Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1905)
- Date
- 1905-02-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 50. JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 5. sowohl den Kolonien wie auch der städtischen Bevölkerung | nützlich sein. ' Die letzten Ereignisse in Russland brachten es mit sich, I dass eine bedeutendere Zuströmung von Juden innerhalb des vergangenen Jahres stattiand. Bei der Besprechung der Rolle von Sedschera erwähnten wir schon, dass ein grösserer Zufluss von jüdischen Arbeitern dorthin stattgefunden hat. Auch die bei: Jaffa gelegenen Kolonien, in erster Linie Pethach- Thikwah. nahmen einen grossen Teil der neuartgekommenen Arbeiter auf. Aber auch verschiedene Handwerker und Gcwerbetreibende übersiedclten im verstrichenen Jahre hierher. Ein bedeutender Teil dieser Einwanderer.’ wie auch der früher erwähnten Arbeiter verh'ess wiederuni nach einiger Zeit das Land. Pass aber aus dieser Zuwanderung immerhin doch ein bedeutender Zuwachs des jüdischen Elementes in den Städten resultiert, unterliegt keinem Zweifel. Zahlenmässig lässt sich dies leider nicht beweisen. Wir sind am Schluss unseres Rückblickes. Wenn er kurz ן ist. so liegt cs daran, dass unsere Rolle im Lande noch immer J zu gering ist. Viele Möglichkeiten der Verstärkung unseres . Elementes sind vorhanden und können ausgebeutet werden. Wenn dies geschehen wird, werden wir mehr zu sagen haben. S. S o s k i n. Zionisten-Konferenz in Wilna Vom 14.—17. Januar d. J. fand in W i l n a eine Konferenz russischer Zionisten statt, an der auch mehrere Mitglieder des A.-K. tellnahmen. Es sind die alten zionstreuen Arbeiter unserer Bewegung, die dort bereits die Kor.gressarbeiten vorzubereiten begannen. Wir veröffentlichen hier die Rcsolu tionen und Beschlüsse dieser Konferenz, die uitzweifelhaft eine Fülle wertvoller Anregungen enthalten: Die Konferenz wurde am Sonnabend, dem 14. Januar S Uhr abends, unter Leitung der Herren J. A. Goldberg. H. Slatopolski, S. J. Rosenbaum. M. M. Ussischkin und M. Scheinkin eröffnet und Dienstag, den 17. Januar um 1 Uhr ■nachts geschlossen. Zugegen waren •17 Personen aus folgenden Städten: Baku, Balta, Bern. Brest-Litowsk. Bialystok, Warschau, Wilna. Grodno, Jekaterinoslaw. JclisawetgraJ. Shwanez. Kisehincw, Kiew., Minsk, Mohilcw a. Dm. Odessa. Petersburg. Pinsk, Poltaw׳a, Pros,kurow und Rostow׳ a. Don. Die Konferenz gelangte zu folgenden Schlüssen: L Zur Frage des Terrltorlallsmus. Zum Zwecke der Wahrung und Durchführung der Prinzipien des politischen Zionismus im vollen Umfange aller Punkte des Baseler Programms nahm die Konferenz folgende Besctmisse an: Angesichts der in die Erscheinung getretenen Strömung, die es für möglich hält das Endziel des Zionismus in irgend e’nem Lande ausserhalb Palästinas verwirklichen zu können, ist die Konferenz der Meinung, dass d esc Strömung dem historischen Ideal des Zionismus und dem Baseler Programme zuwiderläuii. Die Konferenz betrachtet cs als notwendig, die Unhaltbarkeit des TcrritoriaHsmus nach Möglichkeit allseitig und grftndlieh in der Presse aufzudecken. Die Konferenz ist der Ansicht, dass die Territorialstem indem sie die Wiedergeburt des jüdischen Volkes ausserhalb Palästinas für. möglich halten, dadurch gegen den Hauptpunkt des Baseler Programms verstossen, der lautet: ״Der Zionismus erstrebt» die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina”, und daher kein moralisches Recht haben, auf Grund des ersten Punktes unseres Organisations-Statutes, Schekel zu entrichten. Die Konferenz ist der Ansicht, dass eine Erörterung der Frage wegen irgend welcher Aendening des Baseler Progranuns auf dem Kongresse nicht?