiten scheinbar nicht genug aktiv gewesen zu sein, sondern auch das wenig vergnügliche Schauspiel dass indessen Anschauungen und Formulierungen, als wären sic nie gewesen, gegen andere eingctauscht werden, dass die Programme und Begriffe immer mehrdeutiger, immer verwischter werden und dass sich so die Polemik immer komj plizierter gestaltet.! Der Artikel Zlocisti’s, 81s die ernste Acusserung ׳'Ines,; der eine:'! starken inneren Antrieb zum Schreiben fühlte, hat j mich besonders zu einer Stellungnahme gedrängt. Ich will ן sie mir diesmal doch möglich machen, indem ich das Feld enger abstecke und mich auf einige Bemerkungen zu einigen Stellen seiner Ausführungen beschränke. Zlocisti formuliert am Schlüsse seiner Ausführungen die Hauptaufgaben des Zionismus, wie folgt: 1. Erziehung zur nationalen Gesinnung. 2. Gewinnung der politischen Faktoren. 3. K111 tu r el I c und wirtschaftliche Er- Schliessung Palästinas. Für den 1. und 3. Punkt begnügt er sich, nur den kategorischen Imperativ aufzustellcn, ohne die Formeln in ihre Bestandteile aufzulösen, wie zu.erziehen, wie zu erschlossen sei. Immerhin ist insbesondere das Postulat ,Erziehung zur nationalen Gesinnung“ als erster Programmsatz freudigst zu begrüssen. Es ist noch nicht lange 11er. dass die kleine Gruppe derer, die auf diese Seite zionistischer Tätigkeit besonderart Nachdruck legten, als ,.Kulturzionisten”. als ״vergeistige, unpolitische” Menschen verschrieen wurden und den lebhaften Widerstand der ״Politischen” fanden. Doch, wie immer: es ist erfreulich, dass die Erkenntnis jetzt durchdringt und wichtig w'äre nur, der Formel den rechten Inhalt zu geben. w׳as sehr, sehr schwer ist. Zlocisti geht diesmal — w־ohl auch aus Raummangel*) — darauf nicht ein, und so mag die Diskussion hierüber auf ein andermal verschoben werden. Was die wirtschaftliche und kulturelle Erschliessung Palistinas betrifft, so sind mir — wenn ich unter Erschliessung nicht Erforschung verstehen soll — die kurzen darauf bcziigliehen Ausführungen Zlocisti’s nicht recht klar geworden. Einerseits hält er zumindest die!Hebung der ,,Landeengesessenen” für eine wichtige Vorarbeit, andererseits erklärt er jede AHbcit in Palästina «für ״unfruchtbar” — weil die tiirkischc Regierung immer alles illusorisch zu machen in der Lage ist. Vielleicht hätte sich da manches entgegnen lassen, w׳enn Zlocisti sich präziser und ausführlicher ausgesprochen hätte. So bleibt nichts übrig als — optima iide — den Schluss zu ziehen, dass Zlocisti die praktische Arbeit in Palästina, worin nicht ganz perhorrcsziert, so doch kausal und historisch hinter das Politisch-Diplomatische rückt. Und damit komme ich zu dem Gebiete, wo ich mich in lebhaftestem Gegensatz zu Zlocisti befinde, und wo er deutlich und ausführlich genug für eine Polemik war, zu seiner Aufiassung der zionistischen Politik oder, wie er es nennt, ״die Gewinnung der politischen Faktoren”. Zlocisti’s Grundaufiassung deckt sich vollständig mit der ursprünglichen Her/I's. wie ich denn in seiner ganzen Abhandlung das Bestreben erkenne, den Herzliar.ismus kat cxoe'.ien aus den ersten 7x:- ten (nicht den politischen Zionismus, wie er sieh allmählich entwickelte) in ein den Verhält;: ssen angcp״sstes. neues System zu bringen. Zlocisti setzt (wie s. Zt. Herz! im ..Juden- Staat" und in manchen Kong ress reden) als Tk.w: dass die Judenfrage nicht nur eine frage der Juden, sondern auch eine dringliche