Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1905)
- Date
- 1905-01-13
- Page
- Seite 19 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2. Seite 19. JÜDISCHE R Verwerflichkeit des Zionismus brauchen wir hier nicht wiederholt auseinanderzusetzen. Die entschiedene Ab- * Weisung des Zionismus gehört m den wenigen Punkten, worin wir auch mit anderen Parteien einig gehe»!, wenn auch nicht auf Grund derselben Erwägungen. Um ein Zusammengehen aller jüdischen philanthropischen Bestrebungen zu inszenieren, hat man auch den Zionismus a״$ salonfähig erklärt. Die hoiliehe Verbeugung dazu haben aber nicht die ncologcn radikalen Elemente übernommen, sondern ist. damit auch d!e Komik zui Geltung komme, von einer Seite besorgt worden, die sich gern unter die Orthodoxen zählt, die seiner Zeit den Zionismus auf öffentliche Protesterklärung in Acht und Bann erklärte und nun aus dem L3gcr der Protestanten in das der modernen. 7/ons- Wächter übergegangen ist! Es gibt keinen salto mortale, vor dem der zeitgenössische Verbrüderungsdusel zurückschreckt.“ ״Zeitgenössische Verbrüder u 11 gstfuse!” — woher kennen wir doch diese Sprache? Aus Rumänien Anwendung des Art 5 des Ko mm unalgesetz cs. Im Distrikt Bacau werden die Juden in jüngster Zeit wieder zum Verlassen der Dörfer aufgefordert, nachdem eine kurze Zeit Ruhe geherrscht hat. Zum Mindesten müssen alle Juden (d. h. die im Lande Geborenen) verschiedene Papiere vorlegcn. um ihren Aufenthalt;n den Landgemeinden L.comunc rurale־') zu rechtfertigen. Natürlich bleibt die Entscheidung der Laune des betreffenden. Präfekten Vorbehalten. Ein ktav>er und vielbesprochener Kall ereignete sichjieulieh in Moinesci, einer kleinen Stadt, deren Einwohner zu 75 c■' Juden sind, und d:e merkwürdigerweise noch zu den .Porigenteindcii zählt. Bei der dortiger! Petrolemn-Rafimierie ״Runiärtischer Stern“ wurde vor Kurzem ein junger Mann als Buchhalter angestellt. Um sieh für später Unannehmlichkeiten zu ersparen, richtete er ein formelles Gestielt an den Gentc nderat, hi dem er die Autorisation, sich niederzulassen, erbat. Aut Grund seiner Papiere wurde ihm d es bewilligt, jedoch unter Vorbehalt der Genehmigung der Baeauer Präfektur. Statt der Bewilligung traf tn Moinesci folgender Artikel ein, den wir in wörtlicher Uebcrsctzung wiedergeben: «.Entscheidung.“ J a!1 r 1904. November 25. Wir. Präfekt des Bezirkes Bacau. In Anbetracht des Beschlusses No. 25 des .Mo'nescicr Genieinderates. der uns durch Rapport No. I0C65 übermittelt wurde und dadurä dem Juden Benzal Solomon uie Autorisation tion gewährt wird, sich in der Kommune mcderzulassen. In Anbetracht dass es in dieser Gemeinde noch Juden gibt, welche die Einwohner betrügen, ־indem sie ihnen zu Spottpreisen die geringe Ernte, die sie haben, abkauten. In Anbetracht des Art. 5, AHn. 4־ des Gesetzes, betreffend die Organisation der Landgcmcmden. Bestimmen: Art. I. Annullieren jenen Beschluss, indem und die Dorfbevölkerung, viclleclit auch der czcchisehc Student, der mit der Verführung des Judenmädels beabsichtigt, die Opfer des ״Ritualmordes“ zu rächen. Auch die andern Erzählungen CROCCOLOS SYNAGOGE, MENDEL LOHEN- GRIN und MATER DOLOROSA sind prachtvolle Stücke jiidischer Prosadichtung, wenn sie auch nicht an die TOTE FRAU und ebensowenig an MARHULKA heranreichen. Nur eine der Erzählungen soll hier namentlich hervorgehoben werden, das ist ,AN DER KLOSTERPEORTE. Sie gibt ja nur ein Bild, wie es sich in Galizien so oft vor unseru Augen noch in den allerletzten Monaten abgespielt hat. Der Schluss, aber befriedigt uns nicht. Er sagt uns aber gerade deshalb nicht zu, weil er der Wahrheit, die uns ebenso wenig befriedigt, zu sehr entspricht. Es würde uns vielmehr in unsere Stirnmung, in die uns der Dichter versetzt hat, passen, wenn der Jade nach Wien gehn und dort in de»־ Verzweiflung eine Tat tun würde, die ihn auf das Schaftot oder in das Irrenhaus bringt, oder dass er gegen die Priester der Konfession, die ihn! die Kinder aus Frömmigkeit raubt, gewlsscriuasse« Amok laufen würde. Aber das eben entspricht nur dem durch den Roman hervorgerufeiten Gefühl׳ n'chi der wirklichen Kraft des jüdischen Volkes in Galizien. Und nur dem schwachen Volk stiehlt man die Kinder in Galizien, nicht aber den starken Deutsehen, wie m der Dichtung auch erzählt w ird. An der Klosterpfotie sitzen Judenfrauen, die nach ihrem gestohlenen Kinde UNDS CHAU wir die Niederlassung dieses Juden in der Gemeinde nicht gestatten. Art. II. Eine Abschrift dieser Entscheidung werde angebracht an der Tür der Präfektur und eine werde der Kommune Moitcsci übersandt, um an der Tür des Rathauses angeklebt zu w’crden. Dem interessierten wird anheim gestellt, gemäss Art. 70, Alirt. II desselben Gesetzes Recurs zu machen. Präfekt D. Le ca. Direktor: Edg. Em. Krupenski. Dazu bemerkt die EGALITATEA: 1. Ein Buchhalter der Petroleum-Raffinerie ״Rumänischer Ste.n“ kauft von den Bauern keine Ernten. 