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Jüdische Rundschau · 1905-01-06 · Heft 1 (6.1.1905) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 1 (6.1.1905)
Date
1905-01-06
Page
Seite 3 (sequence 8)
Language
German
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No. 1 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3. 4tnd dass diese Juden mit aller Gewalt die russischen ,Werte bei einem Kurse, erhalten, der den tatsächlichen Verhältnissen nicht entsprechen dürfte. Es ist eine schwere Verantwortung, die die Börse auf sich nimmt, indem sie viele Millionen deutscher Arbeitswerte in russische Papiere hineintreibt, die damit dem deutschen Volke unwiederbringlich yerlorcn gehen. Da sind die Kaffem und Hottentotten von Südafrika patriotischer und verständiger. Denn sie verstehen die welthistorische Bedeutung zu. würdigen, die.der Fall des Zwingasien an der Strasse von Petsc’.nü hat. Die Kaffern und Hottentotten empfinden, aui welcher Seite Recht und Gerechtigkeit sind, denn sie sind arm und unterdrückt. Wir zweifeln nicht, dass eine andere Zeit die Auflegung einer Anleihe für einen Neutralitätsbruch ansehen wird; denn im Kriege ist Geld ein ebenso wichtiges Hilfsmittel wie Soldaten. Schon jetzt tragen daher die Begünstiger und Zeichner der russischen Anleihe eine Mitschuld an dem Morden in Ostasien. Denn wenn das Publikum Charakter und Verstand genug hätte, wegen der geringen Aussicht auf Verzinsung seine Hände von der Anleihe zu lassen, so würde der Misserfolg Zweifellos unmittelbar zum Frieden führen. Also, wer Beihilfe zum Morden leisten will, gehe hin und zeichne! Heinrich Sachse. Mitteilungen vom Zentralbüro _ der Zionistischen Vereinigung _ I für Deutschland. ' 1. Das Zionistische Verbandsbüro der Hansestädte bittet um Zusendung von Kleidungsstücken für mitteilose Auswanderer. Wir verweisen auf Inserat in der heutigen Nummer. 2. Wir weisen hiermit nochmais auf die Subskription hin, die für das geplante Buch: Aufsätze von Moses Hess, eröffnet ist und bitten die Subskription unserem Schatzmeister, Herrn Max Wollsteiner, Ber- 1 in NW. 23, Holsteiner Ufer I0t rechtzeitig anzuzeigen. 3. Von den deutschen Mitgliedern des A.-K. sind die hatte. Dahinter erhob sich ein abgerundeter kuppclartiger Bcrgkegel mit üppiger Vegetation. Die klare Luft liess jede Partie des Berges so genau erkennen, dass wir glauben konnten, er sei in unmittelbarer Nähe. Man begreift daher unser Erstaunen, als wir erfuhren, dass dies Dschabal-at-TOr sei, der Tabor der Bibel, von dem wir mindestens eine Tagereise entfernt waren, dessen über 1500 Fuss hoher Gipfel die dazwischen liegenden niedrigeren Ketten überragt. Links erhob sich eine höhere Bergkette, die ebenso wie das gerade vor uns liegende Land mit schweren Gewitterwolken verhängt war. Wir hatten das seltene Schauspiel, wenigstens eine Stunde lang an der Grenze eines subtropischen Ge־ witters ciinherztireiten, während das übrige Land sich des schönsten Sonnenscheins erfreute. Der Weg, der häufig an Ruinen und durch Haine von wildwachsenden Oliven und Anisstauden hindurchfiihrt, wird Immer schmäler und steiniger, bis er endlich nur noch eine Vertiefung von einem halben bis dreiviertel Fuss Breite darstellt, die mit Kieselsteinen ausgefüllt ist. Hier kann ein Fussgängcr selbst mit gutem und bestem Schuhzeug nur langsam , von der Stelle kommen. Die arabischen Pferde aber verlangsamen nicht einmal ihren Gang, und mit ihnen läuft der barfüssige bis an die Hüften nackte Herren Prof. W a r b u r g und Rechtsanwalt Dr. B 0 - d e n h e i m e r nach Wien abgereist; die Herren Dr. Friedemann und Dr. Klee sind verhindert, an der Sitzung des A.