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Jüdische Rundschau · 1905-01-20 · Heft 3 (20.1.1905) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 3 (20.1.1905)
Date
1905-01-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 30. JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 3. Gross-Strchlltz. Makkabäerfeier den 31. Dezember 19W. Anwesend 100 Personen. Mitwirkend u. a. R.-A. Wunderlieh, Kantor de Beer, Beuthcn, Fra« Lewinski, Frau Au g ress, Prl. Fanny Litt mann, Max Oo Id st ein. Gerb. Nothmann.', Ernst Boss. Zur Aufführung gelangten Chanukah-Festspicl von Julius Simon, Mannheim, Gesänge a. d. O. Sulamith v. Goldfaden, aus Joseph in Aegypten von Mdhul. Festrede hielt R.-A. Wunderlich. Rezitation cand. med. Samuel. — Reicher Beifall. — Nationalfond. W. N. Ratlbor. Wir können endlich über eine bedeutende Vergrösserung unserer Ortsgruppe berichten. Während diese früher, abgesehen von einem halben Dutzend aus Ratibor gebürtigen aber ausserhalb studierenden jungen Leuten, nur aus 10—12 Herren bestand, sind am 3. d. Mts. nach einem kurzen Referat, das Herr Dr. Fritz Kassel übernommen hatte, 20 neue Mitglieder beigetreten. Die Ortsgruppe besteht nunmehr aus 32 hier ansässigen und 6 auswärtigen Mitgliedern. Lübeck, 12. Januar. Zur Belebung der Teilnahme an Jüdischen Angelegenheiten und zur Förderung jüdischen Wissens haben die zionistische Ortsgruppe und der hiesige Verein Haschkomoh Chewroh ihre Bibliotheken gemeinsam den Mitgliedern der Gemeinde zur Benutzung freigestcllt und im Verein mit der hiesigen Fisra-Loge eine jüdische Lesehalle eröffnet. Leipzig. Montag, den 10. d. Mts. fand in Leipzig eine Agitationsversammlung statt. Herr Dr. Hey mann aus Berlin sprach vor einem mehr denn 200 Personen zählnden Audit«!- rium über ״Jüdische Weltpolitik in Gegenwart und Zukunft“; reicher Beifall lohnte die glänzenden Ausführungen des Redners. Daran schloss sich eine interessante Diskussion, au der sich die Herrn Dr. Nobel. Dr. Ramm. Gliicksmann und Einhorn heteiligten. Als AssitrÜant entpuppte sich Herr Schreiber. Leipzig. Donnerstag fand die III. Sitzung des neubegründeten nationaljüdischen Frauenvercins statt. Herr Dr. Tykocinskl sprach in fesselnder Weise über ..den Zionismus und die jüdische Frau.“ Der Verein zählt 20 Mitglieder unter dem Vorsitz der Frau Dr. Chamizer. Leipzig. Seit Beginn dieses Semesters versammeln sich die Studenten der hiesigen Universität und Handelsschule, um sich mit dem Zionismus zu beschäftigen. Am 13. d. Mts. ward endlich der ״Verein zionist. Studenten“ vom Universitätsgericht bestätigt. Sonnabend, den R d. Mts. fand die 11. Sitzung cer Leipz. zion. Studenten statt, med. Spitz sprach über ״Die Juden als Rasse“ in fesselnder und gleichzeitig Wissenschaftlicher Weise. Ente interessante Diskussion schloss sich dem Referat an. Die Sitzung ward von 28 Herren besucht. Purlm-Felern. Unser Gesinnungsgenosse Julius Simon- Mannheim, dessen Entwürfe von Programmen für Makkabäerfeiern so grossen Beifall gefunden hatten, gibt auf unsere Bitte, etwas Aehnliches für das bevorstehende Purimfest vorzuschlagen, die sehr beachtenswerte Anregung, die Purimfeiern zu Kinderfesten zu gestalten, mit Aufführungen durch die Kleinen, mit ihrer Bewirtung und mit einer entsprechenden Ansprache. In Mannheim wird der Versuch in dieser Richtung gemacht werden, und cs scheint uns sehr wünschenswert dass er anderwärts gleicherweise gemacht werde. Herr Julius Simon schreibt uns darüber u. a.: ״Wir werden einige Kindcrlieder (mit untergeschobenem jiidisehen Text) singen lassen; vielleicht finden sich auch entsprechende jüdisch-deutsche Mciodiccn. Kleine Fastnachstspielc mit Esther, etc. lassen sich ja auch leicht zusammenstellen. Selbstredend müssen die armen Kleinen der östlichen Juden besonders mit herangezogen werden. Die Kinder bringen je fünfzig Pfennige mit und erhalten Schokolade und Kuchen; die Erwachscnen zahlen ihr entsprechendes Entree." Also an die Arbeit ihr Herren Festarrangeure! Gibt es etwas Schöneres und zugleich so tausendfältig Dankbareres, als Kindern Feste zu veranstalten! NatlonaUond. Das Zionistische Verbandsbureau der Hanse- Städte hat mit Genehmigung des Zeitralburcaus Telccrammforrnulare für Depeschen anfertigen lassen, die zu Gunsten des Nationalfonds abgelöst werden sollen. Diese Formulare sollen in der Weise verwandt werden, dass die Absender sie unter Brief• Umschlag den Adressaten zusenden. Sie sind mit entwerteten Nationalfondsmarkcn zu versehen und können von den Ortsgruppenvorständen undn Vertrauensmännern bezogen werden. Bezugsquelle der Formulare für die Gruppen verstände; M. Golds chm id t, Hamburg, Stadthausbriickc 12— R Zentralburcau der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Berlin, Friedrichstr. 