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Jüdische Rundschau · 1905-02-03 · Heft 5 (3.2.1905) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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I I i : I ן ז י , t ,! } ו I .1. י!״״'? Seite 54 JÜ Dl S CH E RU _NDS CH A U No. 5. Diese Aeusserung erklärt gewisse amtliche Anschläge in Moskau und Odessa, nur wurden in diesen nicht die Juden, sondern die Engländer und Japaner, beziehungsweise die Ja* pancr und deren europäische Verbündete Hierfür verantwortlieh gemacht. Gegen diese Unterstellung hat die englische Botschaft protestiert, indem sic darauf hinweist, dass dadurch Leben und Eigentum englischer Untertanen in Russland gefährdet würden. Das Auswärtige Amt versprach eine Untersuchung anzuordnen.” Unsere Antisemitenblätter waren dem Petersburger Generalmördcr mit der Erfindung dieser Fabel bereits zuvorgekommen. aber es war natürlich zu erwarten, dass in Russland die Juden wieder einmal würden die Prügelknaben abgeben müssen, und überraschen soll es uns nicht, wenn wir in nächster Zeit von neuen Judenmctzclcicn im Lande des Friedenszaren hören. Wer sein eigenes Volk so kaltblütig abschlachten lässt, von dem kann man nicht erwarten, dass er an einem fremden Volke menschlich handele. Eben hat ja die Hetzpolitik der russischen Gewalthaber bereits zu einem Ueberfall russischer Kavallerie auf den britischen V i 7. ekonsul in W a r sc 11 a u geführt und in Moskau hat der Herr Polizeichcf den) gegen die erwähnten Anschläge protestierenden britischen Konsul einfach erklärt: .AVir haben dies nur getan, um uns über einige schwierige Tage h i n w c g z u h e 1 i c 11.“ Demselben edlen Zwecke werden also vielleicht demnächst die Judcnlietzereiert dienen dürfen. Aber diese politischen Briganten vergessen, dass bei solchem Va 1bauquc-Spiei auch die Verlustchance eine gefährlieh hohe ist Ein schwerer Verlust der deutschen Judenheit Bei Schluss der Reduktion ereilt uns die tieitraurige Nachrieht, dass einer der besten unter de״ deutschen Juden, dei Konsul Moritz S i m o u;11 Ha 11 nover. der bekannte Gründer der Ahlemsclien landwirtschaftlichen Schule iniolge eines Unglückfalls dem Volke plötzlich entrissen worden ist. dem sein ganzes Arbeiten seit vielen Jahren galt. Die Judenheit vornehmlich aber in Deutschland, zu deren besten Söhnen der Verstorbene gehörte, erleidet einen schweren Verlust. Nicht weil der Konsul Simon ein bewährter Helier war, wenn cs galt Elend, zu mildern, sondern weil er einer der wenigen war. die von der alten Generation die neue Zeit erkannten. Konsul Simon, der in seiner Jugend nicht im Judentum der alten Generation erzogen war. wurde in gereiften Jahren durch seine liebevolle Beschäftigung mit Gartenbau und Handtätigkeit dazu geführt dass der Mangel eines gewerblich arbeitenden Standes, vor allem das Fehlen eines Ackerbaustandes der Judenheit ncoh mehr den Charakter des Nichtbodenstündigen verleihe, als das ohnehin durch das Golutli der Fall sei. Dadurch entdeckte er sein Xationaljudaatum, durch das er. obwohl kaum Zionist, auch uns und unserer Arbeit so nabe stand. Seine Gründung in Ahlem, sein Wirken in der A. I. U. in diesem Sinne, ebenso seine Palästinareise sind nur in diesem Zusammenhänge zu verstehen. Er war eitler der wenigen deutschen Juden, der bewusst an der Gesundung und Zukunit seiner Nation mitarbeitete durch persönliche Mitarbeit u1־d schrankenlose Opferfreudigkeit. Auch die ganze Bodenkultursondern auch im Original durch die Weinersehe Auswahl (..Songs from the Ghetto“). Hier lernt man Rosenicld zum ersten Maie unverkürzt keimen, und vieles Neue ist in dem Buche enthalten, das sich den uns so vertrauten Liedern des Dichters würdig anreiht. In der Ausstattung hat der Verlag ganz Besonderes geleistet ״- die «Gesammelten Leder von Morris Rosenfeld“ sind der eleganteste jiid'sch-deutsche Bami. der vielleicht überhaupt auf dem Büchermärkte existiert. Im Rahmen dieser Besprechung können wir nur kurz c;n anderes Dichtwerk streifen, mit dem uns die ..International Library-Publishing-Company" bekannt macht: ..Gort. Meiisc!,! und Teufel“, ein Drama von Jakob Gordo n. Ein Drama im Jüdischen! Über die Leistungen unserer östlichen Brüder aut diesem Gebiete der Literatur werden will, selbst solche, die sich mit der jiidisch-deutsclieu Kultur beschäftigt haben, nichts wissen. Der JÜDISCHE VERLAG wird durch die Übersetzung des..Eisik Scheitel“ von David Pins ky die erste Übertragung eines Dramas vorlegen. Von diesem Gordonschcu Versuch, Faust-Ideen und jüdisches Milieu-Stimmungsbild mit einander zu verschmelzen, behalten wir uns vor, an anderer Stelle so ausführlich zu sprechen, wie es der ausserordentlich interessante Stoff verdient. IWtir glauben, durch diese Aufzählung des Gebotenen gezeigt zu haben, dass der Verlag die Unterstützung derer verdient, die an dem kulturellen Leben der ..jiidiscl1“sprecl1enden Stammesgenossen Anteil nehmen. Jb. hewegung ging auf ihn zurück. Er war auch ein Mann mit eigenen Ideen, ein Mann von Charakter und seltener Arnettsircudigkeit. kurz er war ein Mann, ein ganzer Mann. Semem Persönliches Unser Gesinnungsgenosse und Kollege. Redakteur Lothar Starck hat einen schweren Verlust durch den am .’