Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1905)
- Date
- 1905-01-06
- Page
- Seite 2 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1. t I י I 1? t f \ i 1 1 j ן Seite 2. JÜDISCHE RUNDSCHAU ' Rasse darstellen, müssen denn doch nicht gar so inferior sein, wie die europäische Welt sie hinzustellen für gewohnlich beliebt. Wir haben niemals an das Vorhandensein superiorer und inferiorer Rassen in geistigem imd moralischem Sinne glauben können, ohne freilich den Wert zu verkennen, den eine ererbte Kultur für ihren Träger hat. Aber die Völker mit alter Zivilisatkm allein sind nicht die Träger der Kultur für alle Zeiten. Und wie cs eine Zeit gab, in der das Jüdische Volk am Abschluss einer anderhalbtausendjährigen nationalen Kulturgeschichte stand, während sich die Germanen eben anschicktcn, sich aus den allerprimitivsten Zuständen mühsam herau.szuwindcn, so wissen wir, dass in jedem Volke und in jeder Rasse der Keim steckt, sich aus sich selbst heraus zu einem Kulturvolk zu entwickeln. Und dass die Hottentotten und Kaffcrn. die man immer nur bevormundet, bekehrt und zur Abwcchslung niedergeknallt hat, nicht in den primitiven Zuständen stehen geblieben sein können, in denen sic in europäischen Blättern erscheinen, das beweist das hohe Mass politischen Verständnisses, das ihnen englische Blätter Zutrauen, und um so mehr, je weniger sie diesen englischen Blättern lieb und wert sind. Die Schwarzen von Südafrika freuen sich der Niederlage der Russen und des Sieges der Japaner. Das geschieht nicht, weil die Moskowiter das Christentum gegenüber den ״heidnischen“ Japanern vertreten, denn die Kaffcrn und Hottentotten sind längst Christen, zum grössten Teile evangelisch, zum geringeren katholisch. Es geschieht niCrht. weil die Russen ״weiss“ und die Japaner ״gelb“ sind, denn die rassenhafte Unterscheidung dieser kämpfenden Völker ist für die Schwarzen eine sehr . problematische, und der Neger und Bantu dürfte kaum imstande sein, die Hautnüancen zwischen dunklem Weiss und saubrem Gelb zu bemerken. Es geschieht, weil unterdrückte Völker instinktiv fühlen, auf welcher r:ii* das Recht ist. So ist es kein Zweifel, dass jedes von den Europäern gewaltsam niedergehaltene Volk im tiefsten Herzen empfindet, dass alle Herzenshärte, die europäischer Rasscndünkel in seiner Kultur- und Humanitätsheuchelei je geschaffen hat, in Russland ihren reinsten Vertreter findet. Die Tataren und Finnen, die Deutschen und Letten, alle die zahlreichen unterdrückten Nationen im weiten Gebiete des Russischen Reiches Ein Ritt durch Galliläa (Nachdruck verboten.) (Schluss) Dieser Chan besteht aus einem grossen einstöckigen Gewölbe, in dem Tier und Mensch mit ihren Waren Schutz gegen die Unbilden des Wetters finden. Es ist eine fromme Pflicht, die der Koran seinen Gläubigen ein“ schärft, solche Chane zu Nutz und Frommen der Reisenden und Pilger zu bauen. Auf einer grossen aus Stroh geflochtenen Matte fanden wir eine kleine jüdische ״Kolonialgcsellschaft“, die hier, ihr Frühstück einnahm und uns zur Teilnahme einlud. Sie kamen aus der Gegend von Safed und reisten nach Sichron-Ja’aköb, wo der eine von ihnen, ein Herr aus Strassburg i. E., seine Hochzeit feiern wollte. Es war der Unteradministrator Worinser von Rosch-Pinnah. Hier wurde nun der Fall unseres Kameraden vom Pferde gehörig belacht und den Wein- und Kognakflaschen tapfer zugesprochen. Daneben hatte sich ein bedeutender Teil der arabischen Dorfbewohner versammelt, teils um dem Jüdischen Picknick zuzusehen, teils um für unbedeutende Dienste und Handreiche einen kleinen Bachschisch zu erhalten, oder um Melonen und Früchte zu