Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1905)
- Date
- 1905-01-13
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14. JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 2. in Sachen 3er Organisation eine grosse Anzahl ‘technischer und persönlicher Dinge eine grosse Rolle spielen, die der Einzelne oft nicht überblicken kann, und die sich infolgedessen seiner Beurteilung entziehen, liegt uns in der Frage des Territorialismus eine prinzipielle Entscheidur.g ob, an der jeder einzelne mitzuwirken berufen und verpflichtet ist. Denn hier handelt es sich ersichtlich um das allererste'Prinzip unserer Sache. Theoretisch kann freilich die Möglichkeit nicht bestritten werden, die Judenfrage durch Konzentration des Jüdischen Volkes auf einem beliebigem Territorium zu lösen. Aber der Zionismus hat eben vom ersten Kongresse, an Wert darauf gelegt, nicht nur eine Lösung der Juden frage vorzuschlagen, sondern die Lösung der jüdischen Frage zu sein. Und es hiesse geradezu, alle die mühseligen Errungenschaften der letzten Jahre preiszugeben, wenn nun die zionistisehe Partei selber den Kernpunkt ihres Programms auf* gäbe oder auch nur zu revidieren begänne. Das wäre der Bankrott des Zionismus, den die Gegner uns prophezeit haben. J Aber abgesehen von diesem äusseren Grunde, der nicht in Betracht kommen dürfte, wenn es sich um irgend eine notwendige Aenderung handelte, sind es natürlich rein prinzipielle Gründe — auf die wir noch zurückkommen werden —, die uns zu unserer ablehnenden Haltung gegenüber jedw edem Versuch einer Aenderung des bisherigen Baseler Programms veranlassen. Angesichts der Tatsache nun, dass von Seiten der Territorialisten bereits ein ernsthafter Kampf gegen Pa- Iästina inszeniert wird, dass das Vorgehen der Ugandisten wirklich geeignet ist, nicht nur die Einheit des Zionismus zu geiährden, sondern in jedem Falle, selbst wenn sie ״auch für Palästina“ sind, die zionistische Bewegung völlig aus der Bahn zu werfen — angesichts dieser unleugbaren Tatsachen, die wir noch des Weiteren zu beleuchten gedenken, mahnen wir dringend alle Zionisten, klar zum Gefecht zu machen. Es war ein Gesetz S010ns, des Weisen von Athen, dass der seiner Bürgerrechte verlustig gehen solle, der in inneren Zwistigkeiten nicht rasch und unzweideutig Partei ergreiie. Der grosse Weise wusste, dass es keine grössere Gefahr für ein Volk gibt, als die Zaudernden, Unentschlossenen, die dann im letzten Augenblick höchster Gefahr dem Erstbesten folgen, der sie mitzureissen versteht. לו• Harden Unter dem Pseudonym Tubal erhebt ein Gesinnungsgenosse in No. 52 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU (״Typen und Gegen- Sätze”) zu Gunsten Maximilians Hardens seine Stimme. Da er sich gleich in den ersten Zeilen über die Bezeichnung ״preussischer Junker Isidor Witkowsky" entrüstet, dieser Ausdruck aber von mir in einem Artikel (״Vom Nationalen und vom Staat’״ No. 40 der JÜD. RUNDSCHAU) angewandt worden ist, so richtet sich diese Stimme wohl zum Teil •an meine Adresse. Es sind 4m wesentlichen drei Gesichtspunkte, dis Tuba! zu Uuiis'cn Hardens her'orkehrt. 1. Harden repräsentiert den Typus des konsequenten Assi•!»planten, die Personiiication jüdischer Zerrissenheit. Aber der Heroismus, mit dem er die Er.täusserung seiner selbst anstrebt, sei anerkennenswert Er verdiene nicht den Spott der halben und ■inkonsequenten Assimilanten. 