Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1905)
- Date
- 1905-01-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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־׳ץ : £\ Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Abonnementspreis (Zusendung inbegriffen) vierteljährlich: 1. durch die Expedition: a) in Berlin —,W ,M. t>) nach auswärts i,— Al. c) iär das Ausland 1,50 M. 2. im Postabonr.ement 1,25 Al. Insertionspreis die viergcspaltene Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. O- Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag Jüdische Rundschau, E. Q. m. b. H., Berlin N. 54, Augustitr. 49a. Geschäftsstunden der Expedition: täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10-1 Uhr, nachmittags 3-7 Uhr. Adresse der Redaktion: Berlin H W. 52, Melanchthonstrasse 4. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der ״Jüdischen Rundschau“ nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 3 Berlin, 20. Januar 1905 — 13. Schebat 5665 ’ x. Jahrgang Die Landsucher Der Kamp! gegen den Zionismus ist so alt wie die neu erwachte jiidischnationalc!dce. Die ganze kurze Geschichte des Zionismus ist ein einziger steter Kampf um seine Existenz, ein Kampf, der freilich die Erwcitcrung und Vertiefung und die Siegesgewissheit der zionistischen Lebenspartei im Judentum nur gestärkt hat. So wareii es unsere schärfsten Gegner, die uns erst den Weg zu einer erfolgreichen Agitation durch ihre‘ Angriffe ermöglicht haben. Immer neue Gegner treten gegen den Zionismus in die Schranken, von immer neuen Gruppen in unserem Volke wird er angefochten und hat immer wieder die Siegeskraft bewährt, die ihm durch die Macht der ihm innewohnenden Idee zukonunt. Aber wenn auch die Angreifer wechselten, wenn auch die Parteien andere wurden, die den Kampf gegen den Zionismus aufnähmen, so bleiben die Angriffe die gleichen und mit denselben Mitteln und mit denselben Einwendungen bekämpfen uns alle die verschiedenen Gegner, die sich nach einander in so kurzer Zeit in der i Gegnerschaft gegen den Zionismus ablösten. Dre Einwendungen richteten sich nach zwei verschiedenen Richtungen, je nachdem man den Zionismus mehr auk dein historischen Werden des Jüdischen Volkes erwachsen begriff oder glaubte, dass er eine blosse Antwort auf die zur Zeit herrschende Judennot wäre. Aus beiden Quellen war ja des Zionismus Strom geflossen, nur mit dem Unterschiede, dass man zur Juden- Staatsidee• aus der Judennot gekommen war, während man aus deni Judentum heraus zur Zionsidee gekommen war. Wo das ganze Judentum in den Herzen einer idealen Jugend lebendig wurde, da verstand man den unermesslichen Wert jener Imponderabilien genügend zu schätzen, der in der Forderung Palästinas als des historischen Bodens der jüdischen Nation liegt, und nur wer auf geschichtlichem Gebiete wegen seiner UnwisscnheU nicht voreingenommen sein kann, vermag eine Judeustaatsidee zu begreifen, die nicht in Zion ihre absolute Konsequenz erblickt. Darum wurden Pinsker und Herzi, die vom Mitleid ausgehend zuerst reine Judenstaatler waren, in dem Augenblick Zionisten, wahre und begeisterte Zionisten, wo sie mit dem •historischen Inhalt des׳ Judentums bekannt wurden. Die Judennot gebar die zinslose Judenstaats-Idec, das Judentum dagegen den Zionismus. ' Aber wie der Zionismus zum Teil nicht nur aus dem geschichtlichen ‘ Werden des jüdischen Volksgeistes, sondern auch aus der Not der Zeit geworden war, so kamen auch die Einwendungen nicht bloss aus der Ab- . ncigung gegen alles Jüdische, nicht nur aus der Bequemlichkeit und der Assimilationssucht, sondern aus eben demselben Mitleid mit der Lage der wirtschaftlich und politisch unterdrückten Brüder, das auch zur Gestahung des judenstaatlichen Zionismus beigetragen hat. ' Die Einwendung gegen den kolonisierenden Zionismus, dass Palästina zu klein sei, um alle Hungernden und Unterdrückten aufzunehmen und zu ernähren, der Einwand gegen den politischen Zionismus, dass er überhaupt nicht für die Gegenwart, sondern nur für die Zukunft arbeite, kamen nicht immer aus hartem, sondern allzuoft aus mildem Herzen und weichem Mitgefühl mit den Leiden der unterdrückten Mitbrüder. Darum kann es uns auch nicht wundern, wenn sogar im Zionismus selbst immer und immer wieder dieselben Einwendungen und Zweifel sich geltend machten, und wenn das wanne Mitgeiühl mit den Millionen unter der Knute der Barbarenländer seufzenden Volksgenossen in unsern eigenen Reihen die bange Frage aufkommen liess: Wird der Zionismus bald die Lösung bringen, wird er wirklieh die Lösung bringen und die Hilfe für die Elenden.und , Hungernden? Wird das Land gross genug sein, um sie alle aufzunehinen? Wird nicht der politische Weg urir gangbar sein? Alle diese bangen Zweifel drängten sich gerade denen am meisten auf, die am heisscsten das Mitgefiihf sprechen Hessen, die von der Judennot und dem Judeiielend am meisten ergriffen waren. Sie wollten den Gang des Zionismus beschleunigen, wenn er selber auch darunter leiden sollte. Zwar die Zionisten selbst, die die Bewegung geschaffen hatten, wurden nicht ungeduldig. Denn niemand hatte ja von ihnen jemals die Lösung in sieben Jahren oder einem Jahrzehnt, ja kaum in einem Jahrhundert erhofft. Denn aus geschichtlichem Werden erwachsen, wussten sie, da ss ein Volk nicht an einem Tage geboren wird. Aber die Mitläufer, die sich zahlreich einfanden, als die Partei ihren Siegesmarsch angetreten hatte, die hatten teils nicht au die Lösung geglaubt, teils aber w iederum sie in einer ganz kurzen Zeit erwartet, weil ihnen das Verständnis für langsames historisches Werden und für Wachsen und Reifen fehlte. Als sie sahen, dass Palästina noch nicht in einem Menschen- . alter ein freies jüdisches Land sein könnte,• da. ver- zweifelten sie überhaupt an Palästina, da sie keine 'Lösung der Jude^frage verstanden, die vielleicht kein einziger der jetzigen Generation selbst erleben würde.. Aber das eine hatten sie doch vom Zionismus be-•'• ־ griffen, dass es ein Land sein müsste, das die Judenfrage ״sfir