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Jüdische Rundschau · 1904-12-30 · Heft 52 (30.12.1904) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 52 (30.12.1904)
Date
1904-12-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Ko. 52 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 463. die Ausführungen Kokesch’s .... peinlich, weil sie im Effekt den einen zugunsten von anderen herabsetzend ז Die Redaktion der WELT schickte Herrn Schachtel den Artikel am 27. November 1*90-1 zurück und Herr Doktor Werner schrieb Ihm bezüglich des zitierten Absatzes folgendes: r *Bezüglich Ihres Artikels möchte ich Ihnen noch׳ einige Worte sagen. In seinem Artikel hat Dr. Kokesch unseren verstorbenen Führer• sicherlich nicht herabsetzen wollen. Er wollte nur zeigen״ dass in der Theorie nach den Bestimmungen des Statutes auch ein anderer zum Präsidenten hätte gewählt werden können. Es handelt sich mir um den Wortlaut des Statutes und nicht um die faktischen Verhältnisse. Dass tatsächlich Jemand anderer als׳ Doktor Herzl hätte gewühlt werden können, ist Dr. Kokesch nicht eingefallen, von ihm auch mit keinem Worte angedeutet worden. *Wenn man hätte wollen, hätte man auch einen anderen wählen können." Das Statut wäre seinem Wortlaut nach kein Hindernis gewesen. Daraus folgerte Doktor Kokesch, dass unser Statut nicht auf den Leib’Dr. Herzls zugeschnitten sei, also jetzt auch nicht geändert werden müsse. Ob diese Ansicht stichhaltig sei, darüber will ich mich gar nicht äussern, wohl aber richtigstellen, dass mit diesen Ausführungen eine Herabsetzung Dr. Herzls nicht beabsichtigt war und auch nicht daraus gefolgert werden konnte. Uebrigens ist es mehr als merkwürdig, wenn Sie annehmen, dass ich, so lange ich in der Redaktion der WELT sitze und mit ihrer Leitung betraut bin, irgend welche Herabsetzung!Herzls in diesem Blatte — und käme sie von wem immer — zulassen würde." Herr Schachtel bestätigt diese Zuschrift mit Brief vom 28. November a. c. Nachdem Herr Hugo Schachtel diese Aufklärung erhalten und bestätigt hat, lässt er seinen Artikel mit dem zitierten Absalz wortwörtlich in der Nummer 49 dieses Blattes erscheinen. Die Leser mögen mich entschuldigen״ wenn ich in dieser zum Teil persönlichen Sache das Wort ergriffen habe. Es lag in der Konstruktion des Herrn Schachtel zumindest der Vorwurf der Taktlosigkeit, wenn ich als einer der ältesten Mitarbeiter Herzls Um kurz nach seinem Tode in dem von ihm gegründeten Blatte angegriffen oder herabgesetzt hätte. Das konnte ich auf mir nicht sitzen lassen. Wie übrigens das grosse, unvoreingenommene zionistische Publikum meine Organisationsartikel aufgefasst hat, soll eine von den Zuschriften zeigen, die ich anlässlich der Veröffent- Uchong dieser Artikel erhalten habe. . Ich zitiere eine Zuschrift gerade aus Deutschland, von ganz objektiver Seite» weil von einem Manne herrührend, der ausserhalb des Parteigctrlebes steht und den ich persönlich nicht kenne. Diese Zuschrift lautet: ״Herrn Dr. 0. Kokesch per Adresse Redaktion der WELT r ־ Wien, IX., Türkenstr. 9. ״ Sehr geehrter Herr Doktor! Gestatten Sie einem Nichtjuden, der aber regen Anteil an der zionistischen Sache nimmt, Ihnen seinen Beifall zu Ihrem Artikel ״Zur Organisationsfrage" in Nr. 45 der WELT auszusprechen. Mögen die nervösen Geister innerhalb Ihrer Bewegung bescheiden Bismarcks Wort befolgen: ^Quleta non movere". Qrosse Neuerungen müssen sich langsam, harmonisch entwickeln, und nur ein Ihrem Herzl ebenbürtiger Geist wird das Recht haben, dereinst wieder mit dem festen Griff des Qenies in das Triebwerk zu greifen. Mögen dem Zionismus die rechten Mäiyner, möge ihm die rechte Einheit gegeben weiden! Hochachtungsvoll F. Heldner." Glaubt Herr Hugo Schachtel, dass dieser Mann mir in dieser Weise geschrieben hätte, wenn er nur die leiseste Andeutung einer Herabsetzung Herzls In meinem Artikel gefunden hätte? E I n Trost kann