Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1905)
- Date
- 1905-02-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 61. No. 6. Mitglieder des Zentralkomitees anlässlich | der Sitzung des Grossen A.-K. vom 4. Januar d. J. ein! Rundschreiben erlassen, aus dem wir folgende j Mitteilungen veröffentlichen: > ״Es ist unrichtig, wenn in der Presse die Meinung ן Ausdruck findet, dass im A.-K. die Frage des Sitzes der neuen Leitung irgendwie und in irgend einem Sinne er- J örtert worden wäre. Diese Frage wurde vielmehr aus-; geschaltet, um eine neue Organisation au? solcher Basis j zu schaffen, dass dieselbe nicht an den Sitz in einer bcj stimmten Stadt notwendig gebunden ist. Um die Mög-; lichkcit zu haben, den Sitz auch an einen anderen Ort j als Wien zu verlegen, wurde die Zahl derjenigen Mitglieder des A.־K., welche am Sitz desselben wohnen j müssen, auf 3 beschränkt, während 2 ausserhalb des; Sitzes wohnende Mitglieder des Grossen A.-K. hinzugej wählt werden können. Erfreulich ist es, dass die ' Pa 1 ä s t in akoin m iss i 0 n sich eifrig mit der j praktischen Arbeit in Palästina befasst, so dass der; Dreizehncr-Ausschuss Gelegenheit hatte, verschiedene j Palästina betreffende Unternehmungen durch iseinc Bc- ן Schlüsse zu fördern. j I Selbstverständlich ist an den Geschichten, dass die! Leitung nach London komme, veil sich Hans ', H e r z 1 dortselbst befinde, k c i n w a!1 r c s Wort, da i nicht einmal die Tatsache wahr ist. dass Hanz flcrzl zum ' Zwecke seiner Erziehung in England ist. j Geldeinzahlungen für die Zentralkasse der Partei sollen von jetzt, ab bei der K o 1 o n i a 1 b a 11 k erfolgen. Die Furcht vor dem Territorialismus braucht nicht übertrieben zu werden. Die Zionistische Bewegung ist durch ihr Programm auf eine so sichere Grundlage gestellt, das Ziel so klar gesteckt, dass nicht zu befurchten int. dass sic durch eine wie immer geartete Gegenwarts- Politik von ihrem Ziel abgelenkt werden könnte. Wenn, wie wir zuversichtlich hoffen, im Laufe dieses Jahres die Ostafrikafrage für uns endgiltig erledigt sein wird, können wir mit erneuten Kräften uns der politischen und praktischen Arbeit für Palästina widmen. Verantwortliche Minister Im prcussischen Abgeordnetenliause als Minister von seiner Veranwortlichkeit zu reden, Ist keine Heldentat, denn dieses reaktionärste aller Parlamente hat vor Ministern einen so unbegrenzten Respekt, dass es nicht einmal protestiert, wenn solch hoher Herr ihm Dinge auftischt, die man aus anderem Munde als Geschmacklosigkeiten bezeichnen würde, ja dass es vielmehr allerdevotest mitlacht wenn Se. Exellenz Hammerstein den Namen Karfunkelstein zu belächeln geruhten. Herr Schonstedt, seines Zeichens preussischcr Justizministcr*), wird also hoffentlich nur von einem recht bescheidenen Triumph erfüllt sein über die Tat. zu der er sich letzthin aufschwang, und es lohnte auch nicht, unsere Leser heute 111k der Amtstätigkeit dieses Herrn zu befasssen, wenn nicht eine gar so charaktcristische kleine Ep'sodc aus einer der jüngsten Landtagsver- Handlungen uns dazu veranlasste. Da hatte ein freisinniger Abgeordneter, Gysslitig, wieder einmal das sehen sehr alte Thema angeschnitten von der ungleichen Behandlung der Richter, je nachdem, ob sie Juden oder Christen sind. Neues konnte er auch damit nicht sagen, dass er erklärte, in dieser differentiellen ungünstigeren Behandlang der jüdischen Richter besonders bei der Beförderung in höhere Stellen, liege ein System, und dieses System sei doch mit gewissen Paragraphen der Verfassung nicht gut in Emkiang zu bringen. Der Abgeordnete betonte denn auch, dass es nur die Ereignisse der letzten Zeit seien — Fiickicr und Piicklcriaiia — die seine Partei veranlasste», ihren grundsützliehen Standpunkt wieder zu betonen, dass gleichen Pflichten auch gleiche Rechte gegciiiiberzustehen hätten. Danach