Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1905)
- Date
- 1905-02-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4S. No. 5. / 'JÜDISCHE RUNDSCHAU Arbeitstiere etc. erworben werden. Die Arbeit erfolgt gemclnsam. Dass Reibungen verschiedener Art sich cinstellen mussten. Isess sich voraussehen. Es ist aber immerhin zu hoffen, dass dieser erste Versrnh einer landwirtschaftlichen Genossenschaft in Palästina mehr oder weniger gelingen wird. Ein Misslingen desselben dürfte aber nicht dem Prinzip den Boden untergraben, wenn man bedenkt, dass die Bedingungen, unter denen diese Genossenschaft entstanden ist. .sehr ungünstig sind: das schlechte Klima zwingt einen Teil der Kräfte, der• Arbeit fernzubleibcn. während die anderen die ganze Last tragen müssen. 3. Die Mustcrtar m. Bis Jetzt besitzen wir nur eine einzige Farm, nämlich in Sedschera. Die nähere Betrachtung ihrer Organisation und ihres gegenwärtigen Zustandes hat uns gezeigt, dass diese Gründung sich in richtigen Bahnen bewegt. Die Farm von Sedschera macht den Eindruck einer gut geleiteten Wirtschaft, die ein reiches Inventar, gute Gebäude, rein gehaltene Felder besitzt. Die verschiedenen Zweige der Landwirtschaft sind berücksichtigt worden. Die Farm beginnt jetzt Pferde- und Maultierzucht, sowie Schaf- und Rinderzucht zu betreiben, sie legt Oliven- und Weinpflanzungea an. letztere zur Erzeugung der Rosinen von Salt, auf deren Einführung in unsere Kolonien w:r schon vor mehreren Jahren aufmerksam gemacht hatten. Die Farm von Sedschera beschäftigt ausschliesslich jüdische Arbeiter, ca. 50 an der Zahl, und trotz dieses, die Wirtscb 1!'t bedeutend verteuernden Umstandes wird das jüdische Defizit von Jahr zu Jahr geringer. Man dari mit emiger Sicherheit annehmen, dass sie nach wenigen Jahren auch schon materielle ,Erfolge zu verzeichnen haben wird. Eine grosse Bedeutung hat Sedschera speziell in der Arbeiterfrage. Der grösste Teil der jüdischen Arbeiter In Palästina findet hier Beschäftigung und Ausbildung. Die im letzten Jahre hier häufiger ankummenden Einwanderer wenden sich zu allererst nach Sedschera. wo sie be; vorhandenem Bedarf als Arbeiter aufgeiiommen werden. Auch ist cs kennzeichnend, dass man gegenwärtig in Sedschera acht absolvierte Schüler von Mikweh-Israel als Arbiter findet. Es ist erfrculich. dass wenigstens ein Ted der Zöglinge von Mikwclt- Israel im Lande als Arbeiter tmd nicht als Aufseher und Agronomen verbleiben Wir können wohl sagen, dass die Entstehung von weiteren Farmen hier in Palästina von Nutzen sein würde. Die Gründung einer Farm auf Grund des Kischinewcr Waiseiitonds durch unseren Nationalfonds erscheint damit nicht als ein notwendiges Übel, sondern .'st ein aussichtsvolles Unternehmen, welches dem Lande grossen Nutzen bringen wird. Dass wir bei der Gründung der Farm den Erfahrungen v<> 1 Sedschera Rechnung tragen werden, braucht wohl nicht speziell gesagt zu werden. ■I. Die innere Organisation der Kolonien. Die jüdischen Kulan en, die von lange her ■schon einen selbständigeren Einschlag besassen, zeigen in Bezug auf die innere Organisation ihrer Angelegenheiten mehr Initiative als die anderen Kolonien. Die Orangenpflanzer von Judäa, in erster Linie die numerisch stärkeren von Pethach-Thikwah. haben ihre Vcrkaufs-Oenosscnschait . Pardess“. die im vergangenen Jahre ein verhältnismässig gutes Geschäft gemacht hatte. Mit Vcrgütiger» erfahren wir. dass die vom ..Pardess“ in diesem Jahre nach Hamburg gesandten Orangen die anderen hiesiger Provenienz an Güte übertrafen. Der erste für dieses Jahr in Rcehowoth in Aussicht gcnominelle Versuch mit der Tabakkultur wird auf genossenschaftücher Bas s erfolgen. Ebenso bildeten die Tabakpilanzer von Wadi-cl-Huniu eine Kredit- und Absatzgenossensehaft. Audi die Frage der Bildung von Winzervereinen wird in den iudüisehen .Kolonien immer dringender. Die schon seit etwa 3 Jahren in Aur.s'cht genommene Gründung von Wein- Kellereien in Rcehowoth und Pethach-Thikwah bleibt bis jetzt immer noch ein pium desiderium der Kolonisten. Der Zusanimenschliiss derselben würde auch hierin fördernd sein können. In Rschnn-le-Zio'. übernahmen