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Jüdische Rundschau · 1905-02-03 · Heft 5 (3.2.1905) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite *16. JÜDISCHE Kreise unbekannte Erzeugnisse an, und ein Zerrbild entsteht vor unseren Augen. Was ist der Zweck? Ein kühner Sprung ins poiitisehe Oebiet: ״Der Zionismus ist dem Deutschtum gefahrl!--h wie die Sozialdemokratie und der Ultra-!r.^ntanismus.‘' In Parenthese: Ich halte es für unklug, wenn wir Juden unseren katholischen Mitbürgern Dcutschtcindlichkcit vorwerfen. Sodann schlägt Geiger gegen der; Zionismus einen Ton an, in dem ihm zu folgen mir meine gute Erziehung verbietet. Zum Schluss heisst es: ״Jedes Verlangen, mit seinen Glaubenibrüdern ein Volk zu tilden ausserhalb Deutschlands ist, ganz abgesehen von seiner Undurelniihrbarkeit und von der krassen Undankbarkeit gegen die Nation, in deren Mitte er lebt, ein Wahn: denn der deutsche Jude ist seiner Volk^eigcntürnlichkeit nach ein Deutscher, und Zion ist für ihn das Land der Vergangenheit, nicht der Zukimit.*' Die alte Denunziation, wir seien Feinde unseres Vaterlandes, die stets von Juden, nie von Nichtjudcn ausgeht, was aufs schlagendste durch folgende, den eben angeführten Worten von der Redaktion der KOELNISCHEN ZEITUNG hinzugefügte Fussnotc bewiesen wird: ״Wir bemerken, dass w ir diese Meinungen des Verfassers nur insoweit teilen, als er eine gegen das Deutschtum gerichtete Verzweigung ues Zionismus im Auge hat. Ucber die zionistischen Bestrebungen als solche haben wir mehrfach unsere abweichende Ansicht ausgesprochen.“ Eine Brüskieruug des Verfassers, wie sie in der KOEL- NISCHEN ZEITUNG geradezu etwas Unerhörtes ist. Stolz wollen wir jungen Juden auf unsere neue Kunst sein, die aus unsenil Stolz wieder ihre Kraft zieht. Wir wollen uns des reichen Blühen.» freuen. Zeigt es uns doch, welche Macht unserm edlen Streben innewohnt Gern kreuzen wir mit dem Gegner die Wafien in ehrlichem Kampf für unsere heilige Sache. Wir verlangen aber, dass sein Schild blank und sein Schwert rein ist D r. H a r r y E p s t e i n. Mitteilungen vom Zentralbüro - der Zionistischen Vereinigung __ für Deutschland. 1. Die Nationalfondsbüchsen für Deutschland sind nunmehr eingetroffen. Die Vorbestellungen sind bereits erledigt. Diejenigen Vertrauensmänner und Ortsgruppen, welche bisher keine erhalten haben, bitten wir, sich unverzüglich an unseren Schatzmeister, Herrn Max \V o 11 s t e i m e r, Berlin N.W. 23, Holsteiner Uier 10, zu wenden. Wir machen hierbei ausdrücklich darauf aufmerksam, dass die Büchsen gratis abgegeben werden, jedoch nur an Ortsgruppen und Vertrauensr* männer. Einzelne Personen, welche Büchsen aufzustellen wünschen, bitten wir daher, sich an ihre Ortsgruppen zu wenden. 2. Am 17. Januar fand eine Versammlung in Harburg statt. Herr Dr. Kalmus-Hamburg hatte den Vortrag übernommen. Am 22. Januar sprach Herr Dr. Kal m u s im Literaturverein in Bremerhaven. 3. Herr Dr. Julius Moses sprach in der letzten Woche in den Ortsgruppen Freiburg, Mannheim und F r a n k f u r t a. M., ausserdem im Literaturverein in L u d w i g s 11 a f e n. 4. In einer mittleren Stadt der Provinz Hannover ist für einen jüdischen Anwalt treffliche Gelegenheit zur Niederlassung gegeben. Wir sind zur Auskunftserteilung gern bereit. 5. In einer 6000 Seelen zählenden Stadt der ,RUNDSCHAU ' , . No. 5. Provinz P 0 s e n kann sich ein jüdisch e r Arzt und ein jüdischer Rechtsanwalt sichere Existenz gründen. Nähere Mitteilungen über die ungewöhnlich günstigen Niederlassungsveriüiltnisse erteilt D r. Jeremias. Posen. Markt 95. Palästina-Arbeit Nachstehend geben wir unseren Lesern de:! Artikel wieder, det das erste Heft des 2. Jahrganges unserer Palästina-Zeitschriit ALTNEULAND cinleitet, und der auf um so grösseres Interesse ,wird rechnen dürfen, als sein Verfasser, Dr. S. Soskin. das Mitgled der Palästinakonitnission, soeben erst von einer grossen zionistischen Forschungsreise aus dein vorderen Orient zurückgekehrt