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Jüdische Rundschau · 1905-02-10 · Heft 6 (10.2.1905) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 60. JÜDISCHE Diesen Willen aber zu brechen oder zu unseren Ounslen zu wenden, muss unser Ziel sein. Und bei unserer schwachen Kraft — scheint es da nicht der naturgebotene Weg, dass wir Freunde erwerben, die durch die sie belästigende Judennot ein Interesse daran haben, unser Werk zu fördern. Zumal in unserem Falle die egoistischen Antriebe politischer Mächte nicht durch die Erwerbung neuer Interessensphären, sondern durch den Schutz vor eigenen Kalamitäten, nicht durch ausserpolitische, sondern rein innerpolitische Motive bedingt sind. Wir müssen diese Mitwirkung der Mächte sichern und nutzbar machen, weil die Judenfrage auch eine dringliche Schwierigkeit für sie bedeutet. Die Diaspora der Juden, ihre Einklemmung unter den Völkern macht die Judenfrage zu einer internationalen und ihre Lösung zu einer politischen Aufgabe. Wir sagten mit Recht: Der Zionismus erstrebt die Heimstätte für das jüdische Volk. Damit bringen wir zum Ausdruck, dass unser Streben einen nationalen Charakter hat, und damit zugleich — ob wir wollen oder nicht wollen — auch den politischen! Und wir können diesen politischen Charakter nicht verwischen, ohne zugleich den nlljiidiseh* nationalen zu verflüchtigen. Weil aber der nationale Qc* danke für uns nicht ein h i sto risc 11 ־ romantischer Dunst ist, haben wir nicht das Recht, ein palästinischer Hilisvcrein zu werden; wie immer wir uns drehen: ein philanthropischer Palästinavcrcin aus historischer Aniiänglichkcit an die alte Heimat.; Dahin aber dürfen wir nicht kommen. Zu viel der Arbeit, der Liebe, der Sehnsucht haben wir in unser Werk gelegt. Und soll es gelingen, dass wir die über die ganze Erde zerstreuten heimtloscn Juden zu einem neuen Kulturvolke in Palästina einen, dann sind wir verpflichtet: unverdrossen und nicht getrübt durch fanatisierte Verängstigung alle gegebenen Mittel zu nützen: Erziehung zur nationalen Gesinnung. Gewinnung der politischen Faktoren. Kulturelle und wirtschaftliche Er- Schliessung Palästinas. tuet nur diese Schrift wieder zur Hand, leset, aber leset sie mit Einsicht und gesammelter Aufmerksamkeit, und Ihr werdet die von Euch gemachten Einwendungen von dem hochgelehrten Autor dermassen beseitigt finden, dass Ihr die in dieser Schritt von ihm aufgestellte Idee zu der Eurigcn machen, von dem Streben für deren Verwirklichung werdet cifrigst und heiligst beseelt werden, was unserm Gotte wohlgefallend, seine Gnade uns zuwendend, zur Folge haben könnte, dass sielt an uns bewähren würde: ״Wende Dich zu mir, und iclt werde mich zu Euch wenden.“ Und wahrlich, mein Israelit! siehst du nicht die Hand, welche Dein Freund durch eine kleine Oefinung Dir reicht? (Hohelied.) Hörst Du. mein Israelit, nicht die Dir laut tönende Himmclsstimrne: ״Es ist die Zeit, wo ich um deine Liebe werbe, dann werde ich mein Gewand über dielt breiten." (Ezckicl 16.8.) Was des Wahren aus diesen symbolischen Worten zu Dir spricht, findest Du deutlich ausgesprochen in den Worten Moses ( M. 5, 30): ״Und der Ewige wird aufhören lassen deine Gefangenschaft" (vlde *bld. Jbn Esra's Comm.) ״und dann wird er sielt deiner erbarmen und dich wieder zusammettbringen aus all‘ den Völkerschaften, unter welche er dich zerstreuet hatte." Worin bestand denn aber die Gefangen- Schaft Israels? In der politischen und zivilen Exklusion, in der cs sich Jahrhunderte hindurch befand. Seitdem aber die liebliehe Sonne der Emanzipation über Europa's Israeliten aufge- RUNDSCHAU ....No. 6. