Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1905)
- Date
- 1905-01-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 24. JÜDISCHE RUNDSCHAU _ __ No. 3. $ i י I § ז ו ן 4 j allein lösen könnte, der feste Grund und Boden, der den Juden fehlte und den sie haben müssten, um wieder fest* zuwurzeln in ihm wie eine gesunde Pflanze und wie jedes Volk, das eine eigene nationale Existenz beansprucht. Und sie begaben sich auf die Suche nach einem Lande, nach einem andern Lande, das man schneller haben könnte, einem Lande, das in sieben Jahren zu er-׳ reichen wäre, einem Lande, das uns mühelos in den Schoss fallen würde. Das war der Jubel aller jener, die 1 Herzls palästinischen Zionismus nicht verstanden, als er! dem Kongresse das bekannte Ostafrikaprojekt vorlegtc. | Sie glaubten, dass der grosse Mann, der mehr als wir alle wusste, dass ein Alenschcnnltcr im Leben der Völker nicht mehr bedeute als eine Woche oder gar nur ein Tag, eben so kurzsichtig sei wie sie und auch auf die Ländersuche gegangen sei. Denn Ländersucher waren sie geworden, die in dem Rausche schwelgten, dass einem Volk ein Land mühelos und ohne schwere Opier in den Schoss fallen könnte. Landsucher, das ist der richtige Name für alle die verschiedenen Richtungen, die aus dem Zionismus! herausführten, weil sie von den Mitläufern ausgehen und nicht von den Zionisten. Zuerst wollte man nur ein weiteres Landgebict, da man Palästina für zu klein hielt, wie man cs ja so oft von den Gegnern des Zionismus gehört hatte. Man verlangte deshalb ein grösseres Palästina, ehe man auch nur den Anfang eines kleineren und ganz kleinen Palästina hatte oder ernstlich zu bekommen versucht hatte. Es war eine schwere Arbeit des erprobten Führers und seiner 1m Kampfe erprobten Paladine, diese Ideen abzuweisen. Denn die Propaganda für den Zionismus statt durch das Judentum aus der Judennot heraus musste unweigerlich dazu führen, die Iandsuchenden Mitläufer im eigenen Lager zu vennehren und mit gutem Grunde war der Rufer im Streite nach einem grösseren Palästina derselbe, der den Schekel von allen deutschen Juden genommen wissen wollte, ob sie nun auf dem Boden des Baseler Programms stehen oder nicht. Das treibende Moment war die Judennot, und deshalb sollte ein Land gefunden werden, das imstande wäre, augenblicklich die Judennot zu lindem und zu mindern. Das Land sollte gefunden werden, wo äugenblicklich Tausende und Zehntausende Arbeit und Existenz tiir sich und ihre Familien finden könnten. Das konnte Palästina nicht sein, denn es ist noch kein Industrieland und nur ein Land mit hoher gewerblicher Entwicklung ist imstande, eine grosse Zahl von Ein- Wanderern in verhältnismässig kurzer Zeit aufzunehmen und zu ernähren. Darum war Argentinien keine dauernde Konkurrenz für Palästina, da es längst die Zahl der Juden aufgcnonmien hat, die es überhaupt aufnehmen kann. Darum aber kommen für die Lösung der augenblicklichen Not -- für die Auswandererfrage, die mit der zionistischen absolut nicht identisch ist, nur Länder wie England, Amerika, Australien und Südafrika in Betracht. Was für das halbzivilisicrtc Palästina galt, dass cs nicht in der Lage wäre, in kürzerer Zeit grössere Einwanderermassen aufzunchnien, das gilt in erhöhtem Masse von allen den Ländern, die unsere Landsucher zu entdecken bemüht sind. Denn je weniger kultivierte Länder in Rechnung kommen, desto geringer ist die Möglichkeit einer Grosskolonisation