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Jüdische Rundschau · 1904-12-23 · Heft 51 (23.12.1904) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 51 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Unseren Berufen gehen wir mit grösster Treue und tiefstem Ernste nach. Unsere Zeit und Kraft opfern wir dem Gemeinwohlc. Kein gemeinnütziges Opfer, ohne dass Juden nicht die freudigsten Geber sind. In politischen Kämpfen findet man uns stets an der Seite der Christliehen Deutschen. Was will man also von uns? Wenn wir in ruhiger Arbeit unsere Pflichten gegen das Vaterland erfüllen, was will man denn mehr? Sind denn die laut klappernden Mühlen die besten? Als deutsche Bürger fordern wir Gerechtigkeit. Als Deutsche erwarten wir, dass mit der jetzigen Politik gebrechen werde, welche uns Juden systematisch zurückzudrängen sich bemüht. Als Deutsche wünschen wir, dass der deutsche Name im Osten wieder zur Achtung gebracht werde durch Festhalten an Gesetzt und an der Verfassung. Ein dcutscher Jud e." Wir sind einig mit den ״*•Mäuschen” des deutschen Juden”, aber was er ״erwartet,“ das vermögen wir leider nur mit ungläubiger Miene zu lesen. Aber vielleicht ist die Hofinung nicht ganz vergeblich, dass die Juden endlich einmal sich auf sich selber besinnen und die Finger von einer Arbeit lassen werden, für die ihnen keiner dankt und die ihnen viele verdenken, denen wehe zu tun sic gerade so viel und so wenig Veranlassung haben wie zum Gegenteil. Die Juden im Osten Deutschlands werden sch gewöhnen messen, sich als eine dritte Nationalität im Kampfe zwisehen der deutschen und der polnischen zu betrachten und werden die strikteste Neutralität zu beobachten haben, solange die Haltung der kämpfenden Parteien das irgend ermöglicht. Keinesfalls aber haben sie sich ungebeten und ohne Dank als Bundesgenossen aufzudrängen. Bis sie nicht dieses allein würdige und politisch taktvolle Verhalten zur Richtschnur ihres Handelns gemacht haben werden, so lange wird dort unweit der russischen Grenzpfähle, ebenso wie jenseits dieser, jeder seinen Juden hauen. Und so lange wird noch mancher ״dcutsehe Jude” (früher waren’s ״Deutsche jüdischen Glaubens“ ein Fortschritt ist also zu verzeichnen!) vergeblich wünschen und vergeblich Unmögliches erwarten. Unmögliches, denn in all dem politischen Wirrwarr ist die judenteindliche Politik der einzige ruhende Pol, ist der rote Faden, der durch alle, Systeme sich zieht, mit denen mau experimentiert. Dass die prbus&sche Admin strativpolitik auch diesen Stützpunkt ihres Systems, der ihr viele Freunde schafft und nicht einmal alle Juden zu Gcgnern, aufgeben sollte - - das zu ״erwarten", ist uns unser politischer Kiudcrglaubc schon in gar zu früher Jugend geraubt worden. Ofe Schachor. Aus der Bewegung Die Berliner Schekelblock-Inhaber werden höflichst ersucht, bis spätestens den 26. D e z e m b e r d. J. die eingegangenen Schekelgelder sowie die Schekelb 10 c k s an unseren Schatzmeister Herrn J. H. Wagner, Prenzlauer Allee 9, einzusenden. Berliner Zionistische Vereinigung. Die für den 18. Dezem er nach Frankfurt a. M. einberufene Konferenz der Mitglieder der süddeutsehen Oruppcnvcrbändc hat die folgenden Resolutionen gefasst: 1. Der Kongress ist, gemäss den früheren Beschlüssen des grossen A.-K. auf den M ä r z 1905 cinzubcrufen. 2. Die'Versammlung ist der Uelvrzeugung, dass die Zent r a l is a t i 0 n der Führung eine Notwendigkeit für den ungehinderten Fortgang der Bewegung bildet. 3. Die Leitung der Bewegung ist nach L o 11 d o 11 zu verlegen. Falls dL's untunlich erscheint, ist Berlin zum Sitz der Leitung zu wählen. | jüdische - er erzwingt zum Beispiel die Sonntagsruhe durch Ge- ן sitz, wobei ebenfalls die Kasuistik zu ihrem Recht kommt. In! dem Jargon der Hariiacks hiesse dies, dass man heutzutage lt-ider die religiöse Idee des Sonntags durch eine Fülle minu- Die Juden der Gegenwart. \ tiöser Eiuzeivorschriften verdunkelt habe. - - Vorher war die Unter diesem Titel hat Dr. Arthur Ruppin ein ziemlich j religiöse Idee weit schöner zum Ausdruck gekommen, wesumfangreiches Buch (295. S.) erscheinen lassen. Zwei Elemente! Laib eben in den frömmsten christlichen Ländern am Sonntag kann man in der Arbeit unterscheiden, einen statistischen Teil j unentwegt gearbeitet ward. ־ - Wir möchten Ruppüi hier 101- und allgemeinere Ausführungen. — i gciide Stelle aus Kaut (Dcfin'tivartikel zum ewigen Frieden, Nach diesen Ausführungen zu schliessen, ist Vcriasser ein! Anhang II) ati’s Herz legen: gutes Schulbeispiel flir die Wirkung der jüdisch-nationalen, I ״Beides, die Menschenliebe und die Achtung für’s Recht beziehentlich zionistischen Bewegung. — Mau merkt deutlich,; der Menschen, ist Pflicht;»jene aber nur bedingte, diese wie er unter deren Einfluss allmählich wieder jüdische Sym- J dagegen unbedingte, schlechthin gebietende Pflicht, welche nicht pathien empfindet, nachdem christliche Einflüsse ihn in eine 1 übertreten zu haben derjenige zuerst völlig versichert sein gegensätzlche Stellung 7.11m Judentum gebracht hatten. •־-! muss, der sich dem süssen Gefühl des Wohltuus überlassen Nicht nur, dass er Haryacks Auffassung des Judentums j will. Mit der Moral im erstereu Sitwic ( als Ethik) ist die acceptiert, selbst De le R01 und Chamberla׳'!! sind ihm gelegent-; Politik leicht einverstanden, um das Recht der Menschen lieh Quellen. Er ist augenscheinlich ohne eiudringendere Kennt-; ihren oberen preiszugeben; aber mit der in der zweiten Benis des Judentums zunächst aufgew׳achsen, so dass er dessen J dcutung ( als Rechtslchre), vor der sic ihre Knie beugen christl'cheu Antagonisten wohl nicht mit der nötigen Kritik J müsste, findet sie es ratsam, sich gar nicht erst auf Vertrag gegenübersteht. — Er acccpiert die Gegenüberstellung von i einzulassen, ihr lieber alle Realität abzustre'ten und alle Pflieh- Gesetz und Religion. Gerade der moderne Soziologe sollte 1 ten auf lauter Wohlwollen auszudeuten.” indessen wissen, dass ״das Gesetz" ehrlich nicht von der Ethik! Ruppin ,ist der Meinung, dass das Judentum w'egen seiner zu trennen ist. — Der moderne Staat macht cs wie 1der ' Orthodoxie de» Kontakt mit fortschrittlicher Entwicklung Literaturbericht. BOcher der einschlägigen Literatur, welche der Redaktion zugesandt werden, finden eingehende Besprechung. I ••ויי*#י 4 4

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