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 1. Die N a t i on a 1 io n d fl u g b 1 ä 11 e r können frühestens in einer Woche zur Versendung gelangen, da die Postkarten mit den gewünschten Adressen der Ortsgruppen erst gedruckt werden müssen. 2. Bestellungen t'iir N a t! o n a I f 0 n d b ii c 11 s c n sind an die Vorstände der Ortsgruppen zu richten. Unser Schatzmeister versendet Büchsen nur an Ortsgruppenvorständc. 3. National ionddcpcschcn- Formulare sind ebenfalls von den Gruppen Vorständen zu beziehen. Bczugsqucllc für die Gruppenvorständc sind: M. Gold- Schmidt, Hamburg, S t a d 111 a u sb r ii c k e 12/14, Verlag Jüdische Rundschau, Berlin N. 54 A v. g u s t s t r. 49 a , und das Zentralb tt r e a u. 4. Die Sub.-kriptioi! fiir die beabsichtigte Met ausgäbe eines Bucb.es: Aufsätze, von Moses Hess, hat leider bisher noch nicht das gewünschte Resultat gehabt. Wir vermissen noch, von vielen Ortsgruppen Vorbe- Stellungen. Wir bitten dieselbe:'. Bestellungen umgehend an unseren Schatzmeister gelangen zu lassen. 5. In einer mittleren Stadt der Provinz H a n!1 o v c r hat ein i ii d i s c h e r A n w a 11 Gelegen* heit zur Niederlassung. Wir sind zur Auskuuiferteihmg 1 bereit. 6. In einer kleinen Stadt der Provinz Posen findet ein Arzt günstige Gelegenheit, sich niederzulassen. Kenntnis der polnischen Sprache sehr erwünscht. Zu näherer Auskunft sind wir gern bereit. 7. In einer Stadt der Provinz Posen mit 6000 Einwohnern können ein Arzt und ein R c c 111 s ־ an walt sichere Existenz finden. Nähere Auskunft über die ungewöhnlich günstigen Niederlassungsvcrhältnissc erteilt Herr D r Karl Jeremias, Posen, Alter Markt 95. Ein Rundschreiben vom Führer der deutschen Zionisten. Der Vorsitzende des deutschen Zentralkomitees, Rechtsanwalt Dr. Bodenheitner, hat soeben an die gangen, ist auch der Geist der Finsternis, die Gefangenschaft Israels gewichen und an deren Stelle ist die Gleichstellung Israels getreten, wodurch cs in die staatsbürgerliche Gemeinschaft aller Untertanen aufgenommen worden ist. So sichst Du, Israel, wie der erste Teil jener oben zitierten Gottes-Verheissung durch Moses an Dir schon sich bewährt, und so kannst Du auch in gläubiger Zuversicht der Erfüllung des andern Teils Jener Verlicisung entgegensehen. Wie. war es immer so. wie cs jetzt um Dich stellt? Schaue zurück in die geschichtlichen Annalen Deiner Vergangenheit! Darin werdet Ihr. gotteseifrige, frommgläubige, und auch Ihr, religiös indifferente Israeliten, gewahr werden den furchtbaren politischen Druck, der auf Erneu Almen lastete, die Leiden. Quäle•! und Verfolgungen, denen .sie ausgesetzt waren, die Pein und Folter manigfacher Art. d e von der frevelhaften Intoleranz, von niedriger Habgier, von dem finstern Aberglauben und dem Unwesen der Ignoranz gegen sic ersonnen wurden. Auch in uns selbst leben noch traurige Ritckerincrtiugen jener schmachvollen Zeiten. O wie ganz, anders stellt cs jetzt um uns! Die königlichen Herrscher mit! Fürsten sind gegen uns geneigter und gnädiger Gesinnung. Unsere Mitbürger achten und lieben uns, und cs giebt ke'neu zivilisierten Stata mehr, wo nicht die Gleichstellung ausgesprochen wäre; unsere Mitbürger aber machen davon in allen Städten den vorteilhaftcstcn Gebrauch fiir die Begründung und Förderung der

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