Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1905)
- Date
- 1905-01-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4. Seite 38. JÜDISCHE RUNDSCHAU. der Finanzen, der Volkswirtschaft oder der Kultur übrig haben kann. Aber die primitive Wahrheit, dass das beste Ministerium ohne Sektionschefs zusperren müsste, blieb ungewürdigt und bleibt es noch heute in all den Organisationsentwürfen der letzten Zeiten', lieber diese Wahrheit aber, dass auch der begabteste;und vielseitigste Staatsmann, und wäre es ein Bismarck oder Disraeli, für eine ganze Reihe von Ressorts sich nicht auf seinen gesunden, sagen wir sogar genialen Verstand verlassen kann, sondern erst die Arbeiter, vor. F*cbleuten heranziehen muss, uni sie dann nach eigener Ueber- Prüfung zu verwenden — über diese Grundwahrheit eines primitiven modernen Gemeinwesens ist auch für uns nicht hinwegzukommen. Denn es ist keine Uebertreibung. zu sagen, dass es schon jetzt für uns eine Reihe von Fragen und Agenden gibt, die komplizierter sind als die irgend eines kleinen Gemeinwesens. Solange wir das nicht erkennen und berücksichtigen werden, wird unser A.-K. - ich verbinde damit keinen beleidigenden Xebensinn — eine mehr oder minder dilettantische Körperschaft, unser Kongressbureau eine etwas kostspielige Rechen- und Schreibmaschine sein, und von beiden wird niemals — wie es notwendig wäre - wahre Produktivität und wirkliche Befruchtung der Organisation ausgehen. Ich könnte im Augenblick eine ganze Zahl von Fällen vorrechnen, wo Aktionen Theodor Herzls stecken blieben, fehlschlugen oder versagten, weil fachmännische Unterlagen fehlten oder weil er sich trotz allem ohne sie behelfen wollte. - Und dass er vielseitig war und sich in allerhand Fragen rasch zu orientieren wusste oder versuchte, das wissen wir ja. Was aber die Gesamtbewegung durch die mangelnde Concentration fachgemässigen Wissens und fachgemässiger Arbeit an den leitenden Stellen einbüsst, das würden ganze grosse Kapitel werden. Auf diese Erwägungen, die noch sehr weit auszuspinnen wären, stützt sich mein nachstehender Vorschlag, den ich vorläufig nur im Hinblick auf das Organische der Frage, ohne Rücksicht auf Ort und Personen, mache: Die künftige Leitung der Organisation soll danach bestehen aus dem kleineren A.-K, das auch Rat oder sonstwie heissen kann und das nach meiner Meinung ein Dreimänner- Kollegium, vereinigt in einer Stadt, sein sollte. Diesem Kollegium steht zur Seite: Bureau. Das Bureau besteht aus fachmännischen Kräften für die notwendigsten Agenden des Zionismus Ohne auf Vollständigkeit Anspruch machen zu wollen, halte ich folgende Ressorts für unentbehrlich: 1. Organisation und Agitation, (Kontrolle, Statistik, Verwaltung der Bewegung und!Massnahmen für ihre Ausbreitung.) 2. Presse und Publikation. (Überwachung, Unter- Stützung der Parteipresse, Kontrolle und Information der jüd. und nichtjüd. Publikationen, Agitations- und Wissenschaftliehe Schriften, literarische Propaganda, Archiv etc. — ein ungemein wichtiges Arbeitsfeld, das von uns leider bisher sehr vernachlässigt wurde. 3. Finanzielles — gleichfalls j ein vollständig brachliegendes Gebiet, das in Hinsicht auf die Beschaffung der Gelder, Budget, Verbrauch der Gelder nicht gute Sparmeister, sondern tüchtige finanztechnische Schulung und Arbeit verlangt. 