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Jüdische Rundschau · 1905-01-27 · Heft 4 (27.1.1905) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 4 (27.1.1905)
Date
1905-01-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 39.. No. 4. JÜDISCHE RUNDSCHAU. älteren, sondern auf die jüngeren Kräfte der Bewegung lenken müsste,‘die man bisher, sehr zum Schaden der Bewegung nebenher gestellt hat — von wegen der ״Repräsentanz". Ich denke mir das Amt der Ressortsleiter besoldet, mit dem Minimum, das man solchen Menschen anbieten kann, die meh־ rere Sprachen beherrschen, akademische Bildung besitzen und ein Fachwissen ihr eigen nennen müssen, Eigenschaften, die ihnen entweder schon eine materielle Position geschafft haben oder sonst überall schaffen können. Und da ich eben an ein verhältnismässiges Minimum denke und daran, dass die Sek* tionsleiter immer vom nächsten Kongresse (oder einem zweitnächsten) wieder eingesetzt, bszw. abgcsezt werden, dass also ihre Position im Bureau in materieller Hinsicht ein grosses Risico für sie bedeuten würde gegenüber ihren be* reits erworbenen oder erreichbaren Stellungen — daher meine ich, dass die, die wir bereit finden werden, nur wirklich arbeitsfreudige, der Sache hingegebene Männer sein werden. Mit den geforderten Qualifikationen aber und mit dem Risico der Stellung wird das Bureau zugleich genügend Ansehen be* kommen um mit, neben und unter dem A.-K. erspriessüch zu arbeiten. Sollte meine Anregung Freunde oder Gegner finden, dann will ich noch mehr dazu sagen. Berlin-Charlottenburg. Mit Zionsgruss Berthold Feiwel. Von den Landsuchern Während es von der grossen Masse der Zionistischen Partei mit grosser Freude begriisst wird, dass endlich das crlüsende Wort gesprochen und zum notwendigen Abwehrkampfe gegen das Laudsuchcn und die Landsucher auigerufen wird, ist es natürlich ebenso selbstverständlich, dass von der andern Seite die landsuchenden Halbzionisten zu energischeren Vorstössen übergehen, je näher wir dem Kongresse rücken. In Russland, besonders in dem immer sehr wenig zionistischen Polen, hat sich diese sich ״Territorialisten” nennende Sondergruppe schon stark konsolidiert und sie hat mit ehemaligen russischen Zionisten in Westeuropa Verbindungen angeknüpit, um besonders die deutsche zionistische Partei zu sich hinüberzuzichcn, da sic zu Unrecht die deutschen Zionisten für minder zionistisch ansieht: Es würde daher teils von bösem Willen, noch mehr aber von Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse zeugen, wenn man annehmen wollte, dass der Gegensatz zw isehen unserm Zionismus, wie er im Baseler Programm und in allen Kongressbeschlüssen festliegt, und dem Territorialismus einseitig konstruiert sei. Bereits nimmt auch in Westeuropa die Landsuchcret greiibare Formen an, wie aus einem Flugblatt Nr. 1 ״Was will de! Zionismus?" hervorgeht, das als erstes in deutscher Sprache soeben in ungeheucrei Auflage die Presse verlassen hat. Wir geben cs hier zur Instruktion unserer Leser buchstäblich wieder, und bemerken, dass die fettgedruckten Wörter in dem vorliegenden Flugblatt ebenfalls fett gedruckt sind. Was will der Zionismus? Der Zionismus erstrebt dem jüdischen Volke dasjenige zu geben, was ihm als Volk unter anderen Völkern mangelt, und den Grund seiner anormalen Lage bildet, ein Land. Im Baseler Programm hat dieses Bestreben in den Worten Ausdruck gefunden: ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechlich gesicherten Heim- Stätte in P a 1 ä s t i 11 a." Das w a r der junge Zionismus, jung als politische Bewegung. die kaum erst zu lallen verstand: ihre Kraft nicht kennend und den Inhalt ihres Streheziels nicht ermessend, verlangte sic viel und doch unendlich wenig, viel im Reiche der Träume. wenig für die Welt der Wirklichkciten. Der Zionismus hat gelernt! Er hat gelernt, dass das grosse Ideal des wieüererstandenen