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Jüdische Rundschau · 1905-02-10 · Heft 6 (10.2.1905) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 6. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 65. Die eine Notiz stammt aus dem ISRAELITISCHEN FAMILIENBLATT vom 26. Mai 190-1. Danach soll der bckannte Schriftsteller Ludwig Fulda einem Interviewer gesagt haben: .,Abgesehen vom Jordantal. ist ganz Palästina eine ־traurige Öde. Hier kamt meiner Meinr.ug nach kein neuer Wohlstand erstehen. Palästina ist tot. Auf seinem steinigen Boden lässt sich kein Ackerbau treiben — wovon sollen die Leute hier leben? Ich kamt daher an eine Erfftllung des zionistischen Gedankens, der den Juden hier wieder die Heimat gründen will, nicht glauben.“ Wir sind in der angenehmen Lage dieser Notiz des Interviewers die folgende Erklärung des Herrn Dr. L. F u Id a gcgcnübemistcllen. Herr Maler Hermann Struck in Berlin schreibt uns unter dem 2. I. 05 folgendes: ״Die in dem qu. Artikel zitierten Äusserungen des Herrn I)r. Ludwig Fulda sind einem Interview entnommen, dass — wie cs bei solchen ״Fragcspiclcu“ nicht anders sein kamt — die Gedanken des Herrn Dr. Fulda nicht korrekt wiedergibt. ־ Herr Dr. Fulda ermächtigt mich zu erklären, dass er Palästina nur als flüchtiger Tourist bereist hat und sich daher selbst nicht für befähigt hält, über die wirtschaftliche.! Zukunitsmögtichkcitcu des Landes ein kompetentes Urteil abz••- geben. Er hat nur einen Eweifel ausgedriiekt, ob die politischen lind natürlichen Verhältnisse des Landes die Garantie für das Gedeihen einer'nach Millionen zählenden Kolonie gehen, steht aber im übrigen den Bestrebungen des Zionismus — dessen tiefe Berechtigung er durchaus anerkennt soweit sie das Los der gedrückten Stamincsgenossen zu lieben geeignet sind, mit voller Sympathie gegenüber.“ (ALTNEULAND.) Gapon, ein Jude In der Zeitschrift DER DEU TSCHE macht ein Herr .1. A. Iwanow höchst verdächtige Mitteilungen über die Petersburger Vorgänge vom 22. Januar und ihre Vorbereitung. Sie gipfeln darin, dass Gapon, der zum Geliebten einer .blutjungen hübschen Nihilistin — auch einer Jüdin“ gemacht wird, ein Jude sei. Leider werden wir auf die Ehre, diesen Braven unserer Nation zuzühlen zu können, keinen Anspruch haben, denn diese Mitteilungen sind derart romanhaft gearbeitet, dass selbst die KREUZZEITUNG rät sie mit Vorsicht am'zunchmen. Aber die anderen Antisemitenblätter greifen natürlich mit Wonne zu diesen Phantasien, um lustig mit gegen die Juden hetzen zu können. Dem ehrenwerten Herrn Iwanow aber treten wir nicht zu nahe, wenn wir ihn als einen Spitzel der russischen Regierung kennzeichnen — er verrät das nämlich, auf die Vorranntlieit unserer Reaktionäre hauend, gar zu naiv selber. Aber gleichwohl gilt er einer gewissen Sorte von Zeitungen als einwandsfreier Gewährsmann, lind ein Blatt, das den stolzen Namen DER DEUTSCHE führt, prostituiert sich einem russisehen Spitzel! Rundschau der Presse DIE WELT enthält in No. 5 die Fortsetzung des Aufsatzes von M. Ussischkin über Unsere Organisation. Ussischkiu schlägt dort weiter vor. in den §§ 9 und 10 seines Entwurfes dass die Mitglieder des A.-K. ein dreigliedriges Bureau wählen sollen mit dem Sitze in Basel (?). Die übrigen zwanzig Mitglieder des A.-K. sollen zerfallen in vier Sektionen zu je füllt Mitgliedern, die Palästina-Kommission, die d'plomatischc. die finanzielle und die Agitations-Kommission. Die JÜDISCHE VOLKSSUMME bringt in No. 2 und 3 Eindrücke von J. G r ii 11 f e l d über die berschende Stirnm u 11 g der 7. i o 11 i s t i s c!1 en Partei in Russi a ר d , die manches richtig, vieles aber durch verschiedene Brillen gefärbt, will sagen wenig objektiv, wiedergeben. Unter dem Namen DE JOODSCHE WÄCHTER gibt unser Gesinnungsgenosse Dr. jur. Isidore Den seit dein l. Januar ein neues Parteiorgan heraus, das in den wenigen Nummern mit niederländischer Gründlichkeit und jüdischem Teuer den zionistischen Gedanke 1 verficht. Dabei ';st bemerkenswert, dass die holländische Abteilung der Alliance Israclite Univcrseile (Algenieeu Israelitisch Verbund) sich in ihren fiilireudcu Personen die Verbreitung des neuen Blattes besonders angclegen sein lässt. ־ - in der bedeutenden holländischen medzinischeu Zeitung WEEKBLAD VAN HET NED T1JDSCHRIET VOOR ÜENEESKUNDE bringt Dr. B. XI Stephan. der Leiter des Städtischen Krankenhauses in Amsterdam, einen sehr interessanten statistischen Beitrag zu ,.Sterben und Krankheiten bei Juden und NiehtjuUeu“. dessen wesentlichsten Inhalt DE JOODSC iE WÄCHTER wiedergibt. Er