(!gelassen werden kann. II. Zur Uganda-Frage. ln mündlicher und schriftlicher Propaganda ist darüber aufzukläreu. dass das Uganda-Projekt einerseits den Prinzipien des Zionismus widerspricht, andererseits nicht imstande ist. die Not der jüdischen Massen zu lindern. Das Uganda-Anerbieten als den Grundideen des Zionismus widersprechend ist. in welcher Form auch dasselbe dem K011grosse vorgclcgt werden mag. ahzulelmen HL Zur realen Tätigkeit in Palästina. A. A ui dem Kongresse. In Ausführung des ersten Punktes des Baseler Programms, der lautet: ,.Die zweckdienliche Förderung der Besiedelung Palästinas mit jüdschen Ackerbauern, Handwerkern und Gewerbeireibende״,*‘ halt die Konferenz für notwendig an die reale Arbeit in Palästina hcranzutreten und beschliesst. aui dem Kongress folgende Anträge zu steilen und zu unterstützen: . Die Erwerbung des palästinensischen Bodens ***כ> הא sowohl mit den Mitteln des Nationalfonds. als auch mit andern önentlichen und privaten Mitteln, muss als eine der iundamenüalsten Arbeiten in die erste Reiiie treten. Das ausiührende Organ des Kongresses muss von den Grund- Prinzipien des politischen Zionismus nicht abweichend, die Initiative ergreifen u ׳d sich Mühe geben die Vereinigung der lät’gheil aller jüdischen Kolonisationsgesellscbaftcn zur intensiven gemeinsamen plamr.ässigen Arbeit in Palästina zu erlangem Die Tätigkeit der Jüdischen Kolouialbank muss im Orient mittels Gründung einer möglichst grossen Zahl von Filialen und Agenturen der Angk-Palestine Company in Palästina lind der Asiatischen Türkei erweitert werden zum Zwecke der An- Pflanzung und Entwickelung des jüdischen Handels und der jüdischen Klein- und Grossindustrie aller Art in Vorder-Asicm Das ausiiihretide Organ des Kongresses muss die Initiative ergreifen zur Vereinigung der Tätigkeit aller jüdischen Bildungsanstaltem die :n Palästina funktionieren, zur gemeinsamen pianmässigen Arbeit, die auf die national-kulturelle ■Hebung der dortigen jüdischen Bevölkerung hinzielt. Literaturbericht. BQcher der elnschtlglgen Literatur, welche der Redaktion ... xugetand! werden, finden eincehende Besprechung. Das neue Jerusalem ein jüdischer Roman. Stuttgart 1905. Der geistvolle Verfasser tat Recht daran, seinen Namen zu verschweigen, aber cs war Unrecht von ihm, das elende Machwerk einen ״jüdischen Roman** zu nennet. Den Inhalt :wiederzugeben, ist nicht der Mühe wert. Der ״Heid•' ist ein perverser Schwachkopf, dessen einzige Lebenstat in einer Brandstiftung besteht, für die er — in echt jüdischer Weise! — seinen alten Vater ins Zuchthaus wandern lässt; und dieser Mann hat unglücklicherweise zuguterletzt den fatalen Einfall, — die Idee des Zionismus in die Welt zu setzet! Eine ausführliche und ernsthafte Besprechung, deren Stil- Schönheit und Gedankentiefe dem Original nicht nachsteht, ist von dem ..Goetheforscher*‘ Prof. Ludwig Cieiger Ln der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums (Verlag Rudolf Mosse) so- •eben erschienen. Armer!Zionismus! Dr. Kalmus. Joseph Klausner: Die fAcssianischeu Vorstellungen des Jüdischen Volkes int!Zeitalter der Ta!malten, kritisch untersucht und iiti Rahmen der Zeitgeschichte dargestellt. Berlin: M. Poppelauer 1904. V. 1!9 S. 8״. Die vorliegende Arbeit ist gewissermassen durch den Zionismus gezeitigt. Und wenn auch keineswegs die Arbeit nach irgettd einer Richtung tendenziös wird, so kann man doch zugeben, dass, wenn der Zionismus nicht erblüht w׳äre, Klausner niemals dieses Thema zu seiner wissenschaftlichen Erstlingsarbeit ausgesucht hätte. Um so lieber erkennen wir au, dass sich die Arbeit im Rahmen strengster Wissenschaft-! lichkeit bewegt, und dass das überreiche Material, das der j Autor beibringt, in ruhiger und gediegener Weise verarbeitet | wurde. Der Zionist, der nicht selbst in den Quellen forschen j und suchen kann, wiru aber bei Klatissner reiches historisches Material finden. Aber der Forscher wird nicht minder de- 1 z wütigen sein, aui die vortreffliche Arbeit, die den Stoff sachlich gegliedert und methodisch geordnet bietet, immer wieder zurückzugreifen, sobald er die Geschichte der Entstehung des ן Christentums und ebenso die der Mischnali behandeln will, j Das Resultat der Klaustcrscltcn Forschung ist, dass das Messiasreich, das von den Juden erträumt und erhofft wurde.! ״ein Reich von dieser Welt" sein sollte. Fr hätte hinzurüget! können, dass ursprünglich das ״OlAm Hab-Bfi“ ebenfalls in der Welt sich befinden sollte, in der man das Messiasreich erwartete. Seine im zweiten Kapitel ״Messianologie und Escliatalogie“ vorgenommene Trennung von ״Jem«‘• Ham-Maschiach" uiid ״OlAm Hab-Bau" ist der schwache Funkt seiner Arbeit. w "PW יימי־ ■■ 11 י״ w