Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1904)
- Date
- 1904-12-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 51. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 457. Pose», Danzig etc. wirken. Im kommenden Jahre wird auch in Sttuttgart ein Filialhcirn mit •I Schwestern eröffnet werden. Meldungen von Schülerinnen nimmt der Vor- Stand, svwie die Oberin, Prl. Rose Blau, Auguststr. 17, entgegen. Jüdische Stiftungen Die beiden folgenden Inserate aus Berliner Tageszeitungen dürften doch für Leser speziell jüdischer Blätter ein ebensogrosses Interesse haben, wie für die Interessenten der VOSS und der MOSSEblätter, weshalb wir sie hier gratis zum Abdruck bringen: Der am 31. Oktober 1890 hierorts verstorbene Herr Heyraann Simon hat in seinem am 11. November 1890 publizierten Testamente ein Kapital mit der Bestimmung ausgesetzt, dass die Zinsen alljährlich, einen! religiös jüdischen notbedürftigen Manne als Unterstützung oder einer re'igiös jüdischen bedürftigen Braut einen Tag nach der nach jüdischem Ritus vollzogenen Trauung ausgezahlt werden. Bewerbungen um Gewährung des Benefiziums sind bis zum 4. Januar k. Js. bei unserer Registratur, Oranienburgerstr. 29, einzusenden. Berlin, den 7. Dezember 1904. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde. Der a!11 16. Dezember 1876 hierorts verstorbene Herr Jacob Simon hat in seinem Testamente vom 18. Juli 1876 ein Kapital •mit der Bestimmung ausgesetzt, dass von den Zinsen alljährlich ״zwei jüdische, ehrenwerte, notbedürftige Männer,“ zunächst aus dem Kreise seiner Verwandtscliaft, gleiche Unterstützungen erhalten sollen. Untersttitzungbediirrtige Verwandte des Testators werden demnach aufgefordert, ihre Gesuche unter Beitügung der Legitimationspapiere bis zum 4 Januar k. J. in unserer Registratur. Oranienburgerstr. 29. abzugeben. Berlin, den 7. Dezember 1904. Der .Vorstand der Jüdischen Gemeinde. Theodor Herzls Nachlass Der mit der Sichtung von Theodor Her/ls literarischem Nachlass . betraute . Schriftsteller Balduin Groller hat seine Arbeiten bereits vollendet. Hs wurde in dem Nachlass kein Werk vorgerunden, das literuririehen Wert besüsse. m't Ausnahme von zwei Novellen, de hei Notaren deponiert sind. Diese Novellen hat Iicrz! seinerzeit bei c:ner Konkurrenz eingereicht, und sie mussten, da d e Konkurrenz noch nicht abgeschlossen ist. bei zwei Notaren deponiert werden. Ausserdem wurde ein interessantes Tagebuch zionistischen Inhalts vorgefunden, in dem Theodor Herzl seine* Gespräche mit Souveränen und hervorragenden Persönlichkeiten über die Gedanken des Zionismus nicdergelcgt hat. ] Ein Pückler-Streich Einen Pückler-Streich wollen die Freisinnigen unternehmen. Sie haben beschlossen, folgende Interpellaton im Reichstage einzubringen: ,.Hat der Herr Reichskanzler davon Kenntnis genommen, dass seitens des Grafen Pückler und seines Anhanges durch Reden in öffcntl'chen Versammlungen und durch Vcrteilung von Flugschriften an öffentlichen Orten '11 Verletzung von § 130 des Strafgesetzbuches in euer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Bevölkeruugsklascsn zu Gewalttätigkcten gegeneinander auigereizt werden?Welche Massnahmen gedenkt der Herr Re chskanzler zu ergreifen, um einer Wiederholung solcher den öffentlichen Frieden gefährdenden Verletzungen der Reiehsgtsctze vorzubeugen?“ ״Fs ist kein Zweifel, schreibt der VORWÄRTS dazu, dass der Dreschgraf entweder ins Irrenhaus oder vor das Strafgcricht gehört. Aber eine unglaubliche Zumutung st es. den Reichstag um des lächerlich tollen Mannes willen m Bewegung setzen zu wollen. Pücklcrs Orössenwahn wird ob solcher Ehrung ins ungemtssene wachsen und die Freisinn gen werden die Kosten seiner Internierung zu zahlen haben.