gab’s folgenden Dialog: Justizministcr Schönstedt: Ich muss es ablehnen, au! diese Frage einzugehen, da verfassungsmässig die Ernenming von Richtern zur Prärogative der Krone gehört. (Beifall rechts.) Abg. Gyssling (Fr. Vpt.): Der Minister ist 1'ür die Ernenming der Richter verantwortlic 11. Da er mir sachlich nichts erwidert,!miss ich aiinclur.eu. dass er sachlich nichts zu erwidern wusste. (Beifall links.) JnsFzministcr Schönstedt: M c i n er V c r a n t w o r - tung bin ich mir voll bewusst. Eigentlich ist es schade, einer solchen auf die knappste Form gebrachten Darstellung der Gleichberechtigung der Juden in Deutschland etwas hinzuzufügen, da sie an epigrammatischer Wirkung dabei elnbüssen muss. Aber es mag doch aui die neueste Enunziation des verantwortlichen Justiziniiiisters ein wenig eingehender hingewiesen werden. Früher, wenn es solche Judendebatten im Reichstage oder im Landtage gab. verschanzten sich die verschiedenen Herren Minister hinter allen möglichen Vorwänden, die wenig- •) Kommt vom lateinischen iustitiae minister Diener der Gerechtigkeit. städtischen Interessen. Ja, auch im Hause der Abgeordneten, im Parlamente finden sich Abgeordnete von mosaischer Konfession. Die Zahl der hochgeachteten und allgemein überaus geschätzten Israeliten deren' Lebensstellung, Rang und Ansehen von nicht unbedeutendem Einflüsse auf die sozialen Verhältnisse sind, ist in unserer Zeit eine so bedeutsame, wie sie während der langen Dauer unseres Exils noch nicht da gewesen ist. Diesen grossen Kontrast also, der zwischen unserer Vergangenheit und Gegenwart vorhanden ist. könntest Du ihn für cn Erzeugni des Zufalls halten? Wahrlich nicht! Vielmehr spricht ein jeder Israelit derart sich darüber aus. das er die bessere Gestaltung der politischen und zivilen Verhältnisse Israels für eine Tat der alles wunderlich leitenden und regierernlen Allmacht des einig einzigen Gottes, der sich uns wiederum wohlwollend zugewendet, halt. Darum ist'3 auch an uns, dem Worte: ״Ich stand auf, meinem Freunde zu öffnen“ (Hohcslied) nachzukomiueii. und dann wird unseres Freundes Wohlwollen in solchem Masse uns zu Teil werden, wie es von ihm durch seine Propheten verheissen worden. Und so möge denn Euch, meine verehrten Glaubensgenossen. Wohlgefallen die schöne Blumenlese, welche der ehrwürdige und hochgelehrte Autor von den heiligen Anhöhen der göttlichen Wissenschaft hcrgcholt, F.uch in dieser Schrift darrcicht. Möge sie besonders die Teilnahme der Israeliten erwecken, welche sich des göttliehen Segens in grossem Masse zu erfreuen haben. An sie stellt sich die heilige Aufgabe, der religiösen Erlösung Israels, mit der die der ganzen Menschheit zusammenhuugt, ihr Herz, ihren viel geltenden Einfluss und ihres Reichtums Ueberfluss zu weihen. Was endlich den dritten, über den Opferdienst handelnden | Teil dieser Schrift anlangt, so ist doch, da derselbe durchgehcnds; subtile talmudische Disputationen, mit groser Sachkenntnis und 1 ausserordentlichem Scharfsinn ausgeführt, enthält, darin manj chcs noch sehr problematisch,*) worüber ich mit dem Herrn Autor in dissertatorischer Korrespondenz stelle. Dessen ungeachtet aber ist cs ein reiig'öscs Verdienst, auch diesen Teil mit Interesse zu lesen tyid zu studieren. Ja, die Lektüre derartiger Argumentationen und die Meditationen drüber sind heilige Besebüftigungen, die uiiserm Gotte höchst wohlgefällig sind und uns seiner Gnade und Barmherzigkeit würdig machen. Was schliesslich die in dieser Schrift zur Errechnung des Zwecks: Wiederherstellung Zions, angegebenen Mittet und Wege, wie auch die aus den einzelnen Abhandlungen rcsultie- *) Der Rabbiner E. Guttmaelier zog nach gepflogener Dissertation mit dem Autor von דרישת צ י ו ן seine Gegen- Argumentation zurück und pflichtete Kalischer bescheiden bei wie dies aus der Abhandlung Mamar Kadischin zu ersehen ist.