Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1905)
- Date
- 1905-01-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4. Seite 37. JÜDISCHE RUNDSCHAU Schule der Alliance IsraCdite Universelle in Jerusalem, ein Smyrnaer Advokat H. Sonsino, ein Bruder des Vizeadmirals Elias Pascha u. a. Bei der Ankunft der Oästc sangen die Kinder der Schule, die im Hofe der Administration aufgcstellt waren, die türkische Hymne und hebräische Gesänge. Das Orchester der Kolonie begleitete den Gesang. Der Gouverneur besuchte dann die berühmten Weinkeller und war höchst befriedigt von ihrem Zustand. In der Schule, die er besuchte, bot ihm ein kleines Mädchen einen Strauss. Der Gouverneur dankte und küsste das Kind. Dann wurde ein glänzendes Diner zu Einen der hohen Gäste veranstaltet. Zum Schlüsse erhob Herr Sonsino sein Glas und hielt in türkischer Sprache einen Toast auf den Sultan und den neuen Gouverneur. Er betonte in der Rede, nicht nur Nichtjudcu, sondern sogar Juden hätten früher nie glauben wollen, dass Juden zur Agrikultur befähigt wären. Die palästinensische! Kolonien haben sie eines besseren belehrt, Darauf erwiderte der Gouverneur־ebenfalls in einer türkischen Aussprache: ״Ich spreche Ihnen meinen Dank aus für Ihre-liebenswürdige Ein* ladung. umsomehr, als ich hier von den Fortschritten der jadischen Kolonien entzückt war. Diese Fortschritte verdanken sie ihren eigenen Anstrengungen, ihrer Energie. Es wird mich! treuen, dies im kaiserlichen Palast berichten zu können, damit | man dort wisse, wie würdig' diese Kolonisten der huldvollen ן Aufmerksamkeit' sind, die ihnen die kaiserliche Regierung erj wiesen hat. Es freut mich, konstatieren zu können, dass die ן Vorstellung, dass Juden keine Befähigung für Agrikultur haben, falsch ist, da s.'e nicht nur durch die Geschichte dieses Volkes, sondern auch durch die Erfolge dieser Kolonien widerlegt wird. Mögen die Kolonisten fortfahren, aut dem eingcschlageiten; Wege des Fortschrittes zu wandeln, denn je mehr sie leisten werden, desto mehr E r m u t i g u u g werden sic seitens unseres g ro s s m ü t i g e n Herrschers finden. Ich werde meinerseits froh sein, ihnen meine volle Unterstützung und Förderung angedeihen zu lassen. Lassen Sic mich noch einmal den Mitgliedern dieser Kolonie für diesen: entzückenden Empfang danken. Ich trinke auf das Gedeihen dieser Kolonie.“ Zur Frage der Leitung Sehr geehrter Herr Redakteur, gestatten Sie mir, dass ich nach den Vielen, die bereits zur Frage der Leitung Stellung genommen haben, mit einem Vorschläge heraustrete, den ich vorläufig nur in aller Kürze präcisieren möchte. Der Feststrauss Von Dr. L. Katzcnclson. (Buki-bcn-Jogli.) Uebersetzt von Helene Traub. (Nachdruck verboten.) Statt einer Antwort schnitt sie schnell mit einem Gartenmesser einige Weidenzweiglein ab, fasste mich an der Hand und ging mit mir längs des Baches zusammen. Indem wir weiter schritten, fühlte ich in der Luft ein feines und zartes Aroma. Ich atmete es mit voller Brust ein, eine unsagbar angenehme Empfindung ergriff mein ganzes Wesen und erfüllte meine müden und zerbrochenen Glieder mit neuem Mut. ״Was sind das für wohlriechende Weiden?“ fragte ich meine Begleiterin. ״Ihr Duft könnte ja mit einer Rose wetteifern.