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Jüdische Rundschau · 1904-12-23 · Heft 51 (23.12.1904) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 51 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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/ No. 51. JÜDISCHE RUNDSCHAU. fundamentc unserer zionistischen Ueberzeugung geworden. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland betrachtet es daher als ihre Ehrenpflicht, Moses H e s s ein Erinnerungsmal zu setzen. Sie will daher die zahlreichen jüdischen Aufsätze und Essays von Moses Hess der unverdienten Vergessenheit entreissen. Die Arbeiten sind zum Teil Streitschriften, die bei Gelegenheit seines Hauptwerkes entstanden sind, zum anderen Aufsätze allgemein jüdischen Inhaltes, philosophischer, kritischer und historischer Art. Sie werden den Wahn zerstreuen, als wäre Hess kurz nach dem Erscheinen seines ״Rom und Jerusalem“ ein Apostat seiner unter schweren Seelenkämpfen errungenen jüdischen Ueberzeugung geworden. Der Sanunelband, den Dr. Theodor Zlocisti zusammenstellen und einleiten wird, kann aber nur dann in würdiger Form erscheinen, wenn die bedeutenden Herstellungskosten gedeckt werden. Wir haben deshalb beschlossen, eine Subskription auf den mindestens 20 bis 25 Bogen starken Band auszuschreiben. Der Subskriptionspreis ist trotz des grossen Umfanges nur auf 1,50 Mk. angesetzt worden, statt auf 3 Mk. Buchhändterpreis. Der Subskriptionspreis ist bis zum 15. Januar 1905 an unseren Schatzmeister, Herrn Max Wollsteiner, Berlin NW. 23, H 01 s t e i 11 e r U f e r 10. zu senden. Die Auslieferung der Bände erfolgt bei geringender Beteiligung im Monat März. Wir hoffen bestimmt, dass kein Zionist es versäumen wird, an seinem Teil das Erscheinen dieses Werkes zu ermöglichen. Wir ehren uns selber, indem wir zu dieser litcrarischeu Ehrung unseres grossen Vorkämpfers beitragen. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Rechtsanwalt Dr. Bodenhcimer, Dr. E. Adler. Dr. Alfred Elias, Dr. Adolf F r i e d e m a n 11, Rechtsanwalt G r o 11 e in a n 11. Dr. H a 1 p e r 11, Rechtsanwalt Dr. H a n t k c, Dr. Kaufmann, Dr. Alfred Klee, Dr. Julius Moses, Zahnarzt Schachtel, David W o 1 f f s o h n, Dr. Th. Zlocisti. Mitteilungen vom Zentralbüro —.... der Zionistischen Vereinigung _ _I für Deutschland. 1. Die Versicherungsgesellschaft ״Friedrich י Wilhelm“, Preussische Lebens- und Garantie-Aktien- Versicherungsge- Seilschaft zu Berlin, Behrenstr. 59—61, hat sich verpflichtet, der ״Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ für alle Ver- Sicherungen, welche Mitglieder oder deren Angehörige bei ihr cingehen eine Vergütung von 5 pro mille der Versicherungssunimc auszuzahlen. War bringen dies hiermit zur allgemeinen Kenntnis, und bitten diejenigen Parteigenossen, welche infolge dessen Versichcrungsverträgc mit der ״Friedrich-Wilhelm" abschlicssen, uns hiervon Mittelung zu machen, damit die Versicherungsgesellschaft weiss, welche Versicherungen auf Grund dieses Vertrages zum Abschluss gelangen. Die Vertrauensmänner haben ein diesbezügliches Zirkular und die Formulare der Versicherungsgesellschaft erhalten. Zu weiterer Auskunft s'nd wir Jederzeit gern bereit. 2. Uns wird berichtet, dass in einer Mittelstadt Norddeutschlands einem Juristen Gelegenheit geboten ist, sich als Rechtsanwalt niederzulassen. Wir erteilen Gesinnungsgenossen gern weitere Auskunft. I 3. Die Ortsgruppen werden dringend ersucht, die Landes- ן Seite 453. besiträge für das laufende Rechnungsjahr noch im Laufe dieses Monats an unseren Schatzmeister Herrn Max Wo!lsteiner, Berlin N.W. 23, Holsteiner Ufer 10. abzuführen. 