Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1905)
- Date
- 1905-02-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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I No. 5. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 49. Das verstrichene Jahr hat uns Erfahrungen gebracht in folgenden drei wichtigen Kulturpflanzen: im Tabak, in der Baumwolle u:1d in der Erdnuss. Tabak. Der Tabakbau wurde in Palästina von sieben Jahren eingeführt, und zwar verdankt dieser Zweig der Land- Wirtschaft seine Einführung in Palästina dent puren Zufall. Ein englischer Tabakkaufmann, der sich zufällig auf einer Reise in Palästina befand, machte die Administration auf die Möglichkeit des Gedeihens des Tabaks im nördlichen Teil Palästinas aufmerksam. Es wurden alsdann Versuche mit Tabak in Mutclic angestellt, später wurde Tabak auch in Jessod- Hamaalah und Rosch-Pinah gebaut. Dort erhält sich die Kultur auch noch jezt. 1902 wurde ein Versuch mit dem Tabak in Zichron-Jacob gemacht der aber im folgenden Jahr nicht mehr wiederholt wurde. Vor zwei Jahren begarn man mit dem Tabakbau in Wadi-el-Hunin und in Pethach-Thikwah. Nächstes Jahr wird aucli Rcchowoth Tabak bauen. Was den palästinischen Tabakbau kennzeichnet, ist die nicht fachmännische Behandlung des Erzeugnisses, welche dazu führt, dass man im Lande eigentlich keine charakteristische Marke von Tabak produziert. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass die Behandlung des Tabaks in Bezug auf permcnticruug. Sortierung. Verpackung im allgemeinen sehr mangelhaft ist. Darum hat sich der Tabak trotz des vorhandenen grossen Bedarfes im benachbarten Ägypten keinen Absatz verschaffen können. Das ״!)gelaufene Jahr brachte einen Ertrag von zirka 11 001! kg. die mir mit Schwierigkeit und unter Verlust plaziert werden konnten. Um eine Verbesserung in dieser zweifelsohne für Palästina zukunftsreichen Kultur zu erreichen, müsste diese von einer kompetenten Institution, am besten einer Versuchsstation, zum Gegenstand eines genaueren Studiums gemacht werden, und zwar in Bezug auf Sortenwahl. Eruebcrciuing. hcrmeiitierung. Sortie.ung. Verpackung etc. Bau m w olle. Die Preistreibereien der letzten zwei Jahre in der Baumwolle, die vqii den amerikanischen Grosskautlcutcn zum Schaden der europäischen Baumwollindustrie unternommen wurden, zwangen die europäischen Industrieländer, sich nach anderweitigen Produktiousgebicten für Baumwolle umzuscheu. Ausser der; verschiedenen, in den eigenen Kolonien ins Lebe» gerufenen Unternehmungen suchten die am meisten in dieser Frage interessierten Länder auch in ihren respektiven Inte ressengebeten nach Baumwolle. So entstand z. B. in Deutschland die Deutsch-Lcvantinisclie Baumwollge- Seilschaft. Ein englisches Baumwollbaus sandte seinen Vertreter auch Palästina, um der Frage der Kultivierung von Baumwolle in diesem Lande näher zu treten. Wie wir aus einer, in Verbindung mit einem kompetenten Fachmann hier aiigcstclltcit Erkundung erfahren konnten, baute man in den verschiedenen Teilen des Landes schon vor mehr als •10 Jahren Bauwolle an. Die im verstrichenen Jahre hier und da angestcMtcn kleinen Versuche ergaben ein Verhältnismassig günstiges Resultat. Leider wäre י die Versuche versputet (erst im Mai. während die Aussaat Ende Februar zu erfolgen hätte) und mit nur einer zufällig hierher gebrachten Varietät von Baumwolle angestellt. Trotzdem unterliegt es keinem Zweifel, dass in dem grössten Teile des Landes, also In Ober- und Unter-Galiläa, in Samaria und zum Teil auch in Judäa Baumwolle ohne künstliche Bewässerung hier angebaut werden kann. Für das wirksamste Mittel der Einführung und Ausbreitung der Baumwollkultur im Lande halten wir die Gründung einer Baumwollgesellschatt die sich aut rein kommerzieller Basis aufbaut. Die Gesellschaft wird durch Verteilung von Saat und Gewährung von Vorschüssen die Bauern dazu veranlassen können. Baumwolle anzubauen, die sie aufkauft und exportiert. Die in Aussicht genommene Versuchsstation wird der technischwirtschaftlichen Seite der Baumwollktultur näher zu treten haben. Somit hat uns das vergangene Jahr eine bedeutende Errungenschaft bezüglich dieser wichtigen Kulturpüauze gebracht. (Hoffentlich werden wir in unserem nächsten Jahresbericht mehr darüber