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Jüdische Rundschau · 1905-02-10 · Heft 6 (10.2.1905) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 64. JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 6. den heutigen deutschen Juden selbst noch immer teilweise bcstehende Abneigung gegen jüdische Literatur rügte. Zum Schluss sprach Dr. Z1 o c i s t!. Für den Nationaltond wurde gesammelt und einige neue Mitglieder gewonnen. Berlin. Am Donnerstag, dem 9. d. Mveranstaltet der Verband der A.H. A.H. der freien Verbindung ״Hasmonaea" in den Oranienburger Festsälen, Schönhauscrstr. 9, abends 9 Uhr, im Einvernehmen mit der Berliner Zionistischen Vcrcinigung eine öffentliche Akadcntikcr-Vcrsammlung. Herr cand. chem. Egon Rosenberg (Hasmonaea) wird über das Thema ״Die Judentragc und die jüdische Studentenschaft" referieren. Jeder Zionist wird hierdurch zu dieser Versammlung hüfiiehst cingcladen. Berlin. Au! dem nächsten Disknssionsabcnde der freien Verbindung ״Hasmonaea" am Sonnabend, dem 11. d. Mts., wird Herr Ruhen B r a i »i n über das Thema ״Hebräisch oder Jargon“ sprechen. Der Diskussionsabend findet Alte Schönhauserstr. 23/24, Rüekgebüude um 9 Uhr abends, statt. Jeder Zionist. Damen und Herren, ist willkommen! Berlin. Der für den letzten Diskussionsabend der ,.Hasmonaea“ Sonnabend, den 4. d. Mts. angezeigt gewesene Vortrag des Herrn Berthold Feiwel fiel infolge Behinderung des Redners aus, obwohl ein anderer Gesinnungsgenosse, der von Herrn Feiwel darum gebeten worden war, sich bereit erklärt hatte, den Vortag zu übernehmen. Die *.Hasmonaea" lehtne jedoch, wie wir hören, nach anfänglichem Einvcrständnis plötzlich diesen Redner ah. und der Vortrag fand überhaupt nicht statt. Berlin. In Berlin hat sich ein Verein Zionistischer K a 11 f 1 e u t c . ..T hc odor H e r z 1" Konstituier;. Seine Amgäbe ist die Förderung der zionistischen Idee unter jüdischen Kaufleuten. Der Verein kommt jeden Donnerstag Abend im Resaurant Simon. Gipsstr. 12a, zusammen. Jeder,Zionist ist herzlich willkommen. Anfragen sind an die Herren Jakob Reich. Neue Fricdrichstr. 76III und Leon Saul, Neu- Kölln am Wasser 4II zu richten. Allensteln. Im hiesigen Verein für ״Literatur und jüdische Geschichte Geschichte“ hielt am letzten Sonntag Abend Herr Dr. Albert GolJberg Berlin-Neuenahr, einen Vortrag filier das Thema: ,.Was will der Zionismus“. Der Saal war selten gut besetzt und der mehr denn!1.istiindige Vortrag erntete sehr starken Beifall. Nach dem Vortrag fand eine Diskussion statt und wenn sieh an letzterer auch Wenige beteiligten so erwies sich doch der Herr Vortragende auch als ein selten guter Diskussionsredner. Der Vortraj: des Herrn Dr, Goldberg war so sachlich und überzeugend, dass wir jetzt 25 Schekelzahler hier haben und in den nächsten Tagen zur• Bildung einer Ortsgruppe kommen werden. — Die Königsberger Zionistische Vereinigung sandte uns freimdlichst zu diesem Abend einen Dolegierten. Herrn Zahnarzt Dr. Tlteotlor. der die Organisation einer Ortsgruppe sofort vornehmen sollte, da aber der Vortrag mit der darauffolgenden Diskussion bis nach 1 Uhr 1u\;hts dauerte, musste von der Ortsgruppenbildung an diesem Abend abgesehen werden. - Lew ־ל. Hamburg. In der Zionistischen' Ortsgruppe erferierte am Donnerstag, dem 2. Februar, Rechtsanwalt Dr. Victor aus Wandsbeck über ״Zionismus und T a g e s p o li t i k“. Der Reu reut betonte, dass man zwischen der Stellung des Zionisten als Einzelperson zur Tagespolitik und der Stellung der zionistischen Organisation zu derselben streng scheiden müsse. Von diesem Standpunkte aus erörterte er sodann die Stellung des Z׳o::is!m:s zu den jüdischen Organisationen, der Alliance Israelite. dem Staatsbürgerverein. dem JmJentag. das Verhältnis zu den religiösen Richtungen t!ud die Frage der Beteiligung an der indischen Gemcindcpo’ tik. Im zweiten Teil des Referates wurden die Stellung des Zionismus zur allgemeinen Tagespolitik, die Frage der Beteiligung der einzc!neu Zionisten an ihr. die Haltung gegenüber den politischen Parteien eingehend behandelt. Die vier, von dem Rcfercnteu aufgestellten Thesen fanden die Zustimmung der Ver- Sammlung, die durch lauten Beifall dem Redner iiir seine wohidurchdachten Ausführungen dankte. An der Diskussion, die dem Referate folgte, beteiligten sieb die Herren Esterm.inn. Dr. Kalmus. Dr. Besser, GoldschmiUt. Lcvy und Lippstadt. Mehrere neue Mitglieder traten hei. Brcmcrhivcn. Am 22. Januar sprach hier h einer öficutliehen Versammlung Dr. Kalmus- Hamburg. Der als Gegenreduer cingeladene Herr Dr. R i e g e r - Hamburg schrieb leider im letzten Moment ab. so dass das Publikum um den erwarteten Genuss eiites Redeturniers kam. Natioualfondsammlung ergab' 16 Mark. Basel. Am Samstag