führt darin die geringere Kindersterblichkeit uid die kleinere Zahl v״n Totgeburten bei Juden, ihre grössere Vitalität überhaupt, die er statistisch belegt, auf Eigentümlichkeiten der jüdischen Bevölkerung zurück, die. wie er ausdrücklich hervorhebt, mit der zunehmenden Assimilation schwinden. Verschiedenes. Zu einer Protestkundgebung gegen die Beteiligung deutscher Juden an der Unterbringung der russischen Anleihe kam es ir. einer Grupocn-Versammlung des Zentralerem** deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Rechtsanwalt Dr. Brodnitz führte aus, dass cs eines Juden unwürdig sei. sich auch nur mittelbar an russischen Finanzoperationen zu beteiligen angesichts der Judenmetzcldcn von Kischincw und Hornel und der Bedrückung in- und ausländischer Judea in Russland. Ob das Anlegen von Geldern vom rein finanziellen Standpunkte zur Zeit empfehlenswert sei. bleibe gleichgültig. Der Protest gegen ddc Tätigkeit der jüdischen Bankiers zu gunsten der russischen Anleihe fand allgemeine Zustimmung. — In einem durch mehrere deutsche Zeitungen gehenden Artikel ״Zur Arbeiterfragc“, der über die Arbeiterparteien Russlands Angaben enthält, wird vom ״B u n d” (Jiid. Arb.-Bund für Russi., Litauen und Polen) gesagt, er huldigt dem ״modernen Zionismus“. Dazu ist zu bemerken, dass der .Bund” sich zwar jüdisch-national nennt, dass aber sein fantastisches Programm weder moderner noch unmoderner Zionismus ist. ■ 1a _| Sprechsaal ן— Für die Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pressgcseuüche Verantwortlichkeit. Wir erhallen fogende Zuschrift: Sehr gegehrter Herr Redakteur! In einer der letzten Nummern Ihrer gesch. Zeitschrift veröffentlichten Sie an dieser Stelle eine Zuschrift des Herrn Louis Leopold, in welcher dem Verband für Statistik der Juden resp. dem mitcrze'clineten Vorsitzenden desselben der Vorwurf gemacht wurde, er hätte die Kräfte des Herrn Leopold durch zwei Jahre ausgenützt, ohne ihn! hierauf die in Aussicht gestellte honorierte Beschäftigung zu gewähren. Gestatten Sie mir, die Tatsachen von unserem Standpunkt aus zu beleuchten. Als das Komitee für jüdische Statistik in Berlin seine Tätigkeit begann, gehörte Herr Louis Leopold zu der aus etwa •10 Herren bestehenden Arbeitsgruppe, welche ihre Kräfte iiir die Sache der Statistik unentgeltlich zur Verfügung stellte. Allerdings sei ihm der Ruhm zugestandeu. der Einzige ge- ׳wesen zu sein, welcher mit der Zeit Honorariorderungen stellte und mit einer ziemlich dringenden Bewerbung um einen bezahlten Posten hervortrat. Wie er selbst zugibt, erhielt er denn auch e?1 einmaliges Honorar von 20 Mark, ein Darlehen von 50 Mark, dessen Rückzahlung von ihm nicht gefordert wurde, und durch zwei Monate eine Entschädigung von 30 Mk., demnach in Summa 131 Mark. Dieser Betrag ist nicht nur ein Äquivalent der geringen von Herrn Leopold geleisteten Arbeiten.. sondern über trifft hei weitem ihren Wert Von einer Ausnutzung seiner Kräfte kann also keine Rede sein, und am allerwenigsten hätte Herr Leopold einen ähnlichen Vorwurf an diejenigen richten sollen, die in derselben Epoche unvergle'chlicl! grössere Zeitopfer, ja fortlaufende Geldopfer fifr die Sache der Statistik getragen haben. Was mm die Tatsache betrifft, dass Herr Leopold bis heute keine Anstellung im Bureau iiir Statistik der Juden erhalten hat. s״ beguiigt sieh Herr Leopold mit ihrer Fest- Stellung; er verschweigt aber die ihm sehr wohl bekannten Motive dieser Tatsache. Sie!;egen einfach darin, dass Herr Leopold, so schätzenswert auch seine Kraft auf anderen Gcbieten sei 1 möge, auf dem der Statistik nicht jene Quaiitikation bewies die für selbständiges Arbeiten unerlässlich ist. Zu dieser Erkennte s gelangte man selbstverständlich erst in dem Masse, als man Herrn Leopold praktisch s«ch versuchen Hess. Wenn ihm infolge seines Drängens mit Rücksicht auf seine Privat- Verhältnisse, die liier nicht näher berührt werden solle•). Zusagen für die Zukunft gemacht wurden, die er, als er sie verlaugte, seihst iiir unverbindlich erklärte, so steht es wohl Herrn Leopold nicht au, diese einem weitgehenden Wohlwollen abgepresstcu Erklärungen mir gegenüber als Schuldschein ausztispielen. SeliHckslich sei festgcstellL was Herr Leopold selbst hervorhebt, dass die Absicht, ihm eine besoldete Beschäftigung im Bureau für Statistik der Juden zu gewähren, noch immer bestand. Dass die finanziellen Verhältnisse dieses Bureaus nicht so prompt diejenige Entwicklung erhalten haben, welche dem ׳ rr,*#?־!״י * txTtUftT1* A I - V

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