verkaufen. Auch ־wir schafften von unsern i atmen erleichtert auf, weil sie hoffen, dass die gewaltj same Russifizierung ein wenig, vielleicht gar um ein Be- ] deutendes nachlassen muss. Aber auch' die Russen | selbst, die nicht gerade zur herrschenden Klasse ge- J hören oder an der Staatskrippc stehen, schöpfen Atem S unu hoffen, dass die Hand des Pharao weniger schwer I auf dem Volke liegen werde. Die evangelischen Deutschen und die katholischen Polen blicken empor, ob ihre in Russland verfolgten Kirchen nicht freier sich entwickeln dürfen. Und sogar die Unterdrücktesten der Unterdrückten, die russischen Juden, deren kräftigste Jugend auf den Schlachtfeldern bluten muss, die friedlich zu betreten ihnen durch eben d i e Regierung verboten ist, für die sie in den Kampf und in den Tod gehen, haben eine leise Hoffnung, ob nicht aus dem Massenmorden im fernen Osten für sie die Sonne nicht gerade der Freiheit, aber die einer gewissen Duldung aufgeheu werde. In diesem Augenblicke ist es doppelt unbegreiflich, dass sieh Leute finden können, die der Gerechtigkeit dudurch in den Arm fallen, dass sie sich dazu hergebeu, das völlig in allen Fugen krachende russische Gewaltreich zu stärken und zu stützen. Denn die Finanzierung der russischen Anleihe ist nichts weiter als die Stärkung ' Russlands im Kampfe gegen die von ihm unterdrückten! Völker, als eine Hilfe für das Element, das die Finnen und Schweden in Russland der verfassungsmässigen Freiheiten beraubt, die( deutschen Hochschulen in russischnationalc Zwangsanstalten verwandelt und das die Juden von Kischincw und Hornel gemordet hat. Juden, die sich daran beteiligen, handeln ebenso unjüdisch, wie Deutsche, die auf diese Weise ihre baltischen Brüder der russifizierenden Gewalt ausliefern., an der deutschen Nation Verrat üben. Gerade in dem Momente, wo die deutsche Regierung augenscheinlich sich vom Russenkurs entfernt, ist es von deutschen Juden ebenso unpatriotisch wie unjüdisch, sich an der Finanzierung der Anleihe zu beteiligen, die den russischen Staat Deutschland gegenüber unabhängig macht und die Juden seiner Willkür noch mehr auslielert Es ist mehr als widerwärtig mitanzusehen, dass der Fall Port Arthurs, der die Nicht!׳:•■ keit russischer Werte im hellsten Lichte erscheinen lässt, an der Berliner Judenbörse keinen Eindruck machte, Vorräten in den Chan, und luden nunmehr gegenseitig zum Zugreifen ein, während draussen den Tieren vom Mukari das Futter gegeben wurde. Nach einer Stunde gemütlichen Beisammenseins, wobei mancher Tropfen auf das Wohl des reisenden Bräutigams geleert v'urde, machten wir uns wieder reisefertig, und mit herzlichem Abschicdsgrusse trennten wir uns. — Ich ritt mit einem Freunde voraus das Dorf entlang. Wir waren aber nicht sehr erbaut davon, dass wir am andern Ende des Dorfes der gesamten Jugend zu einem willkommenen Spiele und angenehmer Zerstreuung dienten, sich nämlich an uns im Zielen bei Steinwürfen zu üben. Ich drohte ihnen mit der Reitpeitsche, erreichte aber nur, dass sie mit einem schallenden Gelächter und erneutem Steinhagel erwiderten, als mein Kamerad, der solche Situationen schon öfters erlebt hatte, zu einem kritischen Mittel griff. Er nahm seinen Operngucker, legte ihn wie ein Revolver an, und zielte mitten in den Schwa rin. Die so bedrohten Knaben flohen eiligst von dannen und wir setzten unangefochten die Fahrt fort. Dar-al-As°ad blieb links iiegen, und wir durchritten ein Längstal, das uns allmählich aufwärts führte. Rechts begleitete uns ein Höhenzug, der über sich den blauesten Himmel und lachenden Sonnenschein יי.«*. ׳־י ■*חיי I ן 1 M *׳״ ייי״^י^■" * «pW■*• י^יי f