ist. Zum neue« Jahre. Ein Rückblick ruf das innerhalb des verstrichenen Jahres in Palästina Erreichte ist acht nur vom Standpunkte des Historiograpl.cn von Bedeutung. Ein solcher Rückblick ist gleichsam die Selbstkritik unserer praktischen Arbeit und dass ene regelmässig wiederkehrende Selbstcmschätzmig des Geleisteten jedesmal einen Schritt vorwärts bedeutet, braucht nicht hewiesen zu werden. Darum wollen wir 1ms zur Pfliclit machen, in unseren! Blatte am Anfang jedes Jahres einen l'cbcrblick über die Leistungen des verstrichenen Jahres auf dem Gebiete der praktischen Arbeit in Palästina unseren Gesinnungsgenossen zur Kenntnisnahme zu bringen. Wir haben schon jetzt d e Genugtuung, dass wir im Leben des Landes trotz unserer numerischen .Minderheit, einen gewissen Einfluss ausuben. Wir sind em Faktor, mit dem die übrigen Bewohner des Landes rechnen müssen. Es muss uneingeschränkt zugestanden werden, dass diese vcrgrosserte Bedeutung des jüdischen Einflusses sich besonders in den letzten l1-• Jahren kimdgab, d. h. seit den! Beginn der Tätigkeit unserer Anglo-Palestine Co. in Palästina. Wir dürfen wohl sage!, dass der erste zielbewusste systematische Schritt des Zionismus in Palästina sich bewährt hat. Diese Tatsache vorausgeschickt, wollen wir nun den Stand unserer Arbeit in Palästina auf den einzelnen Gebieten betrachten. I. Ländliche Kolonisation. 1. Neue Kolonien. B o d e n e r w e r b u r, g e n. Wie allgemein bekannt sein dürfte, brachten uns die letzten 3 Jahre einige neue Kolonien, sämtlich im nördlichen Teile des Landes. Diese Gründungen bedeuten aber nur eine Fortsetzung des alten Systems, d. i des Systems der wohltätigen Kolonisation. Auf den in der Gegend von Tiberias und her Zichron- Jacob angekauften Flächen wurden diejenigen Kolonisten und Söhne von Kolonisten angesiedelt, für die cs in den alten Kolonien einerseits infolge des Überganges der grossen übervölkerung derselben keinen Boden mehr gab. Diese Leute wurden aut den ncuerworbencii Flächen ״installiert‘*: sie erhielten je 30 Hektar Boden, sowie bOOU Eres, bar per Familie. Zu den bekannten Begleiterscheinungen dieses Systems der Gewährung der sämtlichen für die Einrichtung nötigen Mittel an Leute, die nichts besitzen, gesellten sich 2 Jahre ungünstiger Ermen. An diesen trugen die, die an das mehr oder weniger sorglose Dasein in den alten Kolonien gewöhnt waren und sich nie aus einer verwickelten Lage selbständig zu helfen wussten, besonders schwer. D.e Administration dieser neuen Kolonien hielt es nicht für notwendig, den besonderen Charaktercigenschatten dieser Elemente Rechnung zu tragen, und zog das .,Brechen“ dem ..Biegen“ vor. Und so stellen sich momentan Kolonisten una Administration verbittert gegenüber, ohne sich gegenseitig verständigen zu können. Derart ist der innere Zustand der Kolonien. Was den äusseren Anblick derselben hetrifft, so ha׳ben wir uns persönlich aus den! Vergleich unserer Kolonien mit der gleichaltrigen und z. 1'. uni 1 Jahr jüngeren deutschen Kolonie Wilhelma überzeugen können, dass unser Korrespondent, der die Lage der Kolonien in der Gegend von Tiberias in unserer No. •t v. J. schilderte, nicht zu schwarz gesehen hatte. Hier mag vorläufig das Gesagte genügen, da wir demnächst in der Lage sein werden, einen besonderen diesem Gegenstände gewidmeten Artikel zu veröffentlichen. Von besserem Erfolge scheint der Systemwechscl, welcher zum Teil in dem Übergang der Kolonisten vom Weinbau zum Ackerbau bestand, in Zichrmi-Jacob zu sein. Diese in der Vergangenheit in Bezug ani Selbstbetätigung der Kolonisten an der Arbeit ..par exeellcnce" i.dirlässige Kolonie zeigt uns jetzt den hier noch seltenen und darum erhebenden Anblick von Kolonisten, die hinter dem Pflug gehen und in die anderen Arbeiten im Feld und im־ Hof tätig eingreit'en. Und nicht etwa die Jungen allein. Es sind, was viel merkwürdiger ist und "מי*י^!ןוץ י י״״י^ןי;«<1^״י;יויו^חיי4

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