Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 52 (30.12.1904)
- Date
- 1904-12-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2651341-2651393--01943-2658824- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 32, «• ms»**.#*«*«* י־ JÜDISCHE RUNDSCHAU paganda-Arbeit ׳in Kitzingen eröffnet und durch den Vetlauf günstiger Boden geschaffen. Eine grössere öffentliche Ver- Sammlung wurde allseits Gewünscht; dieselbe, wird, sobald als tunlich, auch folgen. Nürnberg. 21. Dez. 04. Die Zionristen von Nürnberg- Fürth treffen sich wöchentlich am Dienstag Abend in Fürth im Caf6 Kurländer und am Samstag Abend in Nürnberg im Cafö Habsburg, in welchen Lokalen auch zionistische Blätter aufliegen, worauf wir durchreisende Gesinnungsgenossen aufmerksam machen. BerUn. In der Schrift unseres Gesinnungsgenossen Dr. Hoppe (Königsberg) ״Nichtjudcn über den Zionism u s" wird ein zionistischer Aufsatz, der im ersten Jahrgang der ZEIT erschienen ist, als von Dr. Friedrich Naumann stammend, angegeben. Das ist völlig irrtümlich. Der Artikel stammt von einem Juden, der mit ״Ben-Israel‘‘ Unterzeichnete. Dr. Friedrich Naumann glaubt in der Frage des Zionismus, als einer intern jüdischen, keine Partei ergreiien zu dürfen. Die ZEIT nahm den Aufsatz zum Zweck der Oricntierung ihrer Leser über die Absichten der Zionisten auf, hat sich selbst aber in dieser Frage keineswegs gebunden. 3M Rundschau K££X Bemerkungen eines evangelischen Theologen über das jüdische Volk, Im Jahre 1799. ״Die jüdische Natur :st die einzige von allen, d e ihre Existenz seit dem Anfang der Dinge dokumentieren kann. Die Juden stehen da als ein einziges, unvcrmischtes, grosses Volk. Ihre Geschichte läuft deutlich und genau von Anfang durch j alle Jahrhunderte fort. Sie konnten fiberwunde:■, aus ihrem | Lande weggeführt als Gefangene und Sklaven behandelt, sogar unter alle Völker unter dem Himmel zerstreut und von denselben verfolgt und hart gedrückt werden; aber vertilgt konnten fic nicht werden. Sie blieben eine eigene Nation. In jeder Epoche., in jedem Weltteil, und unter jedem fremden Volk dieselbe. Sie behielten ihre Sprache, ihre hedigen Bücher, ihre national- und gottesdienstlichen Gesetze. Selbst die Völker, welche ihre Ueberwinder und Unterdrücker gewesen waren, traten, eins nach dem andern, vom Schauplatz der Erde ab, und wurden unter neu entstehenden Nat:or.cn gemischt, und vergessen. Auch das Land, welches das jüdische Volk als sein geheiligtes Eigentum betrachtete, konnte diesem Volke zwar genommen werden, aber (in der Tat, ein merkwürdiger Umstand, der in der Wcltgescliichte gewiss der einzige seiner Art ist) das Land Kanaan konnte, seitdem Josua die alten Bewohner aus demselben vertilgt und vertrieben hat, von keinem Eroberer, von keinem fremden Volke benützt werden. Auch selbst die Römer, diese weisen und glücklichen Staatsmänner, die ganz wilde Nationen umbiideten und ihre Wüsteneien in blühende römische Kolonien verwandelten; das Land Kanaan konnten sie nicht wie andere Länder behandeln. Sarazetier und Türken Hessen das Land in der Verwüstnug! So blieb es auch bei den vergeblichen Kreuzzügen christlicher Völker. So liegt es noch jetzt da! Es gehört den Juden! Einem anderen Volke sollte es nicht als ein kultiviertes, gesegnetes Land gehören. ־— Müssen sie sich nicht als das erste Volk auf der Erde betrachten? Muss es ikfien nicht ein bleibender Schmerz sein, andere, überall jüngere Nationen auf dem Erdboden possess'omcrt zu sehen, auf w׳elchem sie nur Fremdlinge sind, und unter ihnen zerstreut zu leben, und von ihnen Druck und Verachtung zu leiden, da doch ihr Land (vielleicht immer noch Ihnen aufgehoben) gleich einem verschlossenen Hause abwesender Erben unbewohnt daliegt und die Rückkehr seiner eigentlichen Bewohner zu erwarten scheint! ־— Ich habe die Juden als das älteste Volk auf der Erde vorgestellt. Man kann noch weiter gehen und sagen: Die Juden sind das einzige *eigentliche Volk", denn seit welcher Zeit Seite' 467. sind die anderen Nationen, was.sie jetzt sind? Oder, w׳cnn sic eigentliche Nationen waren: wie lange blieben sie, was sie waren?