aus dieser Kampfesweise geschöpft werden: Es muss um ein System schlecht stehen, für welche* man mit solchen Waffen kämpft. . - *1 ■* Dr. Kokesch.' Die vorstehenden Ausführungen des Herrn Dr. Kokesch, die bereits in voriger Woche in der WELT veröffentlicht waren, veranlassen Herrn Zahnarzt Schachtel zu folgender Replik: - Auf den Artikel des Herrn Dr. Kokesch erwidere Ich: Herr Dr. Kokesch ist ganz unrichtig informiert, wem! er glaubt, dass mein Artikel in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU mit dem von mir der WELT übersandten ״wortwörtlich'‘ übereinstimmt. Im Gegenteil: Gerade In dem allein angegriffenen einleitenden Teil, den fetzt die WELT nach dem Wortlaut der JÜDISCHEN RUNDSCHAU abdruckt, hat vorher, als die WELT das Manuskript hatte, mehr gestanden und vieles ganz anders gelautet. Damit fallen alle Beschuldigungen des Herrn D r. Kokesch völlig in sich zus am men. Anders lautete auch der mir Jetzt so sehr zum Vorwurf gemachte Satz. Der lautete nicht wie jetzt: . . wirken die Ausführungen Kokeschs . . . peinlich, weil sie I m E f f ek t den Einen 7.u gunsten von anderen herabsetzen.“ Der Brei, den mir die Redaktion der WELT, nicht Herr Dr. Kokesch schrieb, klärte mich darüber auf, dass die Wirkung des Kokcsch’sclien Artikels unbeabsichtigt sei, und darum änderte ich manches an dem Artikel, bevor Ich ihn nach Berlin sandte. Der Brief der WELT konnte mir aber nicht die Überzeugung verschaffen, dass die E f f e k t w i r k u n g des Artikels des Herrn Dr. Kokesch eine andere sei, als ich sie zuerst empfand. Erstens hatten andere im Gegensatz zu dem Schreiber des In der WELT wiedergegebenen Briefes genau dieselbe peinliche Empfindung nach der Lektüre jenes Artikels wie Ich. Das wurde mir mündlich und schriftlich bestätigt, von Leuten, die mehr i n der Bewegung stehen als jener Briefsclireiber. Zweitens Hess eine abermalige Lektüre jenes Aufsatzes!:eine:! anderen Eindruck bei mir zurück und darum schrieb ich den einleitenden Absatz zu meinem Artikel so um, wie er dann In der RUNDSCHAU abgedruckt wurde. Diesen Standpunkt nehme Ich auch heute noch ein. Ich bin noch heute der Ansicht, dass jeder, der die anderen Mitglieder des Wiener Aktionskomitees, so viel dankenswertes sie auch getestet haben. Herzl gle:chsetzt. Herzl dadurch herabsetzt. Das deiche gilt von der Behauptung, dass nichts geändert za werden brauche, dass nur ein Einzelner an Herzls Stelle neu emzutreten brauche und alles geht weiter wie bisher. So leicht ist Herzl nicht zu ersetzen: wer das behauptet, setzt ihn eben herab. Dieses einfache Ersetzen Herzls durch einen Einzelnen hat aber Herr Dr. Kokesch vorgeschlagen. Ich gebe zu, dass er Herzl damit nicht herabsetzen wollte. Ich habe das auch gar n'cht in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU behauptet. Aber der Vorschlag involviert eine solche Herabsetzung, weil er am letzten Ende eine Verkleinerung Herzls bedeutet. Grade weil man wusste, dass kein anderer als nur die überragende Persönlichkeit Herzls Präsident sein konnte, brauchte man die Präsidentschaft nicht Im Statut festzulegen. Da aber leMcr uns diese Persönlichkeit nun feHt. muss der Ersatz Im Statut geregelt werden, kann man nicht nur einen Einzelnen bestimmen, der fetzt als Fünfter ins A.-K. eintriit und dann wahrscheinlich noch Rivalitätssireltigkclten za bestehen haben wird, ob er nun oder ein älteres oder ein. hn Alphabet vorangehendes A.-K.-Mitglied präsidieren soll. Ich glaube, Herr Dr. Kokesch wird mich nun verstehen. Jedenfalls hat er aber nicht recht daran getan, sich nur gegen einen Satz meines Artikels zu wenden, welcher Satz In gar keiner Beziehung za meinem V0rschlage steht, sondern eine davon ganz unabhängige Kritik enthält, und dann plötzlich eine Schlussfolgerung zu ziehen für — *ein System".- Welches System? Mei■ Vorschlag kt nicht ״System’•

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