Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1905-01-20 · Heft 3 (20.1.1905) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 3 (20.1.1905)
Date
1905-01-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651394-2651398--02012-2658896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

S*H# 27. No. 3. JÜDISCHE RUNDSCHAU ordnet daher das Morphium in einer vorsichtigen Dosis, die nur die Atemnot beseitigt, ohne schädliche Uberwirkungen zu erzeugen, und glaubt nun die Möglichkeit einer Regeneration geschaffen zu haben. Hat der erste Arzt das Recht zu sagen, dass der zweite die gleiche Verordnung wie er selbst getroffen habe? Oder liegt nicht trotz der Wahl gleicher Mittel zwischen beiden Anschauungen der Unterschied von Leben und Tod? Ich glaube nicht dass den Stuttgarter Zuhörern dieser Unterschied genügend zum Verständnis gelangt ist. Wir haben die Pflicht, diesen Ditfcrenzpur.kt recht deutlich zu markieren. Wir wünschen selbst die Anschauungen derjenigen Gesinnungsgenossen, die für die Mischehe eintreten, fein säuberlich geschieden zu sehen von den Auffassungen der ״Gebildeten aller Konfessionen“. Zum Schluss eine Bemerkung. Es ist eine beliebte Schluss- Wendung in Literaturvereinsreden sowie bei sonstigen erhebenden Anlässen, auf den grossen Geschichtssabbath und die demnächst stattfindende allgemeine Menschenverbrüderung in klangvollen Schhissverscn hinzuweisen, die mit ihrem poetischen Donnergepolter schonend, aber sicher zu dem donnernden Applaus ״ach Schluss des Vortrages überleiten. Diese harmlose Gepflogenheit, deren sich auch unser Veriasser bediente — nur biisst diese Gepflogenheit ihre Harmlosigkeit dadurch ein, dass der Verfasser mit den bedenklichsten Klapphornversen im Rhythmus der Hoehzeitsiaiellieder ::ach der Devise: ״Reinib di oder i fress di‘‘ operiert, und nur wird sie dadurch etwas scherzhaft, dass gerade im Augenblick im fernen Osten zwei starke nationale Verschiedenheiten sich scharf zu differenzieren beginnen — diese harmlose Gepflogenheit sage ich, wird aber sehr bedenklich, wenn man die grosse kosrnopolitische Idee nicht mehr als Grundstitimiung vernünftiger Handlungen verwendet, sondern als verknöchertes Schema bchandelt, auf Grund dessen man zu den schädlichsten praktischen Vorschlägen gelangt. Zwar :st auch Dr. Brüll der Ansicht, dass man nicht abrüsten solle, solange die Welt in Waffen starrt. Aber das sind Opportunitäts-Rücksichten, die den einzelnen, der sich diesen Darlegungen zugänglich erweist, nicht hindern werden, schon heute die Konsequenzen aus diesen Anschauungen zu ziehen. Das macht diese Art von Darstellungen besonders gefährlich; des halb müssen wir ihnen selbst in den entlegensten Winkeln nachspiiren, um ihnen entgegenzutreten. Wir Zionisten haben aber vor allem Veranlassung zu verhindern, dass unser Name zu diesen Bestrebungen infolge der Unklarheit einer Darstellung in Beziehung gerate. Breslau. Dr. Sandler. Mitteilungen vom Zentralbüro - - der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 1 1. Das Zionistische Verbandsbüro der Hansestädte 1 hat mit Genehmigung des Zentralbüros Telegramm-! fornmlare für Depeschen anfertigen lassen, die zu Gun-! sten des Nationalfonds abgelöst werden sollen. Diese ׳ Formulare sollen in der Weise verwandt werden, dass ■ die Absender sie unter Briefumschlag den Adressaten; zusenden. Sie sind mit entwerteten Nationai.'ond- marken zu verseilen und können von den Ortsgrup! en- 1 verständen und Vertrauensmännern bezogen werden. : Bezugsquelle der Formulare für die Gruppenvor- 1 stände: M. Goldschmidt, Hamburg, Stadthausbrücke 12/14. Zentralbiiro der Zionistischen Vereinigung ■ für Deutschland, Berlin. Friedrichstr. 58, und Verlag ,.Jüdische Rundschau“, Berlin. Auguststr. ■49a. 2. In der vergangenen Woche haben öffentliche Vcr- Sammlungen in Cassel. Hannover. Hamburg. Dessau und Dresden staugefur.den. Her Redner war Herr Rechtsanwalt Groneniann. 