“ ״ ־ Dem VOR- WÄRTS scheint unbekannt zu sein, w׳ i e dringend nötig die Freisinnigen eine Auffrischung ihrer Reputation he gewissen iüdschen Wählern haben: cs zeigt allerdings die beschämend niedr ge Meinung, die man von der Intelligenz dieser Wähler hat. dass man glaubt, sie* durch solche Verzweiflungstaten, wie diese Pücklcr-lnterpcllation, wieder einfangen zu kennen. Aber sehlicsliclt gibt es eben auch Juden, die 11״‘clit all׳: werden“. das Hammerstein öder Karfunkelstein Welcher von den beiden Namen der schönere sei. sich wohl nur im Wege einer Enquete ieststellcn. Fiir Königreich Preusscn ist indessen jetzt durch Votum seiner gesetzgebenden Körperschaft. d׳׳s A b g curdnetc n h a uses. festgestcllt. dass der Name Karfunkelstein humoristisch ist. Der Mi n i s t c r von Hammcrstcin gebrauchte nämlich in der Sitzung von! II. Dezember gelegentlich der bekanntlich mit besonderem Takt geführten Erörterung der Angelegcnheit der russischen Studentin Janina Bärs<m folgende Wendung: ״Sie wurde schliesslich gefunden hei einen! Studcnten, der Karfunkelstein heisst". Dieser Satz, der dem Minister offenbar seihst sehr witzig erschien, weckte denn auch im Parlamente die allgemeinste ״H e i t e r k c i t". Wenigstens weiss kein Bcr.cht anzugeben, dass sie nur von einer bestimmteil Stelle gekommen sei. bei der solche sonderbare Reizung der Lacim.uskclu nicht Wunder nehmen würde. Das ganze preussischc Parlament lacht also, wenn ein Minister, der Hammerstein heisst, spricht von einem Studcnt c n. der Karl unkclstcin heisst! Und da jammern die Antisemiten, dass der ״deutsche Humor" durch die ,Jüdidischc Satire" verdrängt werde — wir gratulieren dem preussisch-deutschen Volke, dass dieser naive Humor sogar an so hervorragender Stelle seine Pilegestatt gefunden hat. Nun kann’s doch nicht mehr fehlen! An Humor nämlich: Jena dass liehen Philologen, wenn auch geringer als hei ihren christlichen Fakultätskoliegen. Der jüdische Jurist ist tauglcher als der katholische Mediziner etc. etc., so dass unzweifelhaft die Wohlhabenheit der Eltern, welche im Durchschnitt dem Schema I. Juristen, 2. Mediziner. 3. Ph losophen entspricht, stärker wirkt als die sogenannte Rasse. Der ״Rasse" scheint Ruppin ini allgemeinen zuviel Bedeutung beizumesseu, wenn er auch indem Kapitel von der Kriminalistik 11׳ dieser Rezie- Imng mit seinem Urteil zurückhaltender erscheint als gelegentlieh eines trühcren Artikels;11 Conrad's Jahrbüchern. Alles in Allem eine ehrliche und fldssge Arbeit, welche in ihrem statistischen Teil sehr brauchbar, in ihren allgemeinen Betrachtiingeu mangels genügender Kenntnisse, christliche Auffassungen ohne entsprechende Kritik wiedergibt. — Daher ist das Ruppiiischc Buch für jüdische Ignoranten nicht ungefährlich, den mit kritischen) Verständnis begabten Leser anregend und in seinem statistischen Teil, wie bemerkt, als Naehschlagebuch brauchbar. C. ז M. A. Roth: Der Zionismus vom Standpunkt der jüdischen Orthodoxie. 2. Aufl. Zu beziehe» durch den Verlag ,.Jüdische Rundschau" Berlin. Der Verfasser ist der Nachfolger des Rabbiners Breuer in Püpa in Ungarn, dessen Traditionen aber «!sofern nicht getreu, als er sich zum Schrecken aller plötzlich als Zionist entpuppte. Wie er zum Zionismus kam und warum es ihn heim Zottismus icstltält. das begründet er in genannter Broschüre, die berc ts in 2. Aufläge vorliegt, die sich von der ersten nur durch einige deutschsprachliche Verbesserungen unterscheidet. ־ Viele werden jede Erklärung von ‘orthodoxer Seite als ein Danaergeschenk aiiselien. das man fürchten müsse: und ein bischen Wahrheit steckt in dieser Furcht. Etwas fremdes und trennendes bleibt imintr zwischen der Orthodoxie und dem Zionismus. Und auch 11 der Rothsclicn Broschüre tritt das hervor. In langer, geschickter Deduktion wird der Ziorsmus durch Zitate aus Nachniauidcs, Maimoii des, dem Pentateuch und dem Midrasch begründet und gerechtfertigt <S. 9 ff). Dem setzen wir gegenüber, dass fiir uns die gesamten Zitate aus dem Schriittume nichts bedeuten, ja der Sache sogar schaden, weil sie das Problem verschleiern. Der Zioir'smus ist eine Bewegung, d e lediglich aus der geschichtlichen Entwicklung des 19. Jahr- Hunderts heraus entstanden ist. und daher auch nur durch solche Momente theoretisch erklärt werden kann, die in d esem Entw.ckelungsgange liegen. Der Pentateuch hat damit rlchts zu tun. Daher kommt der Verfasser auch zu d־׳r Anschauung, die er auf den ersten 7 Seiten ausführt. dass der Zionismi s nichts neues gebracht habe, denn die Oedanken. dass die Juden ein Volk und das Judentum kc'ue Konfession sei, seien alt und fänden sch lüiufiig in! jüdischen Schrifttum. Herzl sei infolgedtssen auch nicht als Schöpfer des Zionismus anzusehen. Genau so könnte man sagen, Bismarck habe die Einheit des deutschen Volkes ir'cht geschaffen, denn schon im Mittelalter war d;c Kaiscr’dec lebendig. Man sicht also, zu welchen Ab-