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Jüdische Rundschau · 1904-12-23 · Heft 51 (23.12.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 51 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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No. 51. Seite 456. JÜDISCHE RUNDSCHAU. denheimer mit einem warmen Aufruf, durch Mitarbeit an der Verwirklichung cbes zionistischen Programms das jüdische Volk von neuem der Freiheit entgegenzuführen. Die Diskussion musste wegen vorgerückter Zeit verschoben werden. Die Wirkung der ausgezeichneten Reden fand ln dem gespendeten lebhaften Beifall, den erfolgten Beitrittserklärungen und einer N.-F.-Sammlung ihren Süsseren Ausdruck. Mainz. Unsere am 7. Dezember abgehaltene Makkabäerfeier war zahlreich besucht und nahm einen glänzenden Verlauf. Festredner Herr Julius Simon aus Mannhein», der im Laufe des Abends auch über Theodor Herzl als Schriftsteller sprach und dessen ״Mcnorah” und ״Mauscher vortrug. 5 neue Mitglieder traten unserer Ortsgruppe bei. Im ״Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Mainz” sprach am 5. Dezember auf unsere Veranlassung unser üg. Herr Oberrabbiner Dr. Niemirower aus Jassv über ״Die Juden des 19. Jahrhunderts”. F.benso hatte im November der erfolgreiche Rezitationsabend des Herrn York-Steincr in genanntem Verein stattgefunden. Würzburg. Die Makkahäerfeicr am 3. Dezember der Zionistischcn Ortsgruppe Würzburg fand auch bei uns in diesem Jahre in Form emes ״Jüdischen Abends" statt. Die Vcranstaltung (ohne Tanz) hatte einen würdigen ernsten Charakter. Anwesend waren ca. -KX) Personen. Ansprachen hielten der Präsident unseres Vereins, Dr. K. Pinczower, '־!. Oberkantor Krämer und andere dem hiesigen Stadttheater angehörige Kräfte gewährten künstlerische Darbietungen jüdischen Gepräges. Fs war ein schöner innerer und äusserer Erfolg. Würzburg. Am 15. November hielt die hiesige Zionistische Ortsgruppe statutengemüss ihre Generalversammlung ab. Neu* wählen ergaben: Dr. K. Pinczower. Präsident, H. Oppenheimer. Vizepräsident. S. Wechsler. Schriftführer, Steinberge.־, Kassier. Fs wurde beschlossen. Herrn D. Wolfsohn-Köln in Jas »«״!d.ie Buch des jüdischen Nationalfonds einzutragen, sowie dem scheidenden Präsidenten. H. Oppenheimer, 3 Oelbäumc zu stiften. Rundschau MK Aus Russland Ein klassischer Fall von russischer Justiz hat sich in Moskau ereignet. Rabbiner Steinmann aus Nishni-Now•- gorod wollte nach Smargon reisen und hatte direktes Rillet. Da er in Moskau mehrere Stunden Aufenthalt hatte, wollte er zu Fuss nach dem Brisker Bahnhoi gehen und sich dabei die Stadt ansehen. Dabei wurde er verhaftet, da er als Jude sich ״die Stadt nicht ansehen dürfe!" Das Gericht in Smargon verurteilte den Rabbiner nach Paragraph 63 Str.-ö.-B. ..wei? er den ihm angewiesenen Wohnort verlassen,“ zu 50 Kopeken Strafe. Juden dürfen also nicht allein in Moskau ohne besondere Erlaubnis nicht wohnen, sondern nicht einmal von ן einem Bahnhof zum andern gehen und sich dabei die Stadt ' ansehen. Die Alliance Israölitc Universelle bewilligte für die not-־ leidenden russischen Gemeinden Bychoff (Gouv. Tschcrntgofi) und Lcova Wolbrom (Bcz .Kjelzc> 1000 Franken. Der Minister für Volksaufklärung erhöhte den Prozentsatz der J u d e n , die an den Universitäten studieren dürfen, in fogender Weise: Petersburg und Moskau von 3 auf 3P-* Prozent, Kiew, Warschau und Odessa von 10 auf 15 Prozent Kasan, Charkow, Tomsk und Jurjew׳ (Dorpat) von 5 auf 7 Prozent. Die jetzige erhöhte Besteuerung jüdischer HandPungsreisender soll nach einer Erklärung Timiriasews. des Gchilien des Finanzministers, bald aufgehoben werden. Während man in Russland, wie die BERLINER ZEITUNG meldet, von den!Hoffnungen aui eine Morgendämmerung der Freiheit bereits!wieder zurückkonmit zu Enttäuschung und Verzweiflung, scheint in der Judenfrage wenigstens den ärgsten Hetzern das Handwerk gelegt zu werden. Das Erscheinen der durch die Kischinewer Ereignisse bekannt gewordenen Zeitung BESSARABETZ ist vom Minister des Innern auf drei Monate verboten worden. - Wir müssen gcstellen, dass׳ unsere Hoffnung nicht gross ist. Fürst Swjatopolk- Mirsky werde aber nach drei Monaten noch in der Lage sein, das Erscheinen einer Zeitung zu verbieten. Die Reaktionäre aller Richtungen arbeiten zu eifrig an seinem Sturz. Jüdische Krankenpflegerinnen Am Donnerstag. de»»! achten Dezember abends acht Uhr, wurde im Schwesternlien! des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin, Auguststr. 