Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1905)
- Date
- 1905-01-13
- Page
- Seite 18 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 2. Seite 18.' ־ JÜDISCHE RUNDSCHAU mit Ben Israel Unterzeichneter Artikel dem Pfarrer Naumann zugeschrieben ist, bedaure ich sehr. Derselbe ist entstanden durch die ganze Form, in welcher die WELT, du• mir als Quelle diente, den Abdruck des Artikels gebracht hat. Im Jahrgang 1902 No. 38 der WELT (in der Broschüre ist die genaue Quellenangabe verzeichnet) ist dieser Artikel genau in folgender Form überschrieben: Der Zionismus. (Aus der Berliner Wochenschrift: DIE ZEIT, herausgegeben von Pastor Friedrich Naumann.6) In einer längeren Anmerkung unter dem Strich, auf welche durch den *) hingewiesen ist. wird die Persönlichkeit und die Bedeutung Friedrich Naumanns dem Leser vor Augen geführt, dass er im zweiundvierzigsten Jahre steht, dass er zu den hervorragendsten Persönlichkeiten des modernen Deutschlands gehört, auf dem Gebiet der Politik und Sozialpolitik anerkannt ist, eine grosse Anzahl von Werken veriasst hat, von denen sechs angeführt werden, und dass er Herausgeber der sehr geachteten periodischen Druckschriften DIE HILFE und DIE ZELT ist. Da nun die WELT die Namensunterschrift des Verfassers Ben Israel fortgelassen hat. so musste aus der ganzen Form der überschritt, besonders aber aus dem eingehenden Hinweis auf die Bedeutung Nauntauns, in dem Leser die Vorstellung eiweckt werden, dass Naumann der Verfasser sei. So habe ich mich denn, da mir die Urquelle nicht zur Verfügung stand, auch täuschen lassen. Königsberg. 7. Januar 1905. D r. Hoppe. Warnung. Das gefertigte Distrikskomitee hat in Erfahrung gebracht, dass ein Herr Robert Guttnian aus Prag sich als Vertrauensmann der Zionistischen Partei ausgibt, und Sammlungen angeblich für zionistische Zwecke vorrimmt. Das Distriktskomitee teilt mit, dass Herr Guttmann hierzu von niemandem, berechtigt wurde und mit der zionistischen Partei in keiner Verbindung steht. Zionistisches Distriktskomitee für Böhmen. J u 1. L ö.w y, Sektretär. Karl Besek, Obmann. *** Rundschau ״״ Die Gemeindestube In der ersten diesjährigen Berliner Reprisen■ tanten• Versammlung fand d.e Einführung d!r neu gewählten Vertreter der jüdischen Gemeinde statt. Wie man uns mitteilt, wurde zum Vorsitzenden Herr Louis •Sa c 11 s, zum ersten Stellvertreter Geheimrat B1 u m e 111 h a 1. zum zweiten Stellvertreter Kommerzienrat Friedl ander gewählt. In den drei Ausschüssen haben die Liberalen, die sich dauernd über Zurückdrängung beklagt haben, sich selbstverstündlich die Majorität gesichert. - - Ausführlichere Berichte werden wir erst bringen können, nachdem 1 der Herr Biirodircktor gelegentlich einmal die nötige Zeit! ״zur Einführung*• unseres Vertreters gefunden haben ward. Von j einer solchen Notwendigkeit haben w ir. wenn es sich um öffent- 1 liehe Versammlungen handelt, zwar noch niemals auf unserem! langen journalistischen Lebenswege etwas gehört, aber — man lernt eben nie aus.. Die Ostafrika-Expediiion Wie bere'tr gemeldet, hat die drcigliederigc Expedition, die das den Juden?״gedachte Gebiet in Uganda besichtigen soll, i am Mittwoch, dom 28. Dezember London verlassen, um sich in | Triest mit dem österreichischen Lloyd nach Ostafrika einzu-! schiffen. Die Ankunft in Motubassa, dem Hafenplatz von ■ Britisch-Ostafrika soll programmtnässlg am 10. Januar er-! folgen. Von di geht die Reise mit der Ugandabahn bis Lundiaua. i der dem Lande der Vcrhcissung nächsten Eisenbahnstation. 1 Das jüdische Reservat ist stellenweise 295 englische Meilen; lauig und 55 Mellon breit, umfasst zirka 5000 englische Quadrat- I mcilen und liegt nördlich der Ugandabalut. ln Lundiaua wird | die Expedition auf die sic begleitende Karawane stossen, die ' jedoch ausschliesslich aus Trägern bestehen wird, mit Aus-! Schluss jeder bewaffneten Macht. Major A. St. Hill Gibbons. : der die Seele der Expedition zu sei» scheint, hat auf seinen Querzügen durch Afrika die Erfahrung gemacht, dass inan da am besten ohne bewaffnete Eskorte wegkommt. Major Gibbons gibt zu, dass für diejenigen Juden, die nach England aus- 1 wandern, Ostairika keineswegs geeignet sei. Es gibt aber noch andere Juden, die. wie die zahlreichen Beispiele in P a 1 e s t i n a und Südrusslar.u geleint