4. Eine Anzahl von Ortsgruppen hat immer noch keine Sammelstelle für den Nationalfond eingerichtet. Wir ersuchen die betreffenden Gruppen dies so bald als möglich zu tun. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, dass eine Anzahl von Gruppen nur eine sehr geringe Me.ige von Nationalfondmarken beziehen. Wir bitten auch dieser Institution die gebührende Aufmerksamkeit zuzuwenden. 5. Die badischen Parteigenossen werden darauf aufnterksam gemacht, dass vom Jahre 1905 ab in Baden Ablösungsmarken ausgegeben werden. Wir bitten sic, diese Marken überall für den Nationalfond zu sammeln, da sie später jeden• falls wertvoll sein werden. 6. Schliesslich weisen wir auf den in dieser Nummer erscheinenden Auiruf zum 30. Todestage von Moses Hess hin und ersuchen um lebhafte Beteiligung an der ausgcschr'.ebenen Subskription. Die Juden in Ostdeutschland. Müssen die Juden allenthalben ihre Assimilationsversuche bitter genug büssen, so haben sie doppelt dort zu leiden, wo sie, wie im Osten Deutschlands, im Westen Russlands, in Oesterreich vielerorts, zwischen zwei oder mehrere Nationalitäten eingekeilt sind. Penn dort sind sic, und fühlen oft eine ganz merkwürdige Verpflichtung, es zu sein, der Mittler zwischen den anderen, und diese an sich schon undankbare Rolle wird in unserem Falle nicht dankbarer, weil Juden ihre Träger sind. Im Gegenteil: es regnet Prügel auf sie von allen Seiten, umsomehr, als sich ganz naturgemäss einige Juden finden werden, die zu der einen Nationalität, andere die zur anderen halten. Da gibt es daun wie in Ostdeutschland das liebliche Widerspiel, dass die Polen ihren Antisemitismus damit bemänteln, die Juden seien die Gcrmanisatoren, und die Hakatisten-Deutschen für iiire mitgebraehte Judenfeindschait gar bald die bisweilen notwendige Begründung finden in der Behauptung. die Juden hielten cs mit den Polen. Das kann natürlich niemals anders werden, solange nicht die Juden sich darauf besinnen werden, dass sie vielleicht etwas Gescheiteres zu tun hätten, als immer von der einen Nation die Prügel in Empfang zu nehmen für die der anderen geleisteten Liebesdienste. Mussten es gerade die jüdischen Stadtverordneten in Inowrazlaw zu allererst sein, die zu der ..Verdeutschung'’ des Namens der Stadt nvthalfen? Welches Interesse konnten sie daran haben, dass der Reisende hinfort auf ״H oh e 11 s a 1 z a” schimpft, wenn er infolge mangelhafter Zugverblndung einmal einige Stunden in dem Stadtchen zu bleiben gezwungen ist? Sie brauchten darum durchaus noch nicht den Polen gefällig zu sein, sondern konnten in der richtigen Erkenntnis, dass es sich hier um keine Lebensfrage, weder des deutschen noch des polnischen Volkes, sonder» einfach um ein von des chauvinistischen Gedankens Blässe angekränkeltes BcavourstiickcUeu handelt, sich taktvoll zuriickhalten und die Entscheidung den streitenden Nationen überlassen. Die Juden haben aber seit jeher anders ,'gehandelt, sie haben immer unter möglichster Zurückdrängung ihres Judentums in der Mehrzahl geglaubt, sich als Stützen des Deutschtums im polnischen Lande betrachten zu müssen — sie haben seit ebenso langer Zeit aber auch den Dank dafür bekommen. In der Stadt Posen, deren rasche äusserliche Gernianisierung zum nicht geringen Teile die deutsch sprechenden jüdischen Kauflcute mitbewirken halfen, wurden jüngst ein jüdidischer Rechtsanwalt nach vierundzwanzigjähriger und ein christlicher Kollege nach einjähriger Praxis zu Notaren ernannt. ln Posen kolportierte man das ironisch: ״Zwei R*cUt$-

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