Schwierigkeit fiir die Mächte bedeute, dass die Diaspora der Juden ihre Frage zu eh'.cr inte rnationalen mache, dass die .Mächte ein Interesse daran haben, die auch sie belästigende .1 11 d e n n <> t beseitigen zu helfen, d. h. den Zionismus zu fördern. Ich meine, so.sehr ich eine zionistische Politik wünsche, dass man diesem Dogma endlich einmal so scharf als nur mag- Meli auf den Leib rücken muss. Ich sehe dabei vorläufig davon ab. dass cs ausdrücklich den Zionismus aus der Judcnnot ableitet und sozusagen durch sie lösen will. — ein Irrtum von Grund aus. Wie aber siebt es mit dem Interesse der Mächte an der Lösung ihrer Judenfrage aus? Man mag die Sache drehen und wenden, wie man will: Von den europäischen Liindern haben ein (wie das ausdrücklich liervorgehobcü wird) egoistisches Interesse an einer territorialen Lösung der Judenfrage weder Deutschland, noch Frankreich, nocli Oesterreich- Ungarn mit seinem galizischcti Masscnprolctariat. Egoistisch, י) Es war Feiwel unbekannt dass ein Schlussartikcl von Dr. Zlocisti noch folgt. Die Red.) monaten des Jahres 1839 in No. 79, ,82 und 85 der A. Z. d. J. zum ersten Male erschien. Herr Prof. Martin Philippson und die Schottländer’sche Buchhandlung in Breslau, in deren Verlag Philippson’s gesammelte Schriften*) erschienen sind, haben uns freundliehst diesen Abdruck gestattet. Wir haben aber die Ein- Ieitung vorausgeschickt, die nur in der Zeitung des Judentums (a. a. O.) gedruckt und nicht wiederholt ist. Wir sind gewiss, dass unsere Leser nach dieser Probe das Verlangen haben werden, die Werke kennen zu lernen, denen diese Perle entnommen ist. Der Flüchtling aus Jerusalem Von Ludwig Philippson. (Nachdruck verboten.) Ich stand auf der Akropolis A t h e n’s. Um mich die Trümmer einer schönen, untergegangenen Welt. Aber von der einen Seite brauste drunten die Brandung des Meeres an den ewigen Felsen; von der andern schaute ich über die Stadt, die langsam wieder *) Gesammelte Schriften von Ludwig Philippson. Verlag der Scblcsischoa Buchdruckerei, Kunst- und Verlags- Anstalt, S. Schottlandcr in Breslau. [ amersteht aus den Ruinen, welche eine alte zurückgelassen. Mein Auge hing an den Hügeln des HynicttiB, über deren Wellenlinien sich ein durchsichtig blauer Himmel •egte. So oft hatte meine Jugend sich hierher gewünscht; es war erfüllt worden, wenn auch auf traurige Weise: und nun hatte ich Bangigkeit im Herzen. Grabet, ihr kindlichen Mensehen, durchwiihlct die Decke der Erde, um an einer zerbrochenen, verstümmelten Statue, die ihr zu Jage fördert, eine sonderbare Freude und einen erkünstclten Enthusiasmus zu entzünden: wo ich Trümmer sehe, da erblicke ich einen zerschlagenen Gedanken, eine guillotinierte Idee, ich sehe ein menschliches Herz in dem Gestein zu Tode zucken, einen Geist seinen letzten Seufzer stöhnen; ich sehe die Seele des Meisters in sein Werk gebannt, wie sie. in den Fesseln eines Scheintodes, alle ihre edlen Tciie siel; entrissen fühlet, und nicht um Hilfe, nicht wehe! rufen kamt. Die Souue schien hell und heiss hernieder: Dennoch sah meine aufgeregte Einbildung viele Schatten. Hereindrang die Flut des athenischen Volkes, mit ihrem ewigen Genuirmel; sie sassen, standen, lagen um den Rednerstand; hervordrang ein begeisterter Sprecher, mit beflügclten Lippen; Demosthenes donnerte gegen Philippos und streckte drohend die Rechte gen Norden.

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