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Jüdische Rundschau · 1905-02-03 · Heft 5 (3.2.1905) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 53. No. 5. r Acht. Denn es handelt sich heute beim Ziomsmus nicht mehr nur um ein Wollen oder Sollen, sondern auch um ein Müssen. Nach dem Vorträge entstand eine sehr lebhafte Debatte, an der sich besonders Gegner beteiligten. Bemerkenswert waren hierbei die Bedenken von Herrn Ing. SchentaU wonach eine vollständige politische Passivität der Juden in Russland die schlimmsten Folgen bei einer zweifelsohne nicht mehr lange ausbleibenden konstitutionellen Verfassung nach sich ziehen könnte. Itlcrr Gronemann widerlegte alle Einwändc mit grossem Geschick und ergriff in seinem Schlusswort nochmals die Gelegenheit, unser Programm eingehender zu 1besprechen. Es wurden mehrere neue Mitglieder gewonnen und 3 Oelbäume zu Ehren des Referenten gespendet. L. Halberstadt. Am Donnerstag, den 25. d. Mts., hielt in der *hiesigen Zionistischen Vereinigung ..Tikwath Zion“ ufkser geschätztes Vorstandsmitglied. Frl. Martha Joseph, einen Vortrag über das Thema: Was muss ein Jude zur Abwehr antisemitischer Angriffe wissen. Die Referentin berief siel! zur Entkräftung der immer wieder gegen uns erhobenen Anschuldigungen auf eine Reihe vorziiglich zusammengesteüter Gegenbeweise aus der Geschichte. Literatur und dem Staatsiebe״ des jüdischen Volkes, und demonstriertc an der Gegenüberstellung der Gebräuche und Eigen- Iiciten der jüdischen Bevölkerung gegenüber anderen National!• täten, an der Aufzählung von Geschehnissen aus der Zeit des Exils die Nichtigkeit aller dem Judenhass als Unterlage dienenden Motive. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht, und eine rege Diskussion über das angeschnittene Thema hielt die Zuhörer bis spät in die Nacht zusammen. Der Abend wurde durch eine Sammlung für den Nationah'ond be* schlossen. Bern. Hier fand eine f ii!1 i Abende füllende Diskussion zwischen den Z i o n »'• - Z i o n und den T e r r i t o r i alisten statt. Im Aufträge der ersteren hielt Ab er so 11־ Genf ein Referat über die historische Entstehung des Zionismus. Nach der Beendigung des vorzüglichen Vortrages Hessen die Territorialsten, die anscheinend Augst bekommen hatten, erklären, dass sie sich nicht an der Diskussion beteiligen würden. Dem allerweitest gehenden Entgegenkommen der Zione-Zion gelang es schliesslich, die Territorialsten doch zur Teilnahme an der Diskussion zu bringen, die diesen freilich eine glatte Niederlage eintrug. Es zeigte sich 0‘ne solche Meinungsverschiedenheit unter den Territorialsten, dass ein Territorialist immer dem widersprach, was zuvor sein ..Gesinnungsgenosf.e" gesagt batte. Einer erklärte, der Zionismus sei die jüdisch-proletarische Bewegung gegen die jüdische Bourgeoisie. d:e am Zionismus überhaupt .nicht interessiert sei. Woher ♦die Leute den Mut nehmen, solche Widersinnigkeiten noch als Zionismus anzugeben, bieibt unerfindlich, aber diese Widersprüche zeigen klar, wohin die Reise geht, wenn der Territor'alisrnus weiter um sich greifen sollte. Der Rcbauptung, dass Palästina überhaupt nicht kolonisationsfähig sei. traten Zionisten an der Hand zuverlässigen Materials entgegen. Der Berner Territorialismus aber dürfte sich von dem Schlage, den er erhalten hat. so bald nicht erholen. J. V—1. Rundschau — Pioniere des Deutschtums Einen bösen Liebesdienst hat das BERLINER TAGEBLATT kürzlich den Juden erwiesen, indem es sich den Herrn Dr. Hanns Heinz Ewers als Kulturhistoriker verschrieb und ihn über den Juden als Pionier des Deutschtums senreiben Hess. Noch vor einigen Jahren, erzählt der Autor harmlos, hätte er über diese Zusammenstellung laut aufgelacht. Inzwischen hat er aber ״einige bestimmte Erfahrungen gesammelt“, deren Resultate er nun in drei Spalten mi* naiver Entdeckerfreude erzählt. Was daran richtig ist, sind ״olle Kamellen״, und das übrige ist ein sinnverwirrendes Kuddelmuddel von unverstandenen, falsch aufgefassten und tendenziös zugestutzten Dingen. Ein einziges Beispiel genügte: Hanns Heinz Ewers erzählt dem Publikum, dass auch die in Deutschland eingewanderten russischen Juden — er kennt sie nur als Inhaber von Zigarettengesehäften! — deutsch sprechen und schreiben, der Vorsicht halber oft mit hebräischen Lettern, und ״zwar ein schrecklich vermauscheltes, urkomisches Deutsch, aber doch Deutsch“. — Die Sache ist nämlich, wie’s scheint, die; Herr Ewers hat früher von den Juden nichts gewusst, hat mit den anderen mitantisemitelt und hat dann urplötzlich mal auf einer Reise durch die von Juden zahlreich bewohnten jüdischen Länder die jüdisch-deutsche Sprache gehört, und nun hat er geglaubt, dieser Staunenswerten Tatsache, dass die