2. Aus Moinesci wird überhaupt kein Getreide ausgeführt, sodass den Einwohnern keine Gelegenheit gegeben wird, den Bauern die Ernte abzukaufen. Im Gegenteil wird Getreide für grosse Summen aus Botosani. Braila und Vasluc e i n g e ־ führt. Unter den zahlreichen Importeuren entsteht naturgemäss eine grosse Konkurrenz, sodass sowohl Bauern wie auch Stadtleuten ( . e. Juden) Getreide billig kaufen. Armenier aus Bukarest waren es, die die Dörfer durchzogen, um den Bauern Getreide, Bohnen, Nüsse und Pflaumen abzukaufett, nicht Juden. 3. Im Distrikt Bacau — zu dem Moinesci gehört — wird überhaupt wenig Getreide kultiviert, meistens Mais und Heu. Auch das Heu haben nicht die Juden von Moinesci gekauft, sondern der rumänische Kriegsminister. Um für de armer! Bauern etwas Heu zur Reserve zu haben, sah sich der Moinecicr Philanthrop Hermann Thcilcr (Jude) genötigt, *i Waggons \le11 aus Russland (!) zu kaufen. Es wäre wohl richtiger ge- ' wesen, wenn der Herr Kriegsminister in Russland gekauft und das bischen Heu , das bisher geerntet wurde, hier gelassen hätte. Und dabei behauptet noch der Herr Präfekt, dass die Juden die Ernte der Bauern zu Spottpreisen abkauften! — Auf Grund der Intervention der Abgeordneten C. Mille (Direktor des ״Adeverul“) und G. Panu wurden gezen •400 Aufforderungen an Juden zum Verlassen des Städtchens aיי• nulliert. Antisemiten in Rumänien. Die Antisemiten dürfen mit ihren Erfolgen zufrieden sein. Früher war nur die Studentenschaft (i. a. eine Bande junger, m't der Handhabung der Knüppel wohl vertrauter, besser gekleideter Männer) antisemitisch gesinnt und tätig, während die grosse Majorität der Bevölkerung nichts gegen die Juden hatte. Heute hingegen sind dank der Studentenschaft, dem hl. Kerus, dem Lehrkörper und den ausgedienten Soldaten auch die Bauern fast in ihrer Gesamtheit antisemitisch. Zu Schulen. Volksbanken etc. haben Juden keinen Zutrittauch wenn s'e noch so sehr sämtlichen Bürgerpflichten nachkommen, ebenso wie es ihre Eitern und Grosseltern getan. Eine ganze Reihe von Zeitungen propagieren den Antisemitismus und in vielen findet man den Ton, den Herr Kruschewan im ״Bessarabetz“ ausschlägt. Verstärkt wird die Wirkung solcher Blätter dadurch, dass sic — z. B. der ANUNTATORUL (Anzeiger) — den | w'olnen und sich zu Tode härmen, aber nicht die Töchter des! kanonengew altigcn Deutschen Reiches.! Aber wir w ürden York-Steincr Unrecht tun, wenn wir i mit kleinen Ausstellungen schlossen würden, wo wir allen! Grund haben, das bedeutsame Dichtwerk, das er uns beschert hat, aitzucrketnten. Die uugesuchte Poesie Steiners wird sich Balm brechen. Auch eine spätere Zeit wird sich an iitr erbauen, wenn die ghettosüchtclnde und schwindsüchtige Lyrik längst vergessen ist, die gern auch jungjüdische Dichtung sein möchte. Der Jüdische Verlag hat durch seine vornehme Art der Ausstattung dazu beigetragen, das durch ihn herausgegebene Werk zu einem solchen zu machen, das hoffentlich bald ein Liebliiigsbuclt in den jüdischen Familien und natürlich besonders in den zionistischen Kreisen wird. Den» Buche wünschen wir alles Gute. An den Jüd'schcn Verlag, der so rührig und arbeitsam ist, richten wir bei dieser Gelegenheit die Bitte, nunniodir auch daran zu denken, bald eine billige Volksliteratur ins; Leben zu rufen. Eljäqtm. j Uns liegt das erste Heft der neuen Jugendzeitschrift JUNGj ISRAEL vor, die vom Januar d. J. an im ״Jüdischen Verlage“ j (BerUn-Charlottenburg. Herderstr. 3/4־) erscheint. Das sehr j schön ausgestattete lieft hat als Untschlagzeichnung die Wappen , der zwölf Stämme nach dem Original-Entwurf von Eduard I Joel (Hamburg) und folgenden Inhalt: i ״Jung-Isracl” Gedicht; ..Ruth“ von Martha Wiener (mit einer Kuustbcilage); ״Ein Märchen aus dem Paradies" von