Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 52 (30.12.1904)
- Date
- 1904-12-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit» 464. JÜDISCHE RUNDSCHAU._No, 52. 4* *•*-״־״״ zu nennen. ״System" wäre Dezentralisation schlechthin. Die haben aber neben mir andere vorgeschlagen. Also für welches System gilt die Folgerung? ... Ich will nicht einen solchen Schlusssatz schreiben, wie Herr Dr. Kokcsch, der als A.-K.־Mitglied eigentlich über den Parteien thronen sollte — mir war es' lediglich um die Sache zu tun. Hugo Schachtel. Zum 30. Todestage von Moses Hess Am.6.. April 1905 wird sich zum 30. Male der Todestag von Moses Hess iähren. Es wäre eine Undankbarkeit, wenn wir Zionisten diesen Tag vorübergellen Hessen, ohne unseres früheil Vorkämpfers zu gedenken, Er war cs, der sich in einer Zeic schnöden Abfalls und traurigen Indifierentisnuis die Liebe zum angestammten Volkstum bewahrt hatte, und der in den hitzigen Kämpfen der Neureform und der Neuorthodoxie klar und scharf erkannt hatte, was die konfessionellen Gegen- Parteien einte: Die Loslösung von nationalen Banden. Sollte der Hader nicht zur Spaltung und somit zur Auflösung unserer Gemeinschaft führen, dann musste wieder der nationale Gedanke und das Volksbewusst sein zum Angelpunkte unseres Seins und unseres Handelns werden. Erst die geweckte und die gefestete Erkenntnis unserer Gemeinschaft als einer nationalen konnte die Voraussetzung für eine gesicherte Entwickelung geben, die uns fortschreitend im Geiste der Zeit bereichern muss. Diese Grundgedanken, die Hess in seinem Werke: ״Rom und Jerusalem, die letzte Nationalitätenfrage״, ausgesprochen hat, haben sich in der Folge als Iebensfähig und iebenerwcckcrd erwiesen. Haben sich auch tnanebb seiner Hoffnungen nicht erfüllt, ist 'auch die Zeit über viele seiner philosophischen Ansichten hinweggeschritten, seine Kernanschamtngen über die nationalc Struktur unserer Gemeinschaft sind die Grundfiinclafncnte unserer zionistischen Ucberzeugung geworden. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland betrachtet es daher als ihre Ehrenpflicht, Moses Hess ein Efinneruhgsmal zu setzen. Sie will die zahlreichen jüdischen Aufsätze und Essays von Moses Hess der unverdienten Vergessenheit entreissen. Die Arbeiten sind zum Teil Streitschriften, die bei Gelegenheit seines Hauptwerkes entstanden sind, zum anderqn Aufsätze allgemein indischen Inhaltes, philosophischer, kritischer und historischer Art. Sie werden den Wahn zerstreuen, als wäre Hess kurz nach dem Erscheinen seines ..Rom und Jerusalem“ ein Apostat seiner unter schweren Seelcnkärnpfen errungenen jüdischen Ucberzeugung geworden. Dr Sämmeiband. den Dr. Theodor Zlocisti zusammchstdien und cirileifcn wird, kann aber nur dann in würdiger Form erscheinen, wenn die bedeutenden Herstellungskostcn gedeckt werden. Wir haben deshalb beschlössen,* eine Subskription auf den mindestens 20 bis 25 Bogen starken Band auszuschreiben. Der Subskriptionspreis ist trotz des grossen Umfanges nur auf 1.50 Mk. angesetzt worden, statt auf 3 Mk. Buchhändlerpreis.. Der Subskrintionspreis ist bis zum 15. Januar 1905 an unseren Schatzmeister. Herrn Max W o 11 ־ Steiner, Berlin NW. 23, Holsteiner Ufer 10. zu senden. Die Auslieferung der Bände erfolgt bei genügender Beteiligung im Monat März. Wir hoffen bestimmt, dass kein Zionist es versäumen wird, an seinem Teil das Erscheinen dieses Werkes zu *ermöglichen. Wir ehren uns selber, indem wir zu dieser literarisehen Ehrung unseres grossen Vorkämpfers beitragen. Zionistische Vereinigung für Deutschland. * **’ Rechtsanwalt Dr. Bodenheim er, Dr. E. Adler, Dr. Alfred Elias, Dr. Adolf Friedemann, Rechtsanwalt G r o n e ni a n n, Dr. H a 1 p c rh, Rechtsanwalt Dr. H a n t k c, Dr. Kaufmann, Dr. Alfred Klee, Dr. Julius Moses, Zahnarzt Schachtel, Gustav Wolff, David Wolffsohn, Dr. Th. Zlocisti. Typen und Gegensätze Wer die ZUKUNFT von Zeit zu Zeit zu lesen pflegt, wird sich nicht darüber wundern, dass Freunde und Anhänger der parlamentarischen Politiker aller Richtungen die Tätigkeit des Herrn Harden, milde gesagt, nicht für crspriesslich erachten. Weder die konservativen noch die sozialdemokratischen oder gar die liberalen Parteien werden von den Leitartikeln und Notizbuchbcmcrkuugcn des Herausgebers dieser echt Berliuischen Wochenschrift sehr erbaut sein.*) Ich besitze weder Eignung noch Neigung, das Berechtigte an dieser wohl weit verbre'teten Ansicht zu bestreiten, obschon ich kein Parteiurteil gegen den gelehrigen Schüler Sainte* Beuves unterschreiben möchte. Indessen, so gewiss auch judenfreunäfche Parteien und einzelne Juden und meinetwegen sogar jüdische Klassen sich über die Tendenz der ZUKUNFT zu beklagen haben, die Zionisten speziell müssen es wohlweislich unterlassen, in dieses jüngst wieder oft gehörte Horn zu stossen; gerade sie müssen cs verschmähen, die landläufigen Vorwürfe gegen den ..prcuss'schen Junker Isidor Witkowski" zu erheben,• da sie nicht nach Sympathie oder Antipathie ihre Urteile iäüen dürfen. Das hat seinen guten Sinn und entbehrt nicht eines tiefem Grundes, wie man gleich sehen wird. Weil aber die JÜDISCHE RUNDSCHAU in hoc puncto bereits einer andern Auffassung gehuldigt, und weü obige Behauptung von manchem sonst braven Leser gar Maximilianischcr Ser.־ sationslfistcrnlu-it bezichtigt werden konnte — Ort sowie Art und \Ve;sc der VcröifentFchung dieser Zeilen werden einen solchen Verdacht gegen den Autor kaum auikornmen lassen — so muss etwas weiter ausgeholt werden. Hardcns heftige Befehdung der liberalen Parteien, die zinTdüg judenfreundfeh waren, soll hier nicht in Betracht gezogen werden, obschan er sich durch se’ne Diatriben gegen Richter und Rickert wohl hauptsächlich den ihm etwa zu teil gewordenen Hass der Juden zugezogen hat. Nur spezifisch jüdische Angelegenheiten sollen hier ins Auge gefasst werden, durch deren eigenartige Besprechung ei *ich die Bezeichnung des antisemitischen Juden erworben hat, um derentwillen aber gerade die Zionisten ihn nicht zur Rechenschaft ziehen dürfen. Oder sollten sic verlangen, dass sich die ZUKUNFT für die Rehabilitation des Capitaine Dreyius hätte ins Zeug legen sollen! Was ist uns die Aftairc Dreyfus? Ein leuchtendes Beispiel dessen, was zionistische Reden und Federn ein Decenniiirn sehen und länger unablässig und unermüdlich verkündet, ein signifikantes Symptom einer wirtschaits- und soziaipolitisehen Entwckclung, der die national-jüdische Bewegung keineswegs verständnislos gegenübersteht, ein so auffälliges Syipptom, das es auch dem blödem Auge sichtbar wird. Mehr als diese symptomatische Bedeutung können wir dem Excapitaine und der Tcufclsinscl nicht beimessen. Deswegen Himmel und Erde und alle Zeitungen, so sie füllen, in Bewegung zu setzen, Ist nicht zionistische Aufgabe. Oder soll es die jüdische Partei der Selbstkritik, die zu sein die Zionisten.sich rühmlich bemühen, dem Herrn Harden verübeln, wenn er schädliche Auswüchse der sogenannten Juden- *) Wir geben* dieser Meinungsäusserung eines geschätzten Gesinnungsgenossen Raum, ohne uns natürlich־ in allen Punkten mit dem Artikel zu identifizieren. Die Red, :•■׳׳