!, d. M. erfolgten Tod seiner Mutter. Frau Bertha Starck in Ncissc. erlitten. Unser aufrichtiges Beileid unserem lieben Gesmntmgsgenösset!! Rundschau der Presse DIE WELT enthält in Nr. 4 den Antaug eines Auisatzcs von M. U s s i s c 11 k i n über ״U iiscre Organisati» n“• Der Verfasser sclv'ckt die Grundgedanken seines Vorschlages in Form von Thesen den Ausführungen voraus. Er verlangt:;IA. Die Garantie, dass jeder Scliekelzahler — Wähler — unbedingt das Baseler Programm voll und ganz anerkenne. B. D:c Dezentralisation im weitesten Masse der Tätigkeit eines jeden Ortes. C Die Zentralisation der allgemem-zionistisclicn äusseren Arbeit. D. Die Beständigkeit der Anzahl der Mitglieder des A.-K. irxl die Beständigkeit des Sitzes seines Büros ״der Zentrums. E. Die vollständige 1 reu- 111!ng und Unabhängigkeit des Kongresspräsidiums vom A.-K. F. Die Spezialisierung der Arbeit unter den Mitgliedern des A.-K. G. Die beständige Ersetzung der Mitglieder des A.-K. durch neue Kräfte.” Weiter ist hervorzunct/en. dass Lssischkin das passive Wahlrecht bereits mit 22 Jahren beginnend aber von einer dreijährigen ununterbrochenen Schekelzahlung abhängig wissen'will. An der gleichen Stelle findet sich ein Artikel von Dr. Elias (Mülhausen) über A 11 i a 11 c e- Politik und Zionismus, indem die Zionisten zum Eintritt in die Alliance israelite Universelle aufgefordert werden, um der Politik der Alliance eine andere t.hchttiug zu geben, die mehr jüdisch und weniger französisch wäre. Ein Herl j n e r Brief beschäftigt sich mit den jüdische;! Gemeindeangelegenheiten Berlins, ,besonders der Zusammensetzung der Repräsentanten ־ Versammlung und folgert daun: ״Die Z:onisten werden daraus lernen, dass es ihnen nicht zusteht, in irgend einer Weise durch Kompromisse ihrerseits diese Lage der Dinge zu sanktionieren. So ist denn vorderhand die fortwährende Beobachtung und Kritik der Leitung der Gemeinde, die Aufstellung eigener aus unserem Programm hervorgehender Forderunge 1 an die jüdischen Genieindcspitzen, Erweckung des allgemeinen Verständnisses beim Volke für unsere Postulate weit wichtiger als das einmalige Eingreifen während der Wahlen auch um den möglichen Preis von zweifelhaftem Werte. Es ist ein zionistisches Kulturgemeindeprogranmi erforderlich, das man zu jeder Zeit betonen, n I c 111 nur für die W a 111 e n liervorliokn muss.“ ALTNEULAND veröffentlicht in Nr. 1 des zweiten Jahrganges 11. a. das Projekt zur Begründung einer Gesellschaft für die Förderung jüdischer Hausindustrie und K u >' s t g e w e r h e i»1 P a 1 ä s t i 11 a. In der HAZEFIRAH nimmt Sokolow Stellung gegen den Territorialismus in einem Leitartikel, der den — wie uns sei einen will -- etwas schuldbewussten Titel: ..Rückkehr zum Zmr'smus” führt. Sokolow wendet sich in scharfen Worten gegen uie Territorialisten. die aus dem Zwischenfall Uganda ein politisches System bauen wollen und so das zionistische Ideal gefährden, das nicht unser letztes zusiinftiges Ideal. so!1dern das einzige aller Zeiten, auch das der Gegenwart ist und bleiben muss. ־ - Uns soll es schon recht sein, wenn nun .,Uganda ein Zwischenfall“ ist, der ja hoffentlich bald beseitigt sein wird, aber cs will uns bediinken, ,dass mau’s früher anders las; doch sind wir gewiss die letzten, die es tadeln, wenn jemand etwas lernt aus dem Worte ,.An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen!" Die Wiener Tageszeitung DIE ZEIT erfährt ״aus kompetentester Quelle“, dass entgegen andern Nachrichten das A.-K. nicht nach L o n n o n verlegt werden, sondern entweder in W: e n bleiben oder in Berlin domiliziert werden würde. Niedriger hängen! ״Oer Zionismus 1*1 dem Deutschtum gefährlich wie die Sozialdemokratie und drr Ultramontanisnus.“ Prof, Ludwig Geiger in der Kölnischen Zritumj. Sr. 77, rotn 22. /. 0ö '1 I | H

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