berichten können. Erdnuss. Diese Ölfrucht wurde seit drei Jahren versuchsweise i!1 Hedcrah angepflanzt. Der Versuch lieferte ein sehr befriedigendes Ergebnis. In den folgenden Jahren wurde der Anbau unbedeutend vergrössert und lieferte ebenfalls ein gutes Erzeugnis und reichen Ertrag. Dieses Beispiel lenkte nunmehr die Aufmerksamkeit der benachbarten Kolonie fZichron-Jacob auf sich, und man beabsichtigt, auch dort die Erdnuss anzubaucn. Da die Erdnuss die für ihr Gedeihen erforderlichen Bcd in gut! gen in Palästina vorfindet, so ist zu hoffen, dass diese wichtige Ölfrucht, deren Ci sogar mit dem Olivenöl zu konkurrieren vermag, in unseren Kolonien zur allgemeine•! Einführung gelangen wird. Die Betrachtung der Anfänge der eben aufgezähltcn Kulturen in Palästina veranlasst uns. hier wiederum auf die dringende Notwendigkeit der Einrichtung unserer ersten landwirtschaftlichen Versuchsstation hinzuweisen. Da wir nunmehr unmittelbar vor dem Erwerb des für die Station nötigen Bodens stehen, so dürfen wir sagen, dass wir von dem angestrebten Ziele nicht mehr so sehr weit entfernt sind. II. Städtische Kolonisation. Die städtische Kolonisation ist in erster Linie Handels- und hdustriekolonisation. In dieser Richtung muss wiederum die Anglo-Palestine Co. als die bedeutendste Errungenschaft bczeichnet werden Sic hat ihre Zentrale in Jaffa und eine Zweignicderlassung in Jerusalem. Weitere Filialen sind in Aussicht genommen worden und werden zweifellos der Stärkung der jüdischen Elementes in den betreffenden Städten dienlieh sein. Innerhalb ihrer 1!•!,jährigen Tätigkeit hat die Anglo-Palestinc Co. dem jüdischen Handel und Gewerbe zweifelsohne sehr genützt. Eine weitere Förderung unserer Interessen durch diese Institution ist vorauszusehen. Hier ist auch der Palästina-Handelsgesellschaft in Hambürg zu gedenken, die erst seit drei Monaten ihre Tätigkeit begonnen hat. Innerhalb dieser Zeit suchte sie sich gute Verbinbdungeii im Lande zu verschaffen und wird voraussichtlich da entstanden ist! Die Palme, die Myrthe und die Weide sind mein Feststrauss. Jede Pilanz? ergänzt die Mängel der andern. Als ein Ganzes ist mein St rat!יא tadellos. Geh doch und sag’s deinen Brüdern: vereint euch! Gelt hin und sag’s ihnen: (), ihr Menschen des Handels lind des Reichtums, und ihr Menschen des Gefühls und des Wissens: vereint euch einer mit dem andern, vereint euch mit dem Volke! Vielleicht erheben aueh daun die Weiden ihre traurig gesenkten Zweige. Haben sie nicht• schon genug geweint? Geh und sag’s ihnen: vereint euch, ihr Zerstreuten, ,ihr Getrennten, möge der Norden mit dem Süden, möge West mit Ost nicht mehr streiten! Vereint euch! Sind wir nicht Zöglinge eines und desselben Gartens, sind wir nicht Kinder einer und derselben Mutter?“ Und sonderbar! Während sic so begeistert sprach, wuchs der kleine Hügel, auf dem sie stand, zu einem ’ holten Berge, am Busse dessen ich mich plötzlich befand, empor. Zu gleicher Zeit wurden die Lumpen meiner wunderschönen Gärtnerin immer blasser und heller, und schon stand sic auf dem Gipfel des Berges in ein weisses Gewand gehüllt, das in wenigen Falten um ihre schlanke Gestalt nicdcrficl. In den zum Gebet verschlungenen Händen hielt sie ihren Feststrauss und sang: ״Erliche dich, o Nord, komm, o Süd, durchwehe meinen Garten, dass mich anhattche dein Balsam . . . Es komme mein Geliebter in seinen Garten und genlesse .seine köstliche Frucht.“ Mächtig und süss klang ihre Stimme. Ein weites Echo begleitete sie. Und wie sic sang. röteten sielt dort am Saume des Horizonts immer mehr und mehr die Purpurstreifen, und heller und heller wurde der östliche Himmel. Ja. das »st die Morgenröte! Alles tun mich herum war in ein graues Halbdunkel versunken, aber dort auf dem Gipfel des Berges, der in einen grauen und durchsichtigen Rauch gehüllt war, stand die wunderschöne Gärtnerin mit dem stolz <yhobenen Haupte ittt hellglänzenden, aus den ersten Strahlen der umgehenden Sonne geflochtenem Kranze. Ich streckte meine Hände zu dem majestätischen Bilde empor. O du Rätselhafte, ewig Junge, ewig Schöne, ewig Verfolgte, ewig Unbesiegbane! Aber immer heller und heller rötete sich der Himmel, immer lichter ward die liebliche Gestalt -- noch ein Augenblick — und die Erscheinung verschwand. Ende.