und mit dem geringcrcn Umfange der politischen Schwierigkeiten nehmen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu. So muss man ein Land wie Ostafrika betrachten, das deshalb niemals neben Palästina in Betracht kommen kann, weil selbst bei allen politischen und kolonisatorischen Widerständen doch auch für die augenblickliehe Hilfe Palästina eine ganz andere Bedeutung hat als jenes Land bei Uganda, das, wie Hcrzl sehr genau wusste, wohl einige Dutzend Ackerbaukolonien in einigen Jahrzehnten allenfalls aufnehmen könnte, das aber niemals irgend eine Abhilfe für die schwere Not in Russland und Rumänien sein und werden kann. Audi von diesem Gesichtspunkte aus soll man das Eideswort in seiner vollen Gewichtigkeit ins Auge fassen, das Herz! als einziges politisches Testament uns hinterlassen hat: .׳אב אשבחך ירש לב תשבח ימיני vVenn ich Deinvergässe, Jerusalem, so verdorre meine Rechter Wir würden Unrecht tun, wenn wir uns der Tatsache verschliessen wollten, dass gleichwohl eine Augenblickshilfe in hohem Grade möglich sei, auch ausser der Auswanderung nach Amerika, Südafrika und Australien. Denn die beiden Momente, die von unseren sachkundigen Leitern der Paiästinaangelegenheiten uns nahe gelegt sind, bergen eine grosse Hilfe für die Unglücklichen in l m* \ V j ««: 1 \\ r ׳ Der Feststrauss Von Dr. L. Katzenelson. (Buki-ben-Jogli.) Uebersetzt von Helene Traub. (Nachdruck verboten.) III. Dem Anscheine nach erriet sie meinen Gedanken. Sie sah mich verlegen durch die Wimpern an und begann zu reden: ״Wie es scheint, befremdet dich mein eigenartiges Kostüm? Aber was tun? Ich weiss selbst, dass diese seidenen Lumpen mir nicht stehen, und dass dieses Korsett aus eisernen Reifen, das mich zusammenschmiedet, mir so schmerzlich die Brust beengt. Ich weiss, dass jenes herrliche, orientalische Gewand, das ich in den Tagen meiner Jugend trug, weiss wie der Schnee auf den Gipfeln des Libanon und leicht wie der Wind in Sarons Tälern — ich weiss, dass jenes mich besser kleidete. Doch die Mode ist allmächtig, und wenn man upter Menschen lebt und sich ihnen anpassen will, so Ist man bereit, sich in jedes beliebige Kleid zu hüllen, um den anderen ähnlich zu scheinen. Uebrigens, wie auch mein Aeusseres sei, ich bin hier in meinem Garten, so wie ich war.“ ״Und deswegen erkannte Ich dich auch,“ antwortete ich, durch den zärtlichen Ton ihrer Rede ermutigt. ״Und dennoch wusste ich nicht, was für eine geschickte Gärtnerin du bist. Eben merkte ich es, mit welcher Liebe du dich mit dem Einpflanzen der jungen Weiden beschattigst Warum aber pflanzest du sfe so dicht nebeneinander? Auf solche Weise werden ja viele von ihnen aus Mangel an Nahrung zu Grunde gehen.“ ״Doch was sollen sic tun?“ erwiderte sie mit einem tiefen Seufzer, ״es ist mir nur ein gan: kleines Stück Land angewiesen und auch dieses wird mir immerwährend streitig gemacht. Ja, meine Weiden haben’s eng und viele von ihnen gehen auch wirklich zu Grunde. Uebrigens ist der Bedarf der Weide nicht so sehr gross: etwas Feuchtigkeit, etwas Sonne, und sie wächst und grünt. Und wenn die schlechten Nachbarn mich von einem Orte verdrängen, verpflanze ich sie an einen anderen, und sie wächst weiter. Du weisst nicht, was für ein goldenes Bäumchen diese Weide ist. Es gibt keinen Boden, kein Klima, wo sie sich nicht entwickeln und akklimatisieren könnte. Sie spottet des Unwetters und des Sturmes. Und wenn ein Gewitter ויו•* ׳BIP׳ wyy T'JHpf