die Kolonisten die Expedition der Weine von den Keilereien bis an Bord des Schiffes im Haien von Jaffa. Die Genosseiisciialt der Sped.teure, wenn man st» sagen darf, erzielt zufriedenstellende materielle Erfolge. Die Übernahme der Verwaltung der Kellereien >elbst seitens der Kolonisten ist noch weit von ihrer Verwirklichung. Auch in Samaria regt sich der NMinsch nach einem geiMisseiiscliaitliclien Zusammenschluss der Bevölkerung in den Kolonien. Dem Lokalkmuitee der palästinischen Organisation Histadruth von Haifa gelang es. einen bedeutenden Teil der Einwohner von Ziehron-Jacob, Hederuh und Atht für die Gründung einer ländliche!׳ Kreditkasse zu gewinnen. Gegenvartig werden die Statuten dieser Kreditkasse ausgearbeitet, und es ist anzunehmen, dass in kurzem diese Institution ins Lehen treten wird. Überhaupt scheint uns die eben erwähnte Organisation der palästinischen Judenheit dazu berufen zu sein, durch die Heranziehung von hingebungsvollen für das Volkswohl bedachteil Kräften in der inneren Konsolidierung unserer Kolbnien eine bedeutende Rolle zu spielen. Der Vollständigkeit ha'ber erwähnen wir noch, dass sowohl in den Kolonien im oberen Galiläa, wie auch im Süden von Judäa (KastiniclD der Status qtto sich im laufenden Jahre nicht geändert hat. 5.* Neue K n 11 u r e n. Dass wir in unserem allgemeinen überblick der im verstrichenen Jahre geleisteten Arbeit uns speziell bei der Aufzählung neuer Kulturen auihahen wollen, die in den Kolonien eingefiihrt werden, hat seinen Grund einerseits in der Wichtigkeit einer zwxckhew ussten Einführung von •lenen Kulturen in die palästinische Landwirtschaft überhaupt, andererseits in der Bedeutung der gegenwärtig in Betracht kommenden Kulturen. ״O, natürlich habt ich solche,“ entgcgnetc sic und ihr Gesicht heiterte sich plötzlich auf. Indem sie von einer jungen Palme ein fächerartiges Blatt abpfliicktc. ging sie mit mir in der Richtung zum Hügel, auf welchem ein wunderschöner, dunkelgrüner Baum wuchs, aus dessen dichtem Laub weisse Bliitcn und längliche, grünorange Früchte hervorguckten. Die Luft ringsum war mit einem durchdringenden, aber sehr angenehmen Duft getränkt. Auf dem an dem Baume angeschlagenen Täfelchen las ich: Citrus aurantium bigaradia. ״Siehst du, die Frucht dieses orientalischen, für den Anblick reizende» und für den Genuss guten Baumes? Sie heisst Paradiesapfel, weil Urmutter Eva mit keiner anderen Frucht Adam so leicht hätte verführen körnten. j Dieser Baum birgt nicht nur die Fähigkeit, das Böse und Gute erkennen zu lassen, sondern auch die Quelle der Kraft, Gutes zu vollbringen. Wo dieser duftige und fruchtbare Baum auch wüchse, und sei c•: selbst in der Hölle, so ist er immer mit einer paradiesischen Atmosphäre umgeben. Dieser Baum ist das Symbol des allmählichon, aber ununterbrochenen Fortschrittes. Laugsam, im Laufe vieler Jahre, reifen seine Früchte, doch dafür findest du auf ein und demselben Baume in ein und derselben Zeit alle Stufen der Entwickelung: von der kaum umgebrochenen Knospe bis zu der völlig reifen und duftenden Frucht. Und wenn schwere Tage kcmincn und eine Unruhe sicli meines Herzens bemäelitigt, komme ich zu diesem Baume, ergötze mich au diesen jungen Knospen und denke: Finst wird der Tag kommen, an dem sie sich entwickeln, aufblühcn. reifen und mir Trost bringen werden.“ - VI. Sic pflückte einen Paradiesapfel ab und bestieg den Gipfel des Hügels. Der Ausdruck ihres wunderschönen Gesichtes wurde begeisterter, in ihren schwarzen Augen spielte ein inniger Glanz und sie fing zu reden an.־ ״Nun hast du bereits meinen ganzen Garten besichtigt: Beklagenswert schienen dir meine fruehttmd geruchlosen Weiden zu sein. Nicht weniger kraftlos sollten dir meine sieben Myrtheu scheinen: sie sind duftig, aber, o weh. michtlos. Ucppig und majestätisch sind meine Palmen und süss ihre Frucht, aber des Duftes entbehrend wachsen sie wie für sicli selbst. Es bleibt also nur der Pomcranzenbauni. Sollte all das Ucbrige vertilgt und vernichtet werden? Was würde mir dann Zurückbleiben? O nein! Ich habe all diese Pflanzen zusammvngebunden und sieh! welch schöner Strauss m יזייי M י|Tf"'