V o 1 k c s a u f d e m Boden der alten Heimat nur f ii r eine gewisse Zeit zu gelten, halt e. indem die Massen, die noch sch'.icien. nicht leicht durch etwas anderes geweckt werden konnte::, als durch den grand osen sinnberückenden Traum des n.euerstandencn Landes der Propheten. Nachdem aber der Gedanke seinen Dienst getan, konnte er! vielmehr zur Bewcgungshemmtmg werden, wenn er die Köpfe ä festI1L-lt und sie, in der Begeisterung für etwas hinter ihnen j liegendes, die Wirklichkeit, den W eg. der nur nach vorwärts führen sollte, vergessen liess. f Der Zionismus besann sich! Diesen Werdegang hat ei mit allen grosen Ideen gemein. Aus der Bewegung, die nur dfe Vergangenheit sah und sich in ihrem Ausschauen verlor, wurde eine solcne. die ut׳:! Ausblick nach vorwäi!» lernte, aus dem Streben nach Palästina wurde das Streben nach einem Territorium. Keines der heute existierenden Völker lebt noch aui den: PoJen. der ursprünglich seine Heimat war, und doch hat sich überall eine seelische Verbindung mit der Scholle vollzogen. Das Volk streute den Samen in den Boden, der vielfältig die erhaltene Kraft wiedergäb. BHeben wir an dem Gedanken haften, unser Leben nur aui dem einen, auf dem alten Boden zu erneuern, so hiesse das nichts anderes, als dass man das vorwärtsrollende Weltrad nach rückwärts zu leiten sich unterfinge, es hiesse. sich in seine Speichen werten, um zermalmt zu werden. Bliebe Palästina allein und ausschliesslich der ‘Inhalt unserer politischen Arbeit, so könnten wir damit rechnen, wohl alle in Betracht kommenden Machtfaktoren gegen uns zu haben, da wir dort nicht nur auf türkische, sondern auch vor allem auf internationa'e Interessen stossen. Aui der Suche nach einem Territorium haben wir in gleicher Weise die politischen Mächte uns taten. Ich denke, ich hoffe, dass, wenn der Tag des grossen Weltstreites kommt und ich mich mit meinen Altersgenossinnen vor’s Gericht stelle, ich nicht unter den letzten sein werde, denen der junge Myrthenkranz verliehen wird. Ich habe keine Länder erobert, keine Völker besiegt, und doch ist mein Leben nicht ohne Heldentaten verflossen. Ist denn meine Existenz nicht eine ununterbrochene ganze Jahrtausende dauernde Heldentat? Auch habe ich Herzen erobert, aber weder mit Schwert noch mit Feuer, sondern mit dem Duft meiner Myrthen. Es tut nichts, wenn die durch mich Besiegten sich nicht für besiegt erklären wollen, es tut nichts, dass sie mich deswegen sogar hassen und verachten. Am Tage des grossen Weltstreites hoffe ich, wird sich dies alles aufklären, und , Klio selbst *^wird mir den Kranz aufs Haupt setzen, dieselbe Klio, die, wie man erzählt, mir Vorwürfe macht, dass irh meinen Garten eifersüchtig bewache und in meiner übermässigen Eigenliebe niemand erlaube, sich an seinem •Aroma zu ergötzen. Mein Gott! Ist denn der Garten'mit einer steinernen Wand umgeben, ist denn der Eingang zu ihm mit eisernen Toren verschlossen? Empfange ich denn niemand bei mir? Sind denn meine besten Gärtner Schemaga und Abitalion Akiba-ben- Joseph und Akibas keine Menschen gewesen, die von Geburt mir fremd, aber dem Geiste nach verwandt waren? Es ist wahr, dass ich niemand gewaltsam an mich gerissen habe, denn aus persönlicher Erfahrung weiss ich genugsam, was Gewalttat heisst und weiss, wie verhängnisvoll es ist, wenn man jemanden zwingt, sei es selbst zum Paradies .. . Ich habe mich verplaudert, sagte sie nach einer minutenlangen Pause, und vergass dabei, dich mit der Fruchtab* teilung meines Gartens bekannt zu machen.“ ״Also hast du auch fruchtbringende Bäume?“ ״Gewiss doch; du glaubtest, ich sei so eine Idealistin, dass ich an irdische Güter nicht dächte. Ich bin nicht so weit habsüchtig, wie mich andre beschreiben, aber wozu taugte denn mein Garten, wenn er vollständig unfruchtbar wäre?“ (Forts, folgt).

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