״ ״Dü irrst dich! Nicht die Weiden verbreiten dieses Aroma, es dringt hierher aus dem benachbarten Myrthen* heim. Darin liegt auch das Verdienst dieser Pflanze, ~ sie sind nicht nur für sich wohlriechend, sondern ergiessen sogar ihren Duft auf ihre ganze Umgebung. Siehe, da Ich meine, dass die Meisten, — soweit ich die Aeusserungen in dieser Angelegenheit überprüfen konnte — an dem Wesen der Sache vorbeigingen und dass sich darum ihre Anträge für die Praxis als ziemlich wertlos erweisen werden.' Und wenngleich ich mir nicht einbilde, dass mein Vorschlag die ideale Lösung der Frage darstellt, so meine ich doch, dass er einen nicht unbedeutenden Schritt nach vorwärts in der Erkenntnis des wahren Wesens der Frage bedeutet. Mein Vorschlag gebt aus von Erfahrungen, die ich selbst gemacht habe. Ich hatte Gelegenheit, aus eigener Anschauung den Mechanismus unseres Kongress-Bureaus kennen zu lernen, und ich hatte ferner die Möglichkeit, (da ich als in Wien domizilierendes Mitglied des A.-K. eine Zeit lang an den Sitzungen des kleinen A.-K. teilnehmen konnte) auch ein ziemlich genaues Urteil über den Apparat der Leitung zu gewinnen. Nach meiner Meinung ging man bei beiden Institutionen von falschen Voraussetzungen aus und hat bedauerlicherweise zu lange die ursprüngliche Schablone beibchalten. Es ist hier von mir keine Kritik der Tätigkeit des A.-K. oder des Kongress Bureaus beabsichtigt. Nicht darauf ziele ich ab. Ich möchte vielmehr feststellen, dass sich tatsächlich die Agenden des A.-K. nur nach zwei Richtungen in dem erforderlichen Masse entfalten, ln der Richtung der diplomatischen Arbeiten und in der der Administration der Bewegung im engeren Sinne des Wortes. Das Bureau — als Sekretariat des A.-K. — hat als Agenden darum hauptsächlich Korrespondenz des A.-K. und Verwaltung der Organisation (Verrechnung der Gelder, Vorbereitung der Kongresse, der Wahlen a. A.) zu verzeichnen. Die Mitglieder des A.-K. als in ihren Privatberufen ausserordentlich beschäftigte Menschen, konnten aber auch naturgemäss in der freien Zeit, die sie ihrem Amte zur Verfügung stellten, nicht viel mehr erledigen als die oben verzeichnten Materien. Aber selbst, wenn sie an Zeit freier gewesen wären, so fehlten doch für eine ganze Reihe unentbehrlicher Agenden die Voraussetzungen für eine praktische Behandlung. Eine Menge von Fragen, die Fachurteil erfordert hätten, wurde zurückgestellt, eine Menge von Tätigkeiten, die auf Grund von Fachkenntnissen hätten entfaltet werden können, unterblieb, weil der Apparat unzulänglieh war. Man ging aber von dem Standpunkt aus, dass das Mass dessen, was freiwillige Amtsführung geben könne, genügen müsse, und so behalf man sich für alle Spezialfragen mit dem Plus oder Minus, das etwa ein tüchtiger Jurist für Fragen der Kolonisation, ein tüchtiger Fabrikant für Fragen sind auch die Myrthen, betrachte sie recht gut, sie sind meine Lieblinge." Ein kleines, aber sorgfältig kultiviertes, in regelmässigen Reihen gelegenes Myrthengärtchen, bot sich meinen Augen dar. Am ersten Strauche jeder Reihe war ein Täfelchen angeschlagen, worauf die Benennung jeder Pflanzengattung gezeichnet war: Myrtus judaica, Myrtus romana, Myrtus asiatica, Myrtus germanica und viele andere Namen noch. ״Siehst du, --- erklärte die Gärtnerin, Myrthen im Garten sind dasselbe, was Menschen von Wissen und von Gefühl im Volke. Ihr Duft belebt und beseelt die ganze Umgebung. Obwohl sie selbst fast fruchtlos sind, verleiht ihr Aroma doch den andern Pflanzen Sinn und Bedeutung. Das Leben der letzteren hätte sich ohne diesen Duft in eine langweilige und sinnlose Vegetation verwandelt. Ja, dieses ewig grünende Bäumchen ist mein Stolz; sein feiner Duft füllt nicht nur meinen ganzen Garten, sondern verbreitet sich noch weit über seine Grenzen. Meine Nachbarn gemessen und benützen ihn oft, ohne manchmal zu wissen, wem der Dank dafür gebührt. Ich bedaure dies nicht im geringsten. Ich bin nicht gierig und verliere auch ausserdem nichts dabei.“