Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1905)
- Date
- 1905-02-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 47. No. 5. JÜDISCHE RUNDSCHAU dem Kenner der hiesigen Zustande . fast unglaublich sch'cn. die Alten, die eine solche Transformation durchgemacht haben. Eine sehr erfreuliche Wirkung brachten uns die letzten zwei Jahre in der H a u r a n angclegc iheit. Bekanntlich bctrachtete man schon seit vielen Jahren die Besitzungen im HaurAn als einen mehr oder weniger aufgcgebeneu Posten. Wir konstatieren mit grosser Befriedigung, dass cs der J. C. A. in den letzten zwei Jahren gelungen ist. und z,war durch das planmässige. zielbewusste Vorgehen des von der Administration eingesetzten Beamte«, die Grenzen der Besitzung!! vor den Übergriffen der Nachbarn zu •schützen und sic teilweise schon durcii Grüben festzulcgeu. eine bessere Ausnützung der Ländere . zu erreichen etc. Es ist zu hoffen, dass bei dem fortgesetzten energischen Vorgehen des jetzigen Administrators, dessen Tätigkeit von der Direktion in Paris günstig beeinflusst wird, die Besitzungen im Haurim allmählich wieder in geregeitere Verhältnisse gebracht werden und später auch zu einer anderweitigen Ausnutzung dienen werden. Unsere א c u c r w e r h u 11 g e n in Palästina sind im vergangenen Jahre nicht *יי sehr bedeutend, wie cs nach den zahlreichen in die Presse gelangten Mittelungen scheinen musste. Es wurden in Judäa in der Nähe der alten Kolonien einige kleinere Flächen erworben, die zur Konsolidierung der sch(•! existierenden Kolonien dienen mussten. Über c'irgc bedcutcndcrc Käufe liier sowie in anderen Teilen des Landes wird unterhandelt, sic sind aber vorläufig mich zu keinem Abschluss gelangt. Auch! icriti wird leiccr gesündigt: einerseits durch die ausschliessliche Bevorzugung Judäas bei N'eukäufcn. anderseits durch solche Vorstudien der Kanfoblckte. die in mehreren Be- Ziehungen zu wünschen ־ übrig lassen. Die Erfahrung hat uns das beigebracht, was schon bei einfacher Überlegung klar se'n musste: näniiich. dass Flächen, die für die sofortige Ausnützung durch Kolonisten ungeeignet sind, .nicht für den Weiterverkauf erworben werden dürfen. So blieb Kafr-Sab.'t (ca. 7<0י'י Dunam) in der Nähe von Jaffa längere Zeit so gut wie gar nicht ausgeuut/.t. D.'c Administration der J. C. A. sah sich gezwungen, das Land einem Teil der Kolonisten von Pethach- Ihlkwah zur Beweidung und cvcutl. späteren Bepflanzung abzutreten. Solche minderwertige Flächen können nur durch kapitalistische Unternehmungen verwertet werden, sind aber für den Kleinbesitzer ungeeignet. 2: Die Pächter. Die Pächtcrtrage;st in Palästina noch sehr jungen Datums. Die Initiative in dieser Beziehung ist dem früheren Direktor der Farm in Scdschera zu verdanken. Der erste Versuch wurde von!ihm mit vier der besten Arbeiter von SedsChera unternommen; sieht man aber dieses ..neue“ System der Kolonisation etwas näher an, so wird man überrascht, mit denselben krankhaften Symptomen der wohltätigen Kolonisation zu tu'n zu haben, die man bei der übrigen Kolonisation Palästinas beobachtet. Da wir in der Lage sein werden, einen diesem Gegenstand gewidmeten Artikel in einer der späteren Nummern zu bringen, so beschränken wir uns hier nur auf den Hinweis, dass das Pachtersystetn sich ebenso auf den! Grundsatz des Gebens an nichtsbesitzende Personen aufbant wie die Kotonisierung. Der cinz/gc Vorteil besteht darin, dass die Leute viel weniger Geldmittel erhalten, als die Kolonisten. Im übrigen uuterscheiuet sich dieses System bezügiieh der erreichten Vorteile in keiner Weise von der Installierung von Kolonisten. Im Gegenteil, die Pächter haben mit Nachteilen zu kämpfen, die eine gedeihliche Entwicklung der Niederlassungcn abgesehen von dem prinzipiellen Fehler des einsetigen ״Gebens", unmöglich machen. Die Pächter erhalten das Land auf ein Jahr, der Kredit wird ihnen nur auf ein Jahr gewährt, sie werden immer nur als ״provisorisch installiert" betrachtet können daher keine Gebäude und Höfe bauen, die für den Kle ubaucr von unschätzbarem Wert sind. Was hindert nun den Pächter nach diesem ״neue-!