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Jüdische Rundschau · 1905-02-10 · Heft 6 (10.2.1905) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 59. No. 6. Durchführung der zionistischen Ziele setzt. Wir wollen «nd brauchet* nicht irre zu werden an unserer Hoffnung. Aber wir dürfen nicht dulden, dass in diesen schweren Stunden mit kühnen Gesten und der geschwollenen Agitationsphrase von den einen, mit dem blinden Fanatismus ״positiver Arbeits“willigkeit der anderen die Erkenntnis des Ernstes unserer Lage verdüstert und unmöglich werde. Denn das scheint mir deutlich, dass die agitatorische Phrase und die Wut nach ״positiver, praktischer Arbeit“ — so wenig sie doch gemeinsam zu haben scheinen — identisch sind in ihrer Wirkung auf die Heranbildung der Judcnheit für die Schwierigkeit unserer Aufgabe. Sie kommen aus entgegengesetzter Richtung. Das könnte in ihrer Be- Wertung irre machen. Aber sie münden in derselben Unfruchtbarkeit. Der Besitz Palästinas, in welcher Form wir ihn immer wieder zu eigen haben werden, ist eine Machtfrage. Das Land gehört der Türkei, deren Kraft — worauf alle intimen Kenner des Landes hinweisen — vom Abendland zu Unrecht unterschätzt wird. Und w i r haben allen Grund, die strategische Regel zu befolgen, dass man seine Rüstungen auf die letzte, höchstmögliche Kraftspannung des Gegners einzurichten hat. Ist der Sultan unseren Plänen zugeneigt? Er hat sie von autoritativster Seite gehört. Und seine Botschafter int Auslande dürften noch andere Aufgaben haben, als Hoffestüchkeiien zu besuchen . . . Aus Herzls Andeutungen it*. der Ncinsagcrversamm- . hing konnten wir sehen, dass der Sultan unseren Zielen durchaus noch nicht sympathisch gegenübcrstcln. So 1 auch begreift sich der Gang in Herzls Politik. Nachdem er zunächst direkt an die türkische Regierung heraugetreten ist, hat er sich in der Folge dazu entschlierten müssen, den Umweg über die sowohl an der j orientalischen Frage wie an der Judennot beteiligten i Mächte zu nehmen. Er muss eben bei der Verhandlung J mit der Türkei auf einen toten Punkt gekommen sein. I Wir wissen, dass wichtige Verbindungen angeknüpft J sind. Ater wir wissen ebenso, dass Herzl über der Schürzung dieser Faden zti einem testen Knoten gestorben ist!! Und darum ist es eine last erliehe Irreführung unserer Anhänger und zugleich ein Zeichen der Schwäche und böser Hoffnungslosigkeit, von einem Bankerott unserer politischen Arbeit zu sprechen. Wir haben wahrlich nicht so viele Mittel, um den Weg der politischen Arbeit, den Herzl erst zu ebnen begonnen hatte, unbeschrKten beiseite zu lassen. Wieweit sind wir bereits zurückgegangen, wenn wir bei der Erwähnung politischer Tätigkeit schon Ironisches Gelächter hören. Es ist ein gefährliches Spiel, dass in unsern Kreisen mit dein Wort Diplomatie getrieben wird. Es hat einen verächtlichen Nehentegriff, weil es so allgemach ein doppelsinniges Wort geworden ist. Aber wir sollten wissen, dass die Politik nur zwei Methoden kennt, die sich in der Sprache der Kanonen und der Sprache friedlicher und von gegenseitigen Vorteilen überzeugender Verhandlung äussern. Diese letzte Methode ist tfie Diplomatie. Und dieses Mittel des Friedens, des Ernstes und des gegenseitigen Ver• traucns können w i r nur verwenden. Und wir sollen darum weniger hämisch davon sprechen. Denn zu diesem spöttisch-überlegenen Ablelincn der politischen Arbeiten hat nur ein Recht, wer bessere Mittel weiss. Oder soll die wirtschaftliche Hebung Palästinas dieses Mittel sein? Wobei die Ansicht bestimmend wäre: Die realen, offenkundigen Erfolge müssen die türkische Regierung