Juden dort unten ״deutsch“ sprechen, nachgehen zu sollen. Das wäre an sich alles sehr löblich, aber er hätte doch wohl erst mal anderswo anfragen sollen, ob dieses Faktum so unbekannt sei, wie er offenbar meint, uud ob diese Schlüsse, die er daraus zieht, nicht etwa recht verfehlte sind. So aber hat er lediglich den polnischen undtschechischen Antisemiten Stoff geliefert zu Hetzereien gegen den ״deutschen“ Juden, und von den Deutschen ist dem Juden noch kein Dank geworden für solche Pionierdienste, selbst da, wo er sie unzweifelhaft geleistet hat, wie beispielsweise in Ostdeutschland. Die Juden werden gut tun, es in der Zukunft bleiben zu lassen, für irgendwelche Nation die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Herr Hanns Heinz Ewers aber möge in Zukunft lieber Tierfabeln dichten; an denen haben wir uns oft ergötzt — denn mit der Kultur-!orschung ist. das so eine Sache. Trepows Legende Dem B. T. telegraphiert man aus London: ״Der Korrcspondent des DAILY TELEGRAPH meldet. Trepow. der neu ernannte Gencralgouvcrneur von Petersburg erklärte einem deutschen Korrespondenten, es sei moralisch sicher und . könne fast bewiesen werden, dass die gesamte Bewegung von Juden arrangiert wurde, die die Arbeiter mit fretndem Geldc bezahlten. Die Absicht dieser ewigen Feinde Russlands sei, Schwierigkeiten für das Zarentum während dieser kritischen Periode der russischen Geschichte herbeizutiihren. kleine Schrift recht interessant, und sogar sachlich geschrieben ist. wenn sic auch den Zionisten wenig Neues bringt. Sic ist gegen Dr. Elias Jakob (Fromcr) gerichtet. Die kleinen Seitenhiebe auf die zionistische Partei schmerzen uns nicht. Wir *wissen, von wo sie kommen. Die Schrift ist lesenswert. hl. The Jcwish Scientific Library. (Internationaler J ii d L s־c h e r Bibliothek- Verlags-Koni p.) Die Presse der zionistischen Partei hat (]rund, alles das freudig zu begriisscu. das dazu beitragen kann, in kultureller Beziehung günstig au: unser Volk cinzuwirken. Von diesem Gesichtspunkte aus laben wir auf einen New-Yorker Verlag hüizuwcisen, der mit sehr grossen Zielen vor die jüdische Ocifentliehkeit tritt. Er will dem jüdischdeutsch sprechenden Publikum die Kenntnis der verschiedenen Zweige der Wissenschaft vermitteln und sie dadurch - - Wissen ist Macht! — zum Kampfe um das Dasein stählen. Wie ernsthaft der Verlag seuie Aufgabe auffasst, geht schon daraus hervor dass er eine Kulturgeschichte mit zahlreichen Illustrationen in drei Bänden von durchschnittlich 325 bis 350 Seiten herausgcgeben hat. Es kann sich natürlich mir um ein Werk von kompilatorischcr Arbeit handeln. Aber gerade das ist ja in diesem Falle das Beste. Will mau dem Volke die Kenntnis der Kulturgeschichte vermitteln, dann kommt man diesem Zwecke am vorteilhaftesten nach, wenn man aus den guten Werken richtig zu schöpfen versteht. Olmv Zweifel wird durch dieses Buch vielen unserer Brüder ein reiches Gebiet der Anregung und Belehrung erschlossen werden. In einem starken Bande wird, ebenfalls nach guten Gcschichtsyerkcn. die Geschichte der französischen Revolution geschildert. Uud neben diesem grossen historischen Gemälde werden n kleinen Heftchen (von 10 Cents an) Biographien beüeuteuder Männer aus verschiedenen Völkern gezeichnet: Maimonides und'Voltaire. Aristoteles und Jizchak Ber Levinsohn Tolstoi. Saadja u. a. Daneben wird die Naturgeschichte nicht vergessen. Da haben wr Mechanik. Astronomie, Chemie, eine allgemeine Schrift: I) c r M c n s c 11 und die Natur — alles zu bi!ligct,1 Preisen von 10-IS Cents. In Übersetzungen werden Tolstoi uud Gurkij dein Volke verdolmetscht, und — um das nicht zu vergessen, eine Broschüre erzählt auf OS Seiten die Geschichte vom Auszuge aus Ägypten nach ügyptologiselicn Forschungen und zeigt den Gang des Zuges aui euer allerdings nicht sehr übersichtlichen Karte. Den wissenschaftlichen Wert der verschiedenen Arbeiten zu beurteilen, müssen wir natürlich Fachmännern überlassen, indessen zeigt wohl eine Übersicht über die Erscheinungen die Mannigfaltigkeit des Gebotenen, und eine Lektüre die Liebe, mit der sich Verfasser und Verleger, der schweren Aufgaben cntled'gt habe!!. Wenn sich auch nicht alles Gebotene loben lässt י־ mau stösst d״ch häufig auf Einseitigkeiten in Auffassung oder Da!- Stellung so_ ist cs ausser allem Zweifel, dass die Büchlein ihrem Zwecke,‘ allgemeine B khmg zu vermitteln, mit Erfolg nachstreben. Für unsere Leser ist iuuptsädilich die Herausgabe von M o r r i s R o s c 11 ii c 1 x gesammelten Werken von Interesse. Einer grossen Anzahl werden diese Perlen der Ghetto-Lyrik ja nicht nur in den Feiwelscheu Übersetzungen bekannt sein, 1 r - '*» f * I 1

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