58 und Verlag ..Jüdische Rundschau". Berlin. Auguststr. *19 a. Rundschau י Jüdische Wanderer Das Reutersche Bureau meldet unter dem 11. Januar aus New-York: ״In den letzten fünf Monaten sind 75 160 russische Juden in New-York eingetroffen. Eine scharfe Anwendung, der Einwanderung^- gesetze führte dazu, dass eine grössere Anzahl dieser Einwanderer zurückgescliafft wurde, weil sic mit fremder Unterstützung eingetroffen sind. Ein Bericht über diese Zurückweisung wird zur Vorlegung an den Kongress vorbcreitet, und zwar in der Absicht, eine weitere Massene i n w a n d e r u 11 g zu v e r 11 i n d c r 11.“ Es bandelt sich liier offenbar um Auswanderer, die infolge des Krieges und der durch ihn hervorgerufenen Notlage Russland verlassen hatten, ohne die zur Einwanderung in die Vereinigten Staaten nötige Summe von dreissig Dollars zu besitzen: merkwürdig wäre es allerdings, wenn, wie der mysteriöse Zusatz ..mit fremder Unterstützung eiiigetroffen" anzudeuten scheint.^ Emigrations- Komitees die Leute ohne diese unbedingt nötige Summe sollten hinüber gesandt haben. F'cst steht jedenfalls nach einer Reihe von Meldungen, dass die Auswanderer zu Hunderten z 11• röckjte wiesen werden um! teils von der Hamlnirg-Am.erika-Lir.ie nach Hamburg, teils von der .Cimard-Linc nach f i u וזו c und Triest zuriickgebracht werden müssen.. — Der Bürgermeister von Montreal (Kanada) hat ebenfalls um staatliche Intervention ersucht zur \ erhuideriuig der überhandnchuK.nden Einwanderung mittelloser russischer Juden. Es sind allein in den letzten Wochen des Jahres 190-1 über tausend solcher fast gänzlich mittelloser russischer Juden :n Montreal cingetroffen. -- Bald wird also der Strom wieder nach Europa zurückfliessen. und wohin dann mit diesen Aermsten? Das nciizugründende Emigrations-Bureau wird bald eine reichhaltige Arbeit voriinden, wenn es in Tätigkeit tritt, und es durfte bald die Erfahrung machen, die man ihm billig prophezeien konnte, dass cs schwer ist, eine Emigration ״nur zu regeln." wenn inan nicht weiss. wohin man sie zweckmassig lenken soll. Es wäre angebracht, dass der ״H i 1 f v e r e i 11 der deutschen Juden“ erklärte, dass wenigstens seinerseits keine Auswanderer über See geschickt seien, deren Landung mit den Gesetzen im Widerstreit stände. Russische Neujuden Bekanntlich gibt es in Russland zahlreiche judaisicrcndc christliche Sekten, die trotz der Unterdrückung durch das offizielle orthodoxe Russentum sich von Jahr zu Jahr ausbreiten; weniger bekannt dürfte aber sein, dass in den letzten Jahren Tausende von russischen Bauern wirklich zum Judentum übergetreten sind. Wie das ofuziellc Organ der Missionsabteilung des russischen Heiligen Svnod mitteilt. finden sie sich besonders zahlreich im Gouvernement Astrachan. Sie w’erfen. wie das Blatt angibt, mit dem Christentum zugleich ihr Russentum über Bord, hassen oie Russen und den Zaren. Russland bezeichnen sic als Assur 1 זiוck־1 י־־ts gelesen Russa), zuweilen auch als Babel und Gog; sic lühlen sich in Russland im Exil und erwarten den Messias, der m Palästina ein grosses Weltreich errichten wird. \ iele aber warten rieht darauf sondern wandern schon jetzt aus, um sich in Kleirasicn und Palästina als Ackerbauer anzusiedein. In den jüdischen Kolonien in Palästina finden sich schon zahlreiche dieser ..GfTim.“ so in Scdiera und B't-Dag'n, wo cm - *.« ittel der Bevölkerung aus solchen Nciijuden besteht, die ז .ar schon Hebräisch als Umgangssprache Cl!' Zionistischer Mysticismus — mystischer Zionismus ln der letzten Zeit geben die merkwürdigsten Nachrichten über den Zionismus durch die Tagespresse. Missverständliche Auffassung und ungenaues Hinhören auf unkrpntollicrbarc Geriiehte haben sicher oft die Schuld an dem eigenartigen Aus- Sehen dieser Nachrichten, von denen wir neulich bereits einige Wiedergaben. Oft aber scheint der Verdacht nicht ungerechtfertigt, dass es sich um Nachrichten handelt, die mit wohlbcwusster Absicht in die Welt gesetzt werden, und wir können die Mutmassung nicht unterdrücken, dass auch Halbzionisten und diesen nahestehende Persönlichkeiten die Hand im Sniele haben hei der ..Lancierung“ solcher ״Informationen.“ Nachstehend reproduzieren wir in wortgetreuer Wiedergabe eine

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