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Jüdische Rundschau · 1905-01-20 · Heft 3 (20.1.1905) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 3 (20.1.1905)
Date
1905-01-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 3. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 25. sich. Das sind erstlich das noch lange nicht genug gekannte Baumwollenprojekt unserer Pa'iästinakommission und dann dre von ihr empfohlene Schnelikolonisation. Doch dafür sind gerade unsere Mitläufer nicht zu haben, die sich jetzt als Landsucher organisieren. Wenn aber keine Park;', ihre Mitläufer abstösst, so darf auch keine einzige ihnen den Einfluss auf die Oestaltung und die Leitung der Partei einräumen, umsomehr, wenn cs sich um die einzige Lebenspartei im Volke handelt. Die Mitläufer sind in jeder Partei gelitten, so lange sie fein säuberlich im Hintergründe bleiben. Wenn sie sich aber als Partei gegen die Partei zusammenschliessen, so haben sie nichts mehr in ihr zu suchen. Die Landsuchcr, die mit einem ebenso langen wie wenig bezeichnenden Fremdwort sich Territorialisten nennen, haben in keiner Weise den Anspruch auf die zionistisehe Partei, den sie sich anmassen wollen. Sie haben kein Recht, sich auf Herzi zu berufen, der nie ein anderes*, Land durch den Zionismus kolonisiert wissen wollte, als nur und einzig nur Palästina. Sie haben kein Recht, von einer zielbewussten Politik zu sprechen, denn sie tappen herunj, von einem Lande zum andern. Landsucher!, ob sie nun, wie es ein deutscher Nationaljude will, Autonomie in judenreicheil Teilen Polens und Litthauens erstreben, oder den Erdball absuchen von Canada bis Afrika und von Natal bis Korea. Eine merkwürdige Kunde kommt aus Amerika. Dort berichtet derMACCABAEAN, dass Israel Zwangwill über Zionismus und das englische Angebot gesprochen und geschrieben habe. Er soll sich dahin resümiert haben: ״Lieber Zionismus ohne Zion, als Zion ohne Zionismus!“ Er habe die amerikanischen Juden ermahnt, als die ״praktischen“ Juden zum Kongress zu kommen, und dort durch ihren nunmehrigen Anschluss an den Zionismus zu verhindern, dass eine Majorität für Palästina am Kongresse«sei. Das kann in dieser Form nicht zutreffen. Denn wäre es wahr, so gäbe es nur eine einzige Antwort, die erst erteilt werden könnte, wenn man Zwangwill ausserhalb der Partei sieht. Wer dem Baseler Programm treu ist, wer nicht den Zank will, *sondern den Zionismus und das Judentum, wer den Schwur hält, den Herzi in unserer aller Namen geleistet hat, den wir alle am Qrabe Herzis geleistet haben, wird ebenso entschieden es aussprechen: Lieber Zion ohne Zangwill, als Zionismus ohne Zion! Wer den Frieden in der Partei über alles wert hält, wer die doppelt schwere Lage versteht, in die wir durch den Tod unseres Führers versetzt sind, wer da weiss, dass jede Spaltung in der Partei den Untergang des Zionismus für ein Menschenalter bedeutet, der weise jeden Versuch ab, den Zionismus in die Netze der Landsuchcr zu ziehen. Wir brauchen kein Land zu suchen, auf das wir historische Ansprüche haben. Wir brauchen nicht einmal, wie so viele, die auf dem Kongress für Uganda gestimmt haben, zu wünschen, dass nur ja die Kommission einen möglichst schlechten Bericht bringe. Nein! Welchen Bericht auch die Kornmission bringen mag, das ändert nichts daran, dass das ausschliessliche Ziel des Zionismus einzig und allein Zion ist. Aber ob wir auf dem Kongresse für oder gegen die Entsendung einer Expedition gestimmt haben, in dem einen müssen wir uns einig sein, dass wir uns nicht jenen anschliesscn wollen, die פסחים ע׳ שת* הסעיפים auf zwei Zweigen sitzen. Fort mit dem Landsuchen und fort mit den Landsuchern! Heinrich L o e w e. Für Gebildete aller Konfessionen In Frankfurt a. M. erscheinen 24 וחז. Jahrgang die von Dr. Brüll herausgegebenen ,.populär-wissenschaftlichen Monatsblätter zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen.“ In der Dezember-Nummer (1904) wird ein von Dr. Brüll im jüdischen Literaturverein zu Stuttgart gehaltener Vortrag über ,״Die Mischehe im Judentum im Lichte der Geschichte“ den Gebildeten aller Konfessionen unterbreitet. Das Resultat der geschichtlichen Betrachtung ist, dass ״die Mischehe weder nach der Bibel‘ noch nach dem Talmud als religkmsgesetzlich verboten betrachtet werden kann, und dass die Antwort der modernen jüdischen Theologie auf diese Zeitfrage als eine durchaus richtige, sachgemässe, auf Geschichte und wissenschaftUcher Forschung ruhende angesehen und anzuerkennen ist.“ Man muss zugeben, dass die Zusammenstellung der religiösen und historischen Argumente nicht ungeschickt ist. Am Schuss der Begründung heisst es: *Zu erwähnen wäre heranbricht und der ungestüme Wind in den Wäldern j heult, wenn die mächtigen Tannen und die stolzen Pap- י pein krachend und lärmend nacheinander fallen — so! beugt sich geduldig die schwankende Weide zur Erde,! bis das Gewitter vorübergezogeu ist, und dann wundert sie sich selbst, wieso sie, das schwache Bäumchen, solche starke Nachbarn überleben konnte.“ ״Ist es denn aber der Mühe wert, dass du dich | mit den Weiden abgiebst, die dir weder Früchte noch Aroma bieten? Und welchen Nutzen bringen sie dir? Sie nehmen nur im Garten Platz ein, erfreuen niemandes Auge und bringen keiner Seele Labsal." ״Es ist fast so,“ antwortete in Gedanken versunken die Gärtnerin, ״aber ich habe sie trotzdem gern; mit ihnen sind 'mir teure, traurige Erinnerungen verknüpft. Lies doch die Aufschrift auf dem Täfelchen, das an dieser alten Trauerweide angeschlagen ist: Salix Babylonica. Es sind doch dieselben Weiden, unter denen an Babels Wassern deine Urahnen sassen und weinten, indem sie sich Zions erinnerten. Die Weiden taten es ihnen nach, Hessen traurig ihre Zweige sinken und weinten mit Und wer würde damals nicht geweint haben? An diese Weiden־ hängten die Ahnen dann ihre Harfen — sie wollten nicht auf fremder Erde Zionslieder singen. Das ist schon lange her. Seit jener Zeit wurden die Weiden oft von Ort zu Ort verpflanzt, aber an regnerischen, feuchten Tagen, wenn der ungestüme Wind tobt und die zitternden Zweige dieser Weiden bricht, scheint es mir, als zittern die Saiten jener Hanen und In dem schaurigen Geheul des Windes glaube ich die verhallenden Zionslieder zu hören. Dieselben Weiden waren Zeugen des^ Eides, den damals deine Urahnen schworen, des erhabenen, von Geschlecht zu Geschlecht überlieferten Eides: ״Meine Rechte verdorre, vergässe ich Dein, Jerusalem!“ Und ihre Kinder sind diesem Schwure treu geblieben: sic haben ihn, sie haben ihre verwaiste Judäa nicht vergessen. Sie strebten immer zu ihr und streben noch jetzt; und sei auch ihr Streben so fruchtlos, wie diese Weiden, jedoch . . . Sie unterbrach schamhaft ihre Rede, wie ein Mensch, der in seiner Seele irgend welche Träumerei hegt und sie laut nicht auszusprechen wagt, um nicht ein spöttisches Lächeln auf den Lippen seiner Zuhörer he rvorzu rufen.

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