2. Der Hass der Juden gegen Harden rühre von seiner hei* tigert Befehdung der liberalen Parteien her, die damals zuiiill g judenfreundlich waren. Harden ist nicht für die Rehabilitat'on des Capitaine Drcyfus eingetreten, er hat stets schüdliehe Auswüchse der sogenannten Judenpresse bekämpft, er hat Herrn Klausner ein wenig schmeichelhaftes Attest ausgestellt, er hat den Stabsoffizier Warenberg gegen die jüdischen Unteroffiziere sprechen lassen. AU das biete keinen Grund zu schweren Vorwürfen. 3. Gerade uns Zionisten dürfe es nicht beikommen, ihm wegen dieser Handlungen und Bestrebungen zu grollen. Harden hat andererseits manch anerkennendes Wort über Herzls Schriften geäussert. Ich muss Tubal in allen drei Punkten entgegentrete*!, ich will auch, gleich bemerken, dass er mit dem ersten Punkte, zum Teil auch mit dem zweiten, offene Türen cinrennt. Wäre Harden nur der Mann, der kraft seiner Ueber- Zeugung den schweren Kampf mit den natürlichen Grundelcmenten seiner Seele auf sich genommen und mit eiserner K011- Sequenz durchzuführen bestrebt ist, er wäre unserer Wert* Schätzung gewiss. Wir könnten ihm nicht die gleichen Sympathien. aber wohl dieselbe Hochachtung wie seinem geistigen Antipoden Theodor Herzl entgegenbringen. Ueber Harden hat Der Feststrauss Von Dr. L. K a t z e n e 1 s o 11. i V (BukLben-Jogli.) Uebersetzt von Helene T ran b. k (Nachdruck verboten. 1 L Es schien mir, als irrte ich in den einsamen und sich windenden Alleen eines grossen und verwahrlosten Gartens umher. Ich wusste nicht, wozu und wohin ich gehe. Ich fühlte nur, dass ich der Ruhe bedürfe, aber, dass eine unsichtbare Kraft mich weiter triebe: und ich setzte meinen Weg fort, ohne das Ziel, ohne das Ende meiner Wanderung zu sehen. Alles um mich herum war in einen grauen Halbnebel gehüllt und nur an einer Stelle des Horizonts mischten sich in wunderliche Wolkcnmassen die purpurroten Streifen aufsteigender oder niedergehender Sonne. Ist es Abend־ oder Morgenröte? Wird die Sonne dort tiefer versinken und die Finsternis auf meinemeinsamen •Wege noch undurchdringlicher werden, oder ist’s die Morgenröte, die Verkünderin des Tages und des Lichtes? Jt l\x 12 . Umsonst richte ich den Blick auf den Saum des Horizonts, umsonst erwarte ich von dort eine Antwort auf die quälende Frage. Die Stunden schwinden, es ist weder Tag noch Nacht. Die verborgene Sonne scheint irgendwo in ihrer Planetenbahn ins Stocken geraten und graues Halbdunkel, das herrschende Element auf Gottes Erden geworden zu sein.. Von einer dunklen Kraft getrieben, irrte ich immer weiter und weiter. Zu beiden Seiten des Weges wuchsen nur alte Weiden, die unter der Last der herabhängenden Zweige, die sich weinerlich zur Erde senkten, zu stöhnen schienen, ln den Höhlungen dieser von Würmern ausgefressenen Weiden nisteten hre und da Eulen und allerlei nächtliche Raubvögel, die mitten in der Finsternis die Luft mit ihrem triumphierenden Geschrei erfüllten. Im Durcheinander mit den gebrechlichen, hinfälligen Weiden wuchsen junge, magere, und so dicht nebeneinander gepflanzte Weidensträuchcr, dass es mir schien, als hörte ich unterirdische Seufzer ihrer vom gicgeseitigen Kampf ums *Dasein entkräfteten Wurzeln. Aus dem Dickicht der Bäume drang an mein Ohr das Murmeln eines nahen Bächleins, aber auch in diesem Gemurmel hörte ich dumpfe Seufzer und Schluchzer, •!יזיין **«ז!! וייוי. 1 1 ■jfrf