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Jüdische Rundschau · 1905-02-17 · Heft 7 (17.2.1905) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 7 J Ü DI SC HE RU NDSCHAU. Seite 71. Mitteilung des Aktionskomitees Die Jüdische Kolonialbank hat sich auf Ersuchen des Aktionskomitees bereit erklärt, das Inkasso des Schekels und der sonstigen, für das A.-K. bestimmten Gelder zu übernehmen. Es wird daher ersucht, für das A.-K. bestimmte Beträge an den Jewlsh Coloulal-Trust (Jüdische Kolonialbank), Limited, London E. C. Brook Housc, Waalbrook,; oder an dessen Zahlstellen unter gleichzeitiger Vcrständigung der A.-K. zu senden. Mitteilungen des Zentralbureausi j der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. j 1. Eine Anzahl von Ortsgruppen haben bisher j weder Schekel noch Londesbciträge einge-! sandt. Wir müssen sie dringend bitten, dies bis Ende des Monats nachzuholen. 2. Herr I)r. Jeremias wird am 18. d. M. in R a witsch und Herr Rechtsanwalt I) r. Köllenscher Ende Februar in Pinne bei Posen sprechen, j 3. Die Herren A. G r a j e v s k y & Co. (The j Tabor) in Jerusalem suchen eine streng! religiöse Frau, die zu kochen und wirtschaften | versteht. , - i Dr. Nordau über j das Ostafrikaprojekt j Dr. Max Nordau hatte in den letzten Wochen Ge- | legenhcit, seine Ansicht über die Ostafrikafrage zu! äussern, was angesichts der abgegangenen Expedition und der hcraniiahcnden Entscheidung von Wert ist. Er äüsserte sich einem Korrespondenten des JEWISH COMMENT und einem Redakteur des DAILY CHRO- NICLE gegenüber. Beide Aeusscrungcn decken sich. Besonders interessant ist die Ansicht Nordaus, wie sie im DAILY CM RON IC LE wiedergegeben ist. Er sagte, dass, ־ falls die Kommission dem nächsten Kongress einen günstigen Bericht bringen würde, das britische Angebot angenommen werden müsste. Er meinte ferner: ״Die Handlungsweise, die zu befolgen ist, scheint mir klar zu sein. Man muss im Namen der Jüdischen Kolonialbank von der englischen Regierung einen Charter erlangen. Damit endet unsere Tätigkeit in dieser Angelegenheit. Diesen Charter weiden wir dann jüdischen Finanziers und sonstigen hervorragenden Juden anbieten, damit sie auf sich die Mühe nehmen, den Charter mit unserer Mithilfe oder ohne dieselbe auszunützen. Sollten sie dies ablehnen, dann würde die Verantwortlichkeit für die eventuelle Steigerung der Judennot auf sie fallen. Wir konnten bloss den Charter verschaffen, wir haben aber weder Geld noch Menschen, die dem Ostafrikaprojekt Opfer bringen würden. Das ist nicht Zionismus. Es ist aber insoferne ein grosser Erfolg des Zionismus, dass eine erstklassige Macht zum erstenmal in der Geschichte sich nach einer jüdischen repräsentativen Körperschaft umschautc, um mit ihr zu verhandeln und die zionistische dazu erwählte. Es gibt ja zahlreiche Komitees und Vereine, z. B. die Anglo- Jcwish-Association, die ״Ica“, aber niemand von ihnen wurde von der britischen Regierung als Vertreter der Gesamtjudenscliaft anerkannt. Die britische Regierung hat sich mit ihrem Angebot an die Zionisten gewendet, und darauf dürfen wir stolz sein. Wie ich bereits sagte, können wir nichts dem Ostafrikaprojekt opfern. Alle unsere Kräfte müssen bloss dem eigentlichen Zwecke des Zionismus gewidmet sc In. Die englischer. Juden müssten das Ostafrikaprojekt ausführen. Von ihrer Regierung ging das Angebot aus und die Rücksichten der einfachsten Dankbarkeit lassen sie als die besten ausffilircndcn Kräfte betrachten. Ich glaube an die organisatorische Gabe der Engländer, und dass sie der neuen Kolonie zum Erfolge verhelfen könnten. Der eigentliche Widerspruch, der .seitens der Nichtzionisten gegen das Projekt geltend gemacht wurde, basierte auf dein Umstande, dass man da von einer ״autonomen jüdischen Siedlung“ sprach. Nun, ich persönlich habe nie an die Notwendigkeit dieses Ausdruckes geglaubt, aber mein Freund HerzI, der damals bereits krank war, bestand darauf und betonte diesen Ausdruck. nierischcn Parteimänner genannt, weil er mit denen zusammen ging, die scheinbar ähnliche Ziele wie er verfolgtet:: aber während der Weg von vielen aus dem Judentum hinausführte, ging sein Weg direkt in das Judentum hinein. Es ist das kein Zufall. Denn cs wiederholt sicli da etwas im lebenden Judentum, was man beim Athenervolk beobachten kann, der Zug, dass familienweise sieh grosse Ideen und Gefühle verbreiten und wiederholen. Der Name Pliilippscn,' der im heutigen Judentum in Deutschland keinen minderen Namen hat als vor fünfzig Jahren, bezeichnet eine kulturell zu den höchsten unserer Nation gehörende Familie. Und man darf Ludwig Pliilippson nicht neunen und dabei seines Bruders, der mit ihm zusammen arbeitete, vergessen. Plioebus Pliilippson. der Arzt in Klötze, der in seinem ärztlichen Wirkungskreis gar keine jüdische Umgebung für jüdisches Wirken fand, beteiligte sich in hervorragenden Masse an der Arbeit seines Bruders. Ihre Dichtungen sind zum grossen Teile gemeinsame, und der von beiden Brüdern herausgegebene Saron mag vielleicht den strengen Anforderungen moderner Kunstkritik nicht immer Stand halten, aber doch liegen hier die Anfänge einer jüdischen Volksliteratur mehr wie Irgend wo sonst. Echte jüdisch-nationale Begeisterung und wahrheitsliebender, historischer Sinn spricht aus jeder dieser Schriften, die cs wirklich verdienten, auch in unserem Freundeskreis mehr beachtet und gelesen zu werden. Mit welcher Aufmerksamkeit haben wir als Jünglinge die Schicksale des jüdischen Volkes vcrfolgt, in der poetischen Ausgestaltung durch die Brüder Pliilippson. Wie sind wir dem Esra gefolgt bei seinem Zuge gen Jerusalem, und wie sind wir mit Rabbah in die Wüste geflohen, um bis zum letzten Augenblicke die Rettung zu erhöhen, die ihm nicht zuteil wurde. Unbewusst und unwillkürlich hat Ludwig Pliilippson, der theoretisch das Judentum für eine Bekcnntnisgemeitischau gehalten zu haben scheint, stets die grossen nationalen Momente herausgefunden, die in unserer Geschichte immer wieder in den Vordergrund treten. Er war einer der Kulturkämpier für das Judentum, die zwei Richtungen vereinigten, den Kampf gegen die Unkitiiur und gegen die Entjuduug. So war er ein Vorläufer der jüdisch-nationalen Bewegung, die aus seinen Werken und Worten immer wieder neues Feuer holen wird. Wir behalten uns vor, demnächst eine eingehende Würdigung des bedeutsamen Mannes zu geben und wollen vorerst unsere Leser mit einer Novelle aus seiner Feder bekannt machen, die ganz aus seiner Liebe zu seinem Volke hervorgewachsen ist. Es ist das der! ״Flüchtling aus Jerusalem“, der in den Herbst-

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