überzeugen davon, dass es ihr eigenes Interesse ist. wenn sie unsere Interessen fördert? Ich meine, wir sollten den circulu.s vitiosus doch erkennen! Die türkische Regierung ist unseren Zielen abgeneigt. Und dieselbe türkische Regierung sollte uns die Möglichkeit lassen, in ihrem eigenen Lande — in dein sie die direkte Macht hat — wirtschaftlich so zu operieren, dass wir zu unserem Ziele kommen?! Sie braucht uns nicht einmal Steine in den Weg zu legen, um urtere Arbeit unfruchtbar (unfruchtbar im Sinne unserer Bewegung!) zu machen. Schon mit der heutigen Gesetzgebung hat sie hinreichend Macht, all unser Streben zur Zwerghaftigkeit niederzudrücken. Und wenv sie selbst Handelsgesellschaften und anderen Unternchmungen allerlei kleine Konzessionen machte und gäbe — sie hat immer, an jedem Punkte, bei jedem Ent- Wicklungsstadium die Möglichkeit, ihren Willen durchsetzen, solange sie unser Ziel verabscheut. Drei rabbinische Gutachten über Hirsch Kalischers Drischath Zion I. Gutachten des Rabbiners J. H. Meklcnburg. Der hochwürdige Gelehrte Herr 11. Kalischer, dessen Geist erleuchtet von den Studien der heiligen Thora, in deren Tiefen er mit glücklichem Erfolge eingedrtingcn, deren Mysterien vor seinem Scharfsinne sich aufgetan, in deren Abteilungen allen er wohl einheimisch, dessen Name in der Gelehrtenwclt rühmliehst bekannt ist durch seine Schritten: a) Mosnaim l’inischpat (tahntidische Disputationen), b) Entnlma j'scharn (Religions- Philosophie), beehrt nun die Welt der frommen gläubigen Isracliten mit einem herrlichen Geistesprodukt, ״Wiederherstellung Zions“ genannt. Schon der Name kündigt den Inhalt dieser Schrift an. Treffend wird darin durch ans dem Talmud und dem Midraschim zitterte Stellen entwickelt, was wir Israeliten überhaupt von der Wiederherstellung Zions zu glauben und für deren Verwirklichung zu tun verpflichtet seien. Möge diese Schrift ihre heil'ge Tendenz nicht verfehlen und viele gläubige Israeliten bewegen, für die Wiederherstellung des verödeten Landes Palästinas und die Rekreation der zuversichtlich darauf harrenden Herzen mit aller Energie zu wirken. Königsberg, den 18. Sch bat 5621.!1. Gutachten des Rabbiners zu Grätz, Herrn E. Guttmaclier. Die mir von Herrn H. Kalischer, dem hochberühmten Gelehrten, dem Autor von Emuhna I'scharah, zur Begutachtung eingesandte Schrift Drischath Zion durchlesend, begeistert deren trefflicher und höchst gediegener Inhalt mich dermassen, dass ich mich nicht des Ausrufs cnhalten konnte: Es ist vielleicht eine göttliche Mission, es ist vielleicht die Zeit herangekommen, wo die göttliche Vcrheissung durch den Propheten Jesajas (•H, 26.): ״Er bestät'gt das Wort seines Dieners, er vollführt den Rat seiner Boten, der zu Jerusalem spricht: Sei bewohnt! zu Juda’s Städten: Seit gebauet! und deren Verwüstung ich aufrichte,“ sich bewahren solle. Icii begriisse daher frcundlichst diese Schrift und empfehle sic Euch, meine geehrten Glaubcusgenosseu. als c'nc höchst interessante und lesenswerte. Denen aber welche die Schrift zur Hand nehmen, und nachdem sic einige Sätze daraus gelesen haben, dieselbe bei Seite legen werden mit dem Bemerken: ,monstra oplnlonum! Wer sollte wohl in dieser Angelegenheit als geeigneter Sendling gebraucht werden, können und sich gebrauchen lassen wollen? Wer sollte einen solch’ unbetreteneu, unbekannten und ungebahnten Weg zu betreten wagen, wo er überall mit unüberwindlichen Hindernissen ringen müsste? Wozu inkommodiert ihr uns mit solch fernliegenden Projekten?" erwidere ich: Urteilet nicht voreilig,!ich- 1

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