4 Palästina-Agenden und Fragen, worüber ich nichts Detaillier ׳es sagen muss. 5. Juristisches, Volkswirtschaftliches und Verwandtes, ein Ressort, über dessen Notwendigkeit auch nicht viel“zu sprechen ist. — Ich habe hier nur die wichtigsten Ressorts verzeichnet, j indem ich aa'oei mit unseren Verhältnissen rechne Die | Technik des Bureaus denke ich mir so: Sämtliche Ressorts- ן leiter halten häufige, vielleicht (wie es im Ministerium oder bei grossen Blättern zu sein pflegttägliche gemeinschaftliche i Besprechungen über gemeinsame oder ausserhalb der Specialj Ressorts liegende Gegenstände. Ihre Ressorts leiten sie 1 selbständig. Das Bureau liefert in Referaten die Unterlagen [ für die Beratungen und Beschlüsse des leitenden Kollegiums. I Bei den Sitzungen des Kollegiums nimmt des ganze Bureau 1 beratend teil, bei den einzelnen Ressortsfragen hat der Ver- | treter des betreffenden Ressorts auch eine beschliessende | Stimme. Damit denke ich mir die Möglichkeit einer wirklichen j Arbeit gegeben, die das leitende Kollegium durchführen bezw. anordnen kann, ohne dass die Männer, die darin sitzen, Genies sein müssen. Es müssen nur Männer sein, die besonnen, energisch und rcpräsentabel sind und die die Fähigkeit besitzen, den Rat von Fachmännern anzunehmen und mit deren Hilfe zu überprüfen. Damit entfiele auch die Besorgnis nach dem 4., 5. oder 6. Mitglied des A.-K., das man so schwer findet und damit auch der Nachteil unserer mehr oder minder durch äussere Umstände erzwungenen Zusammensetzungen des A.-K. Haben wir die Fachleute fürs Bureau? Wenn wir das Wort einschränken auf ״m ög I i c h s t gute, relativ tüchtige Fachleute“, dann, glaube ich, werden wir eine Auswahl treffen können. Personen möchte ich nicht nennen. Aber prinzipiell möchte ich sagen, dass man da sein Augenmerk nicht auf die ״Woher hast du aber diese unzähligen, verschiedenartigen Myrthegattungcn?“ ״Es ist nichts wunderbares dabei: die Myrthe ist mehr als jede andere Pflanze fähig unter dem Einflüsse des Bodens, des Klimas, der Kultur in Abarten zu verfallen. Uebrigens ist der Unterschied zwischen diesen Gattungs- Verschiedenheiten uur ein äusserlicher. Etwas charakteristischer ist der Unterschied zwischen der europäischen und der asiatischen Myrthe; die erste Abart ist viel eieganter, die zweite dagegen wirkt viel stärker auf die Seele und eine geistige Zusammenstellung beider Myrthen bringt deswegen ein zartes Aroma hervor.“ ״Jedoch, wagte ich zu bemerken, finde ich, dass du überhaupt sehr wenig Myrthen besitzest, so dass sie sich in dieser Masse von Weiden, die fast deinen ganzen Garten überfüllen, verlieren. Ungeachtet deiner augenscheinlichen Liebe zu den Myrthen, giebst du dir jedoch zu wenig Mühe sie zu pflegen.“ ״Oh, ich hätte keine Mühe gescheut, aber das ist eben das Unglück, dass die Myrthe sich nicht überall und immer kultivieren lässt. Es ist eine zarte Pfanze, die der Wärme und des Lichtes bedarf. Infolge der Kälte und Finsternis geht sie zu Grunde und entartet .... O weh, nich* wenig junge, schöne Sträucher, auf die ich solche Hoffnung setzte, sind entartet . . . Sie hielt inne und liess den Kopf mit dem Ausdruck seelischer Betrübnis sinken. Einige Minuten blieb sie regungslos stehen. Plötzlich aber wurde ihr Gesicht von einem Lächeln erheitert und indem sic sich einem Strauche näherte, schnitt sie einige Myrthenzwciglein ab, flocht sie eiligst zum Kranze, setzte ihn kokett aufs Haupt und verschmilzt mich anlächelnd fragte sie: ״Und nun, steht mir dieses Kränzchen?" ״Herrlich, entzückend!“ rief ich angenehm überrascht aus. Sie war so schön, so berückend schön mit diesem Kranze, dass ich bereit war. vor ihr hinzuknien. Aber sie bemerkte meine, Bewegung und hielt mich zurück. ״Warte, diese Zeit ist noch nicht gekommen,“ und ihr Gesicht wurde wieder ernst. ״Siehst du, im Altertume pflegte man mit Myrthen; kränzen das Haupt jener Helden zu schmücken, denen es gelang, eine grosse! Heldentat zu vollbringen, ohne dabei einen Tropfen Menschenblut vergossen zu haben. Die Myrthe galt für das Symbol friedlicher, blutloser Helden-