hielt Herr Dr. Elias aus Mülhausen unter der Acgidc der ״Zionistischen Vereinigung Basel" in de! Aula der Töchterschule vor einem zahlreichen Publikum einen Vortrag über: ״Zionismus und Alliance Israelite Universelle'׳. Das mit vielem Beifall autgenommene Referat bestand nicht, wie das Thema erwarten liess, aus einer Parallele zwischen Zionismus tmd der ״Alliance“, sondern setzte sich lediglich aus Kritiken an der letzteren, sowie an den übrigen grossen jüdlsehen Wohltätigkeitsänstaltcn zusammen. Das Programm der ״Alliance" sei ״allen denen zu helfen, die in ilirer Eigenschaft als Juden zu leiden haben". Wie hat die ״Alliance“ bisher dieses Ziel zu erreichen gesucht? Durch Wohltätigkeit. Diplomatie und Gründung von Schulen int Orient. Mit all* diesen drei Hilfsmitteln sei während 40 Jahren bis zum heutigen Tag wenig — um nicht zu sagen nichts — erreicht worden. Das System der Wohltätigkeit habe sich längst überlebt, indem wohl kleincre momentane Besserungen duivh sie cir,treten, die iedoch vo:! keinerlei sozialer Bedeutung seien. Durch ihre Diplomatie habe die ״Alliance“ bei verschiedenen Gelegenheiten wirklich Zugeständnisse von Seiten der Regierungen erwirkt; jedoch mir papierene Konzessionen seien cs gewesen, die in Wirklichkeit keine Nacliachtung gefunden hätten (Judenemanzipation i;t Rumäuien). Mit den Schulen sei endlich ebenfalls nur ein weniges erreicht worden. Dieselben hätten zwar immer einen gewissen moralischen oder idealen Wert, doch 1'iir die wirtschaftliche Besserstellung der Juden können sic nicht von Bedeutung sein. ,Wenn aber die Leistungen der ״Aliancc“ so geringwertiger Natur seien, so müsse man den Grund bei ihrer Leitung suchen. Die ganze Organisation biete das Bild einer Misswirtschaft und die Hauptiibelstfmde seien darin zu suchen, dass die Führung der ganzen grossen (nsttution in Wirklichkeit in den Händen von höchstens 4—5 unumschränkt herrschenden Person.!! liege, und ferner, dass das Wahlsystem ein vollständig verfehltes sei. die Waiilaktioneu aber besonders an dem bulmerentlsr.us der Mitglieder und daher au Willkür .viel zu leiden hätte :. Dies war in kurzem Abriss der Inhalt des sehr interessante:־. Vortrages, der jedoch etwas unbefriedigend abschloss. indem man d*vh gerne gesellen hätte, wie der Herr Referent nach der niederreissenden Tätigkeit den Neubau aufrichten würde; doch ergab die Diskussion, die sich an den Vortrag anschloss. eine Ergänzung in dieser Richtung. Das Endziel ist bei Herrn Dr. Elias wie hei Zangwill: ..die Millionen ohne Zweck dem Zw eck ohne Millionen zu geben“, mit anderen Worten das ungeheure Kapital der jüdischen Wohltätigkeitsanstalten iiir die zionstische Ikwegung zu gewinnen. Der Weg. den er zu diesem gleichen Ziel einschlägt ist von demjenigen Zangwills prinzipiell verschieden. Während Zangwill darauf ausgeht, der Leitung der erwähnten Institutionen die l'eherzeiiguiig bei/uhringeii. dass die Annahme des zionistischen Programmes eine logische Notwendigkeit sei, sucht Herr Dr. Elias durch lebhafte zionistische Beteiligung an den Wahlen eine zionistisch gesinnte Mehrheit in der Leitung und dadurch iiir die Anmmhme des Programms zu erlangen, mit andern Worten: während Zangwill die Leitung umwerfeu will, trachtet Herr Dr. Elias danach, dieselbe zu ersetzen. Rundschau Die Fruchtbarkeit Palästinas Über die Fruchtbarkeit von Palästina herrscht leider noch immer die erstaunlichste Unkenntnis. Der Grund ist wohl ein zweifacher: einerseits ist zufäüig die allernächste Umgehung der Eisenhalm Jaffa-Jerusalem wenig augebaut.'‘) ebenso die nähere Umgebung von Jerusalem, und der Weg von Jerusalem nach dem Jordan führt durch eine sehr öde Gegend, teilweise sogar durch die Wüste Juda; andererseits vermag ein Mute!- europäer sich schwer ein richtiges Urteil über ec km.Iw.: tschädliche Eignung des soumicrtrocknou Mittclmeergcbietes zu bilden und überträgt vielfach unseren Bcurteil1:ugMn:!'.vM1־b irrtümlicherweise auf jene Gegenden. Neuerdings sind zwei derartige Aussprüche über die Fruchtbarkeit Palästinas verbreitet worden, die wir nicht wegen der Sachverstämligkeit. sondern wegen der Bedeutung ihrer Urheber hier wiedergehen wollen. Sie beweisen freilich mir. wie oberflächlich sich die betreuenden Personen Palästina angesehen haben müssen, vorausgesetzt., dass die Berichterstattcr die Aussagen korrekt, d. h. ohne vielleicht unbewusste Akzentuierung, wiedergegeben .haben. c) In de! letzten Jahren macht sich hierin eine entschiedene Wendung zum Besseren 'bemerkbar: Die Umgebung der Eisenbalmlinie gewährt einen immer freundlicheren Anblick durch die schönen Felder in der Ebene Saron und die angebauten Terrassen bei Jerusalem. Die Red.

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