haben, sehr wohl für die Landw.rt- Schaft geeignet sind. Fiir solche Emigranten ist nach Major; Gibbons Ansicht das Hochland von Ostafrika, das ceieris paribus; dieselben Yerlätussc wie Südamerika und Südafrika aui-! weist, sehr wohl geeignet. Major Gibbons hält eine!jüdische Besiedelung von Ostafrika im | eigenen 1 n t e r e s s c E n g 1 a 11 d s als dringend g ei boten, da die Juden ein loyales und dankbares Volk sind, das niemals den Versuch machen werde, sich von England unabhängig zu machen. Nach Major Gibbons bedeutet -also die ev. Ansiedlung in Britisch-Ostafrika keine Ablenkung von London, sondern von Palästina. Jedentalls!)liebe der Bericht der Kommission abzuwarten. Jüdischer Klerikalismus Wie manche kleine Kinder — d:e intellgeniesten sind das gewöhnlich nicht - es nicht lassen können, immer wieder ins Feuer zu greifen, so geht es dem ISRAELIT mit dem Zionismus, j Nachgerade hat er sich doch oft genug die Finger daran verbräunt, aber es drängt ihn, sieh i.nnner von neuem zu blamieren. Da sein Leserkreis allein diesem Zwecke nur unvollkommen Genüge leisten kann, wollen wir ihm aus alter Freundschaft behilflich sei». Das Blättchen schreibt also in einem ״Rückblick". - vorwärts zu blicken hat cs nämlich noch immer nicht gelernt, und auch der Stil verlangt Nachsicht, denn das Deutschtum lernt sich eben nicht so leicht: ״Unsere Ansicht über die Gefährlichkeit und erscheint. Dabei ist es dem Dichter nicht zu verdenken, dass er die Familie ״Kattowitz,“ die zur inken Hand das erste Haus bewohnt, wenn man von Rechobhoth her i!1 Katra einfährt, in jeder Weise idealis'ert. Es ist keine Frage, dass die Gastfreund־ Uchkeit, die die jüdischen Kolonisten i!1 hervorragendem Masse auszeichnet, auch von der Familie ״Kattowltz" in weitem Masse geübt wird. Doch ist es ein Fehler der Gäste über die Liebenswürdigkeit der Gastgeber, deren Mängel als Kolonisten zu leicht zu übersehen. Der Tahnudbauer!'st fleissig und arbeitsam, er wird vorzügliche Gärten haben, aber die gelehrte Tochter, wird eben nur im Roman einen Manu bekommen. Ja sic sfch allen Bauern überlegen dünken wird und d e Doktoren, von denen sie durchaus e'nen wird haben wollen, mehr die Lücken ihrer Bildung und die durch sic erzeugte Eitelkeit, als die Sprachkeimtnissc beachten werden. Und doch welchen ungeheuren Schritt hat der Talmudbauer in Wirklichkeit getan, als er aufhörte, Talmud zu lehren und anfing de talnuidischen Bodengesetze auf eigenem Grunde zu üben, so weit sic auf ein Land Israel zutreffen, das noch in den Händen eines fremden Volkes ist. Aber darum wird doch seine talinudische Manier in ihrer Uebertrcibung einerseits nur Heuchelei und andererseits nur Gleichgiltigkeit erzeugen, soweit dies eben in einem jüdischen Milieu en Palästina möglich ist. Natürlich ist das unendlich viel ärger in jenem Jerusalem, in das uns de־׳! Dichter einen Blick tun lässt, aus dem wir erkennen, dass! er selbst besser getan hätte, die Schilderung jerusalemischcr ' so komplizierter Verhältnisse nicht zu versuchen. Sic ist ihm 1 misslungen. Sein Dr. Rapp cx:sticrt nicht n Jerusalem. Er I hat sieh in einem orthodoxen Arzt, der auch einen Pferdei namen trägt, gehörig getäuscht. Aber der stellt den Herren j der Cbalukah nicht zu fern. De Kolonien sind einfacher in! ihren Verhältnissen und weniger kompliziert in ihren Menschen. י Deshalb war es dort möglicher, der Wahrheit Ti kurzer Zc;t j näher zu kommen. Bei den wenigen Namen, die er in etwas! abgeänderter Form nennt, ist es leicht für den Kenner Palästinas d e wirklichen Namen cinzusctzcn. Aber bei allen Irrtiimern, bei allen kleinen Zügen und Geheimnissen, die Steiner 1 falsch oder ungenau gesellen hat, muss mau zugestehen, dass [ er die Kolonien weit r'elit'ger schildert, als so viele Reisende, die einmal aui eine)־ ein- oder zwciwöehentUchen Reise dort waren und sch nun 1'iir befugt und berufen erachten, wissen-! scliaftliciie Urteile über d:c Kolonisation abzugeben und ihr neue Wege zu weisen. D:e andern Erzählungen sind weit wen'ger lehrhaft, als gerade der TALMUDBAUER. De MARHULKA ist gewiss eine Tendenzdichtung aber sie ist lebenswahr. Es st kein Zweifel, ' dass das verführte• jüdische Mädchen seinem Ideale, der I ״Laudesbildung• zum Opfer fiel. Lebenswahr ist die Mutter SÄ#;•?«׳«ייייי^ייי^מיז SQESPP* 1 ‘״־rX־