-K. teilzunelmen. , 4. Cassel. Herr Rechtsanwalt Gronemann, Hannover, spricht am 8. Januar in unserer Ortsgruppe über: ״Der Zionismus und die deutschen Juden“. Auswärtige Gesinnungsgenossen •sind sehr willkommen. Der Ton in der Parteipresse Es ist ein nobile officium jedes von der Partei herausgegegebenen und unterstützten Bla'ttes, Diskussionen zwischen Partec'genossen in Formen zu erörtern, welche in der Oenentlichkeit keinerlei Anstoss zu erregen geeignet sind. Von diesem Gebrauch sollte dann am wenigsten in den offiziellen Organen der zionistischen Bewegung abgewichen werden, wenn in ihnen die verschiedensten Meinungen, die über die zukünftige Gestaltung der Führung unserer Bewegung letzt herrschen, erörtert werden müssen, wenn anders die Zukunft unserer Bewegung sich gedeihlich gestalten soll. Wir selbst haben oft genug aus diesem Grunde Schürfen zurückgewiesen und sogar mit unserer eigenen Meinung zurückhalten müssen, weil wir uns bemühen, das grosse Interesse der Sache über die kleinen Persönlichkeitshiteressen zu stellen. Das Gleiche setzen wir selbstverständlich von allen unseren Parteiorganen voraus. Wann und wo das nicht der Fall ist, diirien wir im selben Interesse der Sache es nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, wie verderbüch eine solche Taktik für den Frieden in der Partei werden muss. Seit einiger Zeit nun ist eine lebhafte Debatte über die zukünftige Gestaltung der Führung im Gange. Es sind verschiedene Vorschläge gemacht und in sachlicher Weise erörtert worden. Ohne dass wir gegenüber den bisher geäusserten Meinungen in irgend einer Weise hier Partei ergreifen wollen, können wir nicht darüber hinweg sehen, dass in die Diskussion ein Ton hineingetragen worden ist, welcher gegenüber dem Ernst der Sache nicht würdig ist. Schon vor Wochen fanden sich in einem Artikel gegen den Vorschlag, den Sitz des A.-K. nach London zu verlegen, sehr bedauerliche und unnötige Schärfen. In der letzten Woche aber ist der Ton derartig geworden, dass eine entschiedene Abweisung allein am Platze ist. Was soll man dazu sagen, wenn sich in einem saclülch unbedeutenden Artikel Ausdrücke finden, wie ״kühne Anrempelung Mukari um die Wette- Nach einer kleinen, Verhältnismässig gnädig vorübergehenden Regenhusche sehen wir das Städtchen Er-Rama vor uns, das seinem Namen ״die Höhe“ alle Ehre macht. Zwischen weitgedehnten, schlecht gepflegten Baumgärten, die mit zwei bis drei Meter hohen Kaktushecken eingefasst sind, liegen eine grosse Anzahl schwarzer Lehmhütten, die man unbefangencr Weise für grosse Bienenkörbe halten würde. Hinter ilincni erheben sich einige grössere viereckige Häuser aus Lehniziegcln, die mit Stroh und Moos bedeckt sind und alle werden von etwa, vier oder fünf quadratisch gebauten, rohen Steinhäusern überragt, von deren flachen Dächern aus man den entzückendsten Blick über die Landschaft haben muss. So armselig auch Räma ist, so gewährt es doch lang hingestreckt am Bergeshang einett so romantischen Anblick, dass, wer es einmal gesehen hat, es nie wieder vergisst. Von Er-Rama an wird der Weg steiler und noch steiniger, so dass die Pferde, die bisher noch trabten, Schritt gehen müssen und nur seltene Gelegenheit haben, eine kleine Strecke eine schnellere Gangart einzuschlagen. .Zu alledem erreicht uns jetzt ein Regen, gegen dea die bisherigen nur ein Kinderspiel waren- Binnen fünf Minuten sind wir buchstäblich bis auf die Haut durch-

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