‘‘ System bei einer schlechten Ernte, bei irgendwelchem sonstigen Missgeschieh oder bei Fahrlässigkeit und Leichtsinn, den so leicht erreichten Posten mit leichtem Herzen aufzugeben und seinen Verpflichtungen bezüglich der erhaltenen Vorschüsse nicht uachzukommen? Wir haben gegenwärtig ca. 42 solcher Pächter in Galiläa und Satnaria und zwar in Bct-Dschen ca. 20, in Sedscltera 12 und in Atlft 10. Hier müssen wir noch eine weitere Tatsache verzeichnen, die vielleicht dazu a'getan ist. unseren Bestrebungen hier in! Lande einen bedeutenden Vorschub zu leisten. Seit etwa drei Monaten erfolgte die Niederlassung von 16 russisch-jüdischen Pächtern auf den am nordöstlichen Winkel des Sees von Tiberias gelegene.. Terrain eines türkischen Paschas von Datnaskus. Dieses Terrain, unter dem Namen Btecha bekannt liegt unmittelbar am Ufer des Tiberiassees und zeichnet sich leider durch ein ungesundes Klima aus. Die Bedingungen des zwischen den Pächtern und dem Besitzer abgeschlossenen Abkommens gipfeln darin, dass die Pächter, die ihr eigenes Invo'tar besitzen müssen. Land auf 9 Jabje erhalten gegen die Pahlung von 26 pCt. des Bruttoertrages, wobei die Zehntenabgabc der Besitzer übernimmt. Später erhalten .noch, die Pachter von ihm e'n kleines Haus per Familie, wie auch Stall und Hof. Vorläufig hat der Besitzer für die Leute Baracken aufgefüiirt. Sollte in der Tat dieser Versuch von Erfolg begleitet werden, so ist in diesem Vorgehen der reichen Grund- Besitzer, die aus eigenem Interesse ihre arabischen Pächter durch jüdische ersetzen, ein sehr bedeutender Fortschritt unserer Arbeit in Palästina zu sehen. Wir befürchten aber, dass einerseits infolge des anscheinend ungültigen Klimas des Ortes (während unseres Besuches dort lag beinahe die Hälfte der vor kurzem aus Russland frisch angekommenen Leute rm Fieber), andererseits infolge ungenügender Garantien seitens des Besitzers der Versuch misslingen dürfte. Jedenfalls verdient er unsere volle Aufmerksamkeit und sorgsame Überwachung. Interessant ist es noch, dass die 16 Pächter für das erste Jahr ihrer Niederlassung eine Genossenschaft bildeten, indem ein jedes Mitglied 300 Rubel in die Genossenschaft zu zahlen hat. Für die Summe von -1500 Rubel sollen Ackergeräte. Der Feststrauss Von Dr. L. Katzcnelson. (Buki-ben-Jogli.) Ucbcrsctzt von HcIcncTraub. (Nachdruck verboten.) V. Und indem sie den Kranz abiegte. forderte sie mich auf. ihr zu folgen, und bald erschienen wir auf dem Felde, das am Rande des Waldes lag. Auf diesem Felde wuchsen einige stolze Palmen, deren breitblättrige Kronen die Bäume zu berühren schienen. Im Verhältnis zu den kleinen und niedrigen Myrthen. die wir eben verliesscn. und den Weidenstrünchern erschienen sie noch höher, als sie in Wirklichkeit wohl waren. Ich sah meine Begleiterin an und erwartete auf ihrem Gesichte ein selbstzufriedenes Lächeln beim Anblick dieser herrliehen Paltnen zu sehen, aber meine Erwartung täuschte mich. Der Ausdruck ihres Gerichtes blich ernst, fast traurig. ״Siehst du, erklärte sie mir als Antwort auf meine verborgene Frage: Palmen im Garten sind das, was Leute des Geschäftes und des Handels im Volke. Obwohl sic auch kein Aroma besitzen, bringen sie doch wunderschöne Früchte, die Gott und die Menschen erfreuen, hervor. Ihr dichtes Laubwerk bietet oft dem müden und heimatlosen Wanderer Schutz und Zuflucht, aber . . . .“ Sie stockte. ״Aber? . . . Mir scheint, du hättest Grund, auf sie stolz zu sein.“ ״Und ich wäre auch stolz auf sie, aber sie tragen so hoch ihre Blätterkrcnc, dass die in ihr verborgenen Früchte nicht so leicht erreichbar sind. Und wenn auch manchmal ein Wind die Gipfel meiner Palmen bewegt und einige Datteln von ihnen herabschiittclt, so fällt der grösste Teil weit über den Zaun meines Gartens und mir werden nur wenige zuteil. Glaube mir, ich bin weder gierig noch neidisch, jedoch kränkt es mich, wenn andere die Früchte der von mir aufgezogencu Palme gemessen und ich Mangel leiden muss. Und wieviel wird da von den Palmen geredet! Sehet mal. sagt man. welch’ reiche Palmen sie besitzt, und doch geht sie in Lumpen einher, Klagelieder singend!“;.Aber womit,“ fragte ich, ״fristest du dein Dasein und wie ist es denn möglich, dass du ln deinem Garten keine solchen Pflanzen Hast, die ein zartes Aroma mit nützlichen Früchten vereinigten?“ f 1