17. die Chanukah teier in würdiger Weise im Beisein von Vorstandsmiigiedcrn, Ärzten und Freunden des Vereins gefeiert. Neben der Oberin waren die Schwestern, soweit solche sich freimachcn konnten, etwa 50 zur Stelle. Nach dem Absingen des Chanukahlicdes durch die Schwestern, hielt der Vorsitzende, Herr Louis Sachs, eine Ansprache, in welcher er ־,:eselben auf die Bedeutung ihres Berufes hinwies. Nachdem noch eine grössere Zahl von Kindern in trefflicher Weise auf das Fest bezügliche Gedichte vorgetragen hatten, verteilte Frau Kommerzienrat Julie Gerson-Ucbermam» d:c goldene Verdienstbroche für 10 jährige treue Dienste an die sieben dfenstültesten Schwestern. Zwölf zu Schwestern ernannte Schülerinnen erhielten das Vcreinsabzcichen. während fünf Schwestern das Diplom ausgehändigt wurde, welches s'e nach drc'jähriger Dienstzeit in den Schwesternhund cinreiht. Der in schönen» Aufschwung begriffene Verein für jüdische Krankenpflcgerinnen zählt heut 60 Schwestern und!1 Schülerinnen. Von den Schwestern stehen etwa 3*1' für die Privatpflegc in Berlin bereit während die anderen Schwestern im Krankenhause hier, sowie in de»» Schwesternstationen in München, Nürnberg, Mannheim. Dortmund, Hamburg, zurückzugehen hat Es genügt zur Erklärung Tradition und das Bewusstsein, zur Minorität zu gehören. Hingen solche Gefühle und Bestrebungen mit so einem Ding wie den» ungeklärten Begriff Rasse zusammen, so würden sie so leicht sich doch nicht modifizieren lassen. Heines Bemerkung, in den Nordseebildern, dass er einem Volke angehöre, welches seit Jahrhunderten zu den Gejagten gehöre, und dass er deshalb der Jagd keinen Geschmack abgewinnen könne, zeigt deutlich eine Wurzel der jüdischen Ethik. Es war hierbei das Glück der Juden, dass der palästinensische Staat um seine Existenz stets zu ringen hatte, so dass seine Ethik cf ne defensive war. und deshalb mit dem.Verlust der Staatsangehörigkeit in allgemeiner Anerkennung blieb, wahrend bei dem Europäer zwischen der Frieden predigenden Ethik und seinen agressiven Tendenzen jene Kluft vorhanden ist. welche Europa in so hohem Masse heuchlerisch macht. Sogar wenn er seinen Gott als Gott der Liebe preist, glaubt der Europäer seinei» jüd'schcn oder muhammedanischen Nachbarn einige Unannehmlichkeiten bereiten zu sollen, weil deren Gott nicht ein Gott der Liebe sei. Ueber diese Fragen hat Ruppin lediglich mit den Augen der Harnack und Oenossen gesehen, aus jüdischen Quellen scheint er auf diesem Stoffgebiet nicht unterrichtet zu seii«. Kein Charakterfehler, aber augenscheinlich ein Erziehungsfehler. — In dem statistischen Teil hätten wir nur geringe Aus- 1 Stellungen zu machen. Die Auswanderung scheint unterschätzt. ן auf diese allein ist die Bestrafung wegen Verletzung der Wehr-; pflicht zuriickztifiihren. - Dr. Ruppin bringt sie in Verbindung! mit Abneigung gegen das Dienen. ־ ־ Diese Delikte (wenn man \ sie überhaupt Del kte nennen will), w aren früher häufiger entsprechend noch stärkerer jüdischer Auswanderung. — EineKri- 1 tik kann nicht Einzelheiten bringen, es sei auf Neumaims Fabel von der Masseneinwanderung verwesen. Ruppin gibt seihst für 1 New-York 50 0<0י Juden deutscher Provenienz an. ־ Warum! ist für die Militärpflichtigen Oesterreichs die Statist k von; 1893 genommen? Es gibt spätere Statistiken. Sehr interessant; wäre eine Uebersicht w׳clche den Prozentsatz der jüdischen | Soldaten in der österreichischen Armee .m Laufe der letzten j Jahrzehnte nachweisen würde. Dieser Prozentsatz, steigt dauj ernd, wie wir seinerzeit aus der statistischen Tabelle in der , ()österreichischen Wochenschrift ersehen haben. Wertvoll sind 1 für die biologisch höchst interessante Frage der Diensttauglichkeit die Ziffern über die Dieusttaugliclikcit der Studierenden der versclt'edenen Konfessionen — sie waren seinerzeit in den Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus ab-! gedruckt. Sic ergeben, dass die Unterschiede in der Diensttauglichkeit nach Fakultäten grösser sind, als nach Konfess'onea: Bei den jüdischen Juristen und Medizinern ist z. B. der Prozentsatz der Tauglichen weit giösser als bei den Christ-,

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