3. Wir weisen nochmals auf die Subskription hin, die für das geplante Buch: Aufsätze von Moses Hess eröffne; ist und bitten, die Subskription unserem Schatzmeistor. Herrn Max Wolisteiner, Berlin N. 23, Hol- Steiner Ufer 10, rechtzeitig anzuzeigen. 4. Diejenigen Ortsgruppen und Vertrauensmänner, die bisher Schekel und Landesbeiträge noch nicht abgesandt haben, bitten wir höiiiäist. dies noch im Laufe dieses Monats zu tun. Das Baseler Programm und seine Gegner Elias Auerbach statuiert in No. 2 der J. R. drei Gegner: Die Rachmones-Zionisten bekämpften die Worte ״bär das jüdische Volk.4־ Die Clmwewe-Zion bekämpften die ״öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte.4* Die Tcrritorialisten bekämpiten die Forderung .,in Palästina.4‘ Derartig epigrammatisch formulierte Urteile gewähren den; Leser ja ein ästhetisches Vergnügen, aber leider oft auf Kosten Noch eine Besorgnis, die etwa auftauchen könnte, glauben wir im vorhinein zerstreuen zu sollen. Der Zionisten-Kongress ist eine geschlossene Versammlung, in die man nur mit Eintrittskarten gelangen kann, und die Einberufer wie die bereits angcmcldeten Teilnehmer sind fest entschlossen, dieser Ver- Sammlung einen würdigen Charakter zu geben und zu erhalten. Wir glauben nicht, dass unsere Versammlung dem Ansehen der Judenschaft abträglich sein oder Spott und Verachtung erregen wird — wenigster,s nicht mehr, als ohnehin schon gegen uns vorhanden ist. Wir schliesscn. Wir tragen Sic. hochgeehrte Herren, da uns die Umstände zu dieser Frage nötigen: Welche Stellung nimmt der löbliche Kultusvnrstand von München unserem Kongress gegenüber ein? Protestiert er gegen die Abhaltung des Kongresses in München? Oder betrachtet er die ganze Angclegenbeit als eine ihm fremde, um die er sich nicht kümmert? Aus der gefälligen Antwort werden wir die Konsequenzen ziehen. Wir halten es für loval. Sie schon ׳ctzt darauf aufmerksam zu machen, dass wir die vorliegende Zuschrift veröffentlichen werden, falls wir durch Ihren Widerspruch genötigt sein sollten, den Kongress von München weg nach einem anderen Orte zu verlegen. Wir bitten Sie, uns Ihre Antwort bald zusenden zu wollen. { Ute eine Beratung der löblichen Vorstandschaft nicht sofort j glich sein, so ersuchen wir um die Mitteilung des Zeitpunktes, zu welchem wir Ihre Antwort erwarten dürfen. Genehmigen Sic, hochgeehrte Herren, den Ausdruck unserer glichen Hochachtung. *ie vorbereitende Kommission des Zloolsten-Koogresscs. Mit diesem Schreiben kreuzte sich eine gleichzeitige Zuschrift des Münchener Kultusvorstandes an den Vorsitzenden der vorbereitenden Kommission. In der Münchener Zuschrift — die uns nicht zur Veröffentlichung übergeben wird, weil die Absender noch nicht wussten״ dass der Briefwechsel publiziert werden sollte — in der ersten Zuschrift also führt der Kultusvorstand die Bedenken aus, welche vom Standpunkte der Münchener Judenschaft gegen die Versammlung sprechen. Daun kam die zweite Zuschrift, die wir hier wiedergeben. München, 14. Juni 1S97. Euer Hochwohicebaren! Ihr geehrtes, vom II. I. M. dadiertes Schreiben ist heute wahrscheinlich zu gleicher Zeit, zu der Sic unsere Zuschrift vom Gestrigen erhielten, an uns gelangt. Die uns gegebenen Aufklärungen über Ziele und Zwecke der Zionistenbewegung sind nicht geeigenschaftct. unsere Stellungnahme zur Abhaltung des Zionisten-Kongresscs in Mimeben und Bayern zu verändern. Wir sind daher veranlasst, unser Ersuchen zu wiederholen und, um jedes Missverständnis aus/uschliessen. förmlich gegen die Abhaltung des Kongresses in München Protest zu erheben. Hochachtungsvoll Die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemcindc München. Die vorbereitende Kommission hat die Konsequenzen aus dieser! Erklärungen gezogen. Der Kongress versammelt sich am 29. August in Basel. Wir hegen die feste Zuversicht, dass

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.