“; ' Aus der Schrift: Ueber das Handschreiben einiger Hausväter jüdischer Religion an den Herrn Oberkonsistorialrat Teller und die von demselben darauf erteilte Antw׳ort; Leipzig 1799. Mitgeteilt von Max Wolisteiner, Berlin. Aus Russland r*-; Klschinew, 25. November. Der wegen seiner GercchtijQ keit sehr beliebte Gouverneur von Bessarabien. Fürst Sergci Dmitrijcwitsch Urussoxv, ist nach kurzer Amtstätigkeit in diesem Gouvernement nach Twer versetzt worden. Zur Abschiedsfeicr für denselben waren aus allen Städten und Dörfern Bcssarablcns Abgesandte jüdischer Gemeinden nach K’lschinew gekommen. Die Feier fand heute in der Chor-Synagoge an der ״Talmud-Thora” statt. ׳ Der Saal konnte die Ar.wesenden kaum fassen. Um 12'־i Uhr erschien im Tempel der Fürst mit seiner Gemahlin und seinen Kindern. NacF dem Bogrüssungsgcbetc überreichte der Prediger Kotlowker dem Fürsten als Geschenk der jüdischen Gemeinde eine Prachtausgabe des alten Testamentes in russischer Übersetzung. Nach dein Gottesdienst wurden dem Fürsten Adressen von der Kischiuewer jüdischen Gemeinde und von den Juden der Städte und Dörfer Bcssarabiens unterbreitet. Der Fürst nahm die Biboj mit Dank und bemerkte in seiner Ansprache u. a. folgendes'. ״Ich werde daran denken, dass Ihre Bibel, welche die Quelle der religiös-ethischen Gesetze der Mehrzahl der Kulturmen-! sehen bildet, ein Werk des jüdischen Geistes, die Geschichte j des grossen jüdischen Volkes darstelit. und dass dieses Volk, nachdem cs die erste Epoche sehier Geschichte durchlebt und anderen seine geistigen Schütze übergeben hat, sich in der galtzen Welt zerstreut und nicht aufgehört hat, der Menschheit grosse Männer auf allen Gebieten des Gedankens und der Tat zu schenken. Ich bemerke ferner, dass die Juden ein lebend'gcs. tätiges und talentvolles Volk sind, und dass das Schicksal auch jetzt noch nicht seiten die Juden zuin Werke des Fortschritts in den verschiedensten Gestalten wählt. All diese Tatsachen dürien bei Beurteilung der Rolle der Juden im jetzigen Leben nicht vergessen bleiben. Nicht in den Nichtigkeiten, die uns alltäglich vor Augen treten, sondern in den allgemeinen breiten Zügen des geschichtlichen Lebens unseres Volkes müssen wir einen Stützpunkt zur richtigen Beurteilung der jetzigen Juden suchen. •Was meine persönlichen Eindrücke während meiner Tätigkeit in Bessarabien anbelangt, so muss ich sagen, dass ich nichts als Gutes von ihnen gesehen habe. Ich erkannte bald Ihr Vertrauen zu mir, und dieses Bewusstsein hat mir die Rcgierungsanfgabe, die Infolge der unnii.telbar vorhergegangonen traurigen Ereignisse sehr schwierig' schien, erleichtert. Sie haben begriffen, dass die Wildheit und. die Bestkilität die im vorigen Jahre in Kischiaew Ausdruck fanden.^ jeden ehrlichen Russen empören mussten, und sic haben auf den Vertreter der Regierung — der sie nicht zu schützen vermochte — das natürliche Gefühl des Verlctztse'ns und der Empörung über den schändlichen Ausbruch der Leidenschäften, hervorgerufen durch Hass einzelner Personen und unterstützt von bösen Instinkten der Masse, nicht übertragen.’ Noch mehr, sie drücken mir jetzt ihre Dankbarkeit ans. an' deren Aufrichtigkeit ich nicht zweifeln ‘kann, für einfachste Pilichteriüllung und Gerechtigkeit, die ja für jeden Menschen selbstverständlich sind. Indem ich die Wünsche des Herrn Pred'gers beantworte, bemerke ich, dass es mir höchstwahrschcuib.ch noch beschiedcn sein wird, an Arbeiten, welche die jetzige Stellung der Juden betreffen, teilzunehmen. Wollen wir hoffen, dass diese Lage sich zum Guten wenden wird, und dass wir. Indem wir für das Wohl des Vaterlandes arbeiten, auch zur Besserung des ihrigen beitragen werden.“ ־ Die jüdische Bevölkerung von Kischinew hat beschlossen, im jüdischen Krankenhause ein Bett zu Ehren des Fürste« Urussow und ein Stipendium auf seinen Namen zu stiften. Berichtigung, ln der Notiz aut S. 456, Spalte 2, Zeile 3 v. o., der vorigen Nummer Ist zu lesen: ״ ... Leova (Bessarabien) je 1000 Rubel, Wolbrom (Gouv. Kjelze) 1000 Franken.“ Falsches Spiel Wie richtig es ist, wenn wir unsere grössten und schwierigsten Gegner nicht unter Andersnationalen, sondern in unseren Reihen suchen, und wie uns stolzes selbstbewusstnationales Auftreten nur Achtung schafft, zeigt ein an sich unbedeutender Vorgang in Tcplitz-Schönau, über den. die JÜDISCHE VOLKSSTIMME berichtet. Dem Jüdischen